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23.07.2020 | Autor/in: Christine Albert

Karrieresprung: Im Job-Sharing-Modell zur Partnerin

Sarah Scharf (37)
Oppenhoff & Partner

Aufgewachsen in:
Ulm

Erste berufliche Station:
Oppenhoff & Partner

 

Alles unter einem Hut

Die Vereinbarkeit von Familie und Rechtsanwaltskarriere ist kein Frauenthema, sondern betrifft Männer genauso – davon ist Sarah Scharf überzeugt. „Gerade in der jüngeren Generation fragen sich alle, wie sie ihre Arbeit künftig gestalten“, sagt die Corporate-Spezialistin, die Anfang Juli bei Oppenhoff & Partner zur Salary-Partnerin ernannt wurde. Aber auch wenn es alle angeht, so sind es doch Geschichten von Frauen wie Scharf, die zeigen, dass Karriere in Kanzleien auch anders geht als nur nach dem bekannten, gängigen Muster. Denn die 37-Jährige arbeitet als M&A-Anwältin nicht nur Teilzeit, sondern sie ist eine von zwei Oppenhoff-Anwältinnen, die sich eine Stelle teilen – und die jetzige Ernennung zur Partnerin kommt zudem kurz bevor Scharf in ihre zweite Elternzeit geht.

Doch von vorn: 2013 fängt Scharf im Team von M&A-Partnerin Myriam Schilling bei Oppenhoff an. Danach geht erst mal alles seinen klassischen Gang: 2016 wird Scharf zur Junior-Partnerin ernannt – bei Oppenhoff entspricht der Status eher dem eines Senior Associates. Als Schilling und Scharf wenige Monate später nahezu gleichzeitig schwanger werden, muss eine kreative Lösung her. Schilling will weiter in Vollzeit arbeiten, aber Scharf in Teilzeit – und im M&A. Eine schwierige Kombination. Deals und Kinder nehmen in der Regel jeweils wenig Rücksicht aufeinander. Da hat Schilling die Idee, Scharfs Job aufzuteilen – von diesem Modell überzeugen die beiden M&A-Anwältinnen Anna-Catharina von Girse-wald. Als Scharf im März 2018 nach der Geburt ihres Kindes wieder zu arbeiten beginnt, teilt sie sich mit von Girsewald eine 60-Stunden-Stelle. Und es klappt: „Einige Mandate bearbeiten wir gemeinsam, aber wir sind nicht bei jedem Projekt immer beide dabei. Am Anfang einer Transaktion entscheiden wir, wer von uns sie bearbeitet“, berichtet Scharf. Ohne gute Organisation ginge es nicht, so viel ist klar. „Man wird zum Effizienzmonster – nicht nur weil Mandanten es fordern, sondern weil wir Teilzeit arbeiten.“

Job-Sharing gibt es in einigen Branchen schon lange. In der Kanzleiwelt allerdings besitzt das Arbeitszeitmodell noch echten Exotencharakter. „Es gibt keine Vorlage für unser Projekt“, sagt Scharf. „Wir müssen es weiterentwickeln, und das tun wir, indem wir es leben.“ Weil sie so oft von anderen darauf angesprochen wird, bestätigt dies ihre Überzeugung, dass das Bedürfnis nach alternativen Karrieremodellen von allen Seiten immer größer wird.

Derzeit ist die Situation der Job-Teilerinnen sogar noch außergewöhnlicher als ohnehin schon. Nicht wegen Corona, sondern weil von Girsewald gerade wieder in Elternzeit ist – und Scharf Ende Oktober in den Mutterschutz geht. Erst im Sommer 2021 werden beide wieder da sein, bis dahin vertreten sie sich gegenseitig. Wie sie sich dann aufteilen, müssen sie noch sehen. Denn als Salary-Partnerin arbeitet Scharf nun eigentlich komplett eigenständig. Aber sich flexibel auf Situationen einzustellen – daran sind alle Beteiligten des Modells längst gewöhnt.

Zwei Fragen an Scharf:

Wenn Sie eine berühmte Persönlichkeit – egal ob lebendig oder tot – treffen dürften: Wer wäre es und warum?  
Die Obamas. Ich würde gerne wissen, wie es ihnen mit Donald Trump im Weißen Haus als Nachfolger wirklich geht und woher Barack Obama seinen unerschütterlichen Optimismus nimmt.

Wo haben Sie Ihr erstes eigenes Geld verdient und was haben Sie davon gekauft? 
Ich habe in einem fürchterlichen Callcenter gearbeitet und zu Zeiten, als jeder noch ein Festnetztelefon hatte, Menschen mit Markt-umfragen belästigt. Davon habe ich nach dem Abitur eine Reise zu meiner Gastfamilie nach Australien finanziert.

Die Rubrik Karrieresprung erscheint monatlich im JUVE Rechtsmarkt.