azur100
06.03.2020 | Autor/in: Helena Hauser

Orrick Herrington & Sutcliffe – Top-Arbeitgeber – Platz 32

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Angenehme Atmosphäre, flache Hierarchien“

„Immer mehr Fokus auf Work-Life-Balance“

„Super Ort, um zu lernen, sich zu entwickeln und Karriere zu machen“

„Interne Kommunikation verbessern bitte“

„Mehr fachbezogene Ausbildungsangebote wären gut“

„Gutes Verhältnis von Gehalt und Arbeitsbelastung“

„Junge Partnerschaft, hohes juristisches Niveau“

„Arbeitsatmosphäre abhängig von einzelnen Partnern“

▪ Enge Anbindung ans Team

▪ Spezielles Schulungsprogramm zur Karriereförderung für Senior Associates

▪ Zweitägiges Associate-Retreat

▪ Frauen-Mentoring-Programm und regelmäßiger ‚Ladies-Lunch‘

▪ Diverse Teams – viele Anwälte haben einen Migrationshintergrund

Über den Arbeitgeber

Internationale Glückseligkeit. Auch in diesem Jahr zählen die Associates der US-Kanzlei Orrick Herrington & Sutcliffe zu den zufriedensten im Markt. In der azur-Umfrage geben viele Bestnoten in puncto Gesamtzufriedenheit und Arbeitsniveau. Sie freuen sich über „das beste Arbeitsklima, das man in einer Großkanzlei haben kann“, und „keine strengen Hierarchien und angenehme Arbeitszeiten für eine Großkanzlei“. Beim Thema Internationalität verteilt der Orrick-Nachwuchs sogar ausschließlich Bestnoten. An den zwei deutschen Standorten in München und Düsseldorf arbeiten und lernen die Associates sehr international und stehen in engem Austausch mit ihren internationalen Kollegen, etwa bei der Beratung in grenzüberschreitenden Schiedsverfahren.

Heute hier, morgen dort. Die Aus- und Weiterbildung findet bei Orrick standort- und teilweise auch länderübergreifend statt. Für das Weiterbildungspaket geben die Associates in der azur-Umfrage gute Noten und loben etwa „mehrere Retreats im Jahr mit spannenden Inhalten, die wir Associates teilweise mitbestimmen können“. Einige wünschen sich aber auch ein „stärker standardisiertes Programm mit festem Curriculum“ und „mehr fachbezogene Inhalte“. Orrick vermittelt in ihrer Hausakademie monatlich juristisches und nicht fachbezogenes Wissen – wie BWL-Grundlagen. Daneben berichten Partner, auch aus den internationalen Büros, einmal im Monat per Videokonferenz über aktuelle Themen und spannende Mandate. Zweimal im Monat tauschen sich die Praxisgruppen intern über aktuelle Themen aus. Einmal im Jahr geht es für alle Junganwälte auf ein zweitägiges Retreat. Dort lernen sie zum Beispiel Bilanzkunde, wie man Verhandlungen führt oder mit Stresssituationen umgeht. Steht dann die Partnerschaft in Aussicht, geht es zum nächsten Retreat – meist nach New York oder San Francisco. Dort gibt es eine Woche lang intensive Vorbereitung auf die Partnerschaft durch einen externen Anbieter, unter anderem mit Schulungen zu Leadership-Skills und Geschäftsentwicklung.

Bin kaum da, muss ich fort. Praktikanten und Referendare lernen bei Orrick durch intensive Einbindung in die tägliche Arbeit – feste Strukturen oder Praktikantenprogramme gibt es nicht. Dafür können sie an allen Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen für Associates teilnehmen, Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter gehen sogar mit zu den Retreats. Auch wenn sich Orrick durchaus engagiert, bieten viele Wettbewerber strukturiertere Programme, die speziell auf angehende Juristen zugeschnitten sind.

Kein Weh, kein Klagen. Bei Orrick arbeiten die Associates mit rund 56 Stunden pro Woche laut azur-Umfrage knapp drei Stunden mehr als der Marktdurchschnitt. Trotzdem beklagen sich die wenigsten – mit ihrer Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance sind die Associates laut azur-Umfrage sogar überdurchschnittlich zufrieden. „Anspruchsvolles, aber – im Vergleich zum Wettbewerb – immer noch humanes Arbeitspensum“, berichtet ein Associate. Feste Programme für Homeoffice und Teilzeitarbeit gibt es bei Orrick allerdings nicht – die Kanzlei setzt auf individuelle Vereinbarungen und Flexibilität. Da überrascht es, dass die Associates in der azur-Umfrage trotzdem überdurchschnittlich gute Noten für die Vereinbarkeit von Karriere und Familie verteilen – andere Kanzleien haben mehr im Angebot. Und unter den Orrick-Partnern findet sich auch niemand, der in Teilzeit arbeitet.

