azur100
04.03.2021 | Autor/in: Markus Lembeck
Themen in diesem Artikel:

Boehringer Ingelheim – Top-Arbeitgeber im Südwesten

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Das Unternehmen auf einen Blick
Vergütung
Das Unternehmen auf einen Blick

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 3 bis 4

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Referendarplätze 2021: 4      Praktikumsplätze 2021: keine Angaben

Standorte in Deutschland: Ingelheim am Rhein und Biberach

Internationale Präsenz: Das Unternehmen ist weltweit aktiv, 250 Juristen zählen zur globalen Rechtsabteilung.

Volljuristen in Deutschland: 57 (nur Rechtsabteilung)

Frauenanteil in der Rechtsabteilung: 29,8 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 4 (2 Frauen)

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: keine Angaben

Referendare: max. 900 Euro/Monat

Syndikusanwälte

1. bis 3. Jahr: 75.000 bis 95.000 Euro plus Bonus bis 9.500 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 55.000 bis 60.000 Euro plus 10% Bonus

Über den Arbeitgeber

Globale Reichweite. Boehringer Ingelheim ist eines der zehn größten Familienunternehmen in Deutschland. Es zählt 51.000 Mitarbeiter, davon rund 8.000 am Hauptstandort Ingelheim am Rhein, in der Nähe von Mainz und Wiesbaden. Schwerpunkte sind pharmazeutische Produkte für Menschen und Tiere. Ingelheim ist auch der Hauptsitz der Rechtsabteilung. Ein weiterer großer Standort liegt in Biberach, dort wird vor allem Forschung und Entwicklung betrieben. Das bietet spannende Jobs für Juristen, die sich zum Beispiel um Kooperationsverträge in der Forschung und den Schutz des Geistigen Eigentums kümmern. Eine essenzielle Tätigkeit für das Unternehmen, schließlich investiert Boehringer jährlich viele Milliarden Euro in Innovationen – aktuell unter anderem in eine Antikörpertherapie für Covid-19.

Typische Konzernprobleme. Doch das Arbeitsleben ist auch bei Boehringer nicht nur spannend und innovativ. Einer der Syndikusanwälte, die nur vereinzelt an der azur-Umfrage teilnahmen, nennt „komplexe Strukturen und unklare Delegation von Aufgaben“ als Problem, die Entscheidungswege seien „mitunter langwierig und umständlich“. Einer vermisst die „Priorisierung von Auf­gaben“ und wünscht sich mehr unternehmerische Freiheit. ­Immerhin hat die Rechtsabteilung mittlerweile eine klare Leitungsstruktur geschaffen, was man nicht von allen global verzweigten Unternehmen behaupten kann: Neben dem Rechtsabteilungsleiter gibt es sechs Führungskräfte im international besetzten Legal-Management-Team mit fachlichen und zum Teil auch regionalen Schwerpunkten.

Hinaus in die Welt. In der Ausbildung setzt Boehringer vor allem auf ein internes Weiterbildungsprogramm für Recht und Compliance. Zudem werden die Juristen ermuntert, einige Zeit an ausländischen Standorten zu arbeiten und sich außerhalb der eigenen Abteilung mit den operativen Bereichen zu vernetzen. Dazu dient etwa ein internationales ‚Digital Boot Camp‘. Syndikuskollegen aus anderen Firmen bewerten die Boehringer-Juristen positiv: „Ich kenne dort nur zufriedene Leute“, so ein Teilnehmer der azur-Umfrage. Ein anderer Beobachter lobt die fachlich interessanten Themen in der Rechtsabteilung. Vereinzelte Kritik gibt es an der Arbeitslast, die von außen als hoch wahrgenommen wird: „Wenig Verständnis für Work-Life-Balance“, meint der Syndikus eines anderen südwestdeutschen Konzerns. Ein Indiz für die hohe Belastung ist auch der eher niedrige Frauenanteil, der mit knapp 30 Prozent hinter den Werten zurückbleibt, die viele andere Unternehmen erzielen – die ähnlich große Rechtsabteilung von EnBW liegt deutlich über 50 Prozent.

Intensives Referendariat. Eine Referendarstation ist sowohl in der Konzernrechtsabteilung als auch in der Rechtsabteilung der deutschen Tochtergesellschaft möglich, allerdings gibt es nur wenige Plätze. Das liegt auch an dem hohen Aufwand, den Boehringer für Referendare betreibt. Ein fester Mentor kümmert sich um die Ausbildung, nach Neigung können Schwerpunkte zum Beispiel im Arzneimittel-, Arbeits-, Vertrags- oder Kartellrecht gesetzt werden. Bis zu sechs Monate können Referendare im Unternehmen arbeiten. Praktika bietet die Boehringer-Rechtsabteilung kaum an.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.