azur100
04.03.2021 | Autor/in: Antje Neumann
Themen in diesem Artikel:

Jones Day – Top-Arbeitgeber – Platz 38

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Tolle Kombination aus familiärer Arbeitsatmosphäre und Internationalität“

„Man bekommt schnell Visibilität bei Partnern, auch an anderen Standorten“

„Mandantentermine sind von Anfang an üblich“

Kritik von den eigenen Associates

„Die Vergütung ist intransparent“

„Müsste familienfreundlicher werden und mehr Teilzeit bieten“

„Keine klare Kommunikation zum persönlichen Karriereweg“

Was externe Juristen über Jones Day sagen

„In Deutschland noch nicht so etabliert“

„Die Teams, die ich auf Mandaten kennengelernt habe, sind sehr gut“

„Chancengleichheit und kulturelle Vielfalt werden gelebt“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Wahlstation in den USA möglich
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Monatlich ein bis zwei Fachtrainings durch Partner und Counsel regelmäßig zusammen mit europäischen Associates
  • Förderung von Fachanwalts- oder Steuerberaterqualifikation
Highlights Diversity
  • Vergleichsweise hoher Frauenanteil auf Partnerebene

Bodenständige US-Kanzlei mit hemdsärmliger Midwest-Kultur

Gute Stimmung. Die Jones Day-Associates stellen ihrem Arbeitgeber ein gutes Zeugnis aus und äußern sich in der azur-Associate-Umfrage überdurchschnittlich zufrieden. Sie loben das „gute Betriebsklima“, die „gelebte Chancengleichheit“, den „fairen Umgang“ und die „hohe Qualität der Personalführung“. Auch mit ihrem Gehalt sind sie größtenteils zufrieden. Ganz besonders heben sie die „gute Handhabung der Corona-Krise“ und „unkomplizierte Umstellung auf Homeoffice“ hervor – wobei das sogar schon zuvor ohne große Nachfrage möglich gewesen sei, wie ein Associate in der azur-Umfrage konstatiert.

Virtuelle Ausbildung. Die Associates profitieren vom internationalen Weiterbildungsangebot. Weil eine Menge davon auf virtuelle Vermittlung umgestellt wurde, ist die Teilnahme an Kursen sogar leichter geworden. Die Associates loben in der azur-Umfrage eine Reihe von Verbesserungen als „Schritt in die richtige Richtung“. Zum Beispiel vermitteln alle vier bis sechs Wochen europäische Partner per Videoübertragung Besonderheiten bei internationalen Mandaten. Hinzu kommen zweitägige Trainings zu Verhandlungsführung und Präsentationstechniken, teils auf Englisch. Alle zwei oder drei Wochen gibt es Fachtrainings zum deutschen Recht, Bilanzanalyse oder Management. In den ersten Berufsjahren können Associates verschiedene Rechtsgebiete on the Job kennenlernen, bevor sie sich für eine Fachrichtung entscheiden. In der azur-Umfrage zeigen sie sich recht zufrieden mit der Weiterbildung.

Offene Türen für Nachwuchsjuristen. Die Fortbildungen für Associates stehen auch Referendaren und Praktikanten offen. Zudem gibt es für sie einen Ausbildungsplan mit festem Mentor und Feedbackstruktur. Ein Partner, der früher selbst Prüfer im Examen war, unterstützt auf Wunsch bei der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung. Die angehenden Juristen sind direkt in den Arbeitsalltag eingebunden. „Ich war gleich in Mandaten mit dabei“, berichtet ein ehemaliger Praktikant in der azur-Bewerberumfrage. Mehrer Umfrageteilnehmer loben die vielfältigen authentischen Einblicke in die Praxis. Ein Ex-Praktikant beschwert sich allerdings auch über eine „mangelhafte Betreuung durch den zuständigen Partner“.

