azur100
04.03.2021 | Autor/in: Claudia Otto
Themen in diesem Artikel:

Allen & Overy – Top-Arbeitgeber – Platz 11

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Super Stimmung, tolle Mandate“

„Sehr guter Zusammenhalt im Team“

„Offene Kommunikation, ehrgeiziges Umfeld, Rücksicht auf Feierabend und Wochenenden“

Kritik von den eigenen Associates

„Eigenintiative wird oft ausgebremst. Personalführung verbesserungsfähig“

„Einsatz lohnt nicht. Miserables Talentmanagement“

„Arbeitsinhalte Marktspitze, aber Nachwuchskonzept für Partnerschaft fehlt“

Was externe Juristen über A&O sagen

„Sehr professionelles Umfeld, starker Zusammenhalt auch zwischen den internationalen Büros“

„Ausbeutung auf hohem Niveau; Stimmung in den Teams sehr wechselhaft“

„Sehr hohes Arbeitspensum, gute Bezahlung, kaum Aufstiegschancen“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Zugriff auf Online-Repetitor Examio/Juracedemy
  • Strukturiertes Programm für Referendare mit Kursen und Klausurenpaketen von Kaiser, Alpmann Schmidt und Jura Intensiv sowie Auswahl aus dem kompletten Hemmer-Programm (inkl. Repetitorien)
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Nach Erfahrung gestaffeltes Programm zu wirtschaftlichen Themen sowie Mandantenbindung, Akquise und Führung
  • Führungstraining für Mid-Level Associates
  • Einzelcoaching für Partnerauswahlprozess
Highlights Diversity
  • Trainings in London für weibliche Associates und Counsel aller Standorte und aller Senioritätsstufen

Magic-Circle-Kanzlei mit einem der besten Programme für Referendare

Angebote en masse. Für Praktikanten bleiben bei A&O kaum Wünsche offen: Sie erhalten bei der britischen Full-Service-Kanzlei Einblicke ins Tagesgeschäft und dürfen fachliche Vorträge und Workshops, Legal-English-Kurse, Soft Skills-Schulungen sowie Präsentations- und Bewerbungstrainings besuchen. Referendare bekommen noch mehr geboten: Hier gehört A&O zu den besten Ausbildern und bietet Inhouse-Kurse zur Klausurenvorbereitung und -technik, individuelle Coachings und Übungen zum Aktenvortrag sowie Kurse und Klausurenpakete von Kaiser, Jura Intensiv und Hemmer. Gleiches gilt nun für Alpmann Schmidt, den sie bisher nur als Repetitor im Programm hatte. Referendare loben in der azur-Bewerberumfrage die „gute Ausbildung“ und „enge Mitarbeit am Mandat und Übertragung eigenständiger Aufgaben“.

Associates sind Fürsprecher. Angestellten Anwälten stehen 200 Kurse zur Auswahl, darunter praxisgruppenspezifische Vorträge, aber auch Trainings zu Soft- und Business-Skills wie Bilanzanalyse, Verhandlungsführung und Präsentationstechniken. Seit 2020 bietet A&O auch Trainings für das Interviewen von Bewerbern, Due Diligence in Corona-Zeiten, E-Signing und Führung für Mid-Level Associates. Die Associates heben in der azur-Umfrage die Vor-Ort-Seminare hervor, die eigentlich in London stattfinden und insbesondere Frauen fördern sollen. Corona-bedingt stellte die Kanzlei sämtliche Angebote auf Websessions um. Unabhängig von Corona dürfen Anwälte regelmäßig im Homeoffice arbeiten. Das kommt bei den Associates gut an, die oft die Flexibilität bezüglich Arbeitsplatz und -zeit loben. Dass ihre Wünsche gehört werden, dafür sorgt ein neues Gremium: „Die Associate-Stimmung hat sich zuletzt spürbar verbessert – auch dank des neuen Associate-Gremiums als Ansprechpartner gegenüber Partnern und dem Management.“

Stimmungsschwankungen. Doch innerhalb der Mannschaft schwankt die Stimmung je nach Standort und Team. Auch für Mitarbeiterführung sowie Kommunikation gibt es gemischtes Feedback, ebenso bei Legal Tech, denn eigentlich zählt die Kanzlei über ihren Inkubator in London zu den Vorreitern. Doch scheint dies nicht überall anzukommen, einer beklagt etwa: „Viele Anwälte sind mit diesen Tools noch nicht vertraut.“

