azur100
06.03.2020 | Autor/in: Markus Lembeck

Oppenländer – Top-Arbeitgeber – Platz 44

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Großes Maß an Selbstbestimmtheit und Eigenverantwortung“

„Tolle Fälle in einem tollen Arbeitsumfeld“

„Die Kommunikation über interne Fragen wurde deutlich verbessert“

„Keine klaren Ansagen, was an Stunden oder Arbeitsleistung erwartet wird“

„Familien- und Karriereplanung passen nur schwer unter einen Hut“

„Die Einstellung der älteren Partner müsste sich ändern“

„Beratung auf hohem Niveau, herausragendes Kartellrechtsteam“

„Schlechte Bezahlung, schlechtes Betriebsklima“

„Gute Aufstiegschancen für Frauen“

▪ Persönliche Ausbildung der Referendare durch einen Tutor

▪ Förderung von Promotionsvorhaben durch festen Vertrag und Büroarbeitsplatz

▪ Vier neu ernannte Partnerinnen in drei Jahren, überwiegend in Teilzeit tätig

Über den Arbeitgeber

Vom Hörensagen. Oppenländer geht einen eigenen Weg. Mit mehr als 40 Anwälten in Stuttgart ist die Kanzlei trotz hoher Spezialisierung keine Boutique mehr, mit bundesweiten und auch internationalen Mandanten ohnehin keine klassische Regionalkanzlei. Der Aufwand für die Ausbildung von Referendaren und Berufseinsteigern ist hoch, ebenso wie der juristische Anspruch, der gerne durch wissenschaftliche Veröffentlichungen dokumentiert wird. Die Spitzenleistungen werden aber nicht angemessen bezahlt, raunen manche externe Anwälte, das Betriebsklima sei schlecht, die Kanzlei „verstaubt und verknöchert“. Die Oppenländer-Associates halten in der azur-Umfrage dagegen: Weit überdurchschnittlich bewerten sie Schlüsselfaktoren wie Gehalt, Arbeitsniveau und generelle Zufriedenheit. Hohe Anerkennung findet in ihren Augen auch die Zielsetzung der Kanzlei, aus jedem Berufseinsteiger einen Partner zu machen.

Schwäbische Frauen-Power. Ein echter Pluspunkt der letzten Jahre ist das (neue) Bekenntnis der Kanzlei zu Frauen in der Partnerschaft: Mit nunmehr vier Vollpartnerinnen zeigt Oppenländer nicht nur Stuttgarter Konkurrenten, was eine Harke ist. Zu Jahresbeginn wurde eine Vergaberechtlerin in die Partnerriege befördert. Der Frauenanteil in der Kanzlei insgesamt ist nicht sehr hoch, aber der Ansporn, sich auf den Partnertrack zu begeben, dürfte mit vier Vorbildern höher sein als in vielen Großkanzleien. „Gute Aufstiegschancen für Frauen“, beobachtet ein Associate einer großen Stuttgarter Wettbewerberin dann auch in der azur-Umfrage.

Lasst uns reden. Eine bessere Kommunikation zwischen Associates und Partnern ist vermutlich ein Baustein für weiteres Wachstum in dieser Hinsicht. Das quartalsweise veranstaltete Anwalts-Lunch informiert jetzt über die Themen, die in der Sozietätskonferenzen besprochen werden. Hier konnten die Associates zuletzt unter anderem Feedback geben für ein Konzept zur Work-Life-Balance. Vereinzelte Kritik gab es in der azur-Associate-Umfrage auch im Hinblick darauf, dass es an genauen Informationen über die Anforderungen für eine Partnerkarriere mangele. Diese Aufgabe obliegt eigentlich einem Partnergremium, das assoziierte Partner auf ihrem Karriereweg begleitet, um ihre Arbeit und Spezialisierung zu optimieren. Laut Umfrage arbeiten die Associates pro Woche rund 54 Stunden – wie im Vorjahr, was aktuell etwas über dem Marktdurchschnitt liegt. Ein Mangel an Freizeit wäre aber nur für wenige Umfrageteilnehmer aus der Kanzlei der Anlass, einen neuen Arbeitgeber zu suchen.

