azur100
06.03.2020 | Autor/in: Eva Flick
Themen in diesem Artikel:

Flick Gocke Schaumburg – Top-Arbeitgeber – Platz 21

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Das Verhältnis zwischen Geld und Arbeitsbelastung stimmt“

„Eine Kanzlei wie FGS gibt es kein zweites Mal“

„Selbstentwicklung wird hier großgeschrieben“

„Guter Deal bei Work-Life-Balance, aber konservative Strukturen“

„Katastrophale IT und mangelnder Wille, daran etwas zu ändern“

„Die Kanzlei wächst zu schnell“

„Konservativ, aber ehrlich und beständig“

„Herausragende Partnerpersönlichkeiten vor allem im Steuerrecht“

„Man hört von angenehmer Atmosphäre“

▪ Sommerpraktikum über sechs Wochen

▪ Den Praktikanten stehen die Veranstaltungen der FGS Academy und Academy Young Professionals offen

▪ Eigens dafür gecoachte Associates betreuen die Praktikanten und Referendare

▪ Multidisziplinäre interne Fortbildungsreihe für Berufsanfänger

▪ Summer Camp für Associates mit Vorträgen zu Themen wie Projektmanagement, Legal/Tax Tech und künstliche Intelligenz

▪ Coaching für Mütter, die aus der Elternzeit zurückkommen

▪ Eltern-Kind-Büro am Bonner Stammsitz

▪ Kooperation mit pme Familienservice, etwa für Kitaplätze oder die Pflege von Familienangehörigen

Über den Arbeitgeber

Zufriedene Praktikanten. Bei keiner anderen Kanzlei steht das Steuerrecht in all seinen Facetten so im Zentrum wie bei Flick Gocke Schaumburg. Junge Juristen, die sich dafür interessieren, sind hier genau richtig. Rund 20 Praktikanten nehmen jedes Jahr im Sommer an einem umfangreichen Programm teil, das den Vergleich mit Wettbewerbern nicht scheuen muss: Training on the Job steht im Fokus, wird aber umfassend ergänzt durch zahlreiche Veranstaltungen. Dazu gehören Vorträge zu einzelnen Fachgebieten, zu Legal-/Tax-Tech-Aktivitäten und zur Karriereplanung sowie Englischunterricht. Neu hinzugekommen ist ein Rhetoriktraining. Jedem Studenten steht während seiner Zeit ein Tutor zur Seite. Viele Teilnehmer der azur-Bewerberumfrage sind voll des Lobes: Sie fühlten sich „wirklich eingebunden und fachlich gut integriert“ und loben die „tolle Zusammenarbeit im Team“. Einer fasst es so zusammen: „Man wird gefordert und lernt viel.“ Einzelne beklagen allerdings mangelnden Kontakt zu den Partnern.

Mandatsarbeit steht für Referendare im Vordergrund. Wie bei den Praktikanten ist auch bei der Ausbildung der Referendare die tägliche Mandatsarbeit der Dreh- und Angelpunkt. Zudem wirken sie mit an Gutachten, Schriftsätzen oder Präsentationen und dürfen an den Kursen der FGS Academy teilnehmen. Als „exzellent“ beschreiben Teilnehmer der Bewerberumfrage ihr Stage, allerdings gibt es auch kritische Stimmen: Einer meint, das Angebot sei „durchschnittlich“, einige andere kritisieren, dass es kaum Seminare zur Vorbereitung auf das Examen gibt. Sie haben insofern recht, als das Angebot mit zwei zweitägigen Repetitorien pro Jahr – jeweils zum Öffentlichen sowie zum Zivilprozessrecht – dem Vergleich mit manch anderer Großkanzlei nicht ganz standhalten kann.

Associates lernen interdisziplinär. Auch wenn die Beratung zum Gesellschafts-, Arbeits- und Kartellrecht gerade am Stammsitz in Bonn an Relevanz gewonnen hat, bleibt das Steuerrecht das erklärte Herzstück von FGS. Deswegen gehört interdisziplinäres Arbeiten von Juristen mit Betriebs- und Volkswirten hier zur Tagesordnung. Das schlägt sich in der Aus- und Weiterbildung nieder: So hat FGS ihre fachübergreifende Ausbildung erneut deutlich aufgestockt. In den ersten zweieinhalb Jahren besuchen junge Associates gemeinsam mit den anderen Berufseinsteigern eine Fortbildungsreihe mit insgesamt 38 Veranstaltungen. Hinzu kommen Vorträge speziell für Juristen, die sich mit aktuellen Entwicklungen des Steuerrechts befassen. Letzteres findet zentral in Bonn statt. Manchem Associate reicht dieses Angebot trotzdem noch nicht, in der azur-Associate-Umfrage sind auch kritische Stimmen zu vernehmen. Wegen der Arbeitsbelastung, schreibt einer, könne man an den Kursen häufig nicht teilnehmen. Ein anderer wünscht sich mehr Unterstützung durch seinen Partner, der stattdessen schlechtes Gewissen verbreite, wenn man an den internen Kursen teilnehmen möchte.

