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21.05.2014 | Autor/in: Marc Chmielewski
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Global Player jwd

Global Player jwd: Ein Beitrag aus azur 1/2014

Global Player jwd: Ein Beitrag aus azur 1/2014

Aurich, Melsungen, Schwäbisch Hall: Diese Orte liegen so weit ab vom Schuss, dass nur Einheimische und Erdkundelehrer sie auf Anhieb im Atlas finden. Für dort beheimatete Konzerne bedeutet das ein Rekrutierungsproblem, für Nachwuchsjuristen kann es eine Chance sein. Vor allem wer international arbeiten will, rennt bei vielen Arbeitgebern in der Provinz offene Werkstore ein. Von Marc Chmielewski (aus azur 1/2014)

 Der typische Headhunter ist ein geschmeidiger Werber. Der Mann aber, der Patric Karpowitz im Auftrag seines heutigen Arbeit­gebers anrief, druckste ziemlich herum. „Er sprach von einem weltweit operierenden Konzern in Nordhessen“, erinnert sich Karpowitz, ­damals 32 Jahre alt und Anwalt bei KPMG Law in ­Hamburg. „Später verriet er: Viele legen auf, sobald sie ­hören, dass der Arbeitsort in der Nähe von Kassel liegt.“

Karpowitz legte nicht auf. Er hörte sich die erstaunliche Geschichte vom Weltkonzern B. Braun aus Melsungen im Schwalm-Eder-Kreis an: Aus einer Apotheke wuchs über mehrere Generationen ein Medizintechnikriese mit heute 50.000 Mitarbeitern in 60 Ländern und mehr als fünf Milliarden Euro Jahres­umsatz (B. Braun – Der Medizinproduktehersteller im Detail). Die Provinz tragen die Nordhessen stolz im ­Namen: Offiziell heißt das Unternehmen B. Braun ­Melsungen AG. Es gibt viele solcher Geschichten von Weltmarktführern, die „janz weit draußen“ oder jwd liegen, wie der Berliner zu sagen pflegt. Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen, die Bausparkasse Schwäbisch Hall, der ostfriesische Windkraft-Pionier Enercon: Das sind internationale Unternehmen, die Juristen viel bieten – bis auf das Leben in einer Metropole.

Von Hamburg nach Melsungen: Der Headhunter druckste bei der Standortfrage herum, überzeugte Patric Karpowitz aber schließlich doch von dem Job bei B. Braun.

Von Hamburg nach Melsungen: Der Headhunter druckste bei der Standortfrage herum, überzeugte Patric Karpowitz aber schließlich doch von dem Job bei B. Braun.

Melsungen etwa hat keine Oper, der beste Fußballverein ist Sechstligist, und die einzige Großstadt im Umkreis von 150 Kilometern ist Kassel. Bis dort fährt man eine halbe Stunde mit dem Auto. Patric Karpowitz arbeitet inzwischen seit vier Jahren in der Rechtsabteilung von B. Braun. Klar, der Arbeitsort sei sehr ländlich geprägt. Trotzdem fallen Karpowitz vor allem zwei Argumente ein, die für Melsungen sprechen: ­Lebensqualität und Personalentwicklung.

In Melsungen arbeiten derzeit fünf Anwälte in der Rechtsabteilung, am Standort Tuttlingen drei. Sie kümmern sich um die vier Konzernsparten, von denen Krankenhausversorgung und Chirurgieprodukte zusammen mehr als drei Viertel des Umsatzes aus­machen. Spartenübergreifend decken die Syndizi zudem spezialisiert die wichtigsten Rechtsgebiete ab. „Die Rechtsabteilung berät vor allem bei M&A-­Transaktionen und Compliance-Themen, aber auch im Medizinprodukte- und Heilmittelwerberecht sowie allgemein im Gesellschaftsrecht und bei der Vertragsgestaltung“, sagt Karpowitz.

