azur100
04.03.2021 | Autor/in: Christine Albert
Themen in diesem Artikel:

DLA Piper – Top-Arbeitgeber – Platz 31

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Sehr gute Kommunikation und offener Umgang“

„Nette Kollegen und hohes fachliches Niveau, zudem sehr gute internationale Zusammenarbeit“

„Moderner Arbeitgeber, extrem gutes Krisenmanagement in Corona-Zeiten“

Kritik von den eigenen Associates

„Befördert wird nicht, wer gut ist, sondern nur, wer sich nach oben boxt“

„Diskriminierung von Frauen gibt es offiziell nicht, ist aber gelebter Alltag“

Was externe Juristen über DLA sagen

„Sehr hohes Arbeitspensum in einigen Bereichen, wenig Aufstiegschancen“

„Spannende Mandate, dynamische Teams, offenere Strukturen im Vergleich zu anderen Kanzleien“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Vier- bis sechswöchiges Gruppenpraktikum, u.a. Verhandlungsführung und Moot-Court-Wettbewerb
  • Traineeprogramm mit sechs Modulen
  • Wahlstation im Pro-bono-Team möglich, zunächst ein Monat Paris oder Amsterdam, danach Hamburg
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Nationales Weiterbildungsprogramm mit 15 Seminaren/Workshops pro Jahr, passend zu Karrierestufen
  • Kurz-Secondment-Programm über jeweils zwei Wochen in einem europäischen oder weltweiten Büro
  • Internationales Ausbildungsprogramm
Highlights Diversity
  • Weltweites LGBT-Netzwerk, Schulungen u.a. zu ‚Gendergerechter Sprache‘ und ‚Unconscious Bias‘ sowie Pro-bono-Mandate für LGBT-Organisationen, NGOs und Stiftungen

Großkanzlei mit internationalem Flair und Legal-Tech-Ambitionen

Ausbildung spitze. Seit gut 16 Jahren ist DLA Piper im deutschen Markt aktiv, heute arbeiten hier fast 270 Anwälte. „Aber immer noch mit Start-up-Feeling, vielen sehr guten Leuten und einem hervorragenden, lockeren Betriebsklima“, bringt es ein Teilnehmer der aktuellen Associate-Umfrage auf den Punkt. Was Angebote für den juristischen Nachwuchs angeht, ist DLA längst kein Start-up mehr. Vor allem das Ausbildungsangebot für Associates entwickelt sich immer mehr zu einem Aushängeschild, was auch die Teilnehmer der azur-Umfrage anerkennen. Zugeschnitten auf die unterschiedlichen Senioritätsstufen umfasst es 15 Seminare zu Themen wie Projektmanagement, Preisgestaltung, Geschäftsaufbau oder Work-Life-Balance. Zuletzt legte DLA ein besonderes Augenmerk auf Digitalisierung. Nun gehören auch agile Arbeitsmethoden, Legal Design oder Legal Tech dazu. Auch die Programme für Praktikanten und Referendare können sich sehen lassen: Neben fachlichen Themen, IT-Trainings und Englischkursen steht das Training on the Job. Ein Teilnehmer der azur-Umfrage lobt: „Sehr gute Betreuung und umfassend konzeptionierte Ausbildungsstationen.“

Viel Arbeit – viel Gehalt. Bei ihren Associates kann DLA vor allem in zwei Bereichen punkten: Internationalität und Kommunikation – unter anderem zum Umgang mit der Corona-Pandemie. Ansonsten ergibt sich kein einheitliches Bild: Arbeitspensum und Betriebsklima hängen stark am jeweiligen Team, beides wird von den Umfrageteilnehmern unterdurchschnittlich bewertet. Immerhin regelt das Vergütungssystem eine gerechte Bezahlung für viel Arbeit. Anfänger haben die Wahl: Sicherheitsorientierte können ein festes Gehalt plus optionalen Bonus wählen. Zweite Option: Man wählt ein niedrigeres Grundgehalt, das neben dem freiwilligen Bonus einen Zielbonus beinhaltet. Der ist an abrechenbare Stunden gekoppelt, bezieht aber auch Pro-bono-Aktivitäten oder Recruiting ein. 1.755 Stunden sind für einen Bonus von 15.000 Euro nötig.

Problem erkannt, aber noch nicht gebannt. Ein Dauerbrenner bei DLA ist die Work-Life-Balance, die Associates ebenso unterdurchschnittlich bewerten wie ihre Arbeitsbelastung. Mit rund 52 Wochenstunden laut azur-Umfrage liegen sie genau im Marktdurchschnitt. Doch die Kanzlei will die Situation verbessern. Dass es möglich ist, sehr flexibel zu arbeiten, hat nicht nur mit der Corona-Krise zu tun. Ein Programm regelt mobiles Arbeiten im Detail. Seit 2020 unterstützt ein Mental-Health-Angebot Anwälte und Mitarbeiter in beruflichen und persönlichen Krisen, auf Wunsch können externe Experten vertraulich und anonym helfen.

