azur100
04.03.2021 | Autor/in: Mathieu Klos
Themen in diesem Artikel:

Hogan Lovells – Top-Arbeitgeber – Platz 3

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Tolles Arbeitsumfeld mit Partnern, die sich für ihre Associates einsetzen“

„Das Betriebsklima ist unschlagbar gut“

„In Sachen Diversity hat Hogan Lovells anderen Kanzleien viel voraus“

Kritik von den eigenen Associates

„Frauenförderung wird großgeschrieben, für junge männliche Anwälte gibt es nichts Vergleichbares“

„Der Druck steigt immer mehr. Die Tage der ,friendly firm‘ sind vorbei“

„Die Vergütungsstruktur erlaubt leider kaum vertrauensvolle, teamübergreifende Zusammenarbeit“

Was externe Juristen über Hogan Lovells sagen

„Guter Zusammenhalt unter den Associates“

„Sympathische Nachwuchsgewinnung“

„Wächst sehr stark und die kollegiale Atmosphäre geht dabei etwas verloren“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Klausurenkurse von Alpmann Schmidt
  • Wahlstation in den Büros in Alicante, London, New York und Washington möglich
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Europaweit einheitliches Programm zu anwaltlichen Kernkompetenzen und Soft Skills
  • Coaching und Pitch-Training
  • Globales Programm bereitet geeignete Kandidaten auf Partnerschaft vor
Highlights Diversity
  • Globaler zuständiger Partner sowie zwei Manager in Deutschland für Diversity and Inclusion
  • Seminarreihe für Anwältinnen, u.a. zum Thema Selbstmarketing
  • Zusammenarbeit mit einem Familienservice, eigene Kita in München

Kanzlei mit heißem Draht in die USA und internationaler Nachwuchsförderung

Glückliches Händchen. Hogan Lovells (HL) gilt heute – zehn Jahre nach der Fusion der US-Kanzlei Hogan & Hartson mit der englischen Kanzlei Lovells – als Paradebeispiel für einen gelungenen Zusammenschluss. Die deutschen Anwälte profitieren etwa von höherwertigem Beratungsgeschäft für internationale Größen wie Daimler, Apple oder General Electric. Entsprechend loben die Associates die Internationalität und verteilen hierfür weit überdurchschnittliche Noten in der azur-Umfrage. Zufrieden waren sie auch mit der Kommunikation ihres Arbeitgebers im Corona-Jahr. In der Krise machte das deutsche HL-Management scheinbar vieles richtig. „Das Management tut sehr viel, damit wir weiter produktiv und angenehm weiterarbeiten können“, schreibt ein Teilnehmer – auch ein Grund, weshalb die Gesamtzufriedenheit seit Jahren erstmals wieder über dem Marktdurchschnitt liegt.

International und digital. Eine intensive Begleitung auf dem Weg nach oben sowie Weiterbildungsthemen sind traditionelle Stärken, mit denen die Kanzlei als Arbeitgeberin punktet. Schon vor Ausbruch der Pandemie hatte HL die Ausbildung der Associates international ausgerichtet, um über die Ländergrenzen hinweg einheitliche Beratungsstandards einzuführen und die internationale Zusammenarbeit zu fördern. Herzstück des Angebots ist eine eigene Akademie. 2020 vollständig digitalisiert, bietet sie eigentlich eine Mischung aus digitalen und Präsenzveranstaltungen. Mentoring- und Coaching-Angebote runden das Angebot ab. Die Associates würdigen das mit guten Noten und loben den „Ausbau und die Internationalisierung der Weiterbildungsprogramme“ sowie die „Associ­ate-Konferenzen mit größtenteils sehr sinnvollen Inhalten“.

Engagement für die Jüngsten. Wie viele Großkanzleien setzt auch HL bei der Nachwuchsgewinnung früh an und hat zuletzt mehr als 600 Praktikanten, Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter ausgebildet. Englischkurse für alle und ein Klausurenkurs für Referendare sind feste Elemente. Secondments an ausgewählten internationalen Standorten und ein Bewerbungstraining runden die gut strukturierte Ausbildung ab. Praktikanten loben in der Bewerberumfrage die „gute Einbindung“, einige Referendare halten das Programm für „verbesserungswürdig“.