Ohne Schema F. Nach Kanzleiangaben sind Gleichbehandlung und offene Türen selbstverständlich, spezielle Förderprogramme für Frauen sind aus Kanzleisicht daher nicht erforderlich. Auch konkrete Teilzeitmodelle sucht man bei Jones Day vergeblich. Mit diesem Ansatz, „ohne Schema F“, wie es Partner beschreiben, beschreitet sie einen eigenen, ungewöhnlichen Weg. Dennoch gibt es vergleichsweise viele weibliche Partner. Gleich zwei der drei deutschen Büros leiten Frauen. Unter den Associates wiederum ist der Frauenanteil mit 16 Prozent sehr gering.

Viel Arbeit, viel Mandantenkontakt. Ihre wöchentliche Arbeitszeit geben die Associates in der azur-Umfrage mit 55 Wochenstunden an, das sind drei Stunden mehr als ihre Kollegen in anderen Kanzleien im Marktdurchschnitt arbeiten. Mit ihrer Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance sind die Jones Day-Anwälte, die in der Regel eng an die Partner angebunden arbeiten, dennoch recht zufrieden. Besonders positiv heben mehrere Associates den „frühen direkten Kontakt mit den Mandanten“ hervor. Ein besonders prominenter US-Mandant brachte der Kanzlei allerdings zuletzt negative Öffentlichkeit und führte auch zu unterschiedlichen Positionen: Wegen der Beratung des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump im Streit um die Berücksichtigung bestimmter Stimmzettel in Pennsylvania forderten manche von Jones Day eine klarere Distanzierung von Trumps demokratiefeindlichen Kampagnen.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 5 bis 7

Referendarplätze 2021: 6 bis 9       

Praktikumsplätze 2021: 8 bis 10

Jones Day wünscht sich Bewerber mit zwei vollbefriedigenden Examen. Eine Promotion oder LL.M.-Titel ist gerne gesehen, aber anders als verhandlungssichere Englischkenntnisse keine Voraussetzung. In zwei Bewerbungsrunden lernen die Bewerber insgesamt rund zehn Partner und Associates kennen. Dies unterstreicht, dass die Kanzlei viel Wert darauf legt, ob es persönlich passt. Bewerber loben das Verfahren in der azur-Umfrage als „unkompliziert und schnell“.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt und München

Internationale Präsenz: International integrierte US-Kanzlei. In Europa starke Büros auch in London und Paris. Im international zusammengesetzten Brüsseler Büro sind auch mehrere deutsche Partner tätig. Präsent auch in Nahost, Lateinamerika und Australien.

Anwälte in Deutschland: 39 Vollpartner, 23 Counsel, 31 Associates und 3 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 20,8 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Umsatz in Deutschland 2019: 66 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 846.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 900 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. und nach dem 2. Examen)

Referendare: 900 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.500 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 100.000 bis 135.000 Euro

2. Jahr: keine Angaben

3. Jahr: keine Angaben

4. Jahr: keine Angaben

5. Jahr: keine Angaben

6. Jahr: keine Angaben

Karriere und Partnerschaft

Jones Day ernannte in den vergangenen Jahren immer wieder Partner in Deutschland, 2020 und 2021 waren allerdings keine deutschen dabei. Der wichtigste Karriereschritt auf dem Weg zur Partnerschaft ist die Ernennung zum European Counsel, die regulär nach fünf Jahren ansteht. European Counsel arbeiten eigenständig und generieren eigenes Geschäft. Der Aufstieg in die Vollpartnerschaft erfolgt dann nach acht bis zehn Berufsjahren.

Als Alternative zum Partnertrack gibt es den Counsel-Status. Drei Anwälte sind derzeit auf dieser Stufe als langfristig angestellte Anwälte beschäftigt. Ebenfalls für erfahrene Anwälte gibt es den Titel des of Counsel, eine Stufe, die als zusätzliche Probezeit vor der Vollpartnerschaft konzipiert ist. Vollpartner vergütet Jones Day nach dem Merit-based-Prinzip, also rein leistungsbezogen. In die Leistungsbeurteilung fließen nicht nur der erzielte Umsatz, sondern auch Managementaufgaben und andere Faktoren ein.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.