azur100
06.03.2020 | Autor/in: Konstanze Richter

Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan – Top-Arbeitgeber – Platz 33

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Schon Referendare und Praktikanten nehmen an Gerichtsterminen teil“

„Man arbeitet schnell selbstständig und hat sehr früh Mandantenkontakt“

„An Büroausstattung und IT wird gespart“

„Für Weiterbildung bleibt wenig Zeit, zu wenig Feedback“

„Dauerhaft sehr hohe Arbeitsbelastung“

„Sehr gutes Arbeitsklima, kollegialer Umgang und spannende Fälle“

„Sehr anspruchsvolle Mandate“

„In Mannheim sehr spezialisiert auf Patentrecht“

▪ Schnelle Einbindung von Referendaren in die Mandatsarbeit

▪ Früher Einstieg in eigenverantwortliches Arbeiten

Keine besonderen Angebote

Über den Arbeitgeber

Powerhouse für Litigation. Bei umfangreichen Prozessen gehört Quinn Emanuel zu den ersten Adressen in Deutschland. Besonders bekannt ist sie für patent-, kartell- und kapitalmarktrechtliche Verfahren. Zudem setzt die Kanzlei zunehmend auf Streitigkeiten im Gesellschaftsrecht, Internal Investigations, Massenprozesse und Schiedsverfahren. Wer also gerne vor Gericht verbal die Klingen mit einem gegnerischen Anwalt kreuzt, der ist an einem der vier deutschen Standorte der US-Sozietät gut aufgehoben. „Als spezialisierte Litigation-Kanzlei einer meiner absoluten Top-Favoriten als Arbeitgeber“, schwärmt ein Anwalt einer anderen Kanzlei in der azur-Associate-Umfrage. Von einer „freundlichen Atmosphäre, aber einem Hochleistungsumfeld” schreibt ein ehemaliger Referendar in der azur-Bewerberumfrage.

Viel Geld für viel Arbeit. Bei den Quinn-Associates, die an der azur-Umfrage teilgenommen haben, hält sich die Begeisterung über ihre Arbeitgeberin hingegen eher in Grenzen. So liegt die Gesamtzufriedenheit deutlich unter dem Durchschnitt, schwankt jedoch auch stark je nach Team und Standort. Am zufriedensten sind die Associates mit ihrem Gehalt – kein Wunder, schließlich zählt es mit 135.000 Euro im ersten Berufsjahr auch zu den höchsten Einstiegsgehältern im deutschen Markt. Dafür verlangt die Kanzlei jedoch auch einen hohen Arbeitseinsatz. Mit rund 58 Stunden verbringen die Quinn-Associates laut azur-Umfrage immerhin fünf Stunden mehr am Schreibtisch als ihre Kollegen in anderen Einheiten im Durchschnitt.

Learning by doing. Schon Praktikanten und Referendare lernen vor allem am Mandat. Das wissen viele zu schätzen: „Sehr anspruchsvolle Arbeit mit direkter Einbindung”, lobt ein Teilnehmer der azur-Umfrage. Referendaren stellt Quinn Emanuel einen erfahrenen Anwalt als Mentor zur Seite. Dieser achtet unter anderem darauf, dass examensrelevante Themen abgedeckt werden. Spezielle Ausbildungsprogramme für angehende Juristen, wie sie viele Wettbewerber auf die Beine gestellt haben, gibt es bei Quinn nicht. Auch in der Fortbildung ihrer Associates setzt Quinn Emanuel vor allem auf die direkte Mandatsarbeit, in die sie die jungen Anwälte vom ersten Tag an einbezieht. Associates begleiten den Partner zu Gerichtsterminen, schreiben an den Schriftsätzen mit und beteiligen sich an der Analyse. Regelmäßig besprechen sie zudem innerhalb ihrer Praxisgruppen einzelne Urteile. Darüber hinaus dürfen sie nach Wunsch externe Seminare zu fachlichen Themen oder Soft Skills belegen. Vieles davon steht und fällt jedoch mit der Eigeninitiative des Einzelnen: „Weiterbildung muss man selbst organisieren – wofür bei der dauerhaft sehr hohen Arbeitsbelastung aber keine Zeit bleibt“, so ein Quinn-Anwalt in der azur-Umfrage. Andere wünschen sich stärkere Bemühungen durch das Kanzleimanagement, ein größeres Angebot an Inhouse-Seminaren und mehr Unterstützung bei Fachanwaltskursen.

Globaler Austausch. Dafür fördert Quinn Emanuel den Austausch ihrer jungen Anwälte mit Kollegen der weltweiten Standorte. Deutsche Associates können so für zwei Monate in einem anderen internationalen Büro arbeiten. Mit einem weiteren Programm bringt die Kanzlei Quinn-Anwälte aus aller Welt an einem beliebigen Ort – etwa auf Hawaii – zur gemeinsamen Arbeit zusammen, was die Vernetzung untereinander ebenso fördern soll wie den kulturellen Austausch. Das honorieren die Associates in der azur-Umfrage mit einer guten Note für die Internationalität.

