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28.09.2021 | Autor/in: Eva Lienemann

Homeoffice: Tödlich für den Teamspirit?

Nach und nach geht’s zurück ins Büro – auch für viele Associates. Zeit für eine erste Corona-Bilanz: Hat die Krise die Teams gestärkt oder voneinander entfremdet? Hat die Situation die Weiterbildung oder Aufstiegsmöglichkeiten eingeschränkt? Das Stimmungsbild ist äußerst divers, wie eine Auswertung der neuen azur-Associate-Umfrage zeigt.

Auf das Geschäft hat sich die Corona-Krise kaum ausgewirkt – auf die Stimmung junger Anwälte schon. Das lässt eine erste Auswertung der azur-Associate-Umfrage erkennen, an der zwischen Mai und Juli mehr als 4.000 Associates und Inhouse-Juristen teilgenommen haben. Rund die Hälfte der befragten jungen Anwälte meint: Die Pandemie hat „für Entfremdung im Arbeitsumfeld gesorgt“. So schreibt ein Umfrageteilnehmer, der Anwalt in einer deutschen Großkanzlei ist: „Home­office ist zwar schön, aber im Büro persönlich mit den Kollegen zu arbeiten und auch mal während eines Kaffees zu plaudern, fehlt mir.“ Ein anderer meint: „Für den Teamspirit ist das tödlich.“

Dabei ist das Stimmungsbild unter den jungen Anwälten de facto zweigeteilt: Beinahe ebenso viele Befragte fühlen sich nicht entfremdet, sondern meinen sogar, die Krise habe sie als Team enger zusammengeschweißt. So berichtet ein Anwalt: „Das Team ist noch stärker zusammengewachsen, da viel Arbeit zu erledigen war, aber dies durch mehr und aufwendigere Koordination versucht wurde zu steuern.“ Dass viele junge Juristen weiterhin bei guter Stimmung sind, mag auch daran liegen, dass sich die Auswirkungen der Pandemie auf den persönlichen Arbeitsalltag in Grenzen hielten (Entfremdung oder Annäherung?).

Vor allem Kanzlei-Associates mussten finanziell kaum Einbußen hinnehmen, wie die Umfrageergebnisse zeigen. Bei Inhouse-Anwälten sah es schlechter aus: Knapp 30 Prozent der Befragten gaben an, einen niedrigeren Bonus erhalten zu haben – nur 7 Prozent der Associates berichteten das. Und auch von Einstellungsstopps waren die Unternehmensjuristen häufiger betroffen (Weniger Geld für Syndizi).

Corona als Karrierekiller

Was die Aus- und Weiterbildung angeht, so loben viele Umfrageteilnehmer das „1A-Krisenmangement“ und berichten über eine schnelle Umstellung auf virtuelle ­Weiterbildungsangebote. Doch auch hier fühlen sich rund die Hälfte aller Befragten eingeschränkt in ihren Weiterbildungsmöglichkeiten, am kritischsten äußersten sich die Jahrgänge mit einigen Jahren Berufserfahrung.

Noch deutlicher zeigt sich das in der Frage nach den Aufstiegschancen: Je berufserfahrener die Anwälte, desto eher meinen sie, die Krise habe ihren Aufstieg schwieriger gemacht. Denn: Akquise und Networking waren auf dem Höhepunkt der Krise praktisch unmöglich. Das sind „extreme Beschränkung von Chancen für junge Juristen“, wie ein Inhouse-Anwalt schreibt. Fühlt sich im ersten Berufsjahr nur jeder Zehnte in seinen Aufstiegsmöglichkeiten eingeschränkt, berichtet dies im siebten Berufsjahr, in dem die Weichen in Richtung Partnerschaft gestellt werden, schon jeder fünfte Befragte. „Der Weg zur Partnerschaft erfordert Mandantenakquise. Diese ist derzeit für Senior Associates, die sich erst einmal einen Namen machen müssen, fast nicht möglich“, schreibt ein Umfrageteilnehmer (Steiniger Weg nach oben).

Insgesamt gaben allerdings deutlich mehr als die Hälfte (60 Prozent) der Befragten an, dass die Corona-Krise „keinerlei negative Auswirkungen“ gehabt habe, von Einstellungsstopps oder geringeren Boni berichten hingegen weniger als 5 Prozent der Umfrageteilnehmer. Nur vereinzelt gibt es großen Frust darüber, dass das Kanzleimanagement den reichen Ertrag des vergangenen Jahres nicht an die Associates weitergegeben hat.