Intensive Zeit für Referendare. Die intensive Betreuung beginnt bereits im Praktikum und Referendariat, auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter werden voll in die Arbeit und das Veranstaltungsprogramm integriert. Ein ehemaliger Praktikant kritisiert in der azur-Bewerberumfrage seine „geringe Einbindung in den Berufsalltag“. Tatsächlich sind wohl Referendare aus Sicht der Kanzlei die interessantere Gruppe für inhaltliche Arbeit. Sie profitieren von der Zuordnung zu einem Partner als Mentor, der sie anhand konkreter Mandate ausbildet. Hinzu kommen Seminare zur Examensvorbereitung, die zum Teil sogar in den Kanzleiräumen stattfinden. Ein Ex-Referendar lobt die „entspannte und fast freundschaftliche Atmosphäre“ bei Oppenländer. Wer sich im Anschluss an das Studium für eine Promotion entscheidet, kann dafür die Ressourcen der Kanzlei nützen: Mit Arbeitsvertrag, eigenem Büro und enger Anbindung an einen Partner gibt es für die Doktorarbeit viel Unterstützung.

Viel Aufwand für interne Fortbildung. Die meisten internen Veranstaltungen stehen allen Nachwuchsjuristen und Anwälten offen. Eine Vortragsreihe ist auf 20 Termine angelegt und bietet nicht nur Einblicke in alle Rechtsgebiete, sondern auch Informationen zu Marketingmöglichkeiten und „guter Sprache“. Im zweijährigen Turnus findet ein Kanzlei-Retreat statt, der den informellen Austausch erleichtert, auf dem aber auch zu Soft-Skills-Themen referiert wird. Des Weiteren gibt es bei Oppenländer einen Englischkurs und ein vielfältiges Sportprogramm. Weitere externe Fortbildungen wie etwa Fachanwaltskurse runden das Bild ab.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 6 bis 10

Referendarplätze 2020: 24         

Praktikumsplätze 2020: 10

Nur noch wenige Kanzleien zeigen beim Qualifikationsniveau so klare Kante wie Oppenländer: Mindestens neun Punkte in beiden Staatsexamen sind Voraussetzung, wobei aus der ersten Staatsprüfung der universitäre Teil nicht berücksichtigt wird. Ein Doktortitel ist gerne gesehen, ein fehlender kein Ausschlussgrund – mit einem Promotionsmodell für Referendare hilft die Kanzlei den wissenschaftlich Interessierten tatkräftig. Auch Auszeiten für ein LL.M.-Auslandsjahr unterstützt die Kanzlei. Im Bewerbungsgespräch mit zwei bis drei Partnern werden alle relevanten Fragen geklärt, ein Zweitgespräch ist nicht die Regel – auch deshalb, weil viele Bewerber Oppenländer bereits als Referendare oder wissenschaftliche Mitarbeiter kennengelernt haben.

Standort in Deutschland: Stuttgart

Internationale Präsenz: Keine Auslandsbüros, aber projektbezogene Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Kanzleien.

Anwälte in Deutschland: 20 Vollpartner, 6 Non-Equity-Partner und 16 Associates

Frauenanteil Anwälte: 23,8%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine

Umsatz in Deutschland 2018: keine Angaben

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: keine Angaben

Aktuelle Entwicklungen: Regulierungsfragen und Prozessführung sind die Oberbegriffe, unter denen man viele der Oppenländer-Mandate fassen kann. Nicht selten erstreiten die Juristen Grundsatzurteile im öffentlichen Sektor, etwa vor dem Bundesverwaltungsgericht zur Finanzierung des ÖPNV in Nordrhein-Westfalen. Auch der Deutsche Bundestag gehörte zuletzt zu den Mandanten, Thema war die Parteienfinanzierung.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 900 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 90.000 bis 100.000 Euro
2. Jahr: 96.000 bis 104.000 Euro
3. Jahr: 102.000 bis 108.000 Euro
4. Jahr: 108.000 bis 112.000 Euro
5. Jahr: 114.000 bis 116.000 Euro
6. Jahr: 120.000 Euro

Idealerweise führt der Partnertrack bei Oppenländer über die Stufe des Assoziierten Partners nach sechs Jahren in die Vollpartnerriege. Assoziierte Partner werden nach dreieinhalb Jahren der Zugehörigkeit ernannt. Die Maximalgeschwindigkeit ist allerdings keine strenge Vorgabe mehr, beim Aufstieg gibt es seit einigen Jahren mehr Offenheit für familienbedingte Auszeiten. Beispiele dafür gibt es mehrere unter den zuletzt ernannten Partnerinnen, die in so unterschiedlichen Bereichen wie Kartellrecht, Gewerblichem Rechtschutz oder Vergaberecht arbeiten. Allerdings bleibt die Kanzlei ihrem Motto treu, schon beim Berufseinstieg nach geeigneten Partnerkandidaten Ausschau zu halten. Die Chancen, tatsächlich Partner zu werden, schätzen die Oppenländer-Associates in der azur-Umfrage überdurchschnittlich gut ein.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.