azur100
06.03.2020 | Autor/in: Helena Hauser

Skadden Arps Slate Meagher & Flom – Top-Arbeitgeber – Platz 18

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Spitzenmandate, die auf höchstem Niveau bearbeitet werden“

„Kleine Teams und enge Anbindung an Partner“

„Große Verantwortung und Mandantenkontakt ab dem ersten Tag“

„Aufstiegsmöglichkeiten sind sehr beschränkt“

„Ständige Erreichbarkeit wird erwartet“

„Akzeptanz von Homeoffice wäre schön“

„Sehr lange Arbeitszeiten“

„Sehr international, aber auch sehr US-zentriert“

„Tolle Spezialboutique für M&A“

▪ Praktikantenprogramm inklusive Soft-Skills-Training

▪ Wahlstation im Ausland möglich

▪ Intensive Einbindung in die Mandatsarbeit

▪ Secondments in London, den USA oder Peking

▪ Sehr aktiv in der Pro-bono-Beratung

▪ Umfangreiches Weiterbildungsangebot inklusive Retreat in New York

▪ Programm zur Frauenförderung

▪ Auf Wunsch individuelles Mentoring für Frauen

Über den Arbeitgeber

Viel Licht, wenig Schatten. Obwohl die US-Kanzlei Skadden nicht aus dem sonnigen Kalifornien kommt, sondern ihren Hauptsitz in New York hat, scheint für ihren Nachwuchs die Sonne: Mit ihrer Arbeitgeberin sind sie sehr zufrieden und geben in der azur-Umfrage entsprechend gute Noten. Das gilt für die Gesamtzufriedenheit, aber auch in puncto Arbeitsinhalte, Internationalität und Gehalt. Die Associates loben die „tolle und familiäre Atmosphäre“, die „starke internationale Ausrichtung“ und „hervorragende Qualität der Mandate“. Einer schreibt: „Ich würde mich jederzeit wieder für Skadden entscheiden.“ Einen großen Schatten werfen jedoch die Partnerchancen – hier gehören die Associates zu den unzufriedensten im Markt.

Ausbildung von Deutschland bis in die USA. Mit ihrer Weiterbildung sind die Associates dafür ziemlich zufrieden. Das Ausbildungspaket von Skadden kann sich durchaus sehen lassen. Associates können aus einem umfangreichen Angebot an internen und externen Veranstaltungen und Vorträgen wählen, von Kommunikationstraining und Bilanzanalyse über Präsentationstechniken bis hin zu fachspezifischen Themen. Mindestens einmal im Monat halten erfahrene Anwälte Vorträge zu aktuellen Themen. In den regelmäßig stattfindenden Praxisgruppenmeetings tauschen sich die Teams über ihre Arbeit aus. Ein großer Teil der Ausbildung findet jedoch direkt in der Mandatsarbeit statt. „Viel Verantwortung, viel Arbeit, dafür Mandantenkontakt ab dem ersten Tag“, lobt ein Associate in der azur-Umfrage. Auch wenn viele die frühe Verantwortung schätzen, gibt es vereinzelt Kritik – gerade zu Anfang könne das zu einem Gefühl der Überforderung führen, findet ein Associate. Doch bevor die harte Arbeit beginnt, heißt es für alle Berufseinsteiger erst mal ab nach New York. Dort lernen sie die Kanzlei und andere Associates kennen. Auch danach profitieren die Associates von der internationalen Ausrichtung der Kanzlei: Die alltägliche Arbeit ist oft grenzüberschreitend, ein Secondment an einem ausländischen Standort gehört für viele Associates zum Ausbildungspaket dazu.

Anwaltsberuf hautnah. Referendare arbeiten von Anfang an im Team mit und sind stark in die laufende Mandatsarbeit integriert. Wie bei den Associates setzt Skadden auf praxisnahes Lernen und eigenverantwortliches Arbeiten. „Sehr intensiv, es wird viel von den Referendaren verlangt, man kann aber auch viel lernen“, meint ein ehemaliger Referendar in der azur-Bewerberumfrage. Darüber hinaus können Praktikanten und Referendare an den internen Vorträgen und Seminaren inklusive Soft-Skills-Training und Englischkurs teilnehmen. Für die Vorbereitung auf das Examen können Kaiser-Seminare besucht werden. Für Referendare bietet Skadden etwas mehr als vergleichbare Wettbewerber. Praktikanten erhalten eine marktübliche Ausbildung. Sie arbeiten praxisnah und mit enger Anbindung an den Partner – und bekommen so einen realistischen Eindruck von der Anwaltsarbeit. Bisher gibt es bei Skadden Einzelpraktika, ab 2020 will die Kanzlei zusätzlich Gruppenpraktika anbieten und damit ein strukturiertes Praktikumsprogramm schaffen.

