azur100
06.03.2020 | Autor/in: Markus Lembeck
Themen in diesem Artikel:

Dentons – Top-Arbeitgeber – Platz 40

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Exzellente Stimmung unter den Associates, auch international“

„Sehr gute Aufstiegschancen und internationale Mandate“

„Ausgezeichnetes internes Fortbildungsprogramm“

„Themen rund ums Gehalt sind nicht transparent genug“

„Bessere Organisation der Arbeitsabläufe ist wünschenswert“

„Umgang mancher Partner mit den Associates könnte respektvoller sein“

„Interessantes Wachstum und große Chancen“

„Große Unabhängigkeit der Büros, wenig Kooperation untereinander“

„Sehr offen für Teilzeitmodelle aller Art“

▪ Vierwöchiges Intensivpraktikum

▪ Wahlstation in einem ausländischen Dentons-Büro möglich

▪ Umfangreiches E-Learning-Angebot für Associates

▪ Fortbildungs- und Secondment-Angebot sehr international orientiert

▪ Aktive deutsche Gruppen in der weltweiten Dentons-Diversity-Initiative

Über den Arbeitgeber

Andauerndes Start-up-Gefühl. „Das haben wir immer schon so gemacht“ – das wird man bei Dentons kaum hören. Angesichts des beständigen Ausbaus sowohl in Deutschland als auch im Ausland stellen sich viele Aufgaben zum ersten Mal. Eine zentrale Herausforderung ist die Integration der vielen Quereinsteiger, das Networking und die standortübergreifende Mandatsarbeit. „Exzellente Stimmung unter den Associates sowie guter Kontakt zu internationalen Kollegen“, findet ein Berliner Associate in der azur-Umfrage. „Die Atmosphäre hat sich stetig gebessert“, erklärt ein Münchner Anwalt. Allerdings überwiegen kritische Stimmen: „Reagieren Sie auf meine Generation von Juristen!“, fordert ein Umfrageteilnehmer an die Dentons-Partner gerichtet. Er habe den Eindruck, dass mancher ältere Partner neidisch sei, wenn die Work-Life-Balance bei jüngeren Anwälten gut funktioniere.

Teilzeit ist keine Ausnahme. Zwar gibt es flexible Möglichkeiten, für Dentons in Teilzeit zu arbeiten – die Spanne etwa bei den azur-Umfrageteilnehmern geht von 25 bis 45 Wochenstunden. Aber einzelne Teilzeitanwälte fühlen sich etwas abgehängt, was Feedback und Betreuung angeht. In der Vollpartnerschaft sucht man vergebens nach Vorbildern, unter allen Partnern hat niemand Stunden reduziert. Bei der Arbeitsbelastung liegt Dentons laut azur-Umfrage mit knapp 53 Wochenstunden genau im Marktdurchschnitt. Obwohl die Kanzlei mit Partnerernennungen aus den eigenen Reihen beweist, dass sie trotz Wachstum nicht nur auf Quereinsteiger setzt, ist die Zufriedenheit der Associates mit ihren Chancen auf den Vollpartnerstatus noch unterdurchschnittlich.

Eigeninitiative zählt. Dentons wird immer mehr zur Full-Service-Kanzlei. Für die Mandanten – nicht so sehr für die eigenen Anwälte. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern Absicht, und zwar trotz aller Leistungen der Kanzlei im Nachwuchssektor. Denn Eigeninitiative soll der Hauptantrieb sein für das Vorankommen – von der Fortbildung über die internationale Vernetzung bis hin zur Bewährung in den europäisch gesteuerten Aufstiegsprozessen. Mehr Transparenz über die internen Abläufe und mehr Kommunikation über Karriereschritte werden mehrfach als Defizite der Kanzlei genannt. Dagegen findet das Engagement für Fortbildung deutliche Anerkennung: Die Legal Academy von Dentons, die innerhalb von drei Jahren den jüngeren Associates neben rechtlichen Themen auch Grundzüge von Bilanzen, Steuern und Transaktionsmanagement nahebringt, wird vielfach als spürbare Verbesserung der jüngsten Zeit genannt.

Globaler Anspruch. Ab der Ernennung zum Senior Associate ist die Fortbildung dann internationaler organisiert und bringt die Anwälte der europäischen Standorte zusammen. Diese Treffen behandeln vor allem nicht juristische Skills wie Präsentation, Mandatsführung und Business Development. Für die fachliche Weiterbildung sind die Praxisgruppen verantwortlich – auch hier gibt es internationale Treffen, die Networking und fachlichen Austausch vereinbaren. Um die grenzüberschreitende Arbeit zusätzlich zu fördern, hat Dentons ihr Secondment-Programm formalisiert. Associates können sich nun für Kurzzeit-Secondments bewerben, die bis zu vier Wochen dauern. Deutsche Associates haben dies bereits für Secondments in verschiedenen asiatischen Büros genutzt.

