azur100
06.03.2020 | Autor/in: Ludger Steckelbach

White & Case – Top-Arbeitgeber – Platz 16

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Sehr spannende Kanzlei mit vielen Chancen“

„Der frühe Zugang und direkte Kontakt zum Mandanten und das selbstständige Arbeiten wird gefördert“

„Lockere Atmosphäre, nette Leute, hoher Anspruch, aber kein elitäres Denken“

„Der Stundendruck auf die Associates ist immens, mit eines der Hauptthemen in der Kanzlei“

„Teilweise sehr hierarchisch; langer Weg zur ersten sichtbaren Karrierestufe“

„Den Partnern der Kanzlei fehlt es an Führungspersönlichkeit“

„Tolle Arbeit, aber schlechte Work-Life-Balance“

„Unglaublich internationale Mandate in teilweise exzellenten Einheiten, leider sehr aus den USA gesteuert“

„Gutes Gehalt und spannende Mandate, dafür hoher Leistungsdruck“

▪ Möglichkeit, die Wahlstation in einem Auslandsbüro zu absolvieren

▪ Mandatsarbeit bereits in einer frühen Ausbildungsphase

▪ Persönliche Ansprechpartner und enge Anbindung ans Anwaltsteam

▪ Fachliche Seminare sowie Schulungen zu Soft Skills, juristische Schlüsselqualifikationen und nicht juristischen Führungsthemen wie Verhandlungsmanagement

▪ Veranstaltungen zur Bildung eines globalen Netzwerks in der Kanzlei

▪ Eingespielte und bewährte Karriereförderung für Frauen und regelmäßige Ernennung von Partnerinnen

▪ Kulturelle Vielfalt der Mitarbeiter durch eine im Marktvergleich hohe Zahl von Anwälten mit Migrationshintergrund

▪ Engagement der Kanzlei in einem LGBTI-Netzwerk

Über den Arbeitgeber

Strategie auf der Zielgeraden. Vor einigen Jahren hat sich die Kanzlei eine mehrjährige Strategie verordnet, deren Ziele 2020 erreicht werden sollten. Wer jetzt als Nachwuchsjurist bei White & Case (W&C) einsteigt, muss diese Aufgabe zwar nicht mehr erledigen, spürt aber die Konsequenzen. Inhaltliche Fokussierung, internationale Vernetzung und höherwertiges Geschäft waren die erklärten Ziele der Kanzlei. Die inhaltliche Fokussierung ging mit einem jahrelangen personellen Schrumpfkurs einher, was laut einem Teilnehmer in der azur-Associate-Umfrage stellenweise zu „viel zu viel Arbeit für zu wenige Leute“ geführt hat. Die anfänglich rasante Verkleinerung einiger Bereiche hat sich in den vergangenen Monaten nicht mehr fortgesetzt, und W&C hat im vergangenen Jahr eine Reihe von Jungpartnern gefunden, die gut in ihr Konzept passen.

Konzentriert auf Kernbereiche. W&C zählt zu den Full-Service-Kanzleien. Dadurch bieten sich Junganwälten breitere inhaltliche Möglichkeiten als in spezialisierten US-Kanzleien wie Sullivan & Cromwell. Andererseits konzentriert sich das deutsche Management auf bestimmte Branchen und Rechtsgebiete, sodass die Nachwuchskräfte von Beginn an die oben genannte Fokussierung spüren. An den Standorten Hamburg und Düsseldorf treffen sie etwa auf „sehr gute und bekannte Teams, die auf Insolvenzrecht spezialisiert sind“, die Frankfurter Praxis im Kapitalmarktrecht ist „sehr häufig auf internationalen Bank/Bond-Transaktionen zu sehen“. Die gesteigerte Profitabilität macht sich für den juristischen Nachwuchs positiv bemerkbar durch überdurchschnittliche Gehälter. Auch die mittlerweile erreichte grenzübergreifende Vernetzung der Standorte gehört von Anfang an zu den Pluspunkten im Kanzleialltag und wird etwa durch mehrtägige Blockveranstaltungen in ganz Europa gefördert: „Die Internationalität ist beeindruckend“, so ein Associate.

Hohe Arbeitsbelastung. Viele hochwertige Mandate müssen derzeit von ausgelasteten Teams bewältigt werden. Die Kanzlei scheint in den vergangenen Monaten eine kritische Grenze bei der Arbeitsbelastung erreicht zu haben. In der azur-Umfrage sind die durchschnittlichen Angaben der Associates hierzu von zuletzt 54 auf nun 56 Wochenstunden gestiegen. Obwohl sie das negativ kommentieren, sind die Junganwälte in diesem Jahr etwa so zufrieden wie im Marktdurchschnitt. Viel Einsatz scheint bei hoher Qualität und Vergütung nötig zu sein.

