Baker & McKenzie Partnerschaft von Rechtsanwälten und Steuerberatern mbB

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Passionately Global - Mobility Programm in New York

Unsere Senior Associates Friederike Göretzlehner LL.M. (BC Law) und Dr. Robin Haas LL.M. (CLS), beide tätig in der Praxisgruppe Corporate, verbrachten ihre Mobility Programme im New Yorker Büro von Baker McKenzie – Friederike Göretzlehner von August 2019 bis Februar 2020, Robin Haas von Oktober 2019 bis März 2020. Wir sprachen mit ihnen über ihre Erfahrungen während ihrer Zeit in Big Apple.

Frau Göretzlehner, Herr Haas, was war bei der Vorbereitung Ihres Mobility Programms wichtig?

Robin Haas: Eines vorneweg: Unsere Kanzlei ermöglicht aus Business Case Gründen oder strategischen Gründen Associates ein Mobility Programm. Man sollte sich früh folgende Fragen stellen und diese in der Reihenfolge angehen: In welches Land/Büro würde ich gerne gehen? Mit welchem Kollegen vor Ort würde ich gerne zusammenarbeiten? Wann passt es zeitlich am besten? Ideal ist, dass man jemanden im Wunschoffice kennt, für den man gerne arbeiten würde und mit dem man am besten schon ein paar Male zusammengearbeitet hat. Auch wenn der eigene Partner einen unterstützt – es sollte auch immer jemanden geben, der bereit ist, einen „aufzunehmen“. Wenn man sich schon kennt und schon mal zusammen gearbeitet hat, vereinfacht es das. Außerdem sollte man sich Gedanken darüber machen, wann das Mobility Programm zeitlich am besten passt und so früh wie möglich mit der Planung beginnen. Man sollte auch bedenken, dass es zeitlich sowohl gut in die eigene (Karriere-)Planung passen sollte, als auch in die Planung des Büros, in dem man das Programm machen möchte. Aus eigener Erfahrung: Man sollte versuchen, das Ende des (lokalen) Geschäftsjahres zu vermeiden, da die Zeit etwas hektisch ist. Mein Lob und Dank geht auch an unsere HR-und Mobility Teams. Die Kolleginnen und Kollegen haben mich in der Vorbereitung toll unterstützt, was mir vor allem bei der Wohnungssuche erheblich geholfen hat. Echt klasse!

Friederike Göretzlehner: Dem kann ich nur zustimmen. In erster Linie muss man sich darüber klar werden, warum man in einem ausländischen Büro arbeiten möchte und welches Büro überhaupt in Frage kommt – sowohl aus persönlicher Sicht, als auch aus Sicht der Kanzlei. Danach richtet sich dann die spezifische Vorbereitung. Für mich war immer klar, dass ich mein Mobility Programm in einem nordamerikanischen Büro absolvieren möchte. Denn nach meinem LL.M. an der Boston College Law School absolvierte ich dasNew York Bar Exam und bin seit 2016 als Rechtsanwältin im Bundesstaat New York zugelassen. Diese Ausrichtung passt auch sehr gut zu den Mandanten, mit denen ich im Corporate Bereich sowohl bei Transaktionen als auch bei gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierungen zusammenarbeite. Seit Tag eins arbeitete ich in unserer Kanzlei immer wieder auf Projekten des Leiters der Corporate-Praxisgruppe Nordamerika, der mit seinem Team im New Yorker Büro sitzt. Daher war für mich klar: New York soll es werden. Um die Zustimmung der nordamerikanischen Corporate Praxisgruppe zu erlangen, stellte ich dann eine Liste der US-Projekte und US-Mandate zusammen, auf denen ich seit 2016 gearbeitet hatte. So nahmen die Dinge ihren Lauf.

Wo liegen die Unterschiede zwischen der deutschen und der US-amerikanischen Arbeitsweise? 