Internationales auch für Referendare. Viele Angebote für Associates stehen auch Referendaren offen, die ansonsten im Alltagsbetrieb mitschwimmen. Dazu gibt es auch kritische Rückmeldungen: „Kaum Feedback und Überstunden ohne Kompensation“, kritisiert ein Ex-Referendar. Andere loben ihre Einbindung ins Team und die „sehr gute Arbeitsatmosphäre“. Wie andere internationale Kanzleien auch ermöglicht es Dentons, nach erfolgreich absolvierter Anwaltsstation die Wahlstation in einem ausländischen Büro zu verbringen, etwa in London, New York oder Sydney. Praktikanten können die Kanzlei in einem vierwöchigen Intensivprogramm kennenlernen, das neben Fachvorträgen und Workshops auch Gerichtstermine und Einblicke in Kanzleimarketing und Geschäftsentwicklung umfasst. Das Programm wird seinem Anspruch gerecht: „Ich hatte nie das Gefühl, ‚nur‘ ein Praktikant zu sein“, meint ein ehemaliger Teilnehmer. 2020 wird die Zahl der Praktikanten- und Referendarsplätze leicht erhöht.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 20 bis 30

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Referendarplätze 2020: 25 bis 30            

Praktikumsplätze 2020: 25 bis 30

Der gesamte Bewerbungsprozess besteht aus zwei Gesprächsrunden, wobei im zweiten Durchgang diejenigen Partner teilnehmen, die endgültig über die Einstellung entscheiden. Zwei überdurchschnittliche Examina wünscht sich Dentons von ihren Bewerbern – idealerweise. Ein Doktortitel oder ein Auslandsaufenthalt z.B. für einen LL.M.-Abschluss sind gern gesehen, genauso wie ein Praktikum oder wissenschaftliche Mitarbeit in dem Rechtsgebiet, für das sich ein Kandidat interessiert. Zudem legt Dentons Wert auf nicht juristische Qualifikationen, Hobbys und Interessen, zum Beispiel ehrenamtliche Tätigkeiten.

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München

Internationale Präsenz: Dentons ist weltweit aktiv und hat rund 180 Büros in 73 Ländern. Nicht nur der Zusammenschluss mit der chinesischen Kanzlei Dacheng vor fünf Jahren hat das Wachstum befeuert, auch in Australien, Europa und Amerika wächst Dentons weiter, auf mittlerweile 10.000 Anwälte und mehr.

Anwälte in Deutschland: 55 Vollpartner, 14 Non-Equity-Partner, 38 Counsel, 95 Associates und 8 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 31%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 5 (5 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018: 71,7 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 516.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Mit ihren vier Büros und über 200 Anwälten ist Dentons eine feste Größe im deutschen Kanzleimarkt geworden. Der weitere Ausbau des neuen Düsseldorfer Standorts ist erklärtes Ziel sowie eine Vernetzung der vielen Quereinsteiger. In etlichen großen Restrukturierungsmandaten und -transaktionen hat die Kanzlei ihre Stärke bereits ausspielen können.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 12 bis 15 Euro/h (vor dem 1. Examen), 21,63 bis 23,08 Euro/h (nach dem 1. Examen), 28,85 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 750 bis 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: 100.000 bis 105.000 Euro plus Bonus bis 50.000 Euro
2. Jahr: 105.000 bis 110.000 Euro plus Bonus bis 50.000 Euro
3. Jahr: 110.000 bis 115.000 Euro plus Bonus bis 50.000 Euro
4. Jahr: keine Angaben
5. Jahr: keine Angaben
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 39.000 bis 45.000 Euro plus Bonus

Nach dem Berufseinstieg durchlaufen Associates zwei Karrierestufen. Im vierten Berufsjahr werden sie Senior Associates, nach dem fünften Jahr können sie zum Counsel aufsteigen. Ab der Counsel-Stufe sind alle Ernennungen europaweit formalisiert und folgen dem gleichen Ablauf – die deutschen Associates müssen sich also mit ihren Leistungen im internationalen Kontext behaupten.

Die Counsel-Position kann direkt in die Partnerschaft führen, ist aber auch als längerfristige Karrierestufe möglich. Der nächste Schritt ist die Ernennung zum Special-Contract-Partner, er soll den Sprung in die Partnerschaft vorbereiten. Eine Unterscheidung gibt es schließlich auch in der obersten Partnerriege: Neben den sogenannten Full-Interest-Partnern, die voll am Gewinn der internationalen Dentons LLP beteiligt sind, gibt es auch Preferred-Interest-Partner, die eine geringere Gewinnbeteiligung haben.

Klingt kompliziert? So kommt es auch bei manchen Dentons-Anwälten an. Aus ihrer Sicht ist die Karrierestruktur verbesserungsbedürftig: „Gehalt und Karriereschritte sind nach wie vor intransparent“, lautet eine Aussage in der azur-Umfrage. „Angaben zu Karriereschritten stimmen nicht unbedingt mit den auf europäischer Ebene gemachten Angaben überein.“

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.