Recht ausgeglichene Work-Life-Balance. FGS schafft besser, wovon vor allem US-Kanzleien weit entfernt sind: eine recht ausgeglichene Work-Life-Balance. Mit 52 Wochenstunden Arbeitszeit laut azur-Umfrage liegt die Kanzlei sogar minimal unter dem Marktdurchschnitt. Mit der Arbeitsbelastung sind die Teilnehmer leicht überdurchschnittlich zufrieden. Einer meint: „Das Verhältnis zwischen Gehalt und Arbeitsbelastung stimmt.“ Unter dem Marktschnitt hingegen beurteilen die Associates die Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Den Grund sieht ein Teilnehmer in der Tatsache, dass viele Partner die Förderung von Frauen und der Vereinbarkeit von Karriere und Familie nach wie vor nicht als notwendig erachten. „Hier muss ein Umdenken stattfinden“, fordert er.

Zufriedenheit gesunken. Insgesamt sind die FGS-Associates laut azur-Umfrage weniger zufrieden mit ihrem Arbeitgeber als im Vorjahr. Sowohl insgesamt als auch in puncto Betriebsklima liegen die Noten unter dem Marktdurchschnitt, ebenso bei der Gleichbehandlung hinsichtlich Herkunft, sexueller Orientierung und Geschlecht. Die „Altherrenriege“ tue sich mit Veränderungen schwer und sei innovationsfeindlich, ist in der Umfrage zu lesen. Allerdings sind nicht alle dieser Meinung. Einige Teilnehmer schreiben, alles hänge vom jeweiligen Partner ab, „was gut sein kann oder schlecht“. Insofern ist hier mancher auch durchaus zufrieden: FGS sei „unvergleichlich“ und vor allem „fachlich exzellent“.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 22 bis 24

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine

Referendarplätze 2020: 35         

Praktikumsplätze 2020: 35

Mindestens ein Vollbefriedigend sollte ein Bewerber im Gepäck haben, auch eine Promotion – bereits abgeschlossen oder noch in der Mache – sowie ein LL.M. bringen Pluspunkte. Von jeher legt die Kanzlei bei ihren Anwälten zudem Wert auf Veröffentlichungen und sieht Erfahrungen damit entsprechend auch beim Nachwuchs gerne. Das gilt insbesondere für ihre Paradedisziplin, das Steuerrecht. Der zuständige Partner und ein weiteres Teammitglied führen das etwa 60-minütige Vorstellungsgespräch, in dem es um den Lebenslauf, Fachkenntnisse und persönliche Erfahrungen des Bewerbers geht. Manchmal, aber nicht zwingend, findet ein zweites Gespräch statt, an dem weitere Anwälte teilnehmen.

Standorte in Deutschland: Berlin, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart

Internationale Präsenz: Seit 2016 ist FGS Mitglied des internationalen Steuernetzwerks Taxand, das in mehr als 40 Ländern weltweit präsent ist. Zudem hat die Kanzlei eine eigene Repräsentanz in Zürich.

Anwälte in Deutschland: 48 Vollpartner, 39 Non-Equity-Partner, 99 Associates und 7 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 22,8%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 4 (davon 2 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018: 136,5 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 495.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Die Kanzlei ist auf Expansionskurs. 2018 eröffnete sie in Düsseldorf, 2019 in Stuttgart. Für Stuttgart holte sie zwei Steuerberater von KPMG sowie einen bekannten Steuerstrafrechtler. Dabei behält sie zwar das Steuerrecht deutlich im Fokus, aber auch für ihre Beratung im Gesellschaftsrecht und bei Transaktionen gewinnt sie immer mehr Anerkennung – zumal sie mit dem Gewinn von Quereinsteigern das Nadelöhr Richtung Partnerschaft nicht verstopft: Sie nimmt regelmäßig mehr Anwälte in ihre Reihen auf als mancher Wettbewerber.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 700 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen)

Referendare: 700 Euro/Wochenarbeitstag; max. 3.500 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: 80.000 bis 110.000 Euro
2. Jahr: 86.000 bis 116.000 Euro
3. Jahr: 92.000 bis 122.000 Euro
4. Jahr: 98.000 bis 128.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
5. Jahr: 104.000 bis 134.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Bei FGS gibt es drei Stufen zur Partnerschaft, aber ohne Up-or-out-Prinzip. Der jeweils verantwortliche Partner und der Associate besprechen im Detail nach drei Jahren die Stärken und Schwächen sowie die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten. Nach weiteren zwei Jahren steht dann die Beförderung zum Assoziierten Partner an und wiederum drei oder vier Jahre später die Vollpartnerschaft. Letzteres bedeutet eine Vergütung nach dem Merit-based-System, das heißt, das Einkommen ist stark von der eigenen Leistung abhängig. Neben dem Umsatz schlagen dabei auch Verwaltungsaufgaben zu Buche.

FGS gehört zu den größeren Einheiten im Markt, die regelmäßig ziemlich viele Anwälte in ihre Partnerriege aufnehmen – zuletzt drei Vollpartner und zwölf Assoziierte Partner. So ist es kein Wunder, dass die Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage ihre Chancen auf die Vollpartnerschaft besser bewerten als der Durchschnitt der Teilnehmer.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.