Praxisbezug wird gelobt. Die Teilnehmer der azur-Umfrage nehmen die gute fachliche Aus- und Weiterbildung sowie die interessante Mandatsarbeit als Pluspunkte wahr. Praktikanten erwartet kein typisches standardisiertes Ausbildungsprogramm, sondern ein Einblick in die echte Anwaltsarbeit. Die personalisierte Praxiseinbindung etwa schätzen die Praktikanten als „individuelle Betreuung mit vielen Möglichkeiten, sich hervorzutun“. Auch bei der Referendarausbildung hat W&C in den letzten Jahren einiges getan und erreicht hier durchaus den Marktstandard. „Zudem ist die Arbeit sehr eigenverantwortlich und besteht nicht nur aus Recherchen“, lobt ein Referendar den Praxisbezug. Kaiserseminare und die Alpmann Schmidt-Jura-App gehören zum wachsenden Angebot ebenso wie die Verfügbarkeit von Ansprechpartnern auf Associate- und Partnerebene.

Initiative unverzichtbar. Die Kanzlei legt großen Wert auf unternehmerisches Denken und Handeln und bietet an vielen Stellen mehr Gestaltungsmöglichkeiten als manche stärker gemanagte Kanzlei. Um als Associate von diesen Freiheiten zu profitieren, braucht es jedoch Initiative, etwa um individuelle Vereinbarungen wie Homeoffice-Tage auszuhandeln. „Diversity wird großgeschrieben, Leistung zählt“, schreibt ein Associate. In der Tat belegen die Rückmeldungen in den azur-Umfragen, dass Diversität und Gleichbehandlung unabhängig von der Herkunft in der Kanzlei längst gelebte Praxis sind. Bei der Gleichbehandlung von Frauen greift die lange etablierte Frauenförderungsinitiative, die auch Partnerinnen im Nachhinein als hilfreich für ihren Karriereweg beurteilen. Die angestrebte Erhöhung des im Marktvergleich relativ niedrigen Frauenanteils, besonders auf Partnerebene, gelingt langsam: Im vergangenen Jahr waren zwei der vier Neupartner weiblich.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 25 bis 35

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): ca. 10

Referendarplätze 2020: 60 bis 70            

Praktikumsplätze 2020: 50 bis 70

Von Berufseinsteigern erwartet die Kanzlei zwei vollbefriedigende Examina. Zusatzqualifikationen wie eine Promotion oder ein im Ausland erworbener LL.M. sind gern gesehen, aber keine Voraussetzung. Sie bringen wie Prädikatsnoten Pluspunkte, die mit besonderen Fähigkeiten teilweise kompensiert werden können. W&C setzt wegen der Internationalität ihrer Mandate hervorragende Englischkenntnisse voraus. Für Berufseinsteiger sind in der Regel zwei Gesprächsrunden geplant. Hier hat der Bewerber die Gelegenheit, den zukünftigen Partner kennenzulernen und darüber hinaus weitere Partner, auch aus anderen Rechtsbereichen, sowie künftige Kollegen, um sich einen möglichst umfangreichen Eindruck von den Teams verschaffen zu können. Ein Teil des Gesprächs kann in englischer Sprache geführt werden. Bewerber beschreiben das Verfahren durchweg als „unkompliziert und schnell“.

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg

Internationale Präsenz: White & Case unterhält weltweit 44 Büros, aufgeteilt in die Regionen Amerika, EMEA und Asien/Pazifik.

Anwälte in Deutschland: 58 Vollpartner, 22 Counsel, 146 Associates und 5 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 30,7%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 7 (davon 5 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018: 136,0 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 712.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Vor einigen Jahren hatte das Management für die deutschen Büros ein umfassendes Strategieprogramm gestartet, um die Mandatsqualität zu verbessern. Den Programmzielen hat sich die Kanzlei inzwischen genähert. Personell ist trotz einiger Wechsel weitgehend Ruhe eingekehrt. Die jahrelange Verkleinerung einiger Bereiche hat sich nicht fortgesetzt. Viele Zugänge füllen nicht nur Lücken in Rechtsgebieten, sondern verstärken die Branchenschwerpunkte der Kanzlei.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 120 Euro/Tag (vor dem 1. Examen), 200 Euro/Tag (nach dem 1. Examen), 220 bis 300 Euro/Tag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 200 Euro/Arbeitstag; max. 4.330 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: 120.000 Euro plus Bonus
2. Jahr: 125.000 Euro plus Bonus
3. Jahr: 130.000 Euro plus Bonus
4. Jahr: keine Angaben
5. Jahr: keine Angaben
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Neue Associates können in der Regel nach sieben Jahren zu einem etwa dem Counsel-Status entsprechenden Local-Partner aufsteigen. Der Weg in die Vollpartnerschaft wird mit einem Coaching unterstützt und erfolgt frühestens nach dem neunten Jahr. Das ist später als bei den meisten Wettbewerbern, aber bei US-Kanzleien nicht unüblich. In der aktuellen Umstrukturierung der deutschen Partnerschaft haben sich wie im Jahr davor immer wieder Aufstiegschancen für eine nächste Generation junger Anwälte ergeben. Neben der Partnerschaft bietet die Kanzlei den Status eines Counsel als Alternative an. Die Türen für die Partnerschaft sind damit aber nicht verschlossen, die Ernennung zum Vollpartner bleibt auch für Counsel möglich. Die Noten der Associates für die Chancen auf den Vollpartnerstatus sowie für die Karrieremöglichkeiten abseits der Partnerschaft liegen in der azur-Umfrage derzeit leicht unter dem Marktdurchschnitt.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.