azur100
06.03.2020 | Autor/in: Raphael Arnold
Themen in diesem Artikel:

Ashurst – Top-Arbeitgeber – Platz 48

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Leistung entscheidet über Beförderung – ich finde dies sehr angenehm“

„Viel Mandantenkontakt, man lernt viel“

„Bei Ashurst gibt es noch einen ganz besonderen Teamspirit“

„Die IT ist verbesserungswürdig“

„Homeoffice ist nicht in allen Teams gelebte Wirklichkeit“

„Ein Aufstieg ist nur im Ausnahmefall möglich“

„Ganz ausgezeichnetes Team in M&A“

„sehr guter Team-Spirit, aber hohe Arbeitsbelastung“

„Viel Arbeit, übliches Gehalt, wenig Transparenz“

▪ Verbreitertes Angebot an Repetitorien

▪ Zweitägiges Seminar für alle Berufseinsteiger weltweit in London

▪ Globale und nationale fachjuristische Weiterbildungen

▪ Fortbildungen zu IT-Technologien sowie wirtschaftlichem und geschäftlichem Know-how

keine herausragenden Angebote

Über den Arbeitgeber

Kaleidoskop an Kulturen. In zwei Punkten sticht Ashurst als Arbeitgeber heraus: Die Nachwuchsanwälte sind sehr zufrieden damit, wie international ihre Arbeit ist, vor allem in Ashursts Spezialdisziplin der Unternehmens- und Immobilientransaktionen. Die breite Präsenz der Kanzlei in Europa, Australien und Asien macht grenzüberschreitendes Arbeiten alltäglich. Auch Secondments sind möglich. Da liegt es nahe, dass Ashurst die interne Vielfalt zum Kern ihrer Strategie zählt. Bei den Associates kommt das an. Ein Anwalt lobt in der azur-Umfrage: „Jeder darf so sein, wie er ist.“ Auch beim Thema Gleichbehandlung von Männern und Frauen bekommt Ashurst sehr gute Noten.

Es ist nicht alles Gold… In puncto Arbeitszeit hingegen glänzt die Kanzlei deutlich weniger. Mit durchschnittlich über 56 Wochenstunden laut azur-Umfrage liegt Ashurst fast drei Stunden über dem Marktdurchschnitt. Mehr Freizeit ist deshalb ein wiederkehrender Wunsch an die Kanzlei. Aufgrund des hohen Wochenpensums klagen etliche Associates, dass sich der Arbeitsalltag nur schwer mit ihrem Familienleben unter einen Hut bringen lässt. Mit der Vereinbarkeit von Karriere und Familie sind sie in der azur-Umfrage gerade einmal so zufrieden wie der Marktdurchschnitt – und der ist nicht besonders gut. Um junge Familien besser zu unterstützen, führte die Kanzlei im Winter eine weltweite Elternregelung ein. In Deutschland bedeutet das über den Mutterschutz hinaus weitere vier Wochen Gehalt als Bonus; der zweite Elternteil hat Anspruch auf zehn zusätzliche Tage bezahlten Urlaub.

Arbeitszeiten aufgebrochen. Die Teams innerhalb der Kanzlei gehen ganz unterschiedlich damit um, starre und lange Arbeitszeiten aufzubrechen: In manchen nutzen die Anwälte die Chance, von zu Hause zu arbeiten, in anderen Teams ist das offenbar nicht der Fall. Voraussetzung für eine solche Flexibilität ist eine hinreichende IT-Ausstattung. Auch in diesem Punkt sehen die Associates ihre Kanzlei nicht auf der Höhe der Zeit: „Stellt mir bitte die Homeoffice-Ausrüstung!“, schreibt ein Teilnehmer in der azur- Associate-Umfrage. Tatsächlich erhörte Ashurst nach eigenen Angaben inzwischen solche Rufe und zog nach, unter anderem mit neuer Soft- und Hardware.

Licht und Schatten. Dass die Kanzlei darauf reagiert, was Nachwuchsjuristen erwarten, zeigt sich auch bei Ausbildungsinitiativen. Referendaren und wissenschaftlichen Mitarbeitern stellt Ashurst inzwischen ein Budget, das diese für Repetitorien bei verschiedenen Anbietern verwenden dürfen. Dass Ashurst Personalthemen aktiv angeht, zeigt sich auch daran, dass es seit Kurzem ein fünfköpfiges Associate-Komitee gibt, das den Anliegen der Nachwuchsjuristen an den Standorten München und Frankfurt Nachdruck verleihen soll. Luft nach oben gibt es in den Augen der Associates dagegen bei der Aus- und Weiterbildung – trotz umfangreicher Präsenz- und Onlineseminare und regelmäßiger Fortbildungen im Kreis der internationalen Kollegen. Fachliche Themen deckt Ashurst vor allem mit internen Fortbildungen ab. In externen Seminaren geht es um wirtschaftliche Themen und Soft Skills wie Bilanzanalyse, Mandantenakquise, Präsentations- und Verhandlungstechniken. Manche Nachwuchsanwälte sind damit eher unzufrieden, unter anderem, weil sich das Angebot zu stark an den Bedürfnissen britischer Junganwälte orientiere. Andere beklagen, dass die vorgesehenen Fachvorträge zu oft wegen Terminschwierigkeiten abgesagt werden. Unter dem Strich sind die Ashurst-Anwälte weniger überzeugt von dem Ausbildungsangebot als der Durchschnitt der Associates in Kanzleien.