Aufstiegssorgen. Deutlich desillusionierter als im Vorjahr geben sich DLA-Associates, was ihre Karrieremöglichkeiten anbelangt. „Intransparente und indiskutable Verfahren für Beförderungen“ und „fehlende klare Ansagen“ bemängeln Umfrageteilnehmer. Vor allem aber Frauen haben es schwer; die Urteile fielen hier zuletzt sehr hart aus: „Frauen haben keine echte Chance, Gleichstellung ist reines Lippenbekenntnis“, lautet nur ein Kommentar von vielen.

Techies vor. Die Kanzlei investiert sehr viel in Legal Tech, in einigen Praxisgruppen wie Corporate oder IP/IT kommen schon etliche Tools für abrechenbare Arbeit zum Einsatz, in anderen wird vor allem die interne Zusammenarbeit durch IT unterstützt. Seit Mai 2020 hat DLA die Rolle der Legal Tech Fellows eingeführt: Zwei Jahre lang stecken sie 25 Prozent ihrer Zeit für Anwaltstätigkeit in die Legal-Tech-Strategie der Kanzlei. Auf die vier Plätze konnten sich alle Associates und Counsel bewerben, ausgewählt wurden sie vom deutschen Management.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 25

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Referendarplätze 2021: 40              

Praktikumsplätze 2021: 25

Auch DLA nimmt am liebsten Bewerber mit zwei VB, aber es gibt Ausnahmen – insbesondere in Praxisgruppen und regionalen Märkten, in denen die Konkurrenz sehr groß ist. Zusatzqualifikationen wie Promotion, ausländischer LL.M. oder Fachanwalt sind keine Pflicht, aber willkommen. Wegen der internationalen Ausrichtung sollten Bewerber verhandlungssichere Englischkenntnisse und unternehmerische Kompetenzen mitbringen. In den zweigliedrigen Bewerbungsgesprächen, die in der Regel auf Deutsch stattfinden, liegt der Schwerpunkt auf dem Kennenlernen. Im Erstgespräch nimmt neben den Partnern des Fachbereichs ein lokaler Personalpartner teil, anschließend gibt es ein Treffen mit weiteren Teammitgliedern. Im Zweitgespräch lernen Kandidaten weitere Partner, Counsel und Associates des Fachbereichs oder Standorts kennen. „Professionell und sehr schnell“, lobt ein Bewerber das Verfahren. Aufgrund der Corona-Pandemie fanden die Gespräche zuletzt virtuell statt.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Frankfurt, Hamburg, Köln und München

Internationale Präsenz: DLA ist an mehr als 80 Standorten in über 40 Ländern vertreten. Daneben arbeitet sie etwa in Brasilien exklusiv mit Kooperationspartnern zusammen.

Anwälte in Deutschland: 62 Vollpartner, 44 Counsel, 148 Associates und 12 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 33,1 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 19

davon Frauen: 13

Umsatz in Deutschland 2019/20: 117,4 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019/20: 536.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 500 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 100.000 bis 115.000 Euro plus Bonus bis 50.000

2. Jahr: keine Angaben

3. Jahr: keine Angaben

4. Jahr: 120.000 bis 125.000 Euro plus Bonus

5. Jahr: 125.000 bis 130.000 Euro plus Bonus

6. Jahr: 130.000 bis 135.000 Euro plus Bonus

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Karriere und Partnerschaft

In der Regel steht ab dem vierten Jahr bei DLA die Beförderung zum Senior Associate an. Die Entscheidung, ob jemand auf den Counsel- oder Partnertrack kommt, fällt nach sechs Jahren. Für Associates mit Teilzeitmodellen gilt laut Kanzlei derselbe Zeitrahmen. Allerdings schneidet DLA, was Aufstiegschancen in die Vollpartnerschaft anbelangt, bei ihren Associates in der aktuellen azur-Umfrage erneut nicht besonders gut ab. 2020 gab es keine internen Partnerernennungen, lediglich sechs neue Counsel. Dementsprechend schätzen Teilnehmer ihre alternativen Karrierechancen etwas besser ein.

Die Ernennung zum Counsel kann in eine dauerhafte Anstellung münden, der Weg in die Partnerschaft bleibt aber offen. Da es bei DLA nur die Stufe des Vollpartners gibt, dient der Counsel-Status auch als Schonzeit. Vor der Ernennung zum Counsel müssen die Kandidaten einen Businessplan präsentieren, in dem sie ihre weitere Geschäftsentwicklung vorstellen. Partnerkandidaten durchlaufen außerdem ein Assessmentcenter.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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