azur100
04.03.2021 | Autor/in: Eva Flick
Themen in diesem Artikel:

Gibson Dunn & Crutcher – Top-Arbeitgeber – Platz 28

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Ich schätze die familiäre Stimmung sehr“

„Spannende Mandate, nette Kollegen“

„Dynamisches Umfeld“

Kritik von den eigenen Associates

„Zu starker US-Fokus“

„Geringe Partnerchancen“

Was externe Juristen über Gibson Dunn sagen

„Kaum Work-Life-Balance“

„Gutes Betriebsklima“

„Stark im Bereich Compliance“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Enge Anbindung ans Team
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Monatliche interne Fachvorträge
  • Enger Kontakt mit ausländischen Büros durch ­regelmäßige Treffen
Highlights Diversity

keine herausragenden Angebote

Wachsende US-Kanzlei auf Nachwuchssuche

Kaum Spuren von Wachstumsschmerz. Die US-Kanzlei mit ihren beiden Standorten in Frankfurt und München ist noch immer – mehr als die meisten Wettbewerber – auf Expansionskurs. Häufig drückt Wachstum auf die Stimmung, nicht so bei Gibson Dunn & Crutcher. Ein Teilnehmer der Associate-Umfrage fasst es so zusammen: „ein super Arbeitsplatz – außergewöhnlich gute Atmosphäre, tolle Mandate und ein dynamisches Umfeld“. Auch insgesamt geben die Associates ­ihrem Arbeitgeber überdurchschnittlich gute Noten für die Gesamtzufriedenheit, ebenso in Sachen Betriebsklima, Gehalt und Niveau der Arbeitsinhalte. Eine glatte Eins verteilen sie für die Internationalität.

Work und Wellness. Mit ihrem ‚Global-Wellness‘-Programm hebt sich Gibson Dunn derzeit von ihren Wettbewerbern ab. Dabei geht es sowohl um die physische als auch um die psychische Gesundheit aller Mitar­beiter mittels Apps, E-Mails und (virtuellen) Treffen. Teilnehmer der ­Associate-Umfrage heben außerdem hervor, dass Wochenenden „nur im absoluten Ausnahmefall blockiert sind. Das lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: Mit rund 50 Stunden pro Woche arbeiten die Associates laut azur-Umfrage gut zwei Stunden weniger als der Marktdurchschnitt und damit deutlich weniger als in vielen US-Kanzleien.

Karriere und Familie? Klappt. Dazu passt, dass bei Gibson Dunn die Vereinbarkeit von Karriere und Familie nicht nur frommes Wunschdenken ist. Umfrageteilnehmer heben die Flexibilität der Kollegen und Partner hervor, die dafür sorgen, dass private Termine nicht allzu oft beruflichen Verpflichtungen zum Opfer fallen. Die Flexibilität gilt zudem auch für ­eine Stundenreduzierung. „Teilzeit ist nicht nur o.k., sondern wirklich o.k.“, stellt ein Associate fest. Gerade auch jungen Eltern ermöglicht die Kanzlei ein sehr flexibles Wiedereinsteigen. Allerdings, „eine weibliche Partnerin als Vorbild wünschen sich viele“, schreibt einer. Die Partnerriege bleibt vorerst männlich.

Training on the Job für den Nachwuchs. Die enge Einbindung in die Mandatsarbeit ist das Herzstück der Ausbildung von Praktikanten und Referendaren. Darüber hinaus gibt es eine monatliche Veranstaltungsreihe, in der aktuelle Themen oder Urteile besprochen werden. Jedem Nachwuchsjuristen ist ein ,Buddy‘ zugeordnet, der die jeweilige Ausbildung im Blick behält und Feedbackgespräche führt. Referendaren finanziert die Kanzlei wie inzwischen im Markt üblich ein Repetitorium sowie einen Klausurenkurs. In der Bewerberumfrage bekommt Gibson Dunn viel Lob, aber auch ein wenig Schelte. Ehemalige Praktikanten etwa loben „die sehr gute Einbindung“, ein anderer beklagt, es gebe zu viele Praktikanten gleichzeitig und sie seien „eher Deko“. Viele ehemalige Referendare sind durchweg zufrieden. Zu lesen ist von „sehr spannenden Aufgaben und individueller Förderung“.