Angenehme Atmosphäre. In Summe halten die Nachwuchsjuristen aber große Stücke auf ihren Job bei Ashurst. Das gilt bereits für Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter, aus denen die Kanzlei ein Gutteil ihrer späteren Berufseinsteiger rekrutiert. In der azur-Bewerberumfrage schreibt ein Referendar: „Ich habe nirgendwo anders eine so angenehme Arbeitsatmosphäre auf einem so hohen beruflichen Niveau erlebt.“ Ein ähnlich positives Bild zeigt sich auch in der azur-Umfrage unter den Associates, denn das Betriebsklima ist in den Augen vieler Teilnehmer deutlich besser als bei anderen Kanzleien: „Im Großen und Ganzen ein tolles Arbeitsumfeld“, schreibt ein Nachwuchsanwalt.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 10 bis 14

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): ca. 5

Referendarplätze 2020: 10         

Praktikumsplätze 2020: 15

Ein Weg in die Kanzlei führt über ein Praktikum oder ein Referendariat, denn Ashurst sucht Nachwuchsjuristen, von deren hohem Engagement sie überzeugt ist. Eine solche Mitarbeit in einer der Praxisgruppen ist dabei ein wichtiger Gradmesser. Daneben sind vollbefriedigende Staatsexamina erwünscht, eine Promotion oder ein LL.M. jedoch keine Voraussetzung. Das Erstgespräch mit Berufseinsteigern führen mindestens drei Partner, es dauert gewöhnlich drei Stunden und umfasst ein Mittagessen. An einem Zweitgespräch nehmen dann auch Counsel und Associates aus dem jeweiligen Fachbereich teil. Dafür sind mindestens zwei Stunden vorgesehen.

Standorte in Deutschland: Frankfurt und München

Internationale Präsenz: Ashurst unterhält 27 Standorte in 16 Ländern. Außerhalb Europas ist die Kanzlei in Australien und Asien stark vertreten. In den vergangenen zwölf Monaten kamen das Büro in Luxemburg und ein Legal-Services-Standort in Brisbane hinzu.

Anwälte in Deutschland: 23 Vollpartner, 16 Counsel und 37 Associates

Frauenanteil Anwälte: 36,8%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 15 (davon 14 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018/19: 45,0 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018/19: 616.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Mit gut eingespielten, eher schlanken Teams gehört Ashurst in ihren zentralen Beratungsgebieten Unternehmens- und Immobilientransaktionen sowie Finanzierungen zu den angesehenen Einheiten. Besonders hervor tat sich zuletzt das Immobilienteam. Insgesamt misst die Kanzlei dem Standort Deutschland hohe Bedeutung bei. Das zeigt sich unter anderem daran, dass nach dem plötzlichen Abgang eines Finanzierungsspezialisten im Sommer 2019, der dem globalen Management-Board angehörte, erneut ein deutscher Partner in das Führungsgremium einzog.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 500 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: 100.000 bis 110.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro
2. Jahr: 105.000 bis 115.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro
3. Jahr: 115.000 bis 118.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro
4. Jahr: ca. 123.000 Euro plus Bonus bis 18.000 Euro
5. Jahr: ca. 131.000 Euro plus Bonus bis 18.000 Euro
6. Jahr: ca. 139.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 40.000 bis 50.000 Euro

Der Weg zur Partnerschaft hat bei Ashurst keine festen Etappen. Er setzt jedoch unter anderem voraus, dass Kandidaten ein mehrtägiges internationales Programm absolvieren. Dieses findet einmal im Jahr an einem der weltweiten Kanzleistandorte statt.

Ihre Partnerschaft in Deutschland baute Ashurst in den vergangenen Monaten stetig aus, sowohl mit einer Partnerernennung im Bereich Corporate/M&A als auch mit zwei Quereinsteigern im Steuerrecht.

Das ist manchen Associates ein Dorn im Auge: In der azur-Umfrage fordern einzelne Teilnehmer „engagiertere Weiterentwicklung der eigenen Associates“ und „mehr Transparenz“. Trotzdem beurteilen die Ashurst-Associates ihre Aufstiegschancen etwas besser als im Durchschnitt aller Umfrageteilnehmer, allerdings vor allem abseits der Vollpartnerschaft.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.