azur100
06.03.2020 | Autor/in: Silke Brünger
Themen in diesem Artikel:

Baker & McKenzie – Top-Arbeitgeber – Platz 9

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Klasse Mentorenprogramm mit einer sehr guten Associate-Ausbildung“

„Die flexiblen Arbeitszeitangebote sind toll“

„Fast familiäre, auf jeden Fall aber freundschaftliche Atmosphäre“

„Karrierechancen sind Mangelware, Gehaltsstruktur intransparent“

„In einigen Teams ist die Arbeitsbelastung sehr hoch“

„Statt viel Geld in Legal-Tech-Labs zu investieren, lieber interne Arbeitsabläufe modernisieren“

„Besonders internationale Mandate sowie Arbeitsumfeld“

„Hierarchisch ausgerichtet, Karriere schwierig“

„in echtes Schwergewicht – oft unterschätzt“

▪ Individuell abgestimmtes Ausbildungsprogramm für Praktikanten und Referendare mit einem erfahrenen Anwalt als Coach

▪ Förderprogramm für Referendare mit persönlichem Mentor und fachlichen sowie Soft-Skills-Schulungen

▪ Auslandsaufenthalt für Referendare möglich

▪ Kanzleieigene, modular aufgebaute Ausbildungsuniversität

▪ Eigenes Budget für Associates ab dem 3. Jahr für Entwicklung von unternehmerischen Ideen

▪ Gemeinsame Schulungen für Associates aus europäischen Büros

▪ Alternatives Karrieremodell mit begrenzter Stundenzahl, Wechsel auf konventionellen Partnertrack möglich

▪ Mehrere Programme zur Frauenförderung

▪ LGBT-Beauftragte in Deutschland und Österreich

Über den Arbeitgeber

Schneller, höher, weiter. In diesem Jahr will Baker & McKenzie deutlich mehr Berufseinsteiger einstellen als in den Vorjahren. Die internationale Großkanzlei ist in Deutschland im M&A-Geschäft immer erfolgreicher bei komplexeren, oft milliardenschweren Transaktionen. Bewerber mit Interesse an der Corporate-Praxis haben daher besonders gute Chancen. Aber auch in Gebieten wie IT-Recht, Arbeits- und Steuerrecht sucht Baker viele junge Juristen. Diese erwartet ein sehr internationales und dynamisches Umfeld: Die deutschen Anwälte sind global vernetzt und arbeiten häufig in länderübergreifenden Teams. Wenig überraschend verteilen die Associates in der aktuellen azur-Umfrage weit überdurchschnittliche Noten für die Internationalität. Zufrieden sind sie auch mit den Inhalten ihrer Arbeit, dem Betriebsklima und der Personalführung und loben etwa die „sehr netten Kollegen“, „die angenehme Arbeitsatmosphäre“ sowie die „tollen, internationalen Mandate“.

Mehr Erfolg bedeutet mehr Anstrengung. Die ehrgeizigen Ziele und spannenden Mandate haben jedoch eine Kehrseite: Die Anforderungen sind hoch, in der azur-Associate-Umfrage gibt es schlechte Noten für Arbeitsbelastung, Work-Life-Balance sowie die Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Die jungen Anwälte kritisieren die „hohe Schlagzahl“, „die zunehmende Zahlenfokussierung“ und die „hohen Erwartungen“. Wie in vielen anderen Großkanzleien wird auch hier viel gerbeitet: Pro Woche sitzen die Associates laut azur-Umfrage rund 58 Stunden im Büro und damit fünf Stunden mehr als der Marktdurchschnitt. Immerhin hat Baker als eine der ersten ein alternatives Karrieremodell mit einer deutlich reduzierten Stundenzahl eingeführt. Ein Associate lobt „die Bemühungen, den Anforderungen der neuen Generation gerecht zu werden“. Wieder andere lehnen das alternative Modell ab, da dort die Arbeitsbelastung und das Gehalt nicht stimme. Generell loben einige Baker-Associates unabhängig vom Modell die „Offenheit für mobiles und flexibles Arbeiten“.

Ausbildung erster Klasse. Für die Weiterbildung verteilen die Baker-Associates in der azur-Umfrage seit Jahren überdurchschnittlich gute Noten. Die hauseigene Universität bietet ein sehr breit gefächertes, teils webbasiertes Angebot: Alle Associates durchlaufen das modular angelegte Programm und lernen in mehrtägigen Seminaren zwei- bis dreimal pro Jahr mehr über Persönlichkeitsentwicklung, Bilanzanalyse oder Konfliktmanagement. Einen noch stärkeren Fokus als in den Vorjahren legt Baker auf das Thema Führungskompetenz: Neu im Programm ist ein mehrstufiges Praxistraining für Senior Associates.

Bitte keine Mauerblümchen. Baker wünscht sich Juristen, die frühen Mandantenkontakt anstreben und mit Eigenverantwortung umgehen können. Unternehmergeist fördert Baker mit einem Budget für Associates ab dem dritten Berufsjahr: Das Geld können die Anwälte für spezielle Coachings und Mandantenakquise einsetzen oder neue Beratungsprodukte und Legal-Tech-Lösungen entwickeln. Das Thema Legal Tech hat sich Baker ohnehin schon früh auf die Fahnen geschrieben: Neben einem eigenen Innovationszentrum in Frankfurt hat sie zuletzt die Kooperation mit spezialisierten Studieninitiativen ausgebaut. Neu im Weiterbildungspaket für Associates sind Legal-Tech-Module, die etwa Methodenwissen und den Einsatz spezifischer Technologie vermitteln sollen.

