azur100
04.03.2021 | Autor/in: Annika Janßen
Themen in diesem Artikel:

Dentons – Top-Arbeitgeber – Platz 32

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Guter Arbeitgeber, der einem viele Freiheiten gibt, wenn man sie einfordert und entsprechend gute Arbeit leistet“

„Der Zusammenhalt unter den Associates ist ein echtes Asset dieser Kanzlei“

„Gute Transparenz in Sachen Gehalt und Entwicklungsmöglichkeiten“

Kritik von den eigenen Associates

„Umgang mit Counseln lässt zu wünschen übrig“

„Talente werden nicht an die Kanzlei gebunden“

„Ich würde mir teilweise eine etwas professionellere und weniger emotionale Arbeitsweise wünschen“

Was externe Juristen über Dentons sagen

„Einer der wenigen Arbeitgeber, der wirklich auf Chancengleichheit achtet“

„Das Profil der Kanzlei ist etwas unklar“

„Gute Work-Life-Balance und Aufstiegschancen, aber in Deutschland nicht renommiert“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Vierwöchiges Intensivpraktikum
  • Wahlstationen in einem ausländischen Dentons-Büro möglich
  • Übungsklausuren für das Assessorexamen
Highlights Ausbildung und Karriere
  • International orientiertes Fortbildungs- und Secondment-Angebot
  • Umfangreiches E-Learning-Angebot für Associates
Highlights Diversity
  • Aktive deutsche Gruppen in der weltweiten Dentons-Diversity-Initiative

Sehr expansive, weltumspannende Großkanzlei mit Sinn für Legal Tech

Grüne Wiese. Seit dem Start der Kanzlei vor acht Jahren wächst Dentons im In- und Ausland stetig weiter. So ist sie damit beschäftigt, Standorte und Praxisgruppen miteinander zu verzahnen, Quereinsteiger zu integrieren und dabei den eigenen Nachwuchs nicht aus den Augen zu verlieren. Das gelingt unterschiedlich gut. „Ich finde Dentons hervorragend, habe aber auch das richtige Team erwischt“, meint ein Berliner Associate in der azur-Umfrage. „Es mangelt an Wertschätzung der Associates durch die Partnerschaft“, kritisiert dagegen ein Anwalt in München. Den Zusammenhalt unter den Associates werten die Teilnehmer als echtes Plus, ebenso das Engagement des Managements für Diversity. Kritische Stimmen gibt es zu internen Beförderungen und Abstimmungsprozessen, die teils schleppend verlaufen.

Höchste Töne für die Weiterbildung. Wer vorankommen will, muss Eigeninitiative zeigen und sich international vernetzen, um in den europäisch gesteuerten Aufstiegsprozessen zu bestehen. Mit ihren Chancen auf einen Vollpartnerstatus sind die Associates bei Dentons zufriedener als etwa bei der ähnlich aufgestellten Kanzlei DLA Piper, bewerten ihre Aufstiegsaufsichten insgesamt aber dennoch leicht unterdurchschnittlich – nichts Ungewöhnliches in der Welt der Großkanzleien. Dafür sind sie voll des Lobes für das Weiterbildungsangebot der Kanzlei. „Hier wird für den Nachwuchs richtig Geld in die Hand genommen“, bemerkt ein Umfrageteilnehmer. Insbesondere die hauseigene Legal Academy gilt als Highlight: Sie bringt jüngeren Associates innerhalb von drei Jahren rechtliche Themen ebenso nah wie Grundwissen zu Steuern, Bilanzen und Transaktionsmanagement.

Total global. Der globale Anspruch zieht sich wie ein roter Faden durch das Fortbildungsprogramm: Onlineseminare zu Themen wie Zeitmanagement und Mandantenakquise ergänzen das Akademie-Angebot und sind für Junganwälte aller europäischen Standorte konzipiert. Ab Berufsjahr vier kommen diese regelmäßig zusammen, um zu netzwerken und sich fachlich auszutauschen. Diese Treffen fanden Corona-bedingt zuletzt rein virtuell statt, so wie viele Fortbildungen. Ohne Pandemie sind Kurzzeit-Secondments in internationalen Büros oder bei Mandanten möglich.

Mittendrin statt nur dabei. Praktikanten und Referendare sind ab Tag eins involviert. „Einblicke, die man so in anderen Praktika nicht erhält“, meint ein Ex-Praktikant in der azur-Bewerberumfrage. Ein ehemaliger Referendar hingegen empfand sich als „billige Arbeitskraft.“ Die meisten loben aber die entspannte und kollegiale Arbeitsatmosphäre. Das vierwöchige Intensivprogramm für Praktikanten musste im Jahr 2020 Corona-bedingt ausfallen, soll 2021 aber wieder stattfinden. Es umfasst neben Fachvorträgen und Workshops auch Gerichtstermine sowie Einblicke in Geschäftsentwicklung und Kanzleimarketing. Referendare profitieren zudem von der internationalen Aufstellung der Kanzlei: Sie können ihre Wahlstation an einem Dentons-Standort im Ausland absolvieren.

