azur100
06.03.2020 | Autor/in: Anika Verfürth

Reed Smith – Top-Arbeitgeber in Compliance

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 10 bis 15

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 2 bis 4

Referendarplätze 2020: 8      Praktikumsplätze 2020: 10

Standorte in Deutschland: Frankfurt und München

Internationale Präsenz: Die US-Kanzlei zählt rund 1.700 Anwälte. Sie verfügt in den USA über 17 Büros und hat weltweit weitere zwölf Standorte in Asien, im Nahen Osten und in Europa. Dort ist sie neben den deutschen Büros in London, Paris und Athen präsent.

Anwälte in Deutschland: 27 Vollpartner, 3 Counsel und 35 Associates

Frauenanteil Anwälte: 29,2%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 650 Euro/Wochenarbeitstag (vor und nach dem 1. Examen), 850 Euro/ Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 700 Euro/Wochenarbeitstag

Associates
1. Jahr: 105.000 bis 110.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
2. und 3. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 60.000 bis 65.000 Euro plus Bonus

Über den Arbeitgeber

Wie funktioniert eine Wirtschaftskanzlei? Für die Antworten auf diese Frage versammeln sich alle Neueinsteiger der europäischen Reed Smith-Büros für mehrere Tage in London. Auf dem Programm stehen Grundlagenschulungen und Soft-Skills-Trainings. Fachlich bilden sich Associates über ein E-Learning-Angebot weiter, auf das auch Praktikanten und Referendare Zugriff haben. Letztere bekommen in ihrer Station Einblicke in verschiedene Teams und arbeiten etwa im Due-Diligence-Prozess mit. Von ihren Associates erwartet die Kanzlei Initiative, wenn es um ihre eigene Ausbildung geht. „Es wird in der Regel die Weiterbildung bewilligt, die man beantragt“, schreibt ein Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage. Auch die „finanzielle Unterstützung bei externen Angeboten, die man sich selbst organisiert“, loben die Associates. So absolvierte zuletzt eine Junganwältin die Weiterbildung zum zertifizierten Compliance Officer.

International: Ja, aber … Dennoch sind die Associates bei Reed Smith mit dem Weiterbildungsangebot deutlich unzufriedener als der Marktdurchschnitt. Vereinzelt wünschen sie sich eine „Institutionalisierung“, eine Mehrzahl verlangt „national einheitlichere Programme“ und einen besseren Zuschnitt auf den deutschen Markt. Wie in vielen anderen internationalen Kanzleien schneidet Reed Smith zudem in der azur-Umfrage nicht besonders gut ab, was die Partnerchancen angeht. Im vergangenen Jahr wurde kein neuer ernannt. Wer Partner werden will, den begleitet die Kanzlei durch Feedback sowie mit einer fünfteiligen Seminarreihe, die Kernthemen für den Betrieb einer erfolgreichen Praxis wie Mandantenmanagement oder Finanzplanung vermittelt.

Weniger Druck nach Wiedereinstieg. Die Vereinbarkeit von Karriere und Familie bewerten Reed Smith-Associates in der azur-Umfrage überdurchschnittlich. Zwar geben die deutschen Partner, von denen nur eine Partnerin in Teilzeit arbeitet, nicht die besten Vorbilder ab, doch eine kanzleiweite Einführung zum flexiblen Arbeiten, was Zeit und Ort angeht, soll Besserung bringen. Damit der Einstieg nach einer Abwesenheit wie der Elternzeit ohne Druck gelingt, gibt es seit 2018 ein Modell mit reduzierter Anforderung an die abrechenbaren Stunden für die ersten Monate zurück im Job. Das loben die Associates in der azur-Umfrage mehrfach.

Einsatz und Entlohnung im Einklang. Mit ihrem Gehalt sind die Associates in der Umfrage sehr zufrieden. Einer meint, „fairer Deal bei Gehalt vs. Work-Life-Balance“. Das geht einher mit einer laut azur-Umfrage durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von rund 53 Stunden – damit liegen Reed Smith-Anwälte im Marktdurchschnitt. Dazu gibt es „überwiegend freie Wochenenden und nur selten Arbeit spätabends“. Ein Problem plagt die Kanzlei seit Jahren: eine verbindliche Kommunikation zwischen Arbeitgeber und Angestellten. So liegen die Noten dafür deutlich unter Marktdurchschnitt, und es fordern Associates vereinzelt: „Unter den Partnern die Akzeptanz für veränderte Bedürfnisse der Associates vergrößern – es ist nicht mehr wie Anfang der 90er.“

Stand: Druckausgabe von azur100 2020 (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.