azur100
06.03.2020 | Autor/in: Mathieu Klos
Themen in diesem Artikel:

Hogan Lovells – Top-Arbeitgeber – Platz 2

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Toller Arbeitgeber, und mein Team ist super“

„Sehr angenehmes Arbeitsklima und gute Entwicklungsmöglichkeiten“

„Für unternehmerisch denkende Anwälte ein optimales Forum, um sich zu entwickeln“

„Erhebliche Unterschiede zwischen den Standorten, etwa bei der Ausstattung“

„Die Kanzlei muss dringend in eine moderne IT investieren“

„Beförderungen erfolgen zu sehr nach Vollzeitkriterien, bitte bessere Karrierechancen für Teilzeitkräfte“

„International gut aufgestellte Kanzlei mit einer sehr positiven Entwicklung“

„Die Aufstiegsmöglichkeiten sind insgesamt eher frauen- und familienunfreundlich“

„Sehr schnell gewachsen und wenig fokussiert auf den einzelnen Juristen, der eher zum kleinen Rad in einem großen Getriebe zu werden scheint“

▪ Klausurenkurse mit Alpmann Schmidt

▪ Wahlstation in den Büros Alicante, London, New York und Washington möglich

▪ Neu: Trainings zu Themen wie Netzwerken und Selbstmarketing

▪ Europaweit einheitliches Programm zu anwaltlichen Kernkompetenzen und Soft Skills

▪ Förderung von unternehmerischem Handeln durch etabliertes Coaching und Pitch-Training

▪ Globales Programm bereitet geeignete Kandidaten auf Partnerschaft vor

▪ Weltweites Netzwerk zu Diversity und LGBT-Themen, seit 2019 zwei Diversity-Manager in Deutschland

▪ Seminarreihe für Anwältinnen, etwa zu erfolgreichem Verhalten in der Geschäftswelt

▪ Zusammenarbeit mit einem Familienservice, eigene Kita in München

Über den Arbeitgeber

Einfach, aber effektiv. Richte eine Kita ein, und die Mitarbeiter werden es dir danken. So war es mit der Eröffnung der kanzleieigenen Wichtelakademie im Münchner Büro vor zwei Jahren: Diese Personalmaßnahme heben die Hogan Lovells-Associates in der aktuellen azur-Umfrage am häufigsten hervor. Vor einem Jahr kritisierten sie die steigende Arbeitslast oder ein mangelndes Gegensteuern des Managements beim geringen Anteil der Partnerinnen noch grundlegend. Inzwischen stieg die Gesamtzufriedenheit zuletzt deutlich und liegt genau im insgesamt guten Marktdurchschnitt aller Kanzleien.

Die Maßnahmen greifen. Nicht nur die neue Kita, sondern auch höhere Gehälter, ein neues Feedbacksystem und neue Weiterbildungsangebote machen die Associates laut azur-Umfrage glücklich. Für das Ausbildungsprogramm, die Internationalität ihrer Arbeit und die Diversity geben die Hogan Lovells-Anwälte besonders gute Noten. Wechseln würden sie ihren Job ganz überwiegend nur für eine bessere Vereinbarkeit von Karriere und Familie oder mehr Freizeit. „Absoluter Traumarbeitgeber, insbesondere in Bezug auf Arbeitsklima, Flexibilität und Anspruch der Mandate“, schreibt ein Associate. Eine andere meint: „Nette Kollegen und spannende Arbeit“, fordert jedoch Verbesserungen bei den Teilzeit- und Karrieremodellen für Frauen und den Arbeitszeiten.

Wunde Punkte. Die Kritik der Associates ist bei diesen Themen deutlich. Die transatlantische Kanzlei schwimmt auf einer Erfolgswelle, die Auslastung aller Teams ist hoch. Entsprechend sind die Hogan-Lovells-Associates weiterhin unzufrieden mit ihrer Arbeitsbelastung und der Work-Life-Balance. Sie sitzen laut azur-Umfrage gut 54 Stunden pro Woche im Büro, das ist eine Stunde mehr als im Marktdurchschnitt. Auch die Forderung nach einem Rollenmodell für Frauen auf dem Partnertrack bleiben laut. Die Kanzlei hat sich zwar schon vor Jahren eine Ziel-Frauenquote von 30 Prozent Partnerinnen auferlegt, in den deutschen Büros beträgt der Anteil der Partnerinnen aber immer noch knapp 17 Prozent. 2020 ernannte Hogan Lovells drei neue Partner, darunter immerhin eine Frau. Auch sechs der 14 neuen Counsel sind weiblich.

Digitale und neue Inhalte. Auch um bei diesem Thema mit größeren Schritten voranzukommen, hat das deutsche Management 2019 zwei Diversity-Manager eingestellt. Die Maßnahme kommt spät, andere Kanzleien haben solche Positionen schon länger besetzt. Dafür hatte Hogan Lovells sehr früh schon ein gutes Schulungsprogramm für Diversity-Themen aufgelegt, was die Associates in der azur-Umfrage auch honorieren. Eine intensive Begleitung auf dem Weg nach oben sowie Weiterbildungsthemen sind die Stärken der Kanzlei. Herzstück ist eine interne Akademie. Mittlerweile schult Hogan Lovells die wesentlichen Grundlagen in einem Onlineprogramm mit schnell verdaulichen Häppchen, die die Weiterbildung von der täglichen Mandatsarbeit und der Zustimmung der Partner entkoppelt. Viele Inhalte wurden weltweit vereinheitlicht. Damit ist Hogan Lovells den meisten deutschen Kanzleien einen Schritt voraus. In der Ausbildung legt Hogan Lovells einen starken Fokus auf den Umgang mit Mandanten und anderen Praxisgruppen im Haus. Es gibt verschiedene Konferenzen vom Associate bis zum Counsel, die auf die Bedürfnisse der jeweiligen Karrierestufen bis zur Partnerwerdung hin abgestimmt sind. Mentoring- und Coaching-Angebote runden das Angebot ab.