Friederike Göretzlehner: Die deutsche und amerikanische Arbeitskultur unterscheidet sich mehr voneinander, als man zunächst denkt. Das fängt mit dem Büroleben an: In Deutschland begann mein Arbeitstag – zumindest vor Corona – damit, dass ich zu meinem Mentor ins Büro ging und wir gemeinsam besprachen, welche Aufgaben für die nächsten Tage anstanden. In den USA ist es unüblicher, zu einem Partner direkt insBüro zu gehen. Es wird mehr per Telefon oder E-Mail kommuniziert. Das liegt zum einem daran, dass schon vor Corona agiles Arbeiten von zu Hause oder unterwegs wesentlich üblicher war als in Deutschland. Außerdem gibt es das sog. Regional Staffing. Man versucht, Teams für Projekte standortübergreifend zusammenzustellen. Das bedeutet, dass eine Partnerin aus Toronto mit Associates aus Chicago zusammenarbeiten würde, wenn diese zeitlich verfügbar sind, statt zwangsläufig mit Associates des eigenen Büros. In Deutschland ist die Anbindung eines Associates an den zuständigen Partner des eigenen Büros hingegen stärker. Unterschiedlicher sind auch die Arbeitszeiten. Wegen der Pendelzeiten verlassen viele New Yorker gegen 18 Uhr das Büro, um zur Penn oder Central Station zu strömen und dort in einen der vielen Züge nach Connecticut oder New Jersey zu steigen. Oft loggt man sich dann noch von zu Hause ein. In Deutschland dauert der Arbeitstag in der Regel länger. Dafür lassen wir Deutsche uns unsere Stunde Mittagspause bei gesetztem Essen auch nicht nehmen. US-Amerikaner haben zudem weniger Urlaubstage als deutsche Anwälte. Insgesamt ist das Projektgeschäft in den USA sehr schnelllebig. Arbeitet man bei einer M&A-Transaktion mit, ist man die nächsten Tage und Wochen sehr gut beschäftigt.

Robin Haas: Die von Friederike beschriebene unterschiedliche Herangehensweise in Sachen Zeitmanagement kann ich bestätigen, z.B. in Sachen Mittagspausen. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass in den USA – jedenfalls vor Corona – mehr gereist wird als bei uns. Gleichzeitig gibt es aber auch regelmäßige Praxisgruppen-Meetings und PG-übergreifende Treffen, in denen man sich zu den verschiedenen gemeinsamen Projekten der unterschiedlichen Teams austauscht. Das haben wir mittlerweile auch in unseren deutschen Compliance Gruppe eingeführt. 

Wie sieht Ihre Arbeit inkl. der Arbeit im Team vor Ort aus?

Robin Haas: Im Bereich Compliance, gerade wenn es um die Betreuung von Internal Investigations geht, unterscheidet sich die Arbeit in den USA wenig von der in Deutschland. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass die Teams bei größeren grenzüberschreitenden Untersuchungen meist sowieso international besetzt sind. Ich hatte vorher schon häufiger mit meinem New Yorker Mentor zusammengearbeitet, was den Einstieg erleichterte. Trotzdem hat es geholfen, am Anfang noch weiter für das deutsche Büro arbeiten zu können, bis die ersten Projekte aus den USA auf meinen Schreibtisch kamen. Idealerweise versucht man daher, schon vor der Abreise auf die lokalen Projekte „aufzuspringen“, um dann vor Ort einfach weiterarbeiten zu können.

