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30.03.2020 | Autor/in: Eva Lienemann

Berufseinstieg: So sieht der Wunscharbeitgeber von Bewerbern aus

Bewerber stellen heute hohe Ansprüche an ihren Wunscharbeitgeber. Doch was genau erhoffen sie sich? Und wie gut gelingt es den Kanzleien, diese Anforderungen zu erfüllen? Denn sind Bewerber erst einmal im Job, macht sich bei vielen Ernüchterung breit.

Knapp drei Viertel der angehenden Juristen will ihren ersten Job in einer Kanzlei aufnehmen – das zeigen die Ergebnisse der aktuellen azur-Bewerberumfrage, an der mehr als 1.400 Studierende, Referendare und Assessoren teilgenommen haben.

Für Unternehmen interessieren sich demnach nur 7 Prozent, 17 Prozent streben einen Job in einer Behörde oder in der Justiz an. Doch was erhoffen sich die Bewerber bei ihrem Wunscharbeitgeber genau zu finden? Und wie gut gelingt es den Kanzleien, diese Anforderungen zu erfüllen?

Mit den Ergebnissen der Umfrage ließe sich eine Art Stellenausschreibung des Bewerbers für den ersten Job entwerfen, die sich ungefähr so läse: Suche Großkanzlei mit Top-Ausbildungsangebot, einem kulturell vielfältigen Umfeld und Chancengleichheit. Angebote zur ausgeglichenen Work-Life-Balance sind von Vorteil. Gute IT-Ausstattung wäre wünschenswert, späterer Aufstieg sollte ebenfalls nicht ausgeschlossen sein. Top-Gehalt von mehr als 100.000 Euro? Nebensache.

Ein gutes Ausbildungsangebot ist demnach ein entscheidender Faktor bei der Auswahl des ersten Arbeitgebers. Legt man Bewerbern Aussagen zu bestimmten Aspekten ihres Berufslebens vor – Ausbildung, IT-Ausstattung, Work-Life-Balance –, bekommt diese mit knapp 70 Prozent die meiste Zustimmung. Deutlich weniger, aber dennoch rund 40 Prozent der Bewerber stufen eine gute Work-Life-Balance bei ihrem ersten Job als besonders wichtig ein (siehe Grafik Bewerberwünsche).

Wie werden diese Wünsche später im Arbeitsalltag erfüllt? Das beantworten Associates von Kanzleien regelmäßig in den azur-Associate-Umfragen. Mehr als 3.900 Nachwuchsjuristen haben sich an der aktuellen Umfrage beteiligt und Noten zwischen 1 und 4 für bestimmte Aspekte ihres Berufsalltags verteilt. Das Ergebnis: In keinem der als besonders zentral erachteten Aspekte wie Gehalt, Work-Life-Balance, Betriebsklima oder Weiterbildungsmöglichkeiten sind die Associates im Durchschnitt unzufrieden. Allein die Karriereaussichten bewerten die Befragten eher schlecht – eine Stimmung, die sich so schon seit einigen Jahren als Reaktion auf die teilweise geringen Chancen auf die Partnerschaft in diversen Großkanzleien manifestiert (siehe Grafik Associate-Zufriedenheit).

Doch nicht alle Bewerberwünsche erfüllen sich im Arbeitsalltag. Die zentralen Bedürfnisse nach guter Ausbildung und einer ausgewogenen Work-Life-Balance haben die Kanzleien offenbar noch nicht so konsequent umgesetzt, wie ein Vergleich zwischen Bewerberwunsch und Associate-Realität zeigt (siehe Grafik). 

Zwar führen in den Himmel wachsende Gehälter bei den Associates zu einer guten Stimmung: Den zentralen Nerv der Bewerber treffen solche Aktionen allerdings nicht. Viel lieber wäre den angehenden Juristen, wenn Kanzleien eine gute Ausbildung bieten würden. Das ist bei etlichen Sozietäten auch schon jetzt der Fall, die hohen Erwartungen der Bewerber erfüllen aber eben noch nicht alle Kanzleien flächendeckend.

Gute Nachrichten gibt es dagegen in Sachen kultureller Vielfalt und Chancengleichheit: Die ist offenbar in vielen Kanzleien schon besser umgesetzt als sich das die Bewerber je erträumt hätten.