azur100
04.03.2021 | Autor/in: Melanie Müller
Themen in diesem Artikel:

GSK Stockmann – Top-Arbeitgeber – Platz 16

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Tolles persönliches Klima mit einer sehr angenehmen Arbeitsatmosphäre – dazu Arbeit auf höchstem professionellen Niveau“

„Teilnahme an allen Veranstaltung, die ich für mich als sinnvoll identifiziere“

„Blick für den Arbeitnehmer als ganze Persönlichkeit“

Kritik von den eigenen Associates

„Klarere Rahmenbedingungen insbesondere für externe Fortbildungen“

„GSK gibt die Losung aus, dass es keine ‚Billables‘-Vorgabe gibt, allerdings wird die Auslastung dennoch an den Stunden gemessen und evaluiert“

„Es müsste mehr weibliche Partner und somit mehr weibliche Stimmen in den Partnersitzungen geben“

Was externe Juristen über GSK sagen

„Die Arbeitsbelastung scheint nicht im Verhältnis mit der Vergütung zu stehen“

„Hohe Expertise trotzdem nach außen eher angestaubt und ältlich“

„Wirkt nach außen sehr mittelständisch geprägt“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Praktikantenprogramm mit umfassender Vortragsreihe
  • Crashkurse zur Examensvorbereitung
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Flexibles Level-System für die Associate-Karriere
  • Coaching für Partnerkandidaten
  • Intensive Beteiligung an Projekten zur Weiterentwicklung der Gesamtkanzlei
Highlights Diversity
  • Externer Familienservice
  • Alle 2 Jahre ein Seminar ‚Women in Law‘

Mittelständische Kanzlei auf Wachstumskurs

Zufrieden mit Abstrichen. Wer eine Vorliebe für Immobilien- und Baurecht hat, ist bei GSK richtig. Seit einiger Zeit wächst die Kanzlei kontinuierlich: So plant GSK für dieses Jahr, bis zu 45 Berufseinsteiger einzustellen. Auf der anderen Seite feilt sie daran, Karrieremodell und Weiterbildungsangebote zu optimieren. Zwar „wirkt GSK insgesamt zu eingestaubt“, für manch einen Außenstehenden aus der azur-Associate-Umfrage, doch die Kanzlei arbeitet an ihren Strukturen und legt dabei Wert auf das Feedback ihrer Anwälte. Als spürbare Verbesserungen nehmen die Umfrageteilnehmer so „mehr Transparenz in der internen Kommunikation“ wahr sowie die „neue Struktur bei den Aufstiegschancen“. Obwohl die Gesamtzufriedenheit im Marktvergleich überdurchschnittlich ausfällt, sind die Associates bei den Punkten Vereinbarkeit von Karriere und Familie, Gehalt und Arbeitsbelastung nicht so zufrieden.

Umfassendes Praktikantenprogramm. Zweimal im Jahr bietet GSK ein Gruppenpraktikum mit Mentorenprogramm an. Praktikanten bekommen praktische Einblicke durch Termine bei Gericht oder Beurkundungen. Zusätzlich konzipieren Associates eine Vortragsreihe, die innerhalb von vier Wochen Einblicke in alle Fachbereiche von GSK vermitteln soll. Bislang gibt es das Angebot nur in Berlin, bald aber auch in München und Frankfurt. Per Onlinemeeting funktioniert es auch kanzleiweit. Praktikanten und auch Referendare können außerdem an einem Bewerbungstraining teilnehmen. Referendare „werden direkt in die Mandate eingebunden, statt nur abstrakte Fragen zu bearbeiten“, berichtet ein Teilnehmer in der azur-Bewerberumfrage. Eine Examensvorbereitung deckt die Kanzlei anhand von Crashkursen via AssociateNet ab.

Ordentliches Weiterbildungspaket. Associates erwartet ein breit gefächertes Ausbildungsprogramm, das sich im Marktvergleich sehen lassen kann. Der Mix aus fachlichen Inhalten, Soft-Skills-Trainings und Englischkursen basiert auf Anregungen der Associates. Die internen Seminare und die Finanzierung von externen Weiterbildungsmöglichkeiten – wie etwa den Fachanwaltslehrgang – heben Associates in der azur-Umfrage positiv hervor. Allerdings bemängelt einer, dass Kurse „aus Zeitdruck oft nicht wahrgenommen werden können“. Andere wünschen sich „mehr Grundlagenveranstaltungen für Berufseinsteiger, die auch zeitnah angeboten werden“.

