azur100
04.03.2021 | Autor/in: Annika Janßen
Themen in diesem Artikel:

Flick Gocke Schaumburg – Top-Arbeitgeber – Platz 20

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Das Verhältnis von Gehalt, Arbeitszeit und Aufstiegschancen stimmt“

„Sehr gute Ausbildung am Mandat“

„Sehr großzügige Förderung und Entgegenkommen, etwa bei Fortbildungen und Arbeitsplatz“

Kritik von den eigenen Associates

„Arbeitsweise und Mitarbeiterführung erinnern an die 50er-Jahre“

„Frauenförderung nur mittelmäßig“

„Zusammenarbeit zwischen den Teams und technische Ausstattung verbesserungswürdig“

Was externe Juristen über FGS sagen

„Spießig, aber hohes Niveau“

„Frauen haben wenig Aufstiegschancen“

„Obwohl FGS nicht zu den klassischen Großkanzleien gehört, ist die Erwartungshaltung an Noten sehr hoch“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Praktikanten können an Veranstaltungen der FGS Academy und Academy Young Professionals teilnehmen
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Sommerpraktikum über sechs Wochen
  • Multidisziplinäre interne Fortbildungsreihe für Berufseinsteiger
  • Mehrmonatiges Secondment möglich, meist bei einem anderen Taxand-Mitglied
Highlights Diversity
  • Eltern-Kind-Büro am Standort Bonn

Platzhirsch im Steuerrecht

Rundumpaket für Praktikanten. Die Kanzlei gilt als erste Adresse im Steuerrecht und arbeitet hart daran, das hohe fachliche Niveau langfristig zu halten. Schon beim Angebot für Praktikanten lässt sie sich daher nicht lumpen. Jedes Jahr im Sommer nehmen rund 20 Praktikanten an einem sechswöchigen Programm teil, bei dem Training on the Job im Mittelpunkt steht – immer eng begleitet durch einen Tutor. Dazu kommen Fachvorträge, Rhetoriktraining und Einblicke in Legal und Tax Tech. Ehemalige Praktikanten beschreiben das Angebot in der azur-Bewerberumfrage kurz und bündig als „sehr gut“. Die Arbeitsatmosphäre empfanden einige Ex-Praktikanten allerdings als „steif“, „hierarchisch“ oder „angespannt“.

Referendariat mit Fokus auf Mandatsarbeit. Auch Referendare sind direkt in die Mandatsarbeit eingebunden, erstellen zum Beispiel Gutachten und Präsentationen. Darüber hinaus stehen ihnen die internen Akademien für Associates offen, die regelmäßig zum Beispiel Vorträge zu aktuellen rechtlichen Themen anbieten. Pro Jahr finden zudem zwei Repetitorien über jeweils zwei Tage statt, eines zum Öffentlichen und eines zum Zivilprozessrecht. Damit bietet die Kanzlei ein solides, wenn auch nicht herausragendes Angebot für Referendare. Die loben in der azur-Bewerberumfrage vor allem den fachlichen Anspruch während ihrer Zeit bei FGS: „Das hohe wissenschaftliche Niveau war spürbar“, berichtet ein Teilnehmer.

Fachübergreifende Ausbildung. Die Kanzlei legt Wert auf eine interdisziplinäre Ausbildung. In der eigenen Akademie besuchen Associates in den ersten drei Berufsjahren insgesamt 38 Fortbildungsveranstaltungen gemeinsam mit anderen Berufseinsteigern wie Betriebs- und Volkswirten, wobei neben fachlichen Themen auch Soft Skills auf dem Programm stehen. 2021 startet ein spezielles Trainingsangebot für Senior Associates, das Wege zur Assoziierten Partnerschaft aufzeigen soll. Durch Corona haben sich zudem digitale Seminare etabliert. Die Kanzlei habe bei ihrem internen Weiterbildungsangebot zuletzt deutlich nachgebessert, finden viele Umfrageteilnehmer. Einzelne wünschen sich jedoch mehr Angebote zu gesellschaftsrechtlichen Themen.

