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24.11.2020 | Autor/in: Christine Albert

Karrieresprung: Netzwerken auf Teufel komm raus

Dr. Jan Feigen  (38)
EY Law

Aufgewachsen in: 
Bonn

Erste berufliche Station:
Latham & Watkins

Deutsche Private-Equity-Anwälte, die etwas auf sich halten, sitzen in Frankfurt oder München. Aber in Hamburg? Bislang nur sehr wenige, doch das ändert sich gerade. Davon jedenfalls ist Jan Feigen überzeugt. Der 38-Jährige leitet seit 2018 die deutsche Praxisgruppe für Private Equity von EY Law. In den vergangenen zwei Jahren hat sich Feigen mächtig reingehängt, im Oktober wurde er nun zum Partner ernannt.

Während seines Studiums in Passau hatte Feigen noch mit dem Rechtsgebiet seines Vaters Hanns Feigen geliebäugelt. Der ist einer der bekanntesten Wirtschaftsstrafrechtler. Doch Jan Feigen merkte während seiner Zeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Honert + Partner in Hamburg, dass ihm das Verhandeln von Deals und die Taktiererei drumherum Spaß machten – und dabei blieb es, als er 2011 bei Latham & Watkins anfing. Dort arbeitete er mit Hamburger und Düsseldorfer Corporate-Partnern, später auch mit dem Frankfurter Private-Equity-Spezialisten Oliver Felsenstein.

Als ihm EY Law 2018 anbot, mit einem eigenen Team und von Hamburg aus Private Equity zu verantworten, nahm Feigen an. Er stieg als Associated Partner ein – als solcher muss man schon einen bestimmten Umsatz mitbringen, wird aber nicht automatisch mit Arbeit versorgt. „Man wird schon erst einmal ins kalte Wasser geworfen – aber gerade darauf hatte ich auch Lust“, sagt Feigen. Im September fing er an. „In der ersten Zeit habe ich – wenn es hochkommt – nur fünf eigene Stunden gebillt.“ Denn anfangs waren andere Dinge wichtiger: Feigen hat genetzwerkt wie ein Wahnsinniger. „Das war schon eine Herausforderung, sich einen Überblick zu verschaffen: Was bieten wir alles an und wer macht es?“

Das Kontakten zahlte sich bald aus: Für den Versandhandelskonzern Otto übernahm er die Vendor Due Diligence beim Teilverkauf von Hermes. Auch für das Private-Equity-Haus Astorg verantwortete sein Team die Due Diligence im Bieterrennen um Transporeon. Feigens Arbeit blieb nicht unbemerkt: Anwälte anderer Disziplinen bei EY fingen an, bei ihren Mandanten Private Equity mit zu bewerben. Auch Feigen und sein Team zogen immer öfter die Steuerspezialisten der Big Four hinzu.
Die Folge war, dass sich Feigens Umsatz gut entwickelte – und zwar so gut, dass er im vergangenen Jahr in den Partnerprozess einstieg. Laut Zeitplan sollte die Entscheidung im Mai fallen, im Juli wäre Feigen aufgestiegen. Wegen Corona wurden die Partner-ernennungen verschoben, doch nicht allzu lange: Im August war dann endlich klar, dass sich das Reinhängen auch wirklich gelohnt hat.

Als PE-Anwalt darf man keine Angst vor Haifischen haben. Man muss mit ihnen schwimmen. Das dachte sich wohl auch Jan Feigen im Januar dieses Jahres, als er sich in Dubai ins Becken wagte.

 

 

Zwei Fragen an Feigen:

Welches nichtjuristische Nicht-Sachbuch bedeutet Ihnen etwas?
Die Cicero-Trilogie von Robert Harris, weil sie mir vor Augen geführt hat, dass mir der Anwaltsberuf auch schon im alten Rom Spaß gemacht hätte – wenn er nicht so gefährlich gewesen wäre.

 

Wenn Sie eine berühmte Persönlichkeit – egal ob -lebendig oder tot – treffen dürften: Wer wäre es und warum?
Eine private Masterclass von deadmau5 wäre toll, damit es vielleicht doch noch mit dem Nebenberuf als Musikproduzent und DJ klappt. Erste Auftritte in den 2000-ern im Passauer Nachtleben brachten noch nicht den erhofften Durchbruch.

Die Rubrik Karrieresprung erscheint monatlich im JUVE Rechtsmarkt.