azur100
06.03.2020 | Autor/in: Sonja Behrens

SZA Schilling Zutt & Anschütz – Top-Arbeitgeber – Platz 46

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Ich schätze die Arbeit in kompakten Arbeitsteams und kollegialer Atmosphäre sehr“

„Im Vergleich zu Mitbewerbern angenehmere Arbeitszeiten und die Möglichkeit, mir meine Arbeitszeit innerhalb des Tages selbst einzuteilen“

„Einmaliges Zusammenspiel von praktischer Beratung in High-End-Mandaten und wissenschaftlicher Tätigkeit“

„Ein Tag Homeoffice pro Woche ist mittlerweile Standard, leider nicht bei SZA“

„Intransparente Perspektive hinsichtlich einer Partnerschaftsmöglichkeit“

„Die Arroganz mancher Partner ist nicht zu überbieten“

„Top Adresse, die leider zu oft verkannt wird“

„Gute Anwälte im Bereich Private Clients“

„Altmodisch, aber der Output ist immer noch fachlich überragend“

▪ Zweimal im Monat gemeinsames Mittagessen, bei dem erfahrene Anwälte einen kurzen Überblick über aktuelle Entscheidungen geben

▪ Teilnahme an allen internen Fortbildungsveranstaltungen sowie an den JurDay-Veranstaltungen

▪ Mindestens vier Inhouse-Fortbildungsveranstaltungen pro Jahr

▪ Ab dem vierten Berufsjahr Lehrgang zum Business Development

keine besonderen Angebote

Über den Arbeitgeber

Chefs vertrauen auf SZA. Die SZA-Partner haben einen guten Ruf. Sie beraten die Aufsichtsräte von Daimler, Deutsche Bahn und Deutsche Bank, gehen aber nicht nur in den sogenannten Teppichetagen ein und aus: „SZA bietet eine ausgewogene Mischung zwischen anspruchsvoller High-End-Beratung und einer großen Bandbreite mittelständischer Themen, sodass keine Eintönigkeit entsteht“, berichtet ein Associate in der azur-Umfrage. Allerdings muss man als SZA-Anwalt auch damit rechnen, dass die meisten Partner weit entfernt von einer ausgewogenen Work-Life-Balance leben und der Job dort nicht nur intellektuell eine Herausforderung ist. Das zeigen auch einige Äußerungen von Associates in der azur-Umfrage: „Manche Partner sitzen auf einem hohen Ross“, kritisiert einer, „von Gleichbehandlung der Associates kann keine Rede sein“, ein anderer. Dafür stimmt das Gehalt: Mit diesem sind SZA-Anwälte zufriedener als Anwälte in anderen Kanzleien.

Licht und Schatten. Obwohl es in einigen Punkten aus Associate-Sicht nichts zu kritisieren gibt, liegt die Gesamtzufriedenheit des SZA-Nachwuchses weiterhin unter dem Marktdurchschnitt. So zufrieden sie mit den Inhalten ihrer Arbeit sind: Die Arbeitsbelastung schlägt vielen auf die Stimmung. Durchschnittlich vermelden SZA-Associates in der azur-Umfrage knapp 54 Wochenarbeitsstunden und liegen mit ihrem Arbeitspensum rund eine Stunde über dem Marktdurchschnitt. Um Arbeitsspitzen ausgleichen zu können, hält die Kanzlei dafür nach eigenen Angaben nicht an Kernarbeitszeiten fest. Vor allem bei Anwälten mit Familie stößt das Modell jedoch an seine Grenzen. SZA müsse „flexibler werden, was die Anwesenheit betrifft“, schreibt ein Teilnehmer. Viele fordern ein verlässliches Homeoffice-Angebot.

Eigene Standards. Neben einer Mitarbeit in den Mandaten bietet die Kanzlei ihren Associates eine individualisierte Weiterbildung an, die etwa viermal im Jahr als Inhouse-Veranstaltung stattfindet, manchmal mit externen Referenten, immer öfter aber auch mit SZA-Partnern. Dabei geht es um Themen wie M&A-Versicherungen, Insolvenzrecht und Internal Investigations. Bewährt haben sich zudem die vierteljährlichen JurDay-Veranstaltungen, die SZA mit anderen Kanzleien wie Oppenländer, Raue und Glade Michel Wirtz veranstaltet und an der die Associates ebenso teilnehmen können wie an ausgesuchten Fachtagungen, die ein Associate in der azur-Umfrage als „sehr exklusiv“ lobt. Die Zufriedenheit mit der Weiterbildung liegt nichtsdestotrotz deutlich unter dem Marktdurchschnitt. Die SZA-Anwälte fordern in der Umfrage ein „frühzeitigeres Kommunizieren der Angebote“ und dass die Associates aktiv zur Teilnahme aufgefordert werden.