Neues Praktikantenprogramm auf Marktniveau. Wie viele Großkanzleien setzt auch Hogan Lovells bei der Nachwuchsgewinnung sehr früh an und hat zuletzt über 600 Praktikanten, Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter ausgebildet. Zu den Ausbildungsinhalten gehören Englischkurse, für Referendare kommt noch ein Klausurenkurs hinzu. Secondments an bestimmten internationalen Standorten und ein Bewerbungstraining runden die gut strukturierte Ausbildung ab. 2019 vereinheitlichten die vier Büros ihr Programm, sie rückten die Ausbildung der angehenden Juristen näher an die jeweiligen Teams und die Ausbildungsakademie für die Associates heran. Neben fachlichen Inhalten schult Hogan Lovells neuerdings zusätzlich Themen wie den Umgang mit Feedback sowie das Netzwerken und die Selbstvermarktung.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 75 bis 85

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 20 bis 30

Referendarplätze 2020: ca. 175               

Praktikumsplätze 2020: ca. 70

Offiziell mindestens 18 Punkte in beiden Staatsexamen und sehr gute Englischkenntnisse sollten Bewerber vorweisen. Bei den Noten macht die Kanzlei nur selten Ausnahmen, zusätzlich werden aber eine Promotion oder ein LL.M.-Abschluss berücksichtigt. Wirtschaftliches Denken ist ein weiteres wichtiges Auswahlkriterium. Mit schlechteren Noten kann man als sogenannter Project Associate mit niedrigerer Vergütung, fest umrissenen Aufgabenbereichen, aber ohne Aussicht auf die Partnerschaft einsteigen. Die Bewerberauswahl erfolgt in einem zweistufigen Verfahren. Im ersten ein- bis dreistündigen Gespräch mit Partnern stehen das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund. Die Kanzlei betont hier gerne ihre internationale Ausrichtung. Spätestens im zweiten Gespräch lernt der Bewerber das künftige Team kennen. In der azur-Bewerberumfrage loben Teilnehmer das Verfahren als „fair“ und „unkompliziert“ und die Reaktionen der Kanzlei als „sehr zügig“.

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Weltweit eine der größten Sozietäten mit 2.500 Anwälten. Die voll integrierte Kanzlei hat 46 Büros in Europa, Afrika, Asien, Australien, Südamerika und den USA. Die deutschen Büros sind Teil der kontinentaleuropäischen Praxis.

Anwälte in Deutschland: 97 Partner, 39 Counsel, 292 Associates und 4 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 41,9%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 42 (davon 28 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018: 219,2 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 628.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Bis 2018 verantwortete stets ein deutscher Partner alle kontinentaleuropäischen Büros. Nun trägt eine Pariser Partnerin die Verantwortung. Dafür bekamen die deutschen Büros mit dem Münchner Dr. Stefan Schuppert einen eigenen Managing-Partner. Eine seiner ersten Amtshandlungen war 2019 die Eröffnung eines Servicebüros in Berlin, in dem Projektjuristen große Investigation- und Produkthaftungsfälle unterstützen. Zudem will sich Hogan Lovells damit auch interessant für Juristen aus der Hauptstadt machen. Wirtschaftlich war 2018 erneut ein sehr erfolgreiches Jahr für die Kanzlei.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 700 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), bis zu 1.200 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: bis 800 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 110.000 bis 120.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
2. Jahr: 115.000 bis 125.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
3. Jahr: 120.000 bis 135.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
4. Jahr: 140.000 Euro plus Bonus bis 25.000 Euro
5. Jahr: 145.000 Euro plus Bonus bis 30.000 Euro
6. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus bis 35.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 60.000 bis 65.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro

Die Karriereleiter bei Hogan Lovells hat vier Stufen: Vom Associate geht es über den Senior Associate zum Non-Equity-Partner und weiter zum Vollpartner. Die meisten Neupartner steigen nicht direkt in die Vollpartnerschaft ein, wie dies bei Wettbewerbern mit einheitlicher Partnerschaft wie Freshfields, Hengeler oder Linklaters die Regel ist. Intern unterscheidet Hogan Lovells nach Voll- und Non-Equity-Partnern, legt aber nicht offen, welche Personen welchen Status innehaben.

Die Aufstiegschancen stehen bei Hogan Lovells seit einigen Jahren gut: Nach zwei Jahren in Folge mit acht neuen Partner ernannte die Kanzlei 2020 immerhin drei Associates zu Partnern. Die Associates sind laut azur-Umfrage wieder etwas zufriedener mit ihren Karriereperspektiven, auch abseits des Partnertracks. Der Zufriedenheitswert hierzu liegt inzwischen fast im Marktdurchschnitt aller Kanzleien.

Vollpartner vergütet Hogan Lovells zu 85 Prozent nach Anteilen, die nach Leistungsgesichtspunkten vergeben werden. Die verbleibenden 15 Prozent werden als Bonus ausgeschüttet. Non-Equity-Partner erhalten ein Fixgehalt plus eine leistungsbezogene Komponente. Wer nicht Partner wird, kann dauerhaft als Counsel arbeiten. Diese tragen relativ viel Verantwortung, etwa für Mandate oder Teams. Zum Jahresbeginn ernannte die Kanzlei wie im Vorjahr erneut 14 neue Counsel – eine sehr hohe Zahl im Marktvergleich.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.