Viel Work, wenig Life. „Der Druck steigt immer mehr“, schreibt ein ­Associate in der azur-Umfrage, ein anderer meint: „Die Work-Life-Balance stimmt nicht mehr.“ Diese Klagen sind nicht neu. Die Noten für Belastung und Work-Life-Balance fallen leicht unterdurchschnittlich aus. Laut azur-Umfrage arbeiten HL-Associates durchschnittlich 54 Wochenstunden – das sind etwa zwei Stunden mehr als derzeit im Markt üblich. Das erfolgsabhängige Vergütungsmodell fördert einen hohen Einsatz, aber die Kanzlei kümmert sich auch – etwa um die Vereinbarkeit von Karriere und Familie – etwa mit einer Kita am Münchner Standort. Aber das reicht den einigen Mitarbeitern nicht, sie fordern das in der azur-Umfrage, was sich Kollegen in vielen Kanzleien wünschen: verlässliche Homeoffice-Angebote. Ein Teilnehmer meint: „Teilzeit sollte nicht heißen, dass die Stundenvorgabe sinkt, aber nicht die Arbeitsbelastung.“

Vielfalt als Unternehmensziel. Sehr zufrieden sind die Associates dagegen beim Thema Gleichbehandlung und Diversity. Das überrascht nicht, denn in einer globalen Kanzlei wie bei HL sind die Standards durch den US-Einfluss meist hoch. Die Vielfalt unter den Mitarbeitern ist seit diesem Jahr eines von fünf Unternehmenszielen. In Deutschland sind zwölf Frauen unter den 15 neu ernannten Counsel. Die Frauenquote in der Partnerschaft stagniert allerdings bei 17 Prozent. „Es gibt leider noch sehr viel unconscious bias“, meint eine Umfrageteilnehmerin.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 70 bis 80

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 20 bis 25

Referendarplätze 2021: 200           

Praktikumsplätze 2021: 50

Wer in der Kanzlei als Associate auf dem Partnertrack einsteigt, muss offiziell mindestens 18 Punkte in beiden Staatsexamen und sehr gute Englischkenntnisse vorweisen. Bei den Noten macht die Kanzlei nur selten Ausnahmen. In der Gesamtrechnung werden aber eine Promotion oder ein im Ausland erworbener LL.M. berücksichtigt. Wer schlechtere Noten mitbringt, kann als Project Associate mit einer niedrigeren Vergütung, fest umrissenen Aufgabenbereichen, aber ohne Aussicht auf die Partnerschaft einsteigen. Associates wählt HL in einem zweistufigen Bewerbungsverfahren aus. Im ersten ein- bis dreistündigen Gespräch mit Partnern stehen das gegenseitige Kennenlernen und die Wünsche für den fachlichen Einsatz im Vordergrund. Spätestens im zweiten Gespräch lernt der Bewerber das jeweilige Team, in dem er eingesetzt werden soll, intensiv kennen. In der azur-Bewerberumfrage loben Teilnehmer das Verfahren als „entspannt“, „fair“ und „transparent“. Nur vereinzelt kritisieren Bewerber eine „starke Notenfixierung“ oder „zu späte Rückmeldungen“.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Weltweit eine der größten Sozietäten mit 2.500 Anwälten. Die voll integrierte Kanzlei hat 46 Büros in Europa, Afrika, Asien, Australien, Südamerika und den USA.

Anwälte in Deutschland: 101 Partner, 51 Counsel, 297 Associates und 5 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 43 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 46

davon Frauen: 30

Umsatz in Deutschland 2019: 253,4 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 669.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 700 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), bis zu 1.200 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: bis 800 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:

1. Jahr: 110.000 bis 120.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro

2. Jahr: 115.000 bis 125.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro

3. Jahr: 120.000 bis 125.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro

4. Jahr: 140.000 Euro plus Bonus bis 25.000 Euro

5. Jahr: 145.000 Euro plus Bonus bis 30.000 Euro

6. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus bis 35.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 60.000 bis 65.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro

Karriere und Partnerschaft

Die Karriereleiter hat vier Stufen: Vom Associate geht es über den Senior Associate zum Non-Equity-Partner und weiter zum Vollpartner. Intern unterscheidet Hogan Lovells nach Voll- und Non-Equity-Partnern, legt aber nicht offen, welche Personen welchen Status innehaben. Die Associates sind mit ihren Karriereperspektiven etwas zufriedener als in den Vorjahren und verteilen Noten, die knapp unter dem Marktdurchschnitt liegen. 2021 schafften wie schon im Vorjahr drei Associates den Sprung in die Partnerschaft. Vollpartner vergütet Hogan Lovells zu 85 Prozent nach Anteilen, die nach Leistungsgesichtspunkten vergeben werden. Die verbleibenden 15 Prozent werden als Bonus ausgeschüttet. Non-Equity-Partner erhalten ein Fixgehalt plus eine leistungsbezogene Komponente. Wer nicht Partner wird, kann dauerhaft als Counsel arbeiten. Diese tragen relativ viel Verantwortung, etwa für Mandate oder Teams.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


Anzeige