Angesichts dieses Pensums verwundert es nicht, dass das Unternehmen Wert auf die Fortbildung ­seiner Juristen legt. Bei den internen und externen Schulungen geht es auch um Themen wie Management und Personalführung. Dr. Dennis Hampe hat das überzeugt: Der 32-Jährige wechselte im Februar aus ­Hamburg von einer Medizinrechts-Boutique zum Chi­rurgie-Ableger von B. Braun, ­Aesculap in Tuttlingen. Das liegt zwischen Villingen-Schwenningen und Emmingen-Liptingen. Die nächsten Großstädte, Stuttgart, Freiburg und Zürich, sind knapp anderthalb ­Autostunden entfernt. „Ich hatte auch Angebote, in Hamburg oder Berlin zu arbeiten“, sagt Hampe. Aber mit Blick auf internationale Ausrichtung, Weiterbildungs- und Aufstiegschancen sei das Angebot der Melsunger schlicht am überzeugendsten gewesen.

Karpowitz betont, dass es je nach Lebensphase gar kein Nachteil sein muss, abseits von den Metropolen zu leben: „Man steht nicht im Stau, es gibt genügend Kita-Plätze. Und in der Mittagspause kann man durch Rapsfelder spazieren.“ Auch ein Häuschen mit Garten ist hier erschwinglich. Bis man das in Hamburg oder München hat, muss man lange sparen.

Was in Melsungen die Rapsfelder sind, sind in ­Aurich die Kuhwiesen. „Die Zahl potenzieller Mitarbeiter, die man damit locken kann, ist überschaubar“, räumt Stefan Knottnerus-Meyer freimütig ein. Das gelte auch für Plattdeutschkurse und Wattwanderungen. Für all das aber steht die Heimat von Deutschlands größtem Windanlagenbauer Enercon, dessen zwölfköpfige Rechtsabteilung Knottnerus-Meyer leitet (Enercon – Der Windanlagenbauer im Detail). Vom ostfriesischen Aurich, 40.000 Einwohner, fährt man ­anderthalb Stunden bis nach Bremen. Auch weil es an urbanem Flair stark mangelt, muss Enercon ­Bewerber stärker als andere Unternehmen mit den Aufgaben überzeugen, die sie in der Rechtsabteilung erwarten. „Unser Geschäft ist stark international geprägt, Einsteiger übernehmen sehr schnell Verantwortung“, sagt Knottnerus-Meyer.

Einsteiger mit Verantwortung

Aurich, aber wahr: Chef-Jurist Stefan Knottnerus-Meyer (links) leitet seit 1995 die Enercon-Rechtsabteilung von Ostfriesland aus. Syndikus Steffen Schwenke dagegen zog es recht bald an den Standort Bremen.

Aurich, aber wahr: Chef-Jurist Stefan Knottnerus-Meyer (links) leitet seit 1995 die Enercon-Rechtsabteilung von Ostfriesland aus. Syndikus Steffen Schwenke zog es bald an den Standort Bremen.

Steffen Schwenke war ein solcher Einsteiger, als er 2002 nach dem zweiten Staatsexamen zu Enercon kam – als zweiter Jurist nach Knottnerus-Meyer, der die Rechtsabteilung seit 1995 als One-Man-Show betrieben hatte. „Vom Job war ich sehr positiv überrascht“, sagt Schwenke. „Vom Dienstort eher weniger.“ Was die Arbeit bei dem Windkraft-Pionier für Juristen so reizvoll macht, bezeichnen sie in Aurich gern als ‚Enercon-Virus‘. „Wir genießen große Freiheit und ein großes Vertrauen der Geschäftsleitung.“

Juristen übernehmen schnell Verantwortung, der Management-Anteil ist hoch. „Wir sitzen an den Schnittstellen im Unternehmen und werden allseits gerne in Anspruch genommen“, sagt Schwenke. „Wenn etwa ein Netz­anschlussvertrag für ein ausländisches Windprojekt entwickelt werden soll, dann setze ich mich direkt mit Ingenieuren und Kaufleuten zusammen, um das Vorgehen abzustimmen.“

 Berufsanfänger im Fokus

Auch Schwenkes Chef Knottnerus-Meyer preist die besondere Nähe der Juristen zum operativen ­Geschäft: „Hier werden keine Gutachten im Backoffice geschrieben, über deren Verbleib niemand etwas ­erfährt.“ Wer bei Enercon arbeite, sei immer an ­vorderster Front tätig. Das reicht von der Gestaltung internationaler Ausschreibungen bis zur Verhandlung komplexer Vertragswerke. Auch ihn hat damals die Internationalität der Windmaschine Enercon nach ­Aurich gelockt. „Enercon macht den Großteil des ­Umsatzes außerhalb Deutschlands“, sagt Knottnerus-Meyer.

