azur100
06.03.2020 | Autor/in: Markus Lembeck

P+P Pöllath + Partners – Top-Arbeitgeber – Platz 13

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Betriebsklima und individuelle Förderung sind überdurchschnittlich gut“

„Viel Freiheit für die Entfaltung in meinen Interessengebieten“

„Tolles Umsorgen im Arbeitsalltag“

„Ich arbeite nicht so sehr für die Kanzlei, sondern für den Partner“

„Hohe Fluktuation im Steuerrecht“

„Es fehlt eine verlässliche Feedback- und Kommunikationskultur“

„Die Kanzlei hat Charakter und bietet eine tolle Ausbildung“

„Die Struktur ist abschreckend, es ist eher eine große Bürogemeinschaft“

„Offenes, nettes Betriebsklima und eine familiäre Atmosphäre“

▪ Umfangreiches, strukturiertes Programm mit internen Fachvorträgen

▪ Wohnungen in München für Praktikanten und Referendare

▪ Intensives Weiterbildungsprogramm mit 600 Stunden in den ersten drei Berufsjahren

▪ Begleitung der Senior Associates durch Mentoren, um Partnerperspektive zu fördern

▪ Enge Kontakte zum LL.M.-Programm der Universität Münster sowie zur EBS Law School

keine besonderen Angebote

Über den Arbeitgeber

Jeder nach seiner Façon. Individualität wird großgeschrieben bei P+P. Dort, wo die individuelle Kultur zum Vorteil der Kanzlei ist, legen die Verantwortlichen großen Wert darauf, sie zu erhalten – etwa beim Thema Partnerernennungen. Es gibt keine festen Planstellen für Partner, sondern Jahr für Jahr die Chance, bei entsprechend guten Honorarumsätzen aufzusteigen. Das Jahr 2020 begann so mit der Beförderung eines Vollpartners in München und zweier Assoziierter Partnerinnen in Berlin, zudem gab es sechs neue Counsel. Seit dem letzten Jahr sind die Vorgaben etwas abgemildert worden: Jetzt zählen auch Jahre mit Teilzeitarbeit als volle Jahre für den Partnertrack. Die Vereinbarkeit von Karriere und Familie wird von den P+P-Associates zwar nur durchschnittlich bewertet, aber das kann angesichts der stetigen Belastung durch große Deals durchaus als positiv gewertet werden. Ihrem Arbeitgeber bescheinigen die Associates laut azur-Umfrage durchaus „Offenheit für individuelle Modelle“, allerdings gibt es auch Stimmen, die eine höhere Verbindlichkeit etwa für Homeoffice-Tage fordern.

Leistungsorientiert. Zudem hat die Kanzlei begonnen, ihr vielleicht allzu gradliniges, auf persönlichen Umsatz bezogenes Vergütungssystem etwas zu öffnen. Jetzt zählt auch die interne Mandatsweitergabe sowie das Engagement für Management- und Personalaufgaben. Für die Associates bleibt die Vergütung unverändert leistungsorientiert. Auf das Betriebsklima wirkt die Individualität positiv. Viele Associates vergeben dafür in der azur-Umfrage Bestnoten und loben etwa die „Freiheit für die eigene Entfaltung“ und die „tolle Kollegialität“. Die Arbeitsbelastung liegt laut azur-Umfrage mit 54 Wochenstunden überraschend wenig über dem Marktdurchschnitt – trotz des starken Transaktionsschwerpunkts. Allerdings meint ein externer Anwalt in der azur-Umfrage, dass im Berliner Immobilienteam „80 Stunden pro Woche keine Ausnahme“ seien.

Ausbildung mit gutem Feedback. P+P bietet ihren Associates ein sehr umfangreiches Programm: 600 Stunden fachliche Ausbildung allein in den ersten drei Berufsjahren. Das kommt gut an – laut azur-Umfrage sind die Associates mit der Weiterbildung überdurchschnittlich zufrieden. Die Inhalte entwickelt P+P kontinuierlich weiter, indem sie konsequent auf das Feedback der Teilnehmer reagiert. Deshalb wurde zuletzt das Angebot für Digitalisierungsthemen ausgeweitet – es gab zum Beispiel einen Hackathon in Zusammenarbeit mit dem Dienstleister Bryter sowie Workshops zu Legal Tech und zur Design-Thinking-Methode.

Vernetzung durch Training. Das ausführliche Soft-Skills-Training inklusive Präsentations- und Verhandlungstechniken findet standortübergreifend statt und startet für die Berufsanfänger aller drei Standorte mit einem gemeinsamen Onboarding-Termin. So können sich die Associates von Anfang an über die einzelnen Büros hinweg vernetzen. Die fachliche Ausbildung steht dem in nichts nach, ist verpflichtend und wird von Mentoren begleitet. Partner und Associate erarbeiten gemeinsam einen individuellen Ausbildungsplan. Für etwaige Fortbildungen wie ein LL.M.-Studium, die Steuerberaterprüfung und externe Fachseminare übernimmt P+P die Kosten. Wie das „schöne Mittagessen“, das sich auch bei Anwälten anderer Kanzleien herumgesprochen hat, dient auch die Ausbildung und ein Angebot an Fitnesskursen dazu, Gemeinsamkeit unter der Belegschaft zu stiften.

