News
10.08.2020 | Autor/in: Silke Brünger
Themen in diesem Artikel:

azur-Associate-Umfrage: Keine Zukunftssorgen dank gutem Krisenmanagement

Junge Juristen zeigen sich weitgehend unbeeindruckt von der Corona-Krise und blicken vergleichsweise sorglos in die Zukunft. Auch das Krisenmanagement der Arbeitgeber funktioniert in den meisten Fällen überraschend gut. Das zeigen einige erste Ergebnisse der aktuellen azur-Associate-Umfrage, die die azur-Redaktion vorab ausgewertet hat.  

Die meisten Nachwuchsjuristen stellen ihren Arbeitgebern, Kanzleien und Unternehmen, ein ausgesprochen gutes Zeugnis für das Krisenmanagement aus: „große Weitsicht der leitenden Führungskräfte“, „besonders transparenter und vorbildlicher Umgang“, „souveränes Management“ oder „hervorragende Umstellung auf Homeoffice“. Viele der insgesamt über 3.400 Teilnehmer freuen sich gar über „positive Effekte“ der Krise durch eine flexiblere Arbeitsweise. Und ein Associate verrät, dass die Kanzlei allen Mitarbeitern die Angst vor Kündigungen genommen habe.

So viel Harmonie ist wirklich selten und geht aus der aktuellen azur-Associate-Umfrage hervor, die die azur-Redaktion von Mitte Mai bis Anfang Juli 2020 durchgeführt hat. Die Mehrheit der Teilnehmer blickt überwiegend sorglos in die Zukunft: 57 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich „gar keine“ Sorgen um ihre persönliche berufliche Zukunft machen, nur fünf Prozent der Nachwuchsjuristen sorgen sich „stark“ bis „sehr stark“.

Zu Beginn der Corona-Krise im April dieses Jahres war das Stimmungsbild noch anders: Damals gaben in einer kleineren JUVE-Umfrage nur knapp 30 Prozent der Kanzlei-Associates an, dass sie sich „gar keine“ Sorgen um ihre Zukunft machen. Die Angst vor den Folgen der Corona-­Krise hat somit deutlich abgenommen. 

Mehr Inhouse-Juristen müssen kurzarbeiten

Spurlos geht die Pandemie allerdings auch am Anwaltsmarkt nicht vorbei. Einige Umfrageteilnehmer kritisieren den Umgang ihres Arbeitgebers mit der Krise, beschweren sich etwa über die „katastrophale Kommunikationspolitik der Kanzleiführung“ oder „die nur zähneknirschende Gewährung von Homeoffice“ und berichten von „Zwangsurlaub“, einem „harten Gehaltsverzicht für angestellte Anwälte“ und „einschneidenden, demotivierenden Maßnahmen“. 

So beobachten rund 25 Prozent der Kanzlei-­Associates und 32 Prozent der Inhouse-Juristen einen Einstellungsstopp als direkte Auswirkung der Krise. Von den Syndikusanwälten sind 30 Prozent von Kurzarbeit betroffen, während dies nur vier Prozent der Associates in Kanzleien betrifft. In puncto Gehaltskürzungen wiederum stehen die Unternehmensjuristen etwas besser da.

Keine Unterschiede zwischen Kanzleianwälten und Inhouse-Juristen gibt es indes bei der Arbeitsbelastung: Rund 46 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass sie genauso viel wie im Vorjahr arbeiten, rund 34 Prozent arbeiten mehr und nur 20 Prozent haben weniger zu tun. Die Zahlen unterscheiden sich nicht zwischen Kanzleien und Unternehmen. 

Wenig überraschend zeigt die Betrachtung nach Rechtsgebieten in den Kanzleien hingegen deutliche Unterschiede: Während Arbeitsrechtler und Restrukturierungsexperten zurzeit eher mehr zu tun haben, ist die Arbeitsbelastung in M&A- und Private-Equity-­Praxen tendenziell gesunken.

Die auf M&A-spezialisierten Associates machen sich indes auch mehr Gedanken um ihre berufliche Zukunft als der Marktdurchschnitt, aber nur ein kleines bisschen: 7 Prozent machen sich „starke“ bis „sehr starke“ Sorgen, 43 Prozent „ein wenig“. Die Hälfte ist hingegen völlig sorglos. Auch hier haben die Kanzleimanager anscheinend gute Arbeit geleistet.