News
28.09.2020 | Autor/in: Anika Verfürth

Diversity: 40 Juristen zeigen Gesicht

Das Karrierenetzwerk Alice veröffentlicht eine Liste mit 40 erfolgreichen und geouteten LGBT+ Juristen. Die Aktion „Gesicht zeigen“ soll ein Zeichen für mehr Sichtbarkeit geben und Mut machen im Kampf für mehr Diversität in juristischen Berufen. Das wird Zeit, denn insbesondere Anwaltskanzleien kommen nur schleppend voran.

AdobeStockEigentlich plante das Netzwerk, eine Liste mit 100 Juristen zusammenzustellen, die lesbisch, schwul, trans- oder intergeschlechtlich sind. Doch am Ende kamen nur 40 zusammen. Das zeigt unter anderem, wie konservativ die juristische Branche geprägt ist, und dass es offensichtlich zu wenig Akzeptanz im beruflichen Umfeld dafür gibt. Zugleich sind die 40 Gesichter aus der Kampagne auch ein großer Erfolg. Sie kommen aus den verschiedensten Kanzleien, darunter US- oder UK-Adressen wie Allen & Overy, Hogan Lovells, White & Case, DLA Piper, Gibson, Dunn & Crutcher, Latham & Watkins, Herbert Smith Freehills, Simmons & Simmons oder Linklaters.

Aber auch in den deutschen Kanzleien haben sich Juristen an der Aktion beteiligt: Hengeler Mueller, GSK Stockmann, Kapellmann und Partner, Noerr, CMS Hasche Sigle sowie kleinere Einheiten wie Greenfort oder BRP Renaud & Partner haben Rechtsanwälte in ihren Reihen, die sich für mehr Akzeptanz einsetzen. Auch Juristen aus Unternehmen oder dem öffentlichen Dienst sowie Richter nehmen teil. Die Liste stellt keineswegs ein Ranking dar, sie soll vor allem jungen Juristen auch vor ihrem Berufseinstieg als Vorbild dienen. Die gesamte Liste findet ihr hier.

Teilnehmen konnte jeder: Die Aktion wurde über soziale Medien verbreitet, es gab Newsletter sowie Hinweise über interne Kanzleinetzwerke. Ebenso war es möglich, sich selbst oder andere für die Liste zu nominieren. Kamen jetzt „nur“ 40 zusammen, so ist Alice doch zuversichtlich, dass im Laufe der Zeit mehr Anwälte sich dazu bewegen können, diesen Schritt zu gehen. „Ich zeige sehr gerne Gesicht, weil ich aus meinem eigenen Werdegang weiß, wie wichtig es ist, sichtbare Rollenvorbilder zu haben“, sagt Dr. Malte Stübinger im Rahmen der Veröffentlichung der Liste. Er ist Associate bei Latham & Watkins. 

Kanzleien scheitern schon an der Frauenförderung

Seit Jahren schon fragt die azur-Redaktion im Rahmen der jährlichen azur100-Recherche unter anderem Themen wie Diversität sowie den Frauenanteil bei juristischen Arbeitgebern ab. Mit dem Ergebnis, dass die meisten Kanzleien in Deutschland bereits an einem akzeptablen Frauenanteil scheitern. Sind die Quoten in den ersten Berufsjahren noch hoch, schwindet der Frauenanteil auf den höheren Berufsstufen massiv. Im Jahr 2020 ernannten zum Beispiel die Top 20 der azur-Liste 2020 insgesamt 89 neue Partner. Darunter waren nur 18 Frauen. Bleiben die Männer in der Equity-Partnerschaft unter sich, prägt dies die Mentalität der gesamten Organisation und sorgt auch dafür, dass die Akzeptanz für Diversität nicht besonders hoch ist. 

Auch Mandanten wollen diverse Teams

Nicht nur Aktionen wie die von Alice stoßen Änderungen im Markt an. Auch immer mehr Mandanten wollen diverse Teams in den Kanzleien sehen. Als gutes Beispiel voran geht der Schweizer Pharmakonzern Novartis. Anfang 2020 knüpfte General Counsel Shannon Klinger eine Mandatsvergabe an konkrete Diversity-Auflagen. 30 Prozent der in Rechnung gestellten Associate-Stunden und 20 Prozent der Partner-Arbeitszeit müssen weibliche, ethnisch diverse oder Mitglieder der LGBT-Gemeinde erbringen. Wird dies nicht erfüllt, drohen Vertragsstrafen. Auch andere Unternehmen wünschen ähnliche Teams, darunter Google, der Chiphersteller Intel oder der Taxi-Konkurrent Uber.