Guter Einstieg. Jedes Jahr bietet SZA etliche Plätze für Praktikanten und Referendare an, die die Kanzlei eng in die Mandatsarbeit einbindet. Ein strukturiertes Programm gibt es bewusst nicht. Ab diesem Jahr stehen Referendaren und wissenschaftlichen Mitarbeitern aber die JurDay-Veranstaltungen und das interne Fortbildungsprogramm für Associates offen. Ein ehemaliger Praktikant lobt seine Zeit in der Kanzlei: „Ein sehr schönes Praktikum, bei dem mein Mentor auch immer bemüht ist, dass ich abwechslungsreiche Aufgaben bekomme.“ Ein Ex-Referendar kritisiert allerdings, es gebe „kaum Kontakt zu den Partnern, Associates sind sehr bemüht, haben aber oft keine Zeit.“

Lass uns reden. SZA ist eine der deutschen Sozietäten, die stetig ihren Ausbau vorantreibt, zuletzt mit einer Büroeröffnung in München. Doch die Kanzlei ernennt nicht in jedem Jahr Partner. Die eingeschränkten Aufstiegschancen schlagen sich auch in den schlechten Noten für die Partnerchancen nieder, die die Associates in der azur-Umfrage verteilen. SZA setzt auch in diesem Punkt eher auf individuelle Absprachen als auf ein konkretes Förderprogramm. Erfahrene Associates sollen ihren jeweiligen Interessenschwerpunkt über Secondments bei Mandanten ausbauen und sich in Absprache mit dem Partner auf den nächsten Karriereschritt vorbereiten. Doch das reicht vielen Associates nicht, sie wünschen sich eine bessere Übersicht über ihre nächsten Karriereschritte. „Einfach mal reden“, meint ein Umfrageteilnehmer.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 18 bis 26

Referendarplätze 2020: 25         

Praktikumsplätze 2020: 40

Die Aufnahme von Bewerbern erfolgt üblicherweise nach zwei Partnergesprächen und einem Kennenlerngespräch mit zwei bis drei Associates. SZA erwartet zwei vollbefriedigende Staatsexamina, macht aber Ausnahmen, wenn sie Associates schon als Referendare kennen- und schätzen gelernt hat. Der Erwerb des Doktortitels ist in dieser Sozietät üblich, aber kein Muss mehr. Die Kanzlei erleichtert den Titelerwerb durch diverse Teilzeitmodelle. Seit 2019 bietet sie für die Promotionszeit auch ein zweijähriges Arbeits- und Finanzierungsmodell an: Man arbeitet ein Jahr Vollzeit und hat ein Jahr frei zum Schreiben der Doktorarbeit. Das Gehalt wird über die zwei Jahre gestreckt.

Standorte in Deutschland: Frankfurt, Mannheim und München

Internationale Präsenz: SZA hat ein eigenes Büro in Brüssel. In Europa und den USA arbeitet sie mit unabhängigen Kanzleien zusammen.

Anwälte in Deutschland: 23 Vollpartner, 9 Counsel, 59 Associates und 8 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 22,2%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine

Umsatz in Deutschland 2018: 42,3 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 631.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: SZA baut ihr Geschäft weiter aus: Sie eröffnete im Frühjahr 2019 ihr drittes Büro in Deutschland – und dafür wechselten drei Partner nach München. Hinzu kamen zwei gut vernetzte of Counsel – ehemalige Chefjuristen von Airbus und Allianz. Zudem nahm sie Anfang 2020 in Frankfurt noch den Transaktionsspezialisten Dr. Oliver Schröder als Vollpartner an Bord, der lange Partner der US-Kanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton war.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 14 Euro/h (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 35 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: 110.000 bis 120.000 Euro
2. Jahr: 120.000 Euro
3. Jahr: 125.000 Euro plus Bonus bis 25.000 Euro
4. Jahr: 130.000 Euro plus Bonus bis 35.000 Euro
5. Jahr: 135.000 Euro plus Bonus bis 35.000 Euro
6. Jahr: 140.000 Euro plus Bonus bis 50.000 Euro

Der Weg in die Vollpartnerschaft steht Associates frühestens ab dem sechsten Berufsjahr offen, doch das Ziel wird in der Regel erst nach dem achten oder neunten Jahr erreicht. Zuletzt wurden 2020 ein Gesellschaftsrechtler und ein Litigation- und Arbitration-Experte in die Partnerriege aufgenommen. Eine Salary-Partner-Stufe ist bei SZA nicht vorgesehen. Der Karriereweg wird in der Regel individuell zugeschnitten – sei es über einen längeren Auslandsaufenthalt, durch Inhouse-Stagen oder den Erwerb eines Fachanwaltstitels. Da parallel zur anspruchsvollen Arbeit auch eine fundierte akademische Aus- und Fortbildung üblich ist, wählen einige auch den Counsel-Status als Zwischenschritt. Seit 2019 werden die Counsel auch intensiver in die unternehmerischen Entscheidungsprozesse der Kanzlei und die Entwicklung ihrer strategischen Ziele eingebunden.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.