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21.05.2021 | Autor/in: Anika Verfürth

Überstunden: Gesundheitliche Folgen betreffen auch Anwälte

Eine UN-Studie belegt: 55 Arbeitsstunden pro Woche oder mehr führen zu gesundheitlichen Einbußen. Davon bleiben auch Anwälte nicht verschont, denn schon Berufseinsteiger kommen diesem Arbeitspensum nahe: Associates arbeiten laut azur-Umfrage durchschnittlich 52 Stunden pro Woche. Kanzleien suchen Wege, um die Arbeitsbelastung herunterzufahren. 

Lange Arbeitszeiten kosten einer UN-Studie zufolge jährlich hunderttausende Menschenleben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) gehen davon aus, dass im Jahr 2016 weltweit rund 398.000 Menschen an Schlaganfällen und etwa 347.000 an koronarer Herzerkrankung starben, weil sie 55 Wochenstunden oder mehr gearbeitet hatten. Die Genfer UN-Behörden veröffentlichten erstmals globale Schätzungen zu diesem Problem.

Noch mehr Stunden bei umsatzstarken Kanzleien

Die Arbeitsbelastung insbesondere bei Großkanzleien schreckt immer wieder junge Juristen davon ab, diesen Karriereweg einzuschlagen. Die Sorge, zu viele Stunden zu arbeiten, ist alles andere als unbegründet. So gaben Großkanzlei-Associates vom 1. bis 3. Berufsjahr in der azur-Umfrage an, dass sie 52,3 Stunden pro Woche arbeiten. 

Wer dann noch in einer besonders umsatzgetriebenen Einheit arbeitet, dazu zählen etwa im Transaktionsgeschäft tätige US-Kanzleien, den erwarten laut Umfrage schon 54,4 Stunden pro Woche – Tendenz mit den Berufsjahren steigend. Auch zwischen den Rechtsgebieten zeichnet sich ein deutlicher Unterschied ab. Während zuletzt vor allem Compliance-Associates mit 54,3 Wochenstunden am meisten arbeiteten, mussten junge Juristen, die zum Gewerblichen Rechtsschutz beraten, nur 50,4 Stunden leisten. 

Akzeptanz schaffen für Rücksichtnahme

Das leistungsgetriebene Umfeld von Wirtschaftskanzleien nimmt oft keine Rücksicht auf die körperliche oder mentale Gesundheit von Anwälten. Kanzleien sind auf der Suche nach Lösungswegen. Die US-Kanzlei Morrison & Foerster initiierte beispielsweise als eine der ersten ein umfassendes Well-Being-Programm. Auch DLA Piper oder Dentons stellten inzwischen Angebote auf, um Mitarbeiter zu beraten und zu entlasten. 
Bei Latham & Watkins, auch in den deutschen Büros, zeigt das interne Kommunikationsprogramm die Mitarbeiter ab 18 Uhr als abwesend an. Dies soll ein erster Schritt sein, um die Denkweise einer 24/7-Erreichbarkeit zu ändern. (mit Material von dpa)