Frauen in der Unterzahl. Nach wie vor hat es keine einzige Frau bei Orrick in die deutsche Vollpartnerschaft geschafft – und das, obwohl die Kanzlei, auch durch ihre US-Herkunft, seit vielen Jahren nicht nur Frauen, sondern auch die Diversität ihrer Mitarbeiter explizit fördern will. Jährlich gibt es einen Diversity-Tag, an dem durch verschiedene Vorträge und Veranstaltungen alle Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert werden. Seit drei Jahren gibt es ein kanzleiweites Mentoring-Programm für weibliche Anwälte. Ziel ist es, durch den Austausch mit Partnerinnen die Karrierechancen für Frauen zu erhöhen. Auch wenn Frauen in der Partnerschaft bei Orrick noch ein Zukunftsprojekt sind, sind die Associates in der azur-Umfrage überdurchschnittlich zufrieden – in puncto Gleichbehandlung geben fast alle Bestnoten.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 10 bis 20

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine

Referendarplätze 2020: 10         

Praktikumsplätze 2020: 5

Zwei überdurchschnittliche Examina, möglichst gepaart mit einer Promotion oder einem LL.M.-Abschluss, sind zwar gute Voraussetzungen, aber keineswegs zwingend erforderlich, um bei Orrick einzusteigen. Umso wichtiger sind gute Englischkenntnisse. Das Bewerbungsverfahren bei Orrick ist in der Regel zweistufig. In einem ersten Interview steht der Bewerber dem Recruiting-Partner und einem jüngeren Kollegen sowie nach Möglichkeit einem Vertreter aus dem gewünschten Rechtsbereich gegenüber. In diesem Gespräch will sich Orrick vor allem einen Eindruck von der Persönlichkeit und dem Naturell des Bewerbers verschaffen und prüfen, ob der Bewerber zum Team passt. In einem eventuellen Zweitgespräch lernt der Bewerber weitere Kollegen aus seiner zukünftigen Praxis kennen. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Mittagessen mit Associates. Die Bewerbungsgespräche finden überwiegend auf Deutsch und nur in Ausnahmefällen auf Englisch statt.

Standorte in Deutschland: Düsseldorf und München

Internationale Präsenz: Mit über 1.300 Anwälten an 20 Standorten in Amerika, Europa und Asien ist Orrick in allen wichtigen Wirtschaftsregionen vertreten. Die Zentrale liegt in den USA.

Anwälte in Deutschland: 11 Vollpartner, 10 Non-Equity-Partner, 4 Counsel, 22 Associates und 2 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 24,5%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 2 (davon keine Frau)

Umsatz in Deutschland 2018: 22,3 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 567.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Die deutschen Anwälte beraten mehr denn je bei grenzüberschreitenden Mandaten, zuletzt standen sie etwa EQT beim Verkauf eines Geschäftsbereichs an die englische QinetiQ-Gruppe zur Seite. Vor allem die Düsseldorfer M&A-Praxis ist immer präsenter bei internationalen Transaktionen, häufig mit US-Bezug. Zudem hat das deutsche Team – anknüpfend an das Silicon-Valley-Netzwerk der US-Büros – inzwischen ein reges Beratungsgeschäft im Venture-Bereich aufgebaut.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 500 bis 800 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 1.000 bis 1.200 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.500 bis 1.800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 bis 1.000 Euro/Wochenarbeitstag; max. 5.000 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: 111.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
2. Jahr: 115.000 bis 120.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
3. Jahr: 120.000 bis 127.500 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
4. Jahr: 127.500 bis 135.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
5. Jahr: 135.000 bis 145.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
6. Jahr: 145.000 bis 157.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Mit einem vielstufigen Karrieresystem führt Orrick junge Anwälte in der Kanzlei nach oben. Im Zweijahrestakt ab dem dritten Berufsjahr werden sie aufeinanderfolgend zu Managing Associates, Senior Associates und Counsel ernannt. Für die Ernennung zum Local Partner und später zum Vollpartner gibt es keinen festen Zeittakt mehr. Da auch die deutschen Juristen an den Ansprüchen der US-Kanzlei gemessen werden, liegt die Latte für einen Aufstieg in die Vollpartnerschaft hoch. Immerhin gab es in den vergangenen Jahren stets Partnerernennungen. 2019 hat Orrick zwar einen Local Partner, aber keinen Vollpartner ernannt. Laut azur-Umfrage sind die Orrick-Associates sowohl mit ihren Partnerchancen als auch mit ihren alternativen Karrieremöglichkeiten zufrieden.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.