Frauen kommen (noch) zu kurz. Insgesamt sind die FGS-Associates laut azur-Umfrage ziemlich zufrieden und vergeben überdurchschnittliche Noten. Gleichbehandlung und Betriebsklima schneiden schlechter ab. Insbesondere bei der Frauenförderung herrsche innerhalb der Kanzlei eine „Feigenblatt-Mentalität“, heißt es in der azur-Umfrage. FGS fördert zwar den Austausch weiblicher Anwältinnen mit einer eigenen Initiative und vermittelt ihnen auf Wunsch auch Coaches zu bestimmten Themen, verglichen mit den Programmen anderer Großkanzleien ist dieses Angebot jedoch eher mau. Eine Teilnehmerin wünscht sich „einen Perspektivwechsel der männlichen Partner“: Die Führungsriege müsse „akzeptieren, dass Frauen anders Karriere machen wollen“.

Moderate Arbeitsbelastung. FGS-Associates arbeiten laut azur-Umfrage mit 53 Wochenstunden etwas mehr als der Durchschnitt. Trotzdem gelingt das Kunststück, geregelte Arbeitszeiten einzuhalten: „Hier gehen Partner noch um 18:30 Uhr nach Hause“, „partnerabhängig sind moderne und flexible Arbeitszeitmodelle und individuelle Arbeitsformen umsetzbar“, stellen die Associates fest. Gehalt, Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance sind in der azur-Umfrage überdurchschnittlich bewertet. Seit Corona sei auch Homeoffice „faktisch möglich“. In der Tat zwang die Pandemie FGS dazu, ihre restriktive Einstellung zu überdenken. Viele wünschen sich, dass die entspanntere Haltung auch künftig gilt.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 28 bis 30

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine

Referendarplätze 2021: 40              

Praktikumsplätze 2021: 35

Bewerber sollten mindestens ein Vollbefriedigend im Gepäck haben, auch eine abgeschlossene oder angestrebte Promotion kommt gut an. Gern gesehen sind ein LL.M.-Titel oder Diplom-Finanzwirt. FGS legt Wert auf Veröffentlichungen seitens ihrer Anwälte – wenn auch Bewerber entsprechende Erfahrungen mitbringen, umso besser. Zudem achtet die Kanzlei zunehmend darauf, dass der Nachwuchs Legal-Tech-affin ist. Der zuständige Partner und ein weiteres Teammitglied führen das erste Vorstellungsgespräch und klopfen in rund einer Stunde Lebenslauf, Fachkenntnisse und persönliche Erfahrungen des Bewerbers ab. Ein zweites Gespräch kann stattfinden, ist aber nicht Standard.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Berlin, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart

Internationale Präsenz: FGS ist Mitglied des internationalen Steuernetzwerks Taxand, das in 50 Ländern weltweit präsent ist. Zudem hat die Kanzlei seit 2012 ein Büro in Zürich.

Anwälte in Deutschland: 54 Vollpartner, 45 Non-Equity-Partner, 112 Associates und 6 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 24 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 4

davon Frauen: 2

Umsatz in Deutschland 2019: 157 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 511.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 700 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen)

Referendare: 700 Euro/Wochenarbeitstag; max. 3.500 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 80.000 bis 110.000 Euro

2. Jahr: 86.000 bis 116.000 Euro

3. Jahr: 92.000 bis 122.000 Euro

4. Jahr: 98.000 bis 128.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro

5. Jahr: 104.000 bis 134.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Karriere und Partnerschaft

Bei FGS gibt es seit jeher drei Stufen zur Partnerschaft – ohne Up-or-out-Prinzip. Nach drei Jahren steht der erste gemeinsame Kassensturz des jeweils verantwortlichen Partners und des Associates an: Sie besprechen Stärken, Schwächen und die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten. Zwei Jahre später steht dann die Beförderung zum Assoziierten Partner an, nach weiteren drei bis vier Jahren die Vollpartnerschaft. Diese geht mit einer Vergütung nach dem Merit-based-System einher, das Einkommen ist also stark von der eigenen Leistung abhängig. Neben dem Umsatz schlagen dabei auch Verwaltungsaufgaben zu Buche. FGS ernennt regelmäßig neue Partner und nimmt stets vergleichsweise viele Anwälte in die Partnerriege auf. Anfang 2021 waren es sieben Vollpartner und neun Assoziierte Partner. Die FGS-Associates bewerten ihre Chancen auf die Vollpartnerschaft in der azur-Umfrage ein kleines bisschen besser als der Durchschnitt der Teilnehmer.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.