News
26.10.2020 | Autor/in: azur Redaktion

Karrieresprung: Vom Reiz des Beruhigens

Katharina Schomm (37)
Wessing & Partner

Aufgewachsen in:
Zarbze (Polen) und Iserlohn (Sauerland)

Erste berufliche Station:
Versicherungskonzern LVM in Münster

Katharina Schomm wusste schon immer ganz genau, was sie will. Das war schon in der Uni so, und so ist es auch heute noch. Sie will für Freiheitsrechte kämpfen. Das geht im Strafrecht besonders gut. Aber für Schomm geht es auch um die emotionale und menschliche Facette des Rechtsgebiets: „Wenn die Mandanten zu mir kommen, müssen sie erst einmal beruhigt werden, denn sie befinden sich in einer für sie außergewöhnlichen Situation. Die Allermeisten waren bisher noch nie Beschuldigte in einem Ermittlungsverfahren“, sagt sie. „In dieser Ausnahmesituation für den Mandanten da zu sein, das reizt mich.“

Vor Gericht hat Schomm schon viele Mandanten erfolgreich verteidigt. Zudem betreut sie vor allem große Krankenhäuser rund um Compliance. Doch wen Schomm genau vertritt, darüber spricht sie nicht, so ist es eben bei Strafrechtlern üblich.

Dabei zeigt Schomm, dass auch im Strafrecht der Spagat zwischen Arbeit und Familie funktionieren kann. Fälle kommen hier oft zwar sehr plötzlich, aber trotzdem ist Schomm da. Auch wenn die Mutter einer dreijährigen Tochter dafür mal länger arbeiten muss als geplant. Das funktioniert, weil sie die Kinderbetreuung gut organisiert hat und ihre Familie hinter ihr steht. So kann sie sich sogar Zeit freischaufeln, um neben dem Job noch weitere Projekte anzustoßen: Mit einigen Strafrechtlerinnen gründete sie den Verein Juristinnen im Wirtschafts- und Steuerstrafrecht. Ihr Ziel: netzwerken, Wissen austauschen, Gleichberechtigung fördern.

Früh hat Schomm erkannt, dass es für eine erfolgreiche Karriere wichtig ist, sich auch außerhalb der Kanzlei zu engagieren, um als Experte sichtbar zu werden. Deshalb zögerte sie auch nicht lange, als Prof. Dr. Jürgen Wessing sie kurz nach ihrem Einstieg fragte, ob sie seine LL.M.-Vorlesung übernehmen könnte. Seitdem hat sie zahlreiche Vorträge gehalten und viel veröffentlicht.

Im November erwartet Schomm ihr zweites Baby, im Januar wird sie zur Salary-Partnerin ernannt, trotz Elternzeit. Man könnte sagen, das ist die Belohnung für ihren unermüdlichen Einsatz. Schomm wertet ihren Erfolg eher als Vorteil einer Boutique: „Durch die Schwangerschaften sind mir beruflich bei Wessing nie Nachteile entstanden. Aber natürlich tue ich ebenso wie die Kanzlei einiges, dass es funktioniert.“ Ohne ihren Ehrgeiz wäre es aber auch in einer Boutique schwierig geworden. (von Christin Stender)

Familie und Karriere: Katharina Schomm kriegt beides unter einen Hut. Zumindest in ihrer ersten Elternzeit war auch noch eine Reise in den Yellowstone-Nationalpark drin.

 

 

Zwei Fragen an Schomm:

Was macht Ihnen schlechte Laune?
Richtig schlechte Laune bekomme ich, wenn ich abends noch schnell einen Schriftsatz rausschicken will und mein Computer streikt.

 

Wo haben Sie Ihr erstes eigenes Geld verdient und was haben Sie davon gekauft?
Da habe ich als Aushilfe Kleidung sortiert und Kunden beraten. Während des Studiums war ich dann studentische Hilfskraft am strafrechtlichen Institut meiner Universität in Münster. Das Geld habe ich überwiegend für meine erste mehrwöchige Reise ausgegeben, unter anderem nach Japan.

Die Rubrik Karrieresprung erscheint monatlich im JUVE Rechtsmarkt.