azur100
06.03.2020 | Autor/in: Antje Neumann

Noerr – Top-Arbeitgeber – Platz 7

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Noerr fördert von Anfang an Unternehmergeist“
„Branchenspezialisierungen ermöglichen einem, einen individuellen Karriereweg zu gehen“
„Teilzeit funktioniert – zahlreiche Kollegen haben reduziert“

„Offener werden für Homeoffice“
„Es gibt Teams mit toller Stimmung, aber leider auch mit sehr schlechter“
„IT-Ausstattung verbessern“

„Solide und professionell, aber oft etwas altbacken“
„Die Arbeitsbelastung ist in den letzten Jahren gestiegen“
„Noerr gibt sich mit der Summerschool für Praktikanten echt Mühe“

▪ Dreiwöchige Sommerakademie
▪ Kaiser-Repetitorium und Workshop für mündliche Prüfung
▪ Betreuung durch Mentoren und Ausbildungsanwälte

▪ 2020: Start des überarbeiteten Programms Noerr Campus
▪ Legal Tech in der Ausbildung

▪ Diversity Committee ist dem Management direkt unterstellt
▪ Interne und externe Netzwerkangebote speziell für Frauen
▪ Engagement in LGBT-Netzwerken

Über den Arbeitgeber

Praktikanten-Summerschool mit gutem Ruf. Noerr zählt zu den Kanzleien, die auch zu Nachwuchsjuristen schon früh Kontakt sucht. 2020 will die Kanzlei erneut mehr als 100 Praktikanten und Referendare sowie wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigen. Wer bereits dort war, berichtet in der azur-Bewerberumfrage von „interessanten und vielseitigen Einblicken in die alltägliche Arbeit“. Immer wieder wird die am Düsseldorfer Standort angebotene dreiwöchige Summerschool für Praktikanten gelobt. Dieses Angebot soll es in diesem Jahr erstmals auch in Frankfurt geben. Für Referendare gibt es schon umfangreichere Angebote, die Teilnehmer als „lehrreich und praxisnah“, neben dem näher rückenden Examen aber auch schon mal als „fordernd“ empfinden. Dabei hat Noerr das schon bestehende Angebot der Kaiser-Seminare noch um eine gezielte Vorbereitung auf die mündliche Prüfung erweitert.

Ausbildungsprogramm modernisiert. Das Ausbildungsprogramm für die angestellten Anwälte hat Noerr nach einigen Jahren modernisiert und weiterentwickelt. Bei den Angeboten zu fachlichen Trainings, aber auch etwa zu Digitalisierungsthemen, Transaktionsmanagement, frauenspezifischer Talentförderung und Persönlichkeitsentwicklung sind mehr individuelle Auswahlmöglichkeiten vorgesehen. Daneben gibt es neue Diskussionsformate, bei denen sich Partner mehr als in der Vergangenheit einbringen sollen. Auch bisher schon geben die Associates ihrem Arbeitgeber in der azur-Umfrage überwiegend gute Noten für die Aus- und Fortbildung mit fachbezogenen Workshops und Case Studies oder Einblicken in das Management von Transaktionen oder Compliance-Untersuchungen. Viele loben außerdem eine praxisnahe Förderung, die „nicht nur die unmittelbare Mandatsarbeit, sondern das unternehmerische Denken gezielt im Blick hat“. Dies könnte mit dazu beitragen, dass die Associates bei Noerr ihre Karrierechancen in der Kanzlei sogar leicht überdurchschnittlich im Vergleich zu ihren Kollegen in anderen Kanzleien bewerten.

Betriebsklima ist schwankend. Noerr-Associates sind mit dem Betriebsklima zufrieden, allerdings berichten Referendare und Associates in der azur-Umfrage von spürbaren Unterschieden, je nachdem, an welchem Standort und in welchem Team sie arbeiten. Zum Betriebsklima im Hamburger Büro gab es auch aus anderen Standorten besonders positive Rückmeldungen. Auch andere Teams u.a. in Berlin oder Frankfurt erhalten Lob für „tolle Stimmung“ oder eine „familiäre Atmosphäre“. In einigen Fällen beziehen sich unzufriedene Kommentare auf die Arbeit in den Massenprozessen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Dieselskandals: „Für Masseverfahren sollten Projektjuristen eingestellt werden. Mitarbeiter müssen hier zu einem nicht unerheblichen Teil auf einem Fachgebiet arbeiten, welches sie sich bewusst nicht ausgesucht haben“, bringt es ein Teilnehmer an der azur-Umfrage auf den Punkt.

Gute Noten für Teilzeit. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit geben die Associates in der azur-Umfrage mit über 55 Stunden an, etwa zwei Stunden über dem Marktdurchschnitt. Mit Blick auf eine bessere Work-Life-Balance hat die Kanzlei jedoch Leitlinien entwickelt, die etwa die Erreichbarkeit und Vertretung während des Urlaubs regeln. Dennoch wünschen sich etliche Associates einen noch selbstverständlicheren Umgang mit Arbeiten im Homeoffice. Insgesamt fallen die Noten im Bereich Work-Life-Balance leicht unterdurchschnittlich aus, allerdings äußern sich besonders viele Associates positiv über Teilzeitmöglichkeiten. Die Kanzlei habe „sich in Sachen Work-Life-Balance weiterentwickelt und bietet seinen Arbeitnehmern individuelle Lösungen“. Auch ein Berufseinstieg in Teilzeit ist möglich.