Viel Arbeit, viele Transaktionen. Mit 56 Stunden liegt die Wochenarbeitszeit der Associates laut azur-Umfrage drei Stunden über dem Marktdurchschnitt. Die Arbeitsbelastung ist zwar hoch – das ist aber für eine so stark auf Transaktionen fokussierte Großkanzlei normal. Bei einigen ähnlich aufgestellten Wettbewerbern wie Sullivan & Cromwell ist die Arbeitszeit höher. Das finden auch die Associates: Mit ihrer Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance sind sie insgesamt zufrieden, einige loben in der azur-Umfrage die „flexiblen Arbeitszeiten und individuellen Arbeitsmodelle“. Andere wünschen sich jedoch, dass mehr Anwälte eingestellt werden und keine ständige Erreichbarkeit erwartet wird.

Den Stress wegmeditieren. Für eine gute Work-Life-Balance gibt es ein neues Programm, das das Thema vielfältig aufgreift: Es gibt etwa ein Seminar zur Stressvermeidung, eine Meditations-App und einen Zuschuss zum Fitnesstudio. Obwohl das Angebot zur Vereinbarkeit von Karriere und Familie überschaubar ist, haben die Associates in der aktuellen azur-Umfrage auch hier wenig zu meckern. Sie schätzen vor allem die Flexibilität und Homeoffice-Möglichkeiten.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 3 bis 5

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Referendarplätze 2020: 25         

Praktikumsplätze 2020: 30

Wer seine Anwaltskarriere bei Skadden starten möchte, sollte zwei Prädikatsexamina vorweisen können. Ehemalige Referendare oder Kandidaten, die ein in anderer Hinsicht spannendes Profil mitbringen, kommen auch mit insgesamt 18 Punkten in die engere Auswahl. Dass in einer internationalen Kanzlei wie Skadden hervorragende Englischkenntnisse gefragt sind, versteht sich von selbst.

Das Bewerbungsverfahren läuft über insgesamt drei Runden, innerhalb derer der Bewerber so viele Partner und Associates wie möglich kennenlernt. Um dies zu gewährleisten, findet das dritte Gespräch an einem anderen Standort statt. Wie eine Teilnehmerin der azur-Bewerberumfrage bestätigt, müssen Bewerber trotz des dreistufigen Verfahrens nicht lange auf eine Antwort warten: „Unkompliziert, sehr schnelle Reaktion und schnelle Zusage nach dem Gespräch.

Standorte in Deutschland: Frankfurt und München

Internationale Präsenz: Die US-Kanzlei hat 22 Standorte in Europa, Asien und den USA. Die europäischen Büros befinden sich in Brüssel, Moskau, London und Paris.

Anwälte in Deutschland: 9 Vollpartner, 16 Counsel und 19 Associates

Frauenanteil Anwälte: 21,1%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 4

Umsatz in Deutschland 2018: 29 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 942.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Intern gab es zuletzt Verstärkung durch eine Partnerernennung – ein großer Schritt für die Kanzlei und ein Zeichen für den Nachwuchs. Skadden hatte davor seit vielen Jahren keinen Partner ernannt. Nach wie vor arbeiten die deutschen Standorte eng mit den internationalen Büros zusammen, waren zuletzt aber auch national sehr aktiv, etwa für Daimler bei der Aufspaltung in drei Geschäftsbereiche.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 840 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 1.050 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.350 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 1.050 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 140.000 Euro
2. Jahr: 140.000 Euro plus Bonus
3. Jahr: keine Angaben
4. Jahr: keine Angaben
5. Jahr: keine Angaben
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Theoretisch brauchen Associates bei Skadden acht Jahre, um für die Vollpartnerschaft infrage zu kommen. 2018 hat Skadden einen Partner ernannt – davor gab es sehr lange keinen Partner aus den eigenen Reihen mehr. Dementsprechend schlecht bewerten die Associates in der azur-Umfrage ihre Partnerchancen. Sie vergeben Noten weit unter dem Marktdurchschnitt, fast keine andere Kanzlei erhält für dieses Kriterium schlechtere Noten. Bevor sich ein Anwalt für den Partnertrack qualifizieren kann, muss er zunächst zum European Counsel ernannt werden. Dies ist in der Regel nach dem sechsten Berufsjahr möglich. Auf dieser Stufe bleibt man entweder auf dem Partnertrack oder entscheidet sich für eine langfristige Anstellung als Counsel. Mit gezieltem Mentoring, etwa zur Geschäftsentwicklung, regelmäßigem Feedback und der Positionierung der Junganwälte beim Mandanten fördert Skadden die berufliche Entwicklung des Nachwuchses. Die Vergütung der Partner erfolgt in den ersten Jahren nach dem Lockstep-System, ihre Entnahmen richten sich also rein nach Seniorität. Erst in den Folgejahren berücksichtigt das Vergütungssystem leistungsbezogene Kriterien.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.