Produktionsstandorte gibt es etwa in Kanada, Brasilien und der Türkei, die Windräder der Ostfriesen drehen sich in mehr als 30 Ländern. „Deshalb sind für einen Job in der Rechtsabteilung verhandlungs­sichere, im Ausland erworbene Englischkenntnisse im Zweifel wichtiger als die Examensnoten.“ Wie in Melsungen legt man bei Enercon Wert auf die Feststellung, dass die Provinz vor allem für Familien Vorteile gegenüber dem Leben in der Großstadt ­bietet. Knottnerus-Meyer betont: „Aurich ist eine familienfreund­liche Stadt, Kita-Plätze sind kostenlos.“ Zudem achte das Unternehmen auf die Work-Life-Balance seiner Mitarbeiter. Bis auf den Chef gilt für Juristen des Unternehmens ein Arbeitszeitmodell mit Gleitzeiten und Überstundenausgleich. „Für viele ist das wichtiger als die bloße Zahl auf dem Gehaltszettel.“

Bei den Neueinstellungen standen in den vergangenen Jahren – ungewöhnlich für die Rechtsabteilungen internationaler Konzerne – Berufsanfänger im ­Fokus. Ihnen bietet Enercon zwar keine formalisierte Ausbildung, sondern vor allem Training on the job. Dafür werden sie durch flache Hierarchien und eine hohe Eigenverantwortung entschädigt. Die Bezahlung der Enercon-Juristen kann sich nach eigenen Angaben auch im Vergleich zu Unternehmen in Metropolregionen sehen lassen. Konkrete Zahlen nennen sie aber nicht. Die Stimmung im Team ist nach Informationen der azur-Redaktion gut.

Dennoch gibt Knottnerus-Meyer unumwunden zu: „Es kommt vor, dass wir interessante Kandidaten nicht gewinnen können, weil die nicht nach Aurich ziehen wollen.“ Und das gilt nicht nur für die Rechts­abteilung. Also lässt sich das Unternehmen trotz des Aurich-Faibles seines Gründers und Chefs Aloys ­Wobben auf Kompromisse ein. „Ein strategischer Schritt zur Linderung des Standort-Problems ist der Ausbau unseres Bremer Standortes“, sagt Knottnerus-Meyer. Zunächst gab es dort nur ein kleines Büro, in dem ein paar Vertriebsmitarbeiter saßen. Seit vorigem Jahr ist Enercon Hauptmieter in der früheren Zentrale der Beluga-Reederei.

In dem repräsentativen Bau auf einer Weser-Halbinsel zwischen Alt- und Neustadt sind inzwischen auf zwei Etagen etwa 100 Enercon-Mitarbeiter tätig, davon vier Juristen der Rechts­abteilung – Tendenz steigend. „Neueinsteiger, die sich partout nicht dauerhaft nach Aurich locken lassen, können wir ­einen ­Arbeitsplatz in Bremen in Aussicht stellen, sobald die Einarbeitung abgeschlossen ist“, sagt der Chef-Syndikus. Auch für Schwenke war das ein wichtiges Argument. Als sich nach anderthalb ­Jahren die Chance bot, Aurich und seine Kuhwiesen gegen Bremen als Dienstort zu tauschen, musste er nicht lange überlegen.

Führungsetage voller Eigengewächse

Steile Karriere, geregelte Arbeitszeiten: In der Großkanzlei verging ihm vor lauter Arbeit fast die Lust auf Urlaub, in der von Volker Kreuziger (rechts) geleiteten Rechtsabteilung von  Schwäbisch Hall bekam Dirk Otterbach, wonach er suchte.

Steile Karriere, geregelte Arbeitszeiten:
In der Großkanzlei verging ihm vor lauter Arbeit fast die Lust auf Urlaub, in der von Volker Kreuziger (rechts) geleiteten Rechtsabteilung von Schwäbisch Hall bekam Dirk Otterbach, wonach er suchte.

