azur100
06.03.2020 | Autor/in: Anika Verfürth

Willkie Farr & Gallagher – Top-Arbeitgeber – Platz 41

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Tolle Transaktionen, hohes Niveau“

„Steile Lernkurve durch frühzeitige Arbeit an der Front“

„Stimmung unter den Associates ist super“

„Bitte klarere Kommunikation der Anforderungen für eine Beförderung“

„Leider zu konservativ, was die Arbeitsbedingungen angeht“

„Mit bestimmten Partnern will keiner arbeiten – geäußerte Kritik bleibt unberücksichtigt“

„Arbeitsbelastung auch nicht höher als in vielen anderen Großkanzleien“

„Knochenmühle mit kaum vorhanden Aufstiegschancen“

„Ausgesprochen interessante Arbeit und sehr internationales Umfeld“

▪ Vermittlung von Referendarstation ins Ausland
(z.B. Londoner Büro oder bei Investmentbank)

▪ Enge Einbindung in die Teams und in den Kanzleialltag

▪ Kooperation mit Insead für einen MBA und mit Berkeley für einen LL.M.-Abschluss

▪ Secondments bei Mandanten oder in einem der US-Büros möglich

keine herausragenden Angebote

Über den Arbeitgeber

Hohe Anforderungen, viel Transaktionsgeschäft. Junge Anwälte, die sich auf Finanzierungen oder die M&A- und Private-Equity-Beratung spezialisieren wollen, sind bei der US-Kanzlei gut aufgehoben – hier zählt sie zu den Top-Adressen. „Nirgendwo lernt man schneller und auf so hohem Niveau”, bestätigt ein Willkie-Associate in der azur-Umfrage. Doch die hohen Anforderungen bringen auch Nachteile mit sich. So zeigt sich unter Willkie-Anwälten ein gespaltenes Stimmungsbild in der azur-Umfrage. Die einen schwärmen von „angenehmer Atmosphäre“, „guten Karriereperspektiven“ und „transparenter Kommunikation“, während andere von „konservativen Arbeitsbedingungen“ sprechen und etwa berichten, dass „Homeoffice explizit ungern gesehen“ ist. Die Hälfte der Umfrageteilnehmer kann sich zumindest vorstellen, in den nächsten zwölf Monaten den Arbeitgeber zu wechseln.

Geld gegen Freizeit. Genau wie andere US-Kanzleien ähnlichen Zuschnitts zahlt auch Willkie ein Top-Gehalt. Entsprechend zufrieden sind die Associates in der azur-Umfrage damit. Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, was als Gegenleistung für das rekordverdächtige Einstiegsgehalt erwartet wird: uneingeschränkter Arbeitseinsatz. Im Transaktionsgeschäft bedeutet das, dass die Kanzlei erwartet, mitten im Deal Homeoffice selbstverständlich abzusagen und private Termine hintenanzustellen. Dafür versucht sie einen Ausgleich für diese Arbeitsspitzen zu schaffen: So gibt es etwa den „Day off“ nach einer Transaktion und 30 Urlaubstage, die auch genommen werden sollen. Teilzeit gibt es zumindest in der Theorie, sie wird aber praktisch aktuell nicht gelebt. Dafür steht ein Kinderzimmer in der Kanzlei bereit, wenn Betreuungsengpässe überbrückt werden müssen. Doch für Teile der Associate-Mannschaft hakt es noch gewaltig: Bei der Frage, was ihre Arbeitgeberin für eine ausgeglichene Work-Life-Balance und für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tue, antworten gleich mehrere: „nichts“, „absolut rein gar nichts“ und „leider viel zu wenig“. Nach einer internen Mitarbeiterbefragung wurden nach Angaben der Kanzlei Missstände aufgedeckt und erste Dinge angestoßen. So sind beispielsweise nun alle Partner angehalten, in ihren Teams – außerhalb von Arbeitsspitzen – einen Homeoffice-Tag in der Woche zuzulassen.

Ausbildung auf hohem Niveau. Die hochkarätigen Mandate und der schnelle Takt an Deals erfordert exzellent ausgebildete Juristen. Willkie stellt jedem Berufseinsteiger zwei Partner als Mentoren an die Seite. Sie überwachen die Weiterentwicklung und planen seine Karriereschritte. Teil der Willkie-Ausbildung ist auch, dass die Associates zwischen Partnern rotieren, um verschiedene Arbeitsweisen und Schwerpunkte kennenzulernen. Für fachliche Weiterbildung sorgt ein im Marktvergleich übliches Ausbildungsprogramm mit internen und externen Seminaren. Feste Bausteine bilden die Grundlagen, etwa zur Bilanzkunde. Darüber hinaus kann das in Deutschland kleine Team auf aktuelle Entwicklungen reagieren und Vorträge organisieren; zuletzt lud sie etwa einen Spezialisten für die Bewertung von Pensionen ein. In der azur-Associate-Umfrage geben die Willkie-Anwälte für das Weiterbildungsangebot unterdurchschnittliche Noten, einer gesteht ein: „Umfassendere Angebote sind möglich, aber schwer mit der Realität des Transaktionsalltags zu vereinbaren.“

