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26.07.2021 | Autor/in: Michael Forst
Themen in diesem Artikel:

Karrieresprung: Vom Stürmer zum Verteidiger

Christian Graßie (39)
Dr. Dörr & Kollegen

Aufgewachsen in: 
München und Aachen

Erste berufliche Station:
Staatsanwaltschaft Bonn

Grundlegende Positionswechsel gibt es in beruflichen Karrieren immer wieder. Ein gutes Beispiel dafür ist Jürgen Klopp, der vom Stürmer zum Verteidiger wurde – und heute als einer der besten Trainer der Welt gilt. Auch in der Karriere des gebürtigen Herners Christian Graßie gab es mehrere wichtige Positionswechsel. Der letzte liegt erst kurz zurück: Graßie wurde in die Partnerriege der Frankfurter Strafrechtsboutique Dr. Dörr & Kollegen aufgenommen. Einen neuen Equity-Partner hatte es dort lange nicht mehr gegeben. In diesem Jahr dann gleich zwei Ernennungen. Dass eine davon Graßie betraf, ist bemerkenswert – denn sein Weg zum Partner hatte sich nicht von Anfang an abgezeichnet.

Ein Grund: Er hat zunächst gar nicht Rechtswissenschaften studiert – sondern Physik, wie sein Vater. Zwei Semester, an der heimischen RWTH in Aachen. Der andere Grund, warum Graßies Weg in die Partnerschaft nicht vorgezeichnet schien, ist der, dass er vor seiner Karriere als Strafverteidiger zwar zahlreiche Gerichtsprozesse geführt hat – aber zumindest aus heutiger Sicht auf der falschen Seite des Tisches saß: als Staatsanwalt. Nach seinem Studium fing Graßie 2011 bei der Staatsanwaltschaft in Bonn an, später zog es ihn rheinabwärts zur Staatsanwaltschaft Köln.

Der große Wechsel auf die Abwehrseite kam 2016. Damals wagte Graßie den Sprung von der Staatsanwaltschaft zu Roxin nach Düsseldorf. Eines der spannendsten Mandate, an denen er dort mitarbeitete: die Beratung eines Unternehmens im Zusammenhang mit den Panama Papers. „Für mich war es eine willkommene Abwechslung zum bekannten Behördenalltag“, sagt Graßie. „Und von Beginn an äußerst herausfordernd.“

Fordernde Mandate hat Graßie auch bei Dörr in Frankfurt, wohin er 2018 wechselte. Neben der Beratung im Cum-Ex- oder Dieselkomplex spürt er den Reiz seines Rechtsgebiets manchmal gerade, wenn Mandate aus dem Wirtschaftsstrafrecht in andere Fachgebiete ausgreifen. „Strafrecht ist in Mandaten oft der Schlüssel zu einem interdisziplinären Diskurs“, sagt Graßie. Er erinnert sich: „Vor einem Prozess habe ich sogar mal einen Crashkurs im Spezialtiefbau bekommen.“ In diesem Prozess, an dem er gemeinsam mit seinem Kollegen Christian Schubert beteiligt war, ging es um nicht weniger als das eingestürzte Stadtarchiv in der Kölner Südstadt.

Dem Rheinland ist Graßie als Wohnort übrigens treu geblieben, lediglich sein Arbeitsweg führt ihn nach Frankfurt. Wenn es um Fußball geht, hält er es mit einem Verein, der nicht weit von seinem Geburtsort Herne sitzt: dem BVB – wo einst Jürgen Klopp, der große Positionswechsler, seinen Durchbruch als Trainer hatte.

Geboren in Herne, 65 Meter über Normalnull, danach ging es für Christian Graßie nur noch aufwärts: Beruflich der Aufstieg in die Partnerschaft, im Urlaub gern Ski nah am Gipfel – hier im österreichischen Lech.

Zwei Fragen an Graßie:

Wenn Sie eine berühmte Persönlichkeit – egal ob lebendig oder tot – treffen dürften: Wer wäre es und warum? 
Ich habe Giovanni di Lorenzo immer ein wenig um seine frei­täglichen Zigaretten mit Helmut Schmidt beneidet.

Wo haben Sie Ihr erstes eigenes Geld verdient und was haben Sie davon gekauft?
Als Softwareprogrammierer im Forschungslabor von Philips in Aachen während der Schulzeit. Das Geld habe ich regelmäßig in die Reparaturen meines ersten eigenen Autos investiert.

Die Rubrik Karrieresprung erscheint monatlich im JUVE Rechtsmarkt.