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27.12.2021 | Autor/in: azur Redaktion

In diesen Städten sind die Karrierechancen für Anwälte am größten

Die Bedeutung von Anwaltsmetropolen schwankt, das zeigt eine Auswertung der Anwaltszahlen in den jeweils größten Büros. Wo ist das Wachstum am stärksten, wo gewinnt oder verliert welche Kanzlei an Profil? Zugleich haben Kanzleien in zwei Städten zuletzt deutlich mehr neue Partner ernannt. All diese Zahlen können Auskunft über die Karrierechancen von Anwälten geben.

Die erste JUVE-Untersuchung zur Entwicklung der jeweils zehn größten Kanzleibüros bringt einige überraschende Erkenntnisse über die fünf wichtigsten Kanzleistandorte. Für diese Betrachtung hat die JUVE-Redaktion die Entwicklung der Anwaltszahlen in den heute zehn größten Büros von Kanzleien in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München nachvollzogen. Wir vergleichen die Zahlen aus dem JUVE Handbuch 2015/16 mit denen des gerade erschienenen Handbuchs 2021/22.

Düsseldorf wuchs stärker als Berlin

Erste Überraschung: Ständig wird betont, wie dynamisch sich der Berliner Markt entwickelt, weil die Hauptstadt viele Nachwuchskräfte anzieht – aber das stärkste Wachstum der vergangenen fünf Jahre fand woanders statt: In Düsseldorf sind die zehn größten Kanzleiteams sowohl absolut als auch prozentual noch stärker gewachsen als in Berlin. Für einen Sondereffekt in Düsseldorf hat die Schließung des Kölner Büros durch Freshfields im Jahr 2016 gesorgt. Damit wuchs das Düsseldorfer Büro der Kanzlei schlagartig.

Frankfurter Büros stagnieren beim Wachstum

In Frankfurt dagegen wuchsen die Büros der zehn größten Kanzleien im selben Zeitraum kaum. Frankfurt ist auch die einzige unter den fünf wichtigsten Anwaltsmetropolen in Deutschland, in der die Zahl der Partner in den zehn größten Kanzleibüros sogar gesunken ist. Nach wie vor hält Freshfields dort das größte Büro.

In München ist Hogan Lovells mit 150 Berufsträgern aktuell die größte Kanzlei, gefolgt von Noerr und Eversheds. Insgesamt ist Hogan Lovells in München seit 2016 um rund 30 Prozent gewachsen, im Durchschnitt legten die zehn größten Büros bei der Zahl der Berufsträger in der bayrischen Hauptstadt um knapp 25 Prozent zu.

In Berlin hat in den vergangenen Jahren Hengeler Mueller ihr Büro am stärksten ausgebaut. Die deutsche Großkanzlei hat seit 2016 die Zahl ihrer Berufsträger verdoppelt – und hat nun hinter Dentons, Noerr, Raue und Greenberg Traurig gemeinsam mit Freshfields das fünftgrößte Team in der Hauptstadt. Hengeler setzt dabei vornehmlich auf die Ausbildung eigener Associates und holt nur selten erfahrene Anwälte aus anderen Kanzleien hinzu.

Der Hamburger Markt ist dynamisch, wenn es um Neueröffnungen oder Spin-offs geht. Viele junge Anwälte starten hier mit der eigenen Kanzlei. Doch die zehn größten Kanzleibüros sind in Summe lediglich moderat um gut 140 Anwälte gewachsen – und damit weniger stark als beispielsweise in Köln und Stuttgart.

In diesen Städten wurden 2021 die meisten Partner ernannt

Im Jahr 2021 haben die Kanzleien der JUVE-Top-50 wieder eine stattliche Zahl von 387 Partnerinnen, Partner und Counsel ernannt. Mit 89 Neuernennungen haben Münchner Kanzleien die meisten ernannt, dicht gefolgt von Frankfurt, wo insgesamt 82 den Karrieresprung schafften. Das macht jeweils 23 und 21 Prozent aller Ernennungen in diesem Marktsegment aus. Mit deutlichem Abstand folgen die Berliner Kanzleien, die 49 Ernennungen vornahmen, sowie die Düsseldorfer mit 47 und die Hamburger Kanzleien mit 44.

Beförderungen bleiben trotz Pandemie stabil

Im Jahr zuvor war es genau umgekehrt. 2020 wurden in Frankfurt die meisten Partner ernannt und München und Berlin folgten dicht beieinander. Im zweiten Corona-Jahr zeigten sich die Karrieresprünge in den Metropolen zwar unterschiedlich dynamisch. Jedoch wurden im Jahr 2020 genau 405 Partnerinnen, Partner und Counsel ernannt, im Jahr 2021 waren es immer noch 387. Damit sind die Karrieresprünge in den Pandemie-Jahren auf nahezu konstantem Level geblieben.  (Von Christina Schulze, Ludger Steckelbach und Julia Ossen)