Glückliche Praktikanten und Referendare. Viele ehemalige Praktikanten und Referendare sind begeistert von P+P und bleiben der Kanzlei auch später treu: Nicht wenige Associates kennen die Kanzlei aus einer vorherigen Station. „Tolles Angebot mit Rundumversorgung“, lobt ein Referendar. Ein ehemaliger Praktikant hebt hervor, dass er „angemessene und ernsthafte Aufgaben“ übertragen bekam. Praktikanten und Referendare durchlaufen ein aus acht Modulen bestehendes Trainee-Programm, in dem erfahrene Anwälte Vorträge zu fachlichen Themen halten. Jeder bekommt dabei einen Mentor an die Hand. Für Referendare hat P+P seit einiger Zeit auch einen Hemmer-Crashkurs im Angebot, damit sie sich gezielt auf das anstehende Examen vorbereiten können. In München können Praktikanten und Referendare die kostenlosen Wohnmöglichkeiten der Kanzlei nutzen.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: ca. 20

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Referendarplätze 2020: 25 bis 30            

Praktikumsplätze 2020: 40 bis 45

P+P legt großen Wert auf vollbefriedigende Examina und betrachtet Promotion und/oder LL.M.-Abschluss als Vorteil. Allerdings können diese zusätzlichen Qualifikationen auch berufsbegleitend erworben werden, mit Unterstützung durch die Kanzlei. Verhandlungssicheres Englisch ist dagegen fast schon Pflicht. Sowohl das erste als auch das zweite Bewerbungsgespräch folgen demselben Muster: Der Kandidat lernt jeweils zwei bis drei Partner aus dem jeweiligen Fachbereich sowie den personalverantwortlichen Partner kennen. In der Mittagspause besteht zudem die Möglichkeit, Associates zu treffen.

Standorte in Deutschland: Berlin, Frankfurt und München

Internationale Präsenz: Die Kanzlei hat keine Auslandsbüros, ist aber über einzelne Partner gut vernetzt mit international führenden Spezialkanzleien.

Anwälte in Deutschland: 35 Vollpartner, 5 Non-Equity-Partner, 18 Counsel, 66 Associates und 5 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 24,0%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 2 (2 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018: 73,8 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 616.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Vor allem die vielen Private-Equity-Transaktionen der letzten Jahre haben P+P viel Arbeit beschert, über ein Drittel der Anwälte sind hier tätig. Auch im Steuerrecht und in der Beratung von vermögenden Privatleuten hatte die Kanzlei alle Hände voll zu tun.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 15 Euro/h (vor dem 1. Examen),
750 Euro/Wochenarbeitstag pro Monat (nach dem 1. Examen),
35 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 750 Euro/Wochenarbeitstag; max. 3.750 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: 105.000 bis 125.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro
2. Jahr: 110.000 bis 130.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro
3. Jahr: 115.000 bis 135.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro
4. Jahr: keine Angaben
5. Jahr: keine Angaben
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 45.000 bis 65.000 Euro

Im vierten Jahr werden die Anwälte zu Senior Associates befördert. Ab dem fünften Jahr beginnt ein intensives Mentoring-Programm, das alle Anwälte auf dem Weg zur Partnerschaft begleiten soll. Der Counsel-Status, der frühestens nach fünf Jahren ansteht, ist eine zwingende Durchgangsstation auf diesem Weg. Wer nicht zum Counsel ernannt wird, bekommt ein deutliches Signal, dass seine Karriere bei P+P nicht weitergehen wird. Counsel können dauerhaft angestellt bleiben oder frühestens zwei Jahre später zum Vollpartner aufsteigen. Außerdem gibt es den Status des Associated Partner, auf den Counsel ab dem zehnten Berufsjahr wechseln können – mit mehr Verantwortung und Akquisemöglichkeiten sowie einer deutlich höheren Gewinnbeteiligung. Der Aufstieg zum Vollpartner bleibt weiterhin möglich. In den vergangenen Jahren ernannte die Kanzlei regelmäßig mehrere Neupartner.

Das zuletzt etwas veränderte Vergütungssystem basiert auf dem Eat-what-you-kill-Prinzip, berücksichtigt aber jetzt stärker die Profitabilität eines Partnerdezernats und motiviert so zur Leistungssteigerung, die der Kanzlei als Ganzes zugutekommt. Erstmals wird zudem die Weitergabe von Mandatskontakten an andere Praxen belohnt. Auch nicht quantifizierbare Aufgaben im Management und im Personalbereich werden berücksichtigt. An der leistungsbezogenen Vergütung der Associates hat sich ein Detail geändert: Die Beteiligung am Umsatz wird jetzt pro Quartal abgerechnet und ausgezahlt.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.