Auch Noerr will bunter werden. Einen besonders hohen Frauenanteil hat Noerr nicht, 36 Prozent liegen im Durchschnitt. Das Bild gleicht dabei dem in zahlreichen Kanzleien: Sind Männer und Frauen in den ersten Berufsjahren noch ungefähr gleich verteilt, sinkt der Frauenanteil nach einigen Berufsjahren deutlich. 2019 hat Noerr ein Diversity-Komitee eingerichtet, das unmittelbar an das zentrale Management angebunden ist. Neben der Förderung der weiblichen Anwälte will sich die Kanzlei auch noch stärker für LGBT-Themen öffnen. Zu beiden Themen engagiert sich Noerr in spezifischen Netzwerken.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 60 bis 70

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 60 bis 70

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): ca. 5

Referendarplätze 2020: 120

Praktikumsplätze 2020: 125

Zwei vollbefriedigende Examina – das nennt auch Noerr als Voraussetzung für die Einladung zum Bewerbungsgespräch. Ausnahmen macht die Kanzlei für bewährte ehemalige Praktikanten oder Refeendare. Strenger ist sie bei Englischkenntnissen – die müssen hervorragend sein in Wort und Schrift. Das Bewerbungsverfahren verläuft klassisch: Auf ein Erstgespräch, bei dem der Bewerber auf einen Partner plus Büroleiter oder Personalreferent trifft, folgt ein Zweitgespräch inklusive Mittagessen, an dem auch Associates aus dem künftigen Team teilnehmen. Beide Gespräche, zwischen denen in der Regel mindestens eine Woche verstreicht, finden auf Deutsch statt. Bewerber bezeichnen den Prozess überwiegend als „unkompliziert“. 

Standorte in Deutschland: Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Noerr ist mit sechs eigenen Büros in Osteuropa und Russland vertreten. Daneben ist sie auch in Brüssel, Alicante, London und New York präsent und setzt auf die Anbindung an das internationale Kanzleinetzwerk Lex Mundi.

Anwälte in Deutschland: 89 Vollpartner, 63 Non-Equity-Partner, 34 Counsel, 202 Associates und 7 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 36,7%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 12 (davon 9 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2019: 229,4 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 627.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Das erst vor zwei Jahren eröffnete Hamburger Büro hat sich positiv entwickelt, die Vernetzung mit den anderen Standorten und Praxisbereichen wird strategisch ausgebaut. Noerr hat unter anderem einen sehr guten Ruf in den Bereichen IT und Datenschutz. Dazu passt, dass Anwälte aus verschiedenen Rechtsgebieten zuletzt eine Gruppe gebildet haben, die die zunehmend von der Digitalisierung getriebenen Geschäftsmodelle von Unternehmen in den Blick nimmt.

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 450 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.200 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:

  1. Jahr: 100.000 bis 120.000 Euro
  2. Jahr: 105.000 bis 125.000 Euro
  3. Jahr: 110.000 bis 130.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  4. Jahr: 115.000 bis 135.000 Euro plus Bonus bis 30.000 Euro
  5. Jahr: 120.000 bis 140.000 Euro plus Bonus bis 40.000 Euro
  6. Jahr: 120.000 bis 140.000 Euro plus Bonus bis 40.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 55.000 Euro

 

Im Normalfall steigen Berufseinsteiger im dritten Jahr zum Senior Associate auf, im fünften Berufsjahr folgt der Salary-Partner-Status, Noerr nennt diese Anwälte Associated Partner. Allerdings gibt es an dieser Stelle auch den alternativen Weg zum Counsel. Associated Partner wiederum können frühestens im achten Berufsjahr zum Vollpartner ernannt werden. Auch hier eröffnet sich wieder ein alternativer Karrierepfad hin zum Senior Counsel. Beide Karrierealternativen sind nicht zwangsläufig eine Sackgasse, auch als (Senior) Counsel können Anwälte noch Vollpartner werden.

Als Quereinsteiger nahm Noerr in der Vergangenheit gerne erfahrene Associates aus internationalen Großkanzleien an Bord, die zunächst als Associated Partner einstiegen. Regelmäßig ernennt Noerr aber auch Eigengewächse zu Partnern. Zuletzt waren es vier Vollpartner und zwei Senior Counsel. So sehen auch die Teilnehmer der azur-Umfrage ihre Chancen auf den Vollpartnerstatus durchaus als vorhanden und vergeben eine Note knapp über dem Marktdurchschnitt. Die Karrierechancen abseits der Partnerschaft beurteilen die jungen Noerr-Anwälte noch besser.

Bei der Vergütung von Vollpartnern kommt es auf verschiedene Aspekte an. Noerr ist keine reine Lockstep-Kanzlei. Für den Verdienst sind auch individuelle Leistungen der Partner maßgeblich. Faktoren sind hier der Umsatz, der Akquiseerfolg sowie das Engagement bei kanzleiinternen Aufgaben. Mindestens zur Hälfte richtet sich die Höhe der Gewinnentnahme aber schlicht an der Dauer der Kanzleizugehörigkeit aus.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.