Mehr Work, weniger Life. Weniger glücklich sind sie hingegen mit der Work-Life-Balance: „Streiche ,Life‘ und das Problem ist gelöst“, meint ein Associate in der azur-Umfrage zynisch. Vor allem die hohe Arbeitsbelastung wird wiederholt kritisiert. Diese wirkt sich auch auf die Vereinbarkeit von Karriere und Familie negativ aus. So sind Teilzeit und Homeoffice zwar theoretisch möglich, werden jedoch je nach Standort unterschiedlich gelebt: „Teilzeitwünsche finden keine Berücksichtigung. Homeoffice muss vorher beim Partner angefragt werden“, schreibt ein Associate in der azur-Umfrage. Ein anderer hebt wiederum die Teilzeitangebote hervor. Nach wie vor tut sich Quinn Emanuel zudem beim Frauenanteil schwer. So zählt die Partnerriege auch nach der jüngsten Partnerernennung nur eine Frau, und auch unter den Associates ist der Anteil nach wie vor gering.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 10 bis 15

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 2 bis 5

Referendarplätze 2020: 25         

Praktikumsplätze 2020: 20

Wer in einem Hochleistungsumfeld arbeiten will, muss selbst Hochleistung bringen. Ein doppeltes Vollbefriedigend ist daher Grundvoraussetzung für eine Bewerbung bei Quinn Emanuel. Bei Bewerbern, die bereits im Referendariat oder Praktikum ihre Eignung für das Prozessgeschäft bewiesen haben, macht die Kanzlei schon mal eine Ausnahme von dieser Regel. Auch ein LL.M.-Abschluss oder eine Promotion sind gerne gesehen, aber kein Muss. Der Bewerbungsprozess ist nur wenig formalisiert und besteht in der Regel aus einem Gespräch, bei dem Bewerber mit mindestens vier Anwälten aller Senioritätsstufen sprechen können, um sich ein umfassendes Bild zu machen. Ein Zweitgespräch ist in der Regel nicht erforderlich, aber möglich, etwa wenn der Bewerber je nach Interessenschwerpunkt andere Standorte kennenlernen möchte.

Standorte in Deutschland: Hamburg, Mannheim, München und Stuttgart

Internationale Präsenz: Mit knapp 800 Anwälten in weltweit 22 Büros ist Quinn Emanuel eine eher kleine US-Kanzlei, die allerdings ausschließlich auf Prozessführung und Schiedsgerichtsbarkeit spezialisiert ist.

Anwälte in Deutschland: 7 Vollpartner, 4 Counsel und 30 Associates

Frauenanteil Anwälte: 29,3%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 3 (davon 2 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018: 29,3 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 1.151.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Mit ihrer Spezialisierung auf das Prozessgeschäft war die Kanzlei auch zuletzt wieder wirtschaftlich sehr erfolgreich. Einen großen Anteil am Umsatz haben Patentprozesse, doch auch Kartellschadensersatzverfahren nahmen zuletzt zu. Zudem arbeitet Quinn Emanuel seit einiger Zeit an einer breiteren Aufstellung und hat die Wachstumsfelder Interne Untersuchungen, Massenprozesse und Schiedsverfahren durch Neuzugänge und interne Ernennungen auf Partner- oder Counsel-Ebene gestärkt.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 175 Euro/Arbeitstag (vor dem 1. Examen), 225 Euro/Arbeitstag (nach dem 1. Examen), 300 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 225 Euro/Arbeitstag

Associates:
1. Jahr: 135.000 Euro plus Bonus bis 33.750 Euro
2. Jahr: 145.000 Euro plus Bonus bis 36.250 Euro
3. Jahr: 155.000 Euro plus Bonus bis 38.750 Euro
4. Jahr: 165.000 Euro plus Bonus bis 41.250 Euro
5. Jahr: 180.000 Euro plus Bonus bis 45.000 Euro
6. Jahr: nach Vereinbarung

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Auch zehn Jahre nach Eröffnung des ersten Büros in Deutschland ist die Partnerriege bei Quinn Emanuel hierzulande noch überschaubar. Dementsprechend schlecht schätzen die Associates in der azur-Umfrage ihre Chancen auf Vollpartnerschaft ein. Die Ernennung eines Counsels zum Vollpartner Anfang 2020 jedoch zeigt, dass der Partnertrack durchaus eine reelle Karriereoption ist. Diese besteht frühestens nach sieben Berufsjahren. Wer das nicht will, kann auch dauerhaft als Counsel angestellt bleiben. Um den Anwälten den Sprung in die Partnerschaft zu erleichtern, besteht im ersten Jahr als neuer Partner die Möglichkeit einer festen Vergütung. Danach wird diese individuell berechnet, wobei unter anderem die abgerechneten Stunden sowie Kompetenz und Leistung eine Rolle spielen.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.