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MOOT COURT – Unsere Wissenschaftliche Mitarbeiterin Julia Richter im Interview

Allgemeines Wirtschaftsrecht
Der Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot ist der größte internationale Moot Court im Zivilrecht. Mit seinem Schwerpunkt auf dem UN-Kaufrecht (CISG) und internationalem Schiedsrecht wird der Wettbewerb auch als „olympics of international trade law“ bezeichnet. Die Teilnehmenden bearbeiten im Wettbewerb einen fiktiven Sachverhalt aus anwaltlicher Perspektive zu Rechtsfragen aus diesen Bereichen. Der Vis Moot gliedert sich in zwei Phasen. Während der ersten Phase erstellen die Teams der mittlerweile fast 400 teilnehmenden Universitäten aus mehr als 60 Ländern je zwei umfangreiche englischsprachige Schriftsätze. Darin vertreten sie die Interessen der Streitparteien. Den Höhepunkt des Vis Moots stellen dann die simulierten mündlichen Verhandlungen in der zweite Phase dar. Die Studierenden schlüpfen nun in die Rolle von Anwält*innen und verteidigen „ihren Mandanten“ vor einem dreiköpfigen Schiedsgericht. Die gegnerische Streitpartei wird jeweils von einem Team einer anderen Universität vertreten. Ihre Plädoyers üben die Teams vorher mit ihren Coaches. Zudem reisen viele Teams zu Übungsveranstaltungen in aller Welt – zu den sogenannten Pre-Moots – bevor sich alle Teilnehmenden für die Verhandlungen in Wien treffen und am Ende die besten studentischen „Anwält*innen“ gekürt werden. Zu gewinnen gibt es Auszeichnungen für die besten Schriftsätze, die besten Einzelsprecher und die beste Teamleistung. Julia ist aktuell wissenschaftliche Mitarbeiterin bei uns im Hamburger Litigation-Team und seit 2016 in diversen Rollen für den Vis Moot tätig. Zuletzt hat sie eines der Gewinnerteams gecoacht. Wir haben ihr einmal ein paar Fragen gestellt, um einen Einblick in ihre Tätigkeiten zu erhalten und wie man an diese Positionen rankommt.
Julia Richter, derzeit Wissenschaftliche Mitarbeiterin in unserem Hamburger Litigation-Team

Julia, Du bist nun schon länger beim Vis Moot Court involviert. Kannst Du kurz erzählen, wie alles begann und wie Du darauf kamst?

Ich bin auf den Vis Moot aufmerksam geworden, als Studierende an meiner Universität bei einer Vorlesung davon berichtet haben. Bei den Stichworten „Wirtschaftsrecht“, „Englisch“ und „Reisen“ war mein Interesse geweckt. Ich habe dann zu dem Wettbewerb und dem vergangenen Team meiner Universität im Internet recherchiert und mir gedacht: das passt zu mir.

Ich musste dann ein Auswahlverfahren durchlaufen und wurde anschließend ins neue Team aufgenommen. Wie das Auswahlverfahren gestaltet ist, hängt von den jeweiligen Coaches und Fakultäten ab. Üblicherweise reicht man einen Lebenslauf, Noten und ein Motivationsschreiben ein. Eine engere Auswahl wird dann zu einem Bewerbungsgespräch mit den Coaches eingeladen. Hierbei werden meist Englischkenntnisse und ein schnelles Denkvermögen getestet. Vor allem aber können sich die Coaches im Gespräch einen Eindruck über die Persönlichkeit der Interessierten machen und dann ein Team zusammenstellen, das möglichst harmonisch zusammenpasst und sich gut ergänzt. Darauf wird letztlich mehr Wert gelegt als auf die Noten.

Was war Deine bisher beste Moot Court Erfahrung, als Teilnehmerin, Coach und/oder Schiedsrichterin?

Es gab unglaublich viele, tolle Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Ganz vorangestellt ist da natürlich der frische Erfolg des Teams, welches ich gecoacht habe: Wir haben es von mehreren hundert Teams mit dem dritten Platz aufs Siegertreppchen geschafft – der Traum aller Vis Mooties! Als Teilnehmerin gab es für mich damals die schöne Erfahrung als eine Übungsrunde in New York vor einem in der Vis Moot Szene berühmt-berüchtigten Schiedsrichter gut lief, obwohl ich vorher sehr aufgeregt war. Anschließend dann in Wien zusammen mit meinem Team für unseren Schriftsatz ausgezeichnet zu werden war natürlich auch ein großes Highlight. Im letzten Jahr war ich dann in Wien selbst Schiedsrichterin und durfte zusammen mit einer anerkannten Rechtswissenschaftlerin im Tribunal sitzen. Sie selbst hatte mich Jahre zuvor noch in einer Übungsrunde bewertet und nun saß ich mit ihr zusammen auf der anderen Seite – das war sehr witzig für mich und gleichzeitig eine große Ehre. Als Coach durfte ich  zudem vor einigen Wochen beobachten, wie mein Team sich vor demselben berühmt-berüchtigten Schiedsrichter in New York sehr gut geschlagen hat (besser als ich selbst damals). Das alles erfüllt mich mit viel Stolz.