Viel Geld, wenig Zeit. Bei der Vergütung liegt A&O auf einem Niveau mit anderen britischen Spitzenkanzleien wie Clifford, Freshfields und Linklaters und damit ziemlich weit oben. Dafür arbeiten die Associates laut azur-Umfrage aber mit 56 Wochenstunden wie bei Linklaters auch überdurchschnittlich viel. Deshalb verwundert es nicht, dass sie die Arbeitsbelastung für zu hoch und die Work-Life Balance sowie die Vereinbarkeit von Karriere und Familie für verbesserungswürdig halten. Um ihre Work-Life-Balance zu verbessern, fordern sie „fixe Ausgleichstage für intensive Wochenendarbeit“ und eine bessere Vereinbarkeit von Karriere und Familie: „Mehr Beispiele schaffen! Flexibleres Arbeiten mehr tolerieren und bewerben.“

Beschwerlicher Aufstieg. Auf dem Weg nach oben wünschen sich die jungen Anwälte „mehr Transparenz“, eine „klarere Kommunikation“ und „das Zulassen von mehr Eigenverantwortung“ von ihrem Arbeitgeber. Um die Karriereentwicklung zu verbessern, hat A&O sich von den klassischen Jahresgesprächen verabschiedet. Stattdessen tauschen sich die Associates nun viermal im Jahr mit ihrem Partner aus. Großen Aufholbedarf hat die Kanzlei trotz diverser Förderangebote noch beim Thema Frauen in der Partnerschaft. Ihr Anteil liegt nach wie vor bei gut 8 Prozent und damit unter dem von Großkanzleien ähnlichen Zuschnitts hierzulande.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 45 bis 65

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 5 bis 10

Referendarplätze 2021: 85              

Praktikumsplätze 2021: 30

Berufseinsteiger sollten eine Gesamtzahl von rund 18 Punkten im 1. und 2. Examen mitbringen, mit möglichst wenig Differenz zwischen den Einzelergebnissen. Zusatzqualifikationen wie ein LL.M.-Titel oder eine Promotion sind gern gesehen, aber kein Muss. Pluspunkte bringen auch Auslandserfahrung, unabdingbar sind fließende Englischkenntnisse. Das Bewerbungsgespräch findet mit Partnern und weiteren Mitarbeitern verschiedener Erfahrungsstufen statt. Fachfragen oder Fallstudien können Teil des Interviews sein. Ein Zweitgespräch erfolgt nur, wenn relevante Ansprechpartner beim ersten Termin nicht dabei sein konnten. Bewerber beschreiben das Verfahren in der azur-Umfrage als „nahezu komplett digital, daher unkompliziert und schnell“ sowie „personenbezogen“ und loben die „sehr gute Betreuung durch die Personalabteilung“.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Allen & Overy ist weltweit in mehr als 30 Ländern präsent, vor allem in Europa, Nahost, Nordafrika, den USA und Asien/Pazifik. Zudem unterhält sie eigene Büros in Südafrika und Südkorea. Assoziierte Büros befinden sich in Indonesien, Rumänien und der Türkei. Mit einer saudi-arabischen Kanzlei besteht eine Kooperation.

Anwälte in Deutschland: 47 Vollpartner, 33 Counsel, 151 Associates und 8 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 33,9 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 19

davon Frauen: 16

Umsatz in Deutschland 2019/20: 145 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019/20: 729.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 150 Euro/Tag (vor dem 1. Examen), 200 Euro/Tag (nach dem 1. Examen), 300 Euro/Tag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 200 Euro/Tag; max. 4.600 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 120.000 Euro

2. Jahr: 125.000 Euro

3. Jahr: 130.000 Euro

4. Jahr: 140.000 Euro

5. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus

6. Jahr: 160.000 Euro plus Bonus

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Karriere und Partnerschaft

Ab dem fünften Berufsjahr können Anwälte zum Senior Associate aufsteigen, ansonsten verlassen sie Allen & Overy. Das Up-or-out-Prinzip bricht die Kanzlei erst auf der Counsel-Stufe auf, die frühestens nach zwei Jahren als Senior Associate ansteht. Die Position kann von Dauer, aber auch eine Vorstufe zur Partnerschaft sein. Doch wie schon in den Vorjahren sind die Associates damit nicht zufrieden: Sie bewerten das Angebot alternativer Karrierewege in der azur-Umfrage schlechter als der Marktdurchschnitt. Noch unzufriedener sind sie allerdings mit den Partnerchancen, die sie als sehr gering einschätzen und die auch in der Realität nicht sonderlich hoch sind. So wurde beispielsweise im letzten Geschäftsjahr lediglich ein Anwalt in die Partnerschaft aufgenommen. Ein Associate kritisiert in der azur-Umfrage etwa: „Partnerchancen scheinen leider immer noch fast nur Quereinsteiger von Seniors und Counsel aus anderen Kanzleien zu haben.“ Die Vergütung der Partner erfolgt nach einem modifizierten Lockstep-System. Für den Gewinnanteil ist die Dauer der Kanzleizugehörigkeit entscheidend, wobei ab einem gewissen Level nur die Partner weiter hochgestuft werden, die ein bestimmtes Umsatzziel erreichen.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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