Nachtschichten sind die Ausnahme. Nachwuchsanwälte bei Dentons arbeiten laut azur-Umfrage knapp 52 Stunden pro Woche und damit minimal weniger als der Marktdurchschnitt. Viele Associates bescheinigen der Kanzlei „humane Arbeitszeiten“. Am Standort Düsseldorf gibt es neuerdings ein Eltern-Kind-Büro, was junge Eltern als spürbare Entlastung empfinden. Mit ihrer Work-Life-Balance sind die Teilnehmer leicht überdurchschnittlich zufrieden. Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice sind nicht erst seit Corona möglich, was auch der Vereinbarkeit von Beruf und Familie entgegenkommt. Allerdings variiert der Umgang damit laut azur-Umfrage auch hier je nach Standort und Team.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 30 bis 35

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine

Referendarplätze 2021: 20 bis 25  

Praktikumsplätze 2021: 30 bis 35

Bewerber durchlaufen zwei Gesprächsrunden, in denen sie sowohl die Kanzlei von innen als auch ihre potenziellen künftigen Teamkollegen kennenlernen. Im Idealfall sollten Jobkandidaten zwei überdurchschnittliche Examina mitbringen, auch erste berufliche Erfahrungen in den angestrebten Rechtsgebieten sind gern gesehen. Gleiches gilt für einen LL.M./LL.B. oder einen juristischen Doktortitel. Wer Auslandserfahrungen mitbringt, ist mit Blick auf die internationale Aufstellung der Großkanzlei im Vorteil. Zudem legt Dentons Wert darauf, dass Bewerber über den juristischen Tellerrand hinausblicken können und sich zum Beispiel sozial engagieren.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München

Internationale Präsenz: Dentons ist weltweit aktiv und hat rund 180 Büros in 79 Ländern. Der Zusammenschluss mit der chinesischen Kanzlei Dacheng im Jahr 2015 hat das Wachstum befeuert. Mittlerweile sind auf allen Kontinenten mehr als 10.000 Anwälte für die Kanzlei tätig, Tendenz steigend.

Anwälte in Deutschland: 64 Vollpartner, 15 Non-Equity-Partner, 40 Counsel, 106 Associates und 9 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 30,8 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 4

davon Frauen: 4

Umsatz in Deutschland 2019: 76,5 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 520.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 12 bis 15 Euro/h (vor dem 1. Examen), 21,63 bis 23,08 Euro/h (nach dem 1. Examen), 28,85 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 750 bis 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 100.000 bis 105.000 Euro plus Bonus bis 50.000 Euro

2. Jahr: 105.000 bis 110.000 Euro plus Bonus bis 50.000 Euro

3. Jahr: 110.000 bis 115.000 Euro plus Bonus bis 50.000 Euro

4. Jahr: keine Angaben

5. Jahr: keine Angaben

6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): maximal 80.000 Euro plus Bonus

Karriere und Partnerschaft

Nach dem Berufseinstieg durchlaufen Associates zwei Karrierestufen. Im vierten Berufsjahr werden sie Senior Associates, nach dem fünften Jahr können sie zum Counsel aufsteigen. Ab der Counsel-Stufe sind alle Ernennungen europaweit formalisiert und folgen dem gleichen Ablauf – die deutschen Associates müssen sich also mit ihren Leistungen im internationalen Kontext behaupten. Die Counsel-Position kann direkt in die Partnerschaft führen, ist aber auch als längerfristige Karrierestufe möglich. Der nächste Schritt ist die Ernennung zum Special-Contract-Partner, er soll den Sprung in die Partnerschaft vorbereiten. Eine Unterscheidung gibt es schließlich auch in der obersten Partnerriege: Neben den sogenannten Full-Interest-Partnern, die voll am Gewinn der internationalen Dentons LLP beteiligt sind, gibt es auch Preferred-Interest-Partner, die eine geringere Gewinnbeteiligung haben.

Dieses Gefüge ist nicht für jeden Anwalt durchschaubar. Transparenz ist nach wie vor ein Thema: Einige Associates wünschen sich konkretere Informationen zu Zielvorgaben oder möglichen Karrierewegen und mehr Feedback, wenngleich manche Teilnehmer bemerken, dass Dentons in diesen Punkten zuletzt spürbar nachgebessert hat. In Deutschland hat die Kanzlei 2020 zwei neue Partner ernannt. Quoten für die einzelnen Karrierestufen gibt es nicht. Wer sich eignet, kann aufsteigen, unabhängig vom Geschlecht. Unter den Full-Interest-Partnern findet sich bislang jedoch nur eine einzige Frau.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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