Persönliche Ausbildung im Referendariat. Dass die Größe in Deutschland überschaubar ist, nutzt Willkie auch für Praktikanten und Referendare, die eine recht persönliche und individuelle Ausbildung erhalten. „Kein gestelltes Gruppenpraktikum. Ein ehrlicher Einblick, wie es tatsächlich im Alltag zugeht, mit allen Höhen und Tiefen“, berichtet ein ehemaliger Praktikant in der azur-Bewerberumfrage. Ein Referendar schreibt: „Die Atmosphäre ist meistens gut. In stressigen Zeiten kann der Ton auch mal etwas rauer sein.“ Referendare und Praktikanten nehmen an allen internen Fortbildungen teil und lernen direkt am Mandat. Besonders ist, dass nicht nur Associates regelmäßig ins Ausland gehen, auch Referendare können Zeit in London oder in einem US-Büro der Kanzlei verbringen. Rund die Hälfte der aktuellen Mannschaft hat Willkie bereits vor dem Berufseinstieg kennengelernt – vielen Nachwuchsjuristen gefällt es trotz des hohen Leistungsdrucks bei Willkie offenbar gut.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 5 bis 12

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1 bis 5

Referendarplätze 2020: 10         

Praktikumsplätze 2020: 10

In beiden Staatsexamina sollte ein Vollbefriedigend erreicht sein. Entgegen früherer Bekenntnisse drückt Willkie hier aber auch mal ein Auge zu, sollte etwa das zweite Examen überraschend schlechter ausgefallen sein. Fließende Englischkenntnisse hingegen sind ein Muss. Ein Beleg dafür kann ein im englischsprachigen Ausland erworbener LL.M sein. Wer diesen noch nicht hat, kann am kanzleieigenen LL.M.-Programm an der renommierten Berkeley-Universität teilnehmen. Wichtig ist für Willkie außerdem, dass jeder Bewerber bei den Vorstellungsgesprächen möglichst viele künftige Kollegen kennenlernt. Darum gilt die Regel: Am ersten Gespräch nehmen alle Anwälte teil, die Zeit haben, am zweiten die, die beim ersten Termin nicht dabei waren. Wenn alles passt, geht es anschließend ruckzuck. Heute bewerben, morgen zum Vorstellungsgespräch, übermorgen schon am Schreibtisch – bei Willkie ist das durchaus möglich.

Standort in Deutschland: Frankfurt

Internationale Präsenz: Die US-Kanzlei hat eigene Büros in New York, Washington und Houston sowie in Brüssel, London, Mailand, Rom und Paris.

Anwälte in Deutschland: 9 Vollpartner, 2 Non-Equity-Partner, 5 Counsel und 20 Associates

Frauenanteil Anwälte: 27,8%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1

Umsatz in Deutschland 2018: 32,7 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 1.079.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Mit gleich zwei namhaften Quereinsteigern schloss Willkie im Sommer und Herbst 2019 eine Lücke, die der überraschende Tod des Private-Equity-Spezialisten und langjährigen Managing-Partners Mario Schmidt im Herbst 2018 hinterlassen hatte. Die Verarbeitung des Verlusts war nicht einfach, doch die Kanzlei hat sich „auch in emotional schweren Zeiten den Zusammenhalt bewahrt”, schreibt ein Associate in der azur-Umfrage.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 1.000 Euro/Monat (vor dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen)

Referendare: 1.000 Euro/Wochenarbeitstag; max. 5.000 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: 140.000 Euro*
2. Jahr: 135.000 Euro plus Bonus
3. Jahr: 145.000 Euro plus Bonus
4. Jahr: 155.000 Euro plus Bonus
5. Jahr: 165.000 Euro plus Bonus
6. Jahr: 175.000 Euro plus Bonus

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

*Willkie zahlt im ersten Jahr 125.000 Euro Gehalt, hinzu kommt zum Berufseinstieg eine Einmalzahlung in Höhe von 15.000 Euro.

Willkie hat ihren Karrieretrack in Europa erst zum Jahreswechsel 2019/2020 umgestellt und an das amerikanische System angepasst. Damit entfällt eine Besonderheit der europäischen Standorte: der National Partner. In den USA gab es diese Zwischenstufe zum Partner nie. Jetzt kann auch in Deutschland nach dem Associate-Status die direkte Beförderung in die Vollpartnerschaft erfolgen. Als Alternative, dauerhaft oder als Zwischenstation zum Partner, gibt es einen Counsel-Status. Laut der aktuellen azur-Associate-Umfrage sind die Willkie-Anwälte zwar mit ihren Aufstiegschancen eher unzufrieden, bewerten diese aber auch nicht viel schlechter als die meisten Anwälte in anderen Kanzleien und um Welten besser als Associates in anderen US-Kanzleien wie Sullivan & Cromwell oder Skadden Arps Slate Meagher & Flom. Das ist nicht überraschend: So nimmt Willkie über die Jahre regelmäßig Anwälte aus den eigenen Reihen in ihre Partnerschaft auf. Wie sich das künftig mit der direkten Hürde in die Vollpartnerschaft gestalten wird, bleibt abzuwarten.

Für die Höhe ihrer Vergütung werden die Partner nach Leistung eingestuft. Die Stufen richten sich nach abgerechnetem Umsatz, eigenen Stunden, Akquiseleistung sowie dem sonstigen Beitrag zur Kanzleientwicklung, wie Management oder Marketing.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.