Friederike Göretzlehner: Als „Neuling“ im ausländischen Büro musste ich zunächst einmal Partner und Teams vor Ort von meiner Arbeitsqualität überzeugen. Es fühlte sich ein wenig nach erneutem Berufsstart an, da man zumindest im US-Recht blutiger Anfänger ist. Somit kam es auf die Eigeninitiative an. Ich bin viel durch das Büro gelaufen, habe mich vorgestellt und für Mitarbeit auf Projekten angeboten. Nach einer gewissen Anlaufzeit arbeitete ich beim ersten Projekt mit, einem Übernahmeangebot an einer US-Gesellschaft. Die Kollegen vor Ort haben jedoch schnell gemerkt, dass man als deutscher Volljurist mit einigen Jahren Berufserfahrung routiniert ist. Zudem spielte mir mein Fachbereich M&A in die Hände. Denn dieser ist so international, dass viele Verträge nach ähnlichem Muster aufgebaut sind und man somit seine Kenntnisse aus Transaktionen nach deutschem Recht gut anwenden kann. Ursprünglich war geplant, dass ich 50 Prozent meiner Arbeitszeit auf deutschen Mandaten weiterarbeite. Im November startete jedoch ein über 100 Jurisdiktionen umfassendes Projekt: die Spaltung eines Konzerns. Zu meinem großen Glück durfte ich im zentralen New Yorker Koordinationsteam mitarbeiten und mein Partner Dr. Florian Kästle in Frankfurt stimmte dem zu. Wir instruierten und koordinierten die Neugründung von Gesellschaften und die weltweite Ausgliederung eines Geschäftsbereiches mit unseren lokalen Baker Kollegen. Dieses Projekt spannte mich dann für den Rest meiner Zeit in New York vollumfänglich ein und noch heute bekomme ich E-Mails, wenn in bestimmten Regionen Gesellschaftsanteile umgehangen oder Gesellschaften mit Kapital ausgestattet werden. Die Mitarbeit an diesem Projekt hatte zur positiven Folge, dass ich nun Kollegen in allen amerikanischen Büros, aber auch in vielen weiteren Ländern gut kenne.

Welche Hürden gab es zu überwinden im Ausland? 

Friederike Göretzlehner: Die größte Hürde in beruflicher Hinsicht war es, auf das erste Projekt in New York zu kommen und bei US-Transaktionen als vollwertiges Teammitglied mitzuarbeiten. New York ist als Stadt pulsierend und aufregend, kann aber auch an den Kräften zehren, besonders, wenn man all die Möglichkeiten der Stadt ausnutzen möchte, die sie einem bietet. Nach einer gewissen Zeit ließ ich mich an den Wochenenden eher treiben und hetzte nicht mehr zwischen Sehenswürdigkeiten und kulturellen Veranstaltungen. Dabei hatte ich den großen Vorteil, dass ich noch Freunde aus meiner Zeit in New York 2013 hatte. Ich hatte das Gefühl, wirklich in der Stadt zu leben. 

Robin Haas:Außerdem darf man den Zeitunterschied nicht vergessen, das macht die Betreuung der deutschen Mandanten teilweise zu einer Herausforderung. Calls am Vormittag (deutsche Zeit) sind daher eher ungünstig.

Ihre persönlichen Highlights–beruflich und was die Stadt/Region betrifft?

Robin Haas: Ich fange einmal mit dem Beruflichen an. Gerade aus Compliance Sicht eignet sich ein Mobility Programm in einem der US Büros besonders gut. Alle größeren Untersuchungen haben in der Regel einen US-Bezug. Daher ist man es gewohnt, eng mit den amerikanischen Kollegen zusammenzuarbeiten. Das Ganze aus US Sicht zu sehen, war super interessant. Eines meiner Highlights war ein größeres Projekt mit den Kollegen aus dem Büros in São Paulo – nicht  nur, weil es spannend war, sondern auch, weil die Kollegen auf US-und brasilianischer Seite ein tolles Team bildeten. Was das Networkingbetrifft, blicke ich sehr gern auf die Karaoke Night zurück. Mit den Kollegen bei Pizza zu Country Musik Karaoke zu singen, werde ich so schnell nicht vergessen. Außerdem hatte ich Riesenglück und wurde zum Summer Top Golf Event des Büros in Miami eingeladen.

