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24.07.2020 | Autor/in: azur Redaktion

Bunte Partnerschaft: Clifford Chance setzt sich feste Diversitätsziele

Mehr ethnische Minderheiten, mehr LGBT und vor allem mehr Frauen: Clifford Chance will die Vielfalt in den eigenen Reihen steigern und hat sich auf globaler und regionaler Ebene konkrete Ziele gesetzt. Sie gelten ausdrücklich auch für Führungspositionen und sind künftig Teil der Management-Strategie. 

Kerstin Kopp

In Kontinentaleuropa soll der Frauenanteil auf Partnerebene in den nächsten fünf Jahren um 35 Prozent steigen und sich bis 2030 sogar verdoppeln. Auf globaler Ebene sollen bis 2030 mindestens 40 Prozent aller Clifford-Partner weiblich sein und mindestens 40 Prozent männlich. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass in zehn Jahren keines der Geschlechter mit mehr als 60 Prozent in der obersten Riege vertreten sein darf.

Um dieses Ziel zu erreichen, soll schon bis 2025 grundsätzlich mehr Vielfalt auf allen Karrierestufen Einzug halten. Bis dahin sollen drei Prozent aller Partner LGBT-Personen sein, also homo-, bi- oder transsexuelle Menschen sowie Personen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen. 

Ines Keitel

Für die Regionen Amerika, Asien-Pazifik, das Vereinigte Königreich sowie den Nahen Osten gelten ähnlich ambitionierte Ziele. Insbesondere in den USA sowie in Großbritannien sollen mit Blick auf die dortige gesellschaftliche Zusammensetzung zudem mehr ethnische Minderheiten auf allen Karrierestufen der Sozietät sichtbar sein.

Auch deutsche Praxis betroffen

Zurzeit sind rund ein Viertel aller 300 Anwälte bei Clifford in Deutschland weiblich. Von den 68 Partnern in Deutschland sind es elf. Gäbe es in zehn Jahren 22 Partnerinnen, wäre die regionale Vorgabe in Deutschland erfüllt. Jeweils mindestens eine Partnerin pro Jahr zu ernennen, ist für eine Kanzlei wie Clifford allerdings alles andere als selbstverständlich. Zuletzt stiegen im Jahr 2018 die Immobilienrechtlerin Dr. Kristina Jaeger und die Arbeitsrechtlerin Dr. Ines Keitel in die Partnerschaft auf, davor schafften den Sprung jahrelang ausschließlich Männer.

So wie in anderen Kanzleien stehen Diversity und insbesondere Frauenförderung auch bei Clifford schon seit einer Weile weit oben auf der Agenda. In Deutschland wurde 2018 ein interner Steuerungsausschuss unter der Leitung von Partnerin Dr. Kerstin Kopp ins Leben gerufen, der entsprechende Maßnahmen vorantreibt. Mit den Diversity-Quoten steckt die Sozietät sich nun aber erstmals konkrete Ziele.

Keine Vorreiterrolle

Kristina Jaeger

Während das Geschlechterverhältnis und die Zugehörigkeit zu ethnischen Minderheiten sich vergleichsweise simpel messen lassen, ist die Zugehörigkeit zur LGBT-Gemeinschaft ein sensibleres Kriterium. Hier setzt Clifford auf das nach eigenen Angaben schon heute gelebte offene Miteinander im Unternehmen: Viele Mitarbeiter machten kein Geheimnis aus ihrer sexuellen Orientierung und organisierten sich im globalen LGBT-Netzwerk Arcus, dem Clifford angehört.

Ein Diversity-Vorreiter ist Clifford indes nicht. Bereits 2012 hatte sich Hogan Lovells als eine der ersten Kanzleien überhaupt eine weltweite Quote verordnet mit dem Ziel, bis 2022 in allen Büros 30 Prozent der Führungspositionen in die Hände von Frauen zu legen. Bis dahin ist allerdings noch ein Weg zu gehen: In Deutschland lag der Frauenanteil auf Partnerebene im vergangenen Jahr gerade einmal bei 16,5 Prozent. Generell gibt es für Kanzleien in punkto Vielfalt noch viel zu tun. Nicht zuletzt, weil Mandanten ihre Mandatsvergabe inzwischen mitunter an strenge Diversity-Vorgaben knüpfen. So etwa Novartis: Den Panelkanzleien des Pharmakonzerns drohen Vertragsstrafen, wenn sie die Vorgaben nicht erfüllen. (Annika Janßen)