Feedback als Grundstein. Zu der Associate-Ausbildung und dem Weg zur Partnerschaft gehören auch mehrere Feedbackrunden. Die Umfrageteilnehmer schätzen „regelmäßiges und klares Feedback“ als hilfreich auf ihrem Karriereweg ein. Doch Feedback dient nicht nur den Anwälten selbst, denn umgekehrt tragen auch die Associates zu Verbesserungen der kanzleieigenen Strukturen bei. Während andere Kanzleien wie etwa Raue speziell durch Associate-Sprecher Anregungen erhalten, setzt GSK auf verschiedene Feedbackformate, durch die neue Entwicklungen wie etwa die Einführung des Senior-Associate-Levels angestoßen werden. Für Associates wie auch Partner gibt es jährliche Feedbacktrainings.

Work übertrumpft Life. Mit rund 51 Wochenarbeitsstunden liegt GSK laut azur-Umfrage knapp unter dem Marktdurchschnitt. Flexible Arbeitszeiten sowie Homeoffice- und Teilzeitmöglichkeiten werden teils gelobt, teils kritisiert. Unzufriedene Associates fordern „mehr Möglichkeiten zur Arbeitszeitverkürzung, die sich nicht negativ auf den Karriereweg auswirken“ und „noch mehr Flexibilität, die ist nicht in jedem Team vorhanden“. Ein Teilnehmer fände ein „Basisregelwerk sinnvoll“, damit sich Arbeit und Leben vereinbaren lassen.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 40 bis 45

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1 bis 2

Referendarplätze 2021: 50              

Praktikumsplätze 2021: 30

Wie die meisten Kanzleien freut sich GSK über Bewerber mit hoher Punktzahl in beiden Staatsexamina. Insgesamt 18 Punkte sind aber für GSK nicht zwingend notwendig, auch ein LL.M.-Abschluss oder eine Promotion sind gerne gesehen, aber keine Voraussetzung. Allerdings sollte ein Bewerber über gute Englischkenntnisse verfügen. Das Bewerbungsverfahren ist in zwei Runden unterteilt: In der ersten führt der Bewerber ein Gespräch mit zwei Partnern und lernt anschließend die Associates kennen. In der zweiten Runde trifft der Bewerber auf weitere Partner und Associates des Einsatzstandortes.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Berlin, Frankfurt, Hamburg, Heidelberg und München

Internationale Präsenz: GSK hat ein eigenes Büro in Luxemburg. Es gibt zwar keine institutionalisierte internationale Vernetzung, aber ein vielfältiges Netz individueller, teils gefestigter Kontakte.

Anwälte in Deutschland: 64 Vollpartner, 11 Non-Equity-Partner, 10 Counsel, 106 Associates und 11 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 36,6 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1

Umsatz in Deutschland 2019: 71,1 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 417.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 600 bis 800 Euro/Wochenarbeitstag

Referendare: 600 bis 800 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:

1. Jahr: 90.000 bis 105.000 Euro

2. Jahr: 90.000 bis 105.000 Euro plus Bonus

3. Jahr: 95.000 bis 110.000 Euro plus Bonus

4. Jahr: 100.000 bis 115.000 Euro plus Bonus

5. Jahr: 105.000 bis 120.000 Euro plus Bonus

6. Jahr: 110.000 bis 125.000 Euro plus Bonus

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angabe

Karriere und Partnerschaft

Karriereschritte und Förderung, der Feedbackturnus und das Gehalt der Junganwälte sind nicht an Berufsjahre, sondern an Level geknüpft. Die verschiedenen Level bemisst GSK an festgelegten Kompetenzen wie fachlicher Qualifikation oder Aufbau von eigenem Geschäft. Ab ungefähr dem vierten Berufsjahr tragen Anwälte den Titel Senior Associate, ab dem fünften Jahr durchlaufen sie ein Seminar zur Karriereentwicklung. Haben sie das Level des Local-Partners erreicht, nehmen sie im Rahmen eines Entwicklungspfads an diversen Feedbackrunden und Schulungen zu sozialen und unternehmerischen Kompetenzen teil. Um die Anwälte bei ihrem Aufstieg zu unterstützen, bietet die Kanzlei eigene Trainings an, etwa zur Mitarbeiterführung. Daneben gibt es ein Partnerentwicklungsprogramm.

Abseits des klassischen Partnertracks haben Associates die Möglichkeit, dauerhaft als Counsel zu arbeiten. Während laut azur-Umfrage die Note der Associates für die Vollpartnerschaftschancen über dem Marktdurchschnitt liegt, fällt die Note für die Karriere abseits der Partnerschaft jedoch nur unterdurchschnittlich aus. Im vergangenen Jahr wurden zwei Anwälte zu Local-Partnern und fünf zum Vollpartner ernannt. Mit lediglich sieben weiblichen Partnern von insgesamt 64 ist der Frauenanteil auf Equity-Level gering. Die Vergütung der Partner erfolgt nach dem Prinzip eines modifizierten Locksteps, der leistungsbezogene Bonuszahlungen ermöglicht.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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