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24.04.2020 | Autor/in: Eva Lienemann

Corona-Umfrage: Wie geht es den Associates in der Krise?

Dass die Corona-Krise die Arbeitswelt von Nachwuchsjuristen voll erfasst hat, war spätestens klar, als Taylor Wessing Ende März allen wissenschaftlichen Mitarbeitern kündigte. Solche Aktionen gehen nicht spurlos an den Anwälten vorüber: Rund 70 Prozent der Associates machen sich Sorgen um die berufliche Zukunft – mehr als 20 Prozent sogar stark. Das ist ein Ergebnis der Corona-Umfrage des JUVE Verlags, zu dem auch azur gehört.

Seit sechs Wochen verharrt Deutschland im Lockdown – und auch die meisten Associates arbeiten nicht mehr in Kanzleien, sondern zu Hause. Die Redaktion des JUVE Verlags, zu dessen Publikationen auch wir von azur gehören, hat sich auf dem Höhepunkt der Krise per Umfrage erkundigt: Wie geht es Ihnen?

Mehr als 700 Anwälte haben geantwortet, darunter auch etliche Associates. Fast drei Viertel der jungen Juristen arbeitet derzeit permanent zu Hause, nur wenige kommen ab und zu ins Büro. Derweil haben etliche Kanzleien begonnen, auf Krisenmodus umzuschalten: Einstellungsstopps, keine Bonuszahlungen mehr, auch Partner müssen auf Geld verzichten. Gut ein Viertel der Umfrageteilnehmer hat Einstellungsstopps als konkrete Auswirkung der Corona-Krise bereits erlebt (siehe Grafik ‚Associates in der Krise’).

Nichtsdestotrotz ist die Stimmung insgesamt gut. Ein Teilnehmer, der Associate in einer US-Kanzlei ist, schreibt: „In der Kanzlei beweisen unsere Partner Führungsstärke und nehmen den Mitarbeitern dabei viele Sorgen.“ Die meisten Associates sind laut Umfrage insgesamt zufrieden damit, wie das Kanzleimanagement die Krise meistert.

Allein gelassen im Homeoffice

Doch zum Thema Homeoffice, um das viele Associates schon vor der Krise in ihren jeweiligen Kanzleien kämpfen mussten, gibt es etliche kritische Stimmen. „Einige Partner versuchen aktiv, das Homeoffice schlechtzureden, weil es zu gut ankommt. Lieber Büro als Familie überzeugt heute aber keinen unter 40 mehr“, meint ein Associate. Eine andere Umfrageteilnehmerin schreibt: „In Bezug auf die Ausstattung des Homeoffice hätte ich mir mehr Unterstützung gewünscht als ,hier hast du einen winzigen Laptop, setz dich zu Hause irgendwo hin‘.“

Denn Homeoffice bedeutet keinesfalls weniger Arbeit: Rund 20 Prozent der Associates meinen sogar, sie arbeiten mehr seit Ausbruch der Krise. Das schlägt sich auf die Work-Life-Balance nieder, denn der Großteil arbeitet aktuell von zu Hause (siehe Grafik ‚Wo arbeiten Sie zurzeit?’).

Und besonders für Eltern, die wegen der geschlossenen Kitas und Schulen neben der Arbeit auch noch ihren Nachwuchs betreuen müssen, ist die Belastung hoch.

 „Ein großer Stressfaktor ist die fehlende Kinderbetreuung – gestiegene Arbeitsbelastung PLUS Betreuung eines Kleinkindes in Fulltime ist die Hölle“, schreibt eine Associate.