Du bist nicht nur Teilnehmerin beim Vis Moot Court gewesen, sondern nun auch Coach und warst auch schon Schiedsrichterin bei Pre-Moots und bei dem Wettbewerb in Wien. Wie wird man Coach und was sind die Voraussetzungen dafür?

An vielen Universitäten sind die Vis Moot Coaches wissenschaftliche Mitarbeiter*innen an Zivilrechtslehrstühlen und machen das Coaching als Tätigkeit für den Lehrstuhl mehrere Jahre hintereinander. An anderen Universitäten wechseln die Coaches jedes Jahr, weil Mooties aus den vergangenen Jahren die Aufgabe neben dem Studium, Referendariat etc. übernehmen. Meist wird das aber auch über einen Lehrstuhl oder, wie in meinem Fall, über einen Alumni Verein initiiert. Als Voraussetzung ist es sehr empfehlenswert, wenn zumindest ein Coach selbst beim Vis Moot teilgenommen hat. Kenntnisse im UN-Kaufrecht und Schiedsrecht sind hilfreich, um dem Team inhaltlich helfen zu können. Des Weiteren sollte man sich bewusst machen, dass man klassische Gruppenleiter-Aufgaben übernimmt und muss sich eine solche Führungsposition zutrauen. Und man muss bereit sein, Privatleben und Hobbies für mindestens ein halbes Jahr zurückzustellen. Der Vis Moot nimmt auch als Coach sehr viel Zeit in Anspruch.

Du bist auch im Vorstand des Hamburger Moot Court Alumni Vereins. Wie bist Du dazu gekommen und was sind Deine Aufgaben?

Ich wollte nach meiner Teilnahme gar nicht, dass diese aufregende Phase vorbei ist. Daher habe ich mich direkt proaktiv um ein Amt im Vorstand unseres Alumni Vereins bemüht und übe dieses nun seit drei Jahren aus. Als Vorstand sind wir generell für die Abstimmung der Finanzausgaben und generelle administrative Aufgaben eines Vereins zuständig. Ich habe in der Vergangenheit Vis Moot bezogene Veranstaltungen organisiert und bin nun als Coach die Schnittstelle zwischen Verein und Team. Des Weiteren bin ich auch für den internationalen Vis Moot Verein mit Sitz in Wien (MAA) tätig und kümmere mich um Compliance Themen. Auch hierfür habe ich einfach die Augen und Ohren offen gehalten und bin dann mit meiner Bereitschaft auf die richtigen Leute zugegangen.

Auch bei Latham warst Du als Teilnehmerin und Schiedsrichterin bei Probepleadings dabei und hast somit bereits eine gewisse Praxiserfahrung und Routine. Meinst Du, dass Dir diese Erfahrung für Deinen späteren Beruf als Rechtsanwältin helfen wird?

Ja, definitiv. Ich durfte als Teilnehmerin vor Anwält*innen im Hamburger Latham Büro mein Plädoyer halten. Die Veranstaltung war für mich der Fuß in die Latham-Tür und der Grund für meine spätere Bewerbung. Praktiker*innen haben ja meist noch einmal einen ganz anderen Blick auf diesen fiktiven Vis Moot Fall als die Coaches oder Lehrende. Dadurch erhält man direkt einen wertvollen Einblick in die Denkstruktur dieser Berufsgruppe.

Was würdest Du Student*innen raten, die ebenfalls daran interessiert sind, bei einem Moot Court mitzumachen?

Informiert euch frühzeitig über die Bewerbungsphasen an Eurer Fakultät. Diese finden fast überall im Sommer statt, da der Wettbewerb im Oktober beginnt. Ihr braucht kein Vorwissen aber Ihr müsst bereit sein, ein halbes Jahr lang viel Arbeit in ein tolles Projekt zu stecken. Ihr werdet es definitiv nicht bereuen und der Vis Moot öffnet Euch viele Türen – vielleicht ja auch zu Latham.