Deutschlands größte Bausparkasse hat für Juristen keine Standortalternative im Angebot. Wer für sie in der Rechtsabteilung arbeiten will, muss nach Schwäbisch Hall kommen. 20 Juristen sind dort zurzeit tätig (Schwäbisch Hall – Die Bausparkasse im Detail). Der Ort liegt eine gute Autostunde nordöstlich von Baden-Württembergs Hauptstadt Stuttgart und ist noch ein bisschen kleiner als Aurich. Ein Standortnachteil ­mache sich bei der Bewerbersuche schon bemerkbar, sagt Dr. Volker Kreuziger, der die Rechtsabteilung leitet. „Wenn ich merke, dass ein Bewerber gut zu uns passt, schalte ich selbst in den Bewerbungs­modus.“

So war es, als ihm 2006 zum ersten Mal Dr. Dirk ­Otterbach gegenübersaß. Der damals 34-Jährige ­arbeitete bei einer Großkanzlei, wo er große Unternehmen bei M&A-Transaktionen sowie im Aktien- und Konzernrecht betreute. Über die Bausparkasse Schwäbisch Hall wusste Otterbach nicht viel, als er auf deren Stellenangebot stieß. Er wusste nur: „Ich wollte mich juristisch breiter aufstellen und mehr Management-Aufgaben übernehmen.“

Personalentwicklung ist eine Stärke

Das war Musik in Kreuzigers Ohren, denn um Nachwuchsjuristen in die schwäbische Provinz zu locken, hat er zwei Hauptargumente: Die Arbeit ist vor allem für Juristen internationaler und vielseitiger als es die meisten erwarten, wenn sie das Stichwort Bausparkasse hören.

Und Personalentwicklung ist eine große Stärke des Unternehmens. Wegen seines Standortnachteils setzt Schwäbisch Hall beim Führungskräftenachwuchs stark auf Eigengewächse. „80 Prozent unserer Führungskräfte stammen aus dem eigenen Haus“, sagt Kreuziger. „Die Rechtsabteilung gilt dabei als Kaderschmiede.“ Otterbach hat das interne Managementprogramm durchlaufen, mit dem Teilnehmer über mehrere Jahre systematisch auf Führungsaufgaben vorbereitet werden. Die Aufnahme in das Programm war für ihn ein sehr wichtiger Beweggrund für den Wechsel zu Schwäbisch Hall.

Auch Kreuzigers zweites Argument, die Internationalität, fruchtete bei Otterbach. „Meine Arbeit heute ist stärker international ausgerichtet als zu meiner Großkanzleizeit.“ Zur Arbeit der Abteilung Recht und Compliance gehören immer wieder auch Projekte im Ausland. Schwäbisch Hall hält Beteiligungen in Ost­europa und China und peilt weitere Markteintritte an, etwa in Russland, Chile und Vietnam.

Bei der Erschließung neuer Märkte fallen für die Juristen nicht nur Vollzugsaufgaben an. Sie verstehen sich als Gestalter. „Zu unseren Aufgaben gehört es auch, Lobbyarbeit in Ländern zu betreiben, die noch gar kein Bauspargesetz haben“, sagt Otterbach. Wenn Schwäbisch Hall seine Expertise in Gesetzgebungsvorhaben einbringe, sei das in der stark regulierten Bausparbranche eine ungeheuer anspruchsvolle Aufgabe, betont Kreuziger. „Was bei Daimler der Ingenieur ist, ist bei Schwäbisch Hall der Jurist.“

Verlässliche Arbeitszeiten

Für Otterbach bedeutete der Wechsel zwar eine Gehaltseinbuße, dafür waren aber die Arbeitszeiten verlässlich. Und sie sind es noch heute, versichert ­Otterbach, obwohl er inzwischen als Head of Compliance eine Führungsposition im Unternehmen übernommen hat. „In der Großkanzlei war es vor und nach einem Urlaub manchmal so stressig, dass man schon gar keine Lust mehr auf Urlaub hatte.“

Nicht zuletzt das Arbeitsumfeld in Schwäbisch Hall hat Otterbach überzeugt. „Ich hatte mich zum Beispiel auch bei einem Dax-Unternehmen beworben. Zweimal war ich da, aber jedes Mal hatte mein angedachter Teamkollege keine Zeit für ein kurzes Kennenlernen.“ Bei Schwäbisch Hall dagegen ging es nach dem Gespräch mit Kreuziger gleich in die Kantine. „Und die ganze Abteilung saß mit am Tisch.“