Schlaraffenland für Referendare? Baker kümmert sich sehr früh und umfassend um den juristischen Nachwuchs. Aktuell begleitet sie über 50 Studierende in einem ausgefeilten Career-Mentorship-Programm bis zum Studienabschluss. Daneben bildet sie laufend Praktikanten und Referendare aus, die einen Mentor und einen individuellen Ausbildungsplan erhalten. Das hohe Engagement hat Tradition. Zuletzt hat Baker noch eine Schippe draufgelegt: Sie bietet Referendaren – vom Nachwuchs lange gefordert – Repetitorien in Kooperation mit Kaiserseminare und Hemmer an. Laut azur-Bewerberumfrage sind ehemalige Praktikanten und Referendare mit ihrer Ausbildung, die sie „sehr fordernd, aber extrem lehrreich“, „spannend“ sowie „praxisbezogen“ finden, insgesamt zufrieden. Wunschlos glücklich sind aber vor allem Referendare nicht: Einer kritisiert den „fehlenden Mandantenkontakt“, ein anderer bemängelt die „unregelmäßigen Fortbildungsveranstaltungen“. 

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 50 bis 70

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 5 bis 10

Referendarplätze 2020: 50         

Praktikumsplätze 2020: 100

Der ideale Bewerber bringt in beiden Examen ein Vollbefriedigend sowie eine Promotion oder alternativ einen LL.M mit. Allerdings sind gute Noten bei Baker nicht alles. Bewerber ohne Prädikatsexamen können dies bis zu einem gewissen Grad mit anderen Faktoren, beispielsweise der Wahl ihrer Referendarstation oder Erfahrungen in der Rechtsabteilung eines Unternehmens, ausgleichen. Verhandlungssicheres Englisch hingegen ist ein Muss, genau wie unternehmerisches Denken. Besonders punkten können Bewerber mit einem ausgeprägten Interesse für innovative Themen wie Digitalisierung und Legal Tech.

Im ersten Gespräch, das auf Deutsch und Englisch stattfindet, lernen Bewerber ihre potenziellen Mentoren sowie Partner und Associates der künftigen Praxisgruppe kennen. Fürs Zweitgespräch geht es in ein anderes deutschen Baker-Büro, damit die Bewerber weitere künftige Kollegen aus ihrer Praxisgruppe kennenlernen. In einem Gespräch mit der Personalführung bespricht der Bewerber zudem seine Ziele und Entwicklungsmöglichkeiten sowie das Gehalt.

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München

Internationale Präsenz: Global aufgestellte Kanzlei mit starken Praxen in Asien und teils in Westeuropa, zudem Servicecenter in Belfast, Manila (Philippinen), Tampa (Florida) und Buenos Aires (Argentinien).

Anwälte in Deutschland: 35 Vollpartner, 33 Non-Equity-Partner, 30 Counsel, 95 Associates und 4 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 38,1%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 7 (davon 4 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018/19: 136,6 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018/19: 650.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Baker & McKenzie agiert weltweit immer mehr als Einheit. In neuen länderübergreifenden Managementstrukturen nehmen auch deutsche Anwälte Schlüsselpositionen ein. Weltweit hat sich Baker einen Fokus auf anspruchsvolle Transaktionsarbeit verordnet – und auch die deutsche M&A-Praxis hat die Schlagzahl der Deals erhöht. Die Mandatserfolge führten zuletzt zu einer recht hohen Arbeitslast, unter der auch einige Associates ächzten. Die Vorreiterrolle, die Baker bei Themen wie Digitalisierung und Legal Tech einnimmt, kommt hingegen bei den jüngeren Anwälten gut an.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 500 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.100 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:

Klassisches Karrieremodell
1. Jahr: 105.000 bis 120.000 Euro
2. Jahr: 110.000 bis 125.000 Euro
3. Jahr: 115.000 bis 135.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro
4. Jahr: 122.000 bis 143.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
5. Jahr: 130.000 bis 157.000 Euro plus Bonus bis 25.000 Euro
6. Jahr: 139.000 bis 165.000 Euro plus Bonus bis 35.000 Euro

Alternatives Karrieremodell
1. Jahr: bis 80.000 Euro plus Bonus bis 5.000 Euro
2. Jahr: bis 85.000 Euro plus Bonus bis 5.000 Euro
3. Jahr: bis 90.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): bis 58.000 Euro plus Bonus bis 6.000 Euro

Auf dem konventionellen Partnertrack können Associates bei Baker ab dem siebten Berufsjahr zum Local-Partner aufsteigen. Frühestens ab dem zehnten Berufsjahr ist die Ernennung zum Vollpartner möglich. Laut azur-Umfrage sind die Associates mit ihren Partnerchancen unzufrieden, sie vergeben dafür Noten weit unter dem Durchschnitt. Mit den alternativen Karrierechancen sieht es besser aus – damit sind die Associates sogar etwas zufriedener als ihre Kollegen in anderen Kanzleien. 2019 hat Baker einen Vollpartner und zwei Local-Partner ernannt. Neben dem klassischen Weg können Associates auch den Alternative-Career-Track mit niedrigeren Anforderungen an Umsatz und Arbeitszeiten wählen. Am Ende steht eine dauerhafte Counsel-Position. Wer später doch noch zum Partner aufsteigen will, kann vom alternativen Karrieretrack auf den klassischen Partnertrack wechseln.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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