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27.04.2021 | Autor/in: Marc Chmielewski
Themen in diesem Artikel:

Karrieresprung: Antizyklischer Kernsanierer

Dr. Ulrich Klockenbrink  (42)
Latham & Watkins

Aufgewachsen in: 
Melle bei Osnabrück

Erste berufliche Station:
Latham & Watkins in Hamburg

Antizyklisches Investieren hat nicht nur manche Anleger reich gemacht. Es kann auch bei der Karriereplanung eine hilfreiche Strategie sein. Als Ulrich Klockenbrink seine Masterarbeit über Distressed M&A verfasste, war das für viele kein Thema. Man schrieb das Jahr 2007. Die Finanzmärkte liefen heiß, es gab nahezu für jedermann Kredite ohne Ende. Deshalb war es noch lange kein Grund für Notverkäufe, wenn irgendwo die Geschäfte nicht rundliefen. In so einem Klima klingt es nach einem verschrobenen Nischenthema, wenn man bei Prof. Dr. Ingo Saenger in Münster zum internationalen Insolvenzrecht promoviert. Aber ein paar Jahre später war Klockenbrink mit dieser Spezialisierung auf einmal ganz weit vorn. Wie ein E-Auto-Träumer, der Tesla-Aktionär wurde, als es sich noch richtig gelohnt hat. Als die Weltwirtschaft den  Sanierungsexperten entgegenstürmte, war Klockenbrink sogar geografisch im Auge des Orkans – als Referendar in der Wahlstation bei Orrick Herrington & Sutcliffe in New York. Von Oktober 2008 bis Februar 2009 konnte er aus der Nähe verfolgen, wie die Stimmung kippte. „Als ich ankam, waren die Büros in den Nachbarhäusern abends noch hell erleuchtet“,  erinnert sich Klockenbrink. „Im Januar war fast alles dunkel.“ Große Geschichte und große Geschichten passierten quasi vor  Klockenbrinks Bürofenster: Barack Obama wurde zum ersten Mal US-Präsident. 

Plötzlich kein Nischenthema mehr

Der Pilot Chesley Sullenberger rettete mit einem einmaligen Stunt 150 Passagiere, als er mit einem Airbus im Hudson River notlandete. Es wurde viel gefeiert in diesen Tagen. Zugleich wurde es nach der Lehman-Insolvenz verdammt schnell verdammt ernst. Für Klockenbrinks Karriere war das allerdings verdammt gut. Das Nischenthema Distressed M&A war quasi über Nacht zum Thema der Stunde geworden. Klockenbrink hatte für seine Masterarbeit Fondsmanager interviewt, es ging um Bewertungsthemen in Restrukturierungen, und viele konnten damit zunächst wenig anfangen. Doch nun meldeten sich die Leute, denen Klockenbrink seine Arbeit geschickt hatte, und fanden alles hochinteressant. Einen Arbeitgeber für die Zeit ab 2010 fand Klockenbrink auch bereits als LL.M.-Student an der University of Virginia: Latham & Watkins. Die Kanzlei konnte eine aufstrebende  Restrukturierungspraxis bieten – und das auch noch in Hamburg, wo Klockenbrinks Frau aufgewachsen ist und die Familie gern hinwollte. In den folgenden zehn Jahren hat Klockenbrink an vielen großen Restrukturierungen mitgewirkt, vor allem bei Autozulieferern, seit 2018 als Counsel – und seit März nun als dritter Partner auf diesem Gebiet bei Latham in Hamburg. Was ihn an seinem Job fasziniert? „Unternehmenskrisen, die auf den ersten Blick aussehen wie eine Lose-Lose-Situation für alle, in eine Win-Win-Situation verwandeln.“ Fast so wie es Klockenbrink im Wehrdienst beim Fallschirmjägerbataillon 314 in Oldenburg gelernt hat: „Hineinspringen, sich orientieren, im Team und auch gegen Widerstände die Lage beruhigen – und gemeinsam zum Ziel kommen.“ 

Es ist lange her, dass Ullrich Klockenbrink als Fallschirmjäger (hier im Vordergrund)  aus Flugzeugen gesprungen ist. Heute holt er sich den Kitzel in Restrukturierungsmandaten, meist sogar ohne Rettungsschirm.  

Zwei Fragen an Klockenbrink:

Welchen Beruf haben sich Ihre Eltern für Sie vorgestellt?

Förster oder Jurist, mein Vater ist Notar.

Wann und warum haben Sie zuletzt gelacht?

Gerade eben, als ich bei ersten Frühlingssonnenstrahlen in einer wichtigen  Videokonferenz am Gartentisch saß, und unser  dreijähriger Sohn reklamierte, dass ich in seiner ‚Burg‘ sitze.

Die Rubrik Karrieresprung erscheint monatlich im JUVE Rechtsmarkt.