azur100
06.03.2020 | Autor/in: Anika Verfürth

Morrison & Foerster – Top-Arbeitgeber – Platz 38

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Phänomenales Arbeitsklima“

„Mandate an der Spitze der technologischen Entwicklung“

„Im Vergleich zu anderen Großkanzleien kurze Arbeitszeiten bei einem Top-Gehalt“

„Teilzeit sollte auch ohne Grund möglich sein“

„Auch bei Anwälten ohne Kinder sollte ein Leben außerhalb der Kanzlei erlaubt sein“

„Zum Teil wird bei Einstellung mehr versprochen,
als später gehalten werden kann“

„Internationale Mandatsarbeit“

„Stark bei Digitalisierungsthemen“

„Tolles Berliner Team, starke Persönlichkeiten“

▪ Zwei feste Referendarplätze in San Francisco

▪ Finanzierung von Klausurenkursen

▪ Budget für Netzwerk-Event aller Associates ohne Partner

▪ Jährliches Treffen der Berliner Partnerinnen, in Kooperation mit Amazon Academy und Uni Münster jährliches Diversity-Event

Über den Arbeitgeber

Internationale Ausbildung ab Tag eins. Die Stimmung im Berliner Büro der US-Westküsten-Kanzlei ist super, für das Betriebsklima, aber auch für das Weiterbildungsangebot verteilen Morrison & Foerster (MoFo)-Associates in der azur-Umfrage sehr gute Noten. Inhaltlich stehen internationale Mandate auf der Tagesordnung, es besteht eine „sehr intensive Einbindