azur100
04.03.2021 | Autor/in: Eva Flick
Themen in diesem Artikel:

Clifford Chance – Top-Arbeitgeber – Platz 9

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Durchweg nette Kollegen“

„Klasse internationale Arbeit“

„Unsere Feiern sind der Hammer

Kritik von den eigenen Associates

„Die Kommunikation der Führungsebene ist nicht immer transparent“

„Der Glanz alter Tage scheint nur noch partiell an den jeweiligen Partnern zu hängen“

„Zu wenig Perspektiven jenseits der Partnerschaft“

Was externe Juristen über Clifford sagen

„Die Arbeitsbelastung ist zu hoch“

„Extrem hoher Profitdruck“

„Ermöglicht Arbeiten auf höchstem Niveau“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Umfangreiches Gruppenpraktikum im Frühjahr und Sommer
  • Etablierte Zusammenarbeit mit Kaiserseminare
  • Praktikum im Londoner Büro möglich
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Angesehene Academy mit internationalem Curriculum und u.a. Kursen zu Legal Tech
  • Kanzlei fördert MBA finanziell und zeitlich massiv
Highlights Diversity
  • Sehr internationales Team
  • Seit Sommer 2020 feste Ziele zur weltweiten Erreichung von mehr Diversität auch in  Führungspositionen
  • Kanzleiinternes Frauennetzwerk

Magic-Circle-Kanzlei mit einem der besten Programme für Praktikanten und Referendare

Mehr Licht als Schatten. Clifford Chance hebt sich in der aktuellen azur-Associate-Umfrage von den Großkanzlei-Wettbewerbern ab und heimst in nahezu allen Bereichen überdurchschnittlich gute Noten ein. Freshfields, Linklaters und Hengeler Mueller hängt sie bezüglich der Gesamtzufriedenheit, der Arbeitsbelastung und des Betriebsklimas ab. Zu lesen ist von „super Teams“, einer „tollen Unternehmenskultur“ und „spannenden Mandaten“. Vor allem loben viele Teilnehmer das Management für die Flexibilität während des Corona-Lockdowns, „mit maximalem Fokus auf das Wohlergehen der Mitarbeiter“. Eine Baustelle bleibt: Die Work-Life-Balance ist ausbaufähig, eben weil die Arbeitsbelastung weiterhin hoch ist.

Work und Life sind nicht in Balance. Diesbezüglich bleiben die Noten unterdurchschnittlich, es gibt aber nicht nur Kritik. Zwar schimpfen einige in der Umfrage über zu wenig Freizeit, in einigen Praxisgruppen scheint es aber zu funktionieren. So lobt einer: „Abhängig vom Vorgesetzten kann die Work-Life-Balance vergleichsweise gut sein.“ Dass Karriere und Familie bei laut azur-Umfrage durchschnittlich 55 Wochenstunden schwierig zu vereinbaren sind, ist ein bekanntes Problem in vielen Großkanzleien. Der Vereinbarkeit von Karriere und Familie hat die Homeoffice-Regelung, nach der zwei Tage pro Woche auf lange Sicht zu Hause gearbeitet werden kann, gutgetan. Die in allen Standorten eingerichteten Eltern-Kind-Büros haben laut Umfrage ebenfalls viele Fans.

Top-Ausbildung für Praktikanten. Das sechswöchige Praktikantenprogramm, samt Vorträgen, Workshops und Kochabend, das 2020 unter Corona-Bedingungen fast rein virtuell stattfand, gehört zur Marktspitze. Trotz der besonderen Situation sorgte die Kanzlei dafür, dass die Studenten einen Eindruck vom Kanzleialltag gewinnen konnten, indem sie die Teilnehmer auch in die Teams schickte, in denen Training on the Job im Mittelpunkt steht. Ehemalige Praktikanten sind größtenteils zufrieden. „Es standen alle Türen offen“, schreibt ein Teilnehmer der azur-Bewerberumfrage, „selbst als Praktikant konnte man mit genügend Eigeninitiative überall mitwirken“. Kritische Stimmen gibt es aber auch. „Man wird wenig beachtet“, schreibt ein Umfrageteilnehmer.

Daumen hoch für die Referendarausbildung. Die Kaiserseminare bleiben das Herzstück der von Wettbewerbern oft kopierten Referendarausbildung. Allein 60 Kurstage umfasst dieser Teil, 40 Tage davon zur Vorbereitung zum Assessorexamen. Mehrtägige Intensivkurse im Zivil- und Straf- sowie Öffentlichen Recht und ein Kurs zur Revisionsklausur gibt es schon langjährig. Entsprechend viel Lob bekommt Clifford von ehemaligen Referendaren. „Sehr gute, tolle Weiterbildungsmöglichkeiten in Inhouse-Workshops und mit Kaiserseminaren, Note 1“ ist zu lesen sowie wie ein Lob für das Engagement der Partner. „Partner legen Wert darauf, dass Referendare das Ausbildungsangebot wahrnehmen können.“

Umfassende Associate-Ausbildung. Das hohe Ausbildungsniveau, das Clifford ihrem Nachwuchs angedeiht, lässt sie ebenso ihren Associates zukommen. Längst etabliert sind Kurse zu Leadership, Cultural Awareness, aber auch zu Zeitmanagement, Verhandlungsführung und Rhetorik. Neu hinzugekommen sind etwa Kurse zur Feedbackkultur sowie eine Trainingsreihe zu Führungsthemen. Eine ganze Reihe von Veranstaltungen können die Associates zudem nun virtuell besuchen, wie Kurse zum Remote Working, Resilienz und Business Finance. Um sich zwischendurch weiterzubilden, sind sogenannte Microlearnings dazugekommen, die Themen in kurzen Einheiten abhandeln. In der azur-Associate-Umfrage sind die Teilnehmer zufrieden mit dem Angebot.

Einstieg und Bewerbung Die Kanzlei auf einen Blick Vergütung Karriere und Partnerschaft Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 35 bis 50

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 8 bis 12

Referendarplätze 2021: 100           

Praktikumsplätze 2021: 120

Zwei vollbefriedigende Examina sollten Bewerber bei Clifford Chance mitbringen. Wer die Kanzlei bereits im Praktikum oder Referendariat kennengelernt und von sich überzeugt hat, für den gilt ein etwas weniger strenger Maßstab. Promotion oder ein LL.M.-Abschluss werden gerne gesehen. Das erste Gespräch führt ein Personalpartner gemeinsam mit einem Partner, der für seine Praxisgruppe Nachwuchs sucht. Es geht vor allem um den Lebenslauf, aber auch fachliche Fragen können schon Inhalt des Gesprächs sein. Das Kennenlernen des künftigen Teams steht im zweiten Gespräch, das der jeweilige Partner und/oder Mentor und mehrere Teammitglieder führen, im Vordergrund. Ob Englisch oder Deutsch gesprochen wird, hängt vom sprachlichen Hintergrund der Gesprächsteilnehmer ab. Den Abschluss bildet meist ein gemeinsames Mittagessen. In der azur- Bewerberumfrage kommt das Bewerbungsprozedere von Clifford gut weg. Teilnehmer beschreiben es als „angenehm“, „schnell und unkompliziert“, „sehr gut“ und „zügig“.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt und München

Internationale Präsenz: International integrierte Kanzlei mit Büros auf allen Kontinenten, einschließlich langjähriger Präsenz in Brasilien, US-Ostküstenbüros in Washington und New York. Das stärkste Büro bleibt aber das in London.

Anwälte in Deutschland: 67 Partner, 33 Counsel, 181 Associates und 14 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 37,6 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 19

davon Frauen: 16

Umsatz in Deutschland 2019/20: 190,0 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 765.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 500 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 120.000 Euro

2. Jahr: 125.000 Euro

3. Jahr: 130.000 Euro

4. Jahr: 140.000 Euro plus Bonus

5. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus

6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 52.000 bis 60.000 Euro

Karriere und Partnerschaft

Vier Jahre dauert es, bis Associates zum Senior Associate aufsteigen können. Die Entscheidung, ob jemand den Partnertrack einschlagen darf, fällt ein Jahr später. Eine Zwischenstation, aber keine Dauerlösung, ist der Counsel-Status. Um die Counsel gut auf das Partnerauswahlverfahren und ihre Rolle als Partner vorzubereiten, hat die Kanzlei zuletzt ein Counsel-Development-Programm konzipiert. Allerdings stehen die Chancen auf die Partnerschaft nicht besonders gut. Zwar wurden – wie im Vorjahr – auch 2020 wieder zwei Anwälte zu Partnern ernannt, zufrieden sind die Associates mit ihren Chancen jedoch nicht. Die Note dafür liegt eher am unteren Ende der Skala, allerdings besser als bei den unmittelbaren Wettbewerbern wie Freshfields, Linklaters oder Hengeler Mueller.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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