Vom Bodensee nach Brasilien

Dass die Reize einer Metropole nicht alles sind, betonen sie auch bei ZF Friedrichshafen. Das Unternehmen ist ein global aufgestellter Lieferant von Antriebs- und Fahrwerktechnik. Das namensgebende Städtchen am Bodensee hat knapp 60.000 Einwohner. „Es ist bei Weitem kein abschreckender Standort, vor allem für junge Familien“, sagt Dr. Jan Eckert, der die Rechtsabteilung leitet. „See, Berge, Wald – der Freizeitwert ist hoch. ­Zürich, München und Stuttgart sind jeweils in anderthalb Stunden zu erreichen.“ Zudem gebe es genügend Kita-Plätze, bei ZF sei derzeit sogar eine betriebs­eigene Kita im Bau.

Das allein reicht allerdings offenbar nicht, um ­jungen Juristen den Umzug an den Bodensee schmackhaft zu machen. Deshalb rückt ZF die Karriere­chancen in einem international expandierenden Konzern in den Vordergrund. Derzeit arbeiten in Deutschland ­etwa 25 Juristen für die Rechtsabteilung von ZF, davon rund ein Dutzend in Friedrichshafen, die anderen in Schweinfurt, Passau und Dielingen (ZF Friedrichs­hafen – Der Autozulieferer im Detail). Sie sind für alle rechtlichen Themen zuständig, ausgenommen Arbeits-, Steuer-, Patent- und Markenrecht sowie Compliance-Fragen. Diese Rechtsgebiete betreuen andere Abteilungen im Unternehmen.

Perspektivisch soll aufgestockt werden. „Ziel des Unternehmens ist es, den Umsatz von derzeit 18 auf insgesamt 40 Milliarden ­Euro im Jahr 2025 zu steigern“, sagt Eckert. Dieses Wachstum werde sich auch im Personalstand der Rechtsabteilung spiegeln. Vor allem im Ausland sollen die juristischen Abteilungen stark ausgebaut werden. „Das bietet auch deutschen Juristen die Chance, an ­internationalen Projekten zu wachsen, etwa indem sie eine Rechtsabteilung in Brasilien oder den USA mit auf- und ausbauen.“

Schon an der Uni den Nachwuchs locken

Gezielt den Juristen-Nachwuchs ansprechen – dafür entwickelte ZF Friedrichshafen ein spezielles Training. Dr. Jan Eckert (links) und Martin Kay verantworten es.

Gezielt den Juristen-Nachwuchs ansprechen – dafür entwickelte ZF Friedrichshafen ein spezielles Training. Dr. Jan Eckert (links) und Martin Kay verantworten es.

Ob sich diese Perspektiven auch unter angehenden Juristen herumsprechen, will die Rechtsabteilung weniger als bisher dem Zufall überlassen. „In den vergangenen Jahren haben wir zu wenig Wert darauf gelegt, den Nachwuchs gezielt anzusprechen“, sagt Eckert. Deshalb hat die ZF-Rechtsabteilung im März vergangenen Jahres ein Nachwuchsprogramm ins Leben gerufen, das von Martin Kay geleitet wird. Mit ‚Fit 4 ZF Legal‘ will die Rechtsabteilung früh, möglichst schon in der Hochschule, auf den juristischen Nachwuchs ­zugehen.

„So begleiten wir etwa Studienarbeiten, ­indem wir als Ansprechpartner aus der Praxis zur Verfügung stehen“, sagt Kay. Auch studienbegleitende Praktika bietet die Rechtsabteilung an, zudem sucht ZF laufend Referendare für die Wahlstation. Neueinsteiger lernen bereits während der Einarbeitung die benachbarten Abteilungen Compliance, Revision und M&A kennen, in denen ebenfalls Juristen tätig sind. Außerdem gibt es Austauschprogramme mit den ZF-Rechtsabteilungen in Brasilien, China und den USA.