Friederike Göretzlehner: Beruflich war mein Höhepunkt das Nordamerika Corporate-Praxisgruppentreffen in Santa Monica. Hier lernte ich Kollegen aus allen US-, kanadischen und mexikanischen Büros kennen, mit denen ich in den letzten vier Jahren zusammen auf Transaktionen gearbeitet hatte. Neben interessanten Vorträgen blieb Zeit für Surfstunden, Barbecue am Santa Monica Pier und ein Dinner im Innenhof des Fairmont Hotels unter Sternenhimmel. Das Treffen in Santa Monica bestärkte mich auch, die anderen Büros in Nordamerika zu besuchen. So arbeitete ich zwei Tage in unserem Chicagoer Büro und unternahm zusammen mit einer Steuerrechts-Associate aus dem New Yorker Büro einen Trip nach Washington D.C.. Abgesehen von den schönen persönlichen Erfahrungen führte mein Aufenthalt in Chicago dazu, dass ich nun bei den Expansionsplänen eines gelisteten US-Pharmaunternehmens mitarbeiten durfte. Als deutsche Juristin am Standort New York konnte ich hier ideal mit dem Mandanten kommunizieren und lernte diesen auch bei einem gemeinsamen Essen in New York kennen. In privater Hinsicht war die Zeit in New York auch eine große Bereicherung. Dass die Stadt niemals schläft, stimmt. So fiel es mir teilweise schwer zu entscheiden, in welche Ausstellung oder in welches Konzert ich in meiner freien Zeit gehen und welches neue Restaurant ich ausprobieren sollte. Einmalige Erlebnisse waren Basketball- und Ice Hockey-Spiele in der Box von Baker im Madison Square Garden, ein Dudamel-Konzert beim New York Philharmonic Orchestra, Thanksgiving-Dinner im Harvard Club und natürlich die Weihnachtszeit in New York mit den wunderschön geschmückten Schaufenstern und dem traditionellen Baum-Aufstellen am Rockefeller Center. Der größte Höhepunkt war aber für mich, dass ich im New Yorker Büro die besagte Steuerrechtskollegin kennenlernte, die mittlerweile eine sehr gute Freundin von mir geworden ist. Noch heute stehen wir in engem Kontakt und können es kaum erwarten, uns in Berlin oder New York wiederzusehen.

Wie hat die Coronakrise Ihr Mobility Programm beeinflusst?

Robin Haas: Kurz und knapp: Corona hat mein Mobility Programm leider komplett beendet. Eigentlich hätte ich bis Ende April  2020 in den USA bleiben sollen, wegen Corona musste ich leider schon Anfang April zurückreisen – und das auch nur, nachdem wir uns davor tagelang um einen Flug bemüht haben. Damit war mein Mobility Programm schon fast um einen Monat verkürzt. Ab Anfang März 2020 arbeiteten dieNew Yorker Kolleginnen und Kollegen komplett aus dem Homeoffice. Face to face haben wir uns leider nicht mehr sehen können, doch immerhin blieben wir dank der Technik über Zoom Calls weiterhin in Kontakt. 

Friederike Göretzlehner: Corona hat mein Mobility Programm nicht beeinträchtigt. Als ich im Februar 2020 nach Deutschland zurückflog und chinesische Touristen mit Masken am JFK-Flughafen sah, ahnte ich noch nicht, dass sich die Welt von nun an leider gehörig ändern würde. 

Ihr Fazit

Robin Haas: Ich würde immer wieder ein Mobility Programm machen und kann das Programm empfehlen. Falls möglich, würde ich zu einem neun bis zwölfmonatigem Aufenthalt raten. So hat man für alles mehr Zeit und kann das Mobility Programm noch mehr genießen.

Friederike Göretzlehner: Als Anwältin in eine internationalen Kanzlei wie Baker ist für mich ein Auslandsaufenthalt, ob lang oder kurz, geradezu verpflichtend. Unser Netzwerk lebt von den persönlichen Kontakten und nur, wenn man sich in andere Rechtsordnungen hineindenken kann, kann man gut auf internationalen Projekten zusammenarbeiten. Der Austausch zwischen unseren Büros ist einmalig in unserer Kanzlei und ich hoffe, dass er noch lange so weitergelebt wird.

Frau Göretzlehner, Herr Haas, vielen Dank für dieses Gespräch.