„Weiterbildung ist Associate-Aufgabe“. Das stellt ein Umfrageteilnehmer fest und beschreibt damit die grundsätzliche Denke. Jeder Associate verfügt über ein individuelles Ausbildungsbudget – das ist ungewöhnlich und zeigt, dass Initiative gefragt ist. Einigen gefällt dieses Angebot, anderen nicht: Ein Associate schreibt in der Umfrage, das Budget sei „überschaubar“ und nach „ein bis zwei Tagungen aufgebraucht“. Daneben gibt es interne Veranstaltungen mit Fachvorträgen von in- oder externen Sprechern. Weiterbildung findet häufig mit den US-Büros statt, etwa bei regelmäßigen Treffen der internationalen Praxisgruppen und bei zahlreichen Webinaren. So richtig zufrieden sind die Gibson Dunn-Associates mit ihrer Weiterbildung aber nach wie vor nicht.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 5 bis 10

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Referendarplätze 2021: 15              

Praktikumsplätze 2021: 20

Gibson Dunn stellt im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern nicht nur Kandidaten mit mindestens zweimal Vollbefriedigend ein. Das heißt aber nicht, dass die Latte nicht trotzdem hoch liegt. Das gilt schon für Referendare, denn die Kanzlei stellt nur solche Referendare ein, die sie sich auch als Associate vorstellen kann. Entsprechend kritisch ist der Blick. In der azur-Bewerberumfrage loben viele Teilnehmer den Bewerbungsprozess als „schnell“, „unkompliziert“ und „angenehm“. Die Kanzlei legt großen Wert darauf, dass jemand ins Team passt. Insofern nehmen vergleichsweise viele Anwälte an den Bewerbungsgesprächen teil – ein Umfrageteilnehmer berichtete von sechs Gesprächspartnern, die teilweise auch aus anderen Teams stammten. Unbedingte Voraussetzung sind sehr gute Englischkenntnisse. Eine Promotion oder ein LL.M.-Abschluss sind gerne gesehen, aber keine zwingende Voraussetzung.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Frankfurt und München

Internationale Präsenz: Gibson Dunn beschäftigt rund 1.400 Anwälte an 20 Standorten weltweit. Die meisten Büros sind in den USA, eines ist in Dubai, eines in Brasilien, drei in Asien und fünf (inklusive Deutschland) in Europa.

Anwälte in Deutschland: 12 Vollpartner, 6 Counsel, 29 Associates und 1 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 39,6 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 2

davon Frauen: 2

Umsatz in Deutschland 2019: 31,5 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 900.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 760 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 975 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), nach Absprache (nach dem 2. Examen)

Referendare: 975 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:

1. Jahr: 125.000 Euro

2. Jahr: keine Angaben

3. Jahr: keine Angaben

4. Jahr: keine Angaben

5. Jahr: keine Angaben

6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Karriere und Partnerschaft

Auf dem Weg Richtung Partnerschaft finden bei Gibson Dunn in den ersten beiden Berufsjahren halbjährliche, anschließend jährliche Feedbackgespräche statt. Eine mögliche Zwischenstation ist der Counsel-Status, der allerdings auch Dauerzustand sein kann. Der Weg bis zur Partnerschaft ist schwierig – aber seit 2020 nicht mehr unmöglich, denn die Kanzlei nahm erstmals seit 2009 wieder einen Anwalt in ihre Partnerriege auf. Seit Jahren beklagen sich die Gibson Dunn-Associates in der azur-Associate-Umfrage über ihre geringen Chancen aufzusteigen. Einer beschreibt es so: „Realistisch betrachtet bestehen nahezu keine Karrierechancen – außer für Quereinsteiger.“

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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