Viel internationale Arbeit

Die Rechtsabteilungen der deutschen Standorte betreuen je eine Konzerndivision, und diese wiederum sind weltweit tätig, so dass die Arbeit der Juristen stark international geprägt ist. „Ohne verhandlungs­sicheres Englisch geht es deshalb nicht“, sagt Eckert. Die ZF-Rechtsabteilung stellt auch Berufsanfänger ein, wenn sie diese Voraussetzung erfüllen. Besonders hoch im Kurs stehen aber Bewerber, die Kanzleierfahrung mitbringen. „Es hilft im Umgang mit externen Rechtsberatern, wenn man weiß, wie die andere Seite tickt“, sagt Eckert. „Auch ent­wickelt man in Kanzleien ein gutes Verständnis für Service-Qualität, was für ­unsere Rechtsabteilung im Umgang mit internen Mandanten von Vorteil ist.“

Wie seine Kollegen aus Aurich, Melsungen und Schwäbsch Hall wirbt Eckert nicht mit einer reinen Jobbeschreibung um den Nachwuchs. Gelockt wird mit einem „Arbeitsumfeld, in dem auch die Freizeit nicht zu kurz kommt“. Die Arbeitsgestaltung sei ­äußerst flexibel, so könnten etwa Mitarbeiter einen Tag in der Woche von zu Hause aus arbeiten.

Work-Life-Balance, Karriereprogramme, Internationalität – diese Pluspunkte im Ringen um Talente bieten Unternehmen vom Lande freilich nicht exklusiv. Dennoch kann der Mix aus diesen Elementen für Nachwuchsjuristen ein Argument gegen die Metro­pole sein. Unternehmen, die etwas ab vom Schuss ­liegen, nehmen tendenziell eher Berufsanfänger: Sie haben es schlicht schwerer, berufserfahrene Quereinsteiger zu gewinnen.

Schwäbisch Hall-Anwalt Otterbach schwärmt: „Viele ahnen gar nicht, wie spannend es sein kann, für ein ­internationales Unternehmen als Jurist tätig zu sein – auch wenn das in der Provinz liegt.“ Auch Karpowitz, der aus der Weltstadt Hamburg zu B. Braun ins nordhessische Melsungen wechselte, bereut seine Entscheidung nicht. „Heute bin ich sehr froh, dass ich nicht aufgelegt habe, als der Headhunter angerufen hat.“ 

B. Braun Melsungen

Der Medizinproduktehersteller im Detail

  • Hauptsitz: Melsungen, Nordhessen
  • Umsatz 2013: 5,2 Milliarden Euro
  • Mitarbeiter: 50.000
  • Juristen in Deutschland: 10 (davon 8 in der Rechtsabteilung)
  • Anteil Frauen in der Rechtsabteilung: 12%
  • Geplante Neueinstellungen Volljuristen 2014: 1
  • Neueinstellungen Juristen ohne Staatsexamen 2014: keine
  • Praktikantenstellen 2014: 2
  • Referendarstellen 2014: 2

Vergütung: Syndikusanwalt (1. Jahr): 60.000 bis 70.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro

Vergütung Referendare: keine Angaben

So will B. Braun bei Bewerbern punkten: Internationalität (Auslandsstationen sogar für Referendare möglich), intensive Fortbildungsprogramme, gutes Gehalt.

azur-Urteil

  • Praktikum:    
  • Referendarausbildung: *
  • Ausbildung für Juristen: **      
  • Mitarbeiterzufriedenheit: ohne Wertung
  • Gehalt: **
  • Aufstiegschancen: **   
  • Karriere und Familie: *          
  • Work-Life-Balance: *         
  • Internationalität: ***  

Bemerkung: ****= herausragend, ***= sehr gut,  **= gut; *= empfehlenswert, ohne Stern = im Marktvergleich normal. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung. Lesen Sie auch unsere Methodik.

 

Enercon

Der Windanlagenbauer im Detail

  • Hauptsitz: Aurich, Ostfriesland
  • Umsatz 2012: 5 Milliarden Euro
  • Mitarbeiter: 17.000
  • Juristen in Deutschland: 17 (davon 12 in der Rechtsabteilung)
  • Anteil Frauen in der Rechtsabteilung: 25%
  • Neueinstellungen Volljuristen 2014: 0 bis 1
  • Neueinstellungen Juristen ohne Staatsexamen 2014: keine
  • Praktikantenstellen 2014: 2
  • Referendarstellen 2014: 2

Vergütung: keine Angaben

So will Enercon bei Bewerbern punkten: Internationalität, Eigenverantwortung, gute Work-Life-Balance (flexible Arbeitszeiten), Bremen statt Aurich als Dienstort.

 azur-Urteil

  • Praktikum:
  • Referendarausbildung: *
  • Ausbildung für Juristen: *      
  • Mitarbeiterzufriedenheit: ohne Wertung
  • Gehalt: ohne Wertung
  • Aufstiegschancen:   
  • Karriere und Familie: *** 
  • Work-Life-Balance: ***        
  • Internationalität: ***

Bemerkung: ****= herausragend, ***= sehr gut,  **= gut; *= empfehlenswert, ohne Stern = im Marktvergleich normal. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung. Lesen Sie auch unsere Methodik.

Bausparkasse Schwäbisch Hall

Die Bausparkasse im Detail

  • Hauptsitz: Schwäbisch Hall, nördliches Baden-Württemberg
  • Bilanzsumme 2012: 49,7 Milliarden Euro
  • Mitarbeiter: 14.000
  • Juristen in Deutschland: 31 (davon 18 in der Rechtsabteilung)
  • Anteil Frauen in der Rechtsabteilung: 44 %
  • Neueinstellungen Volljuristen 2014: 1
  • Neueinstellungen Juristen ohne Staatsexamen 2014: keine
  • Praktikantenstellen 2014: 1
  • Referendarstellen 2014: 2

Vergütung: Syndikusanwalt (1. Jahr): 44.000 bis 52.000 Euro plus Bonus bis zu 4000 Euro

Referendare: Kostenübernahme für Verpflegung, Unterbringung und Nahverkehr

So will Schwäbisch Hall bei Bewerbern punkten: Gute Aus- und Weiterbildung (umfangreiches Managementprogramm), viele Zusatzleistungen (z.B. Elternzeit und Pflegepause über die gesetzlichen Anforderungen hinaus), Familienfreundlichkeit (Teilzeit auch für Führungspersonal, flexible Arbeitszeiten, Betriebskita, Homeoffice)

azur-Urteil

  • Praktikum:
  • Referendarausbildung: *
  • Ausbildung für Juristen: **       
  • Mitarbeiterzufriedenheit: ***  
  • Gehalt: *
  • Aufstiegschancen: *
  • Karriere und Familie: **
  • Work-Life-Balance: *        
  • Internationalität:  *

Bemerkung: ****= herausragend, ***= sehr gut,  **= gut; *= empfehlenswert, ohne Stern = im Marktvergleich normal. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung. Lesen Sie auch unsere Methodik.

ZF Friedrichshafen

Der Autozulieferer im Detail

  • Hauptsitz: Friedrichshafen am Bodensee
  • Umsatz 2012: 17,4 Milliarden Euro
  • Mitarbeiter: 75.000
  • Juristen in Deutschland: 40 (davon 26 in der Rechtsabteilung)
  • Anteil Frauen in der Rechtsabteilung: 33 %
  • Geplante Neueinstellungen Volljuristen 2014: 6 – 7 (2 in der Rechtsabteilung, 4 – 5 in den Abteilungen Compliance/Corporate Security/Interne Revision)
  • Neueinstellungen Juristen ohne Staatsexamen 2014: keine
  • Praktikantenstellen 2014: 4 in der Rechtsabteilung, 4 weitere im Unternehmen
  • Referendarstellen 2014: 2 in der Rechtsabteilung, 2 weitere im Unternehmen

Vergütung: Syndikusanwalt (1. Jahr): 55.000 bis 60.000 Euro plus Bonus bis zu 2.000 Euro

Vergütung Referendare: 700 Euro im Monat

So will ZF Friedrichshafen bei Bewerbern punkten: Internationalität (Stationen an Auslandsstandorten möglich), gute Aus- und Weiterbildung (Paten- und Karriereprogramme), gute Work-Life-Balance (flexible Arbeitszeiten, Homeoffice).

azur-Urteil

  • Praktikum:    
  • Referendarausbildung:  *
  • Ausbildung für Juristen: **      
  • Mitarbeiterzufriedenheit:    ohne Wertung
  • Gehalt: *
  • Aufstiegschancen:  **
  • Karriere und Familie: *       
  • Work-Life-Balance: *       
  • Internationalität: ***

Bemerkung: ****= herausragend, ***= sehr gut,  **= gut; *= empfehlenswert, ohne Stern = im Marktvergleich normal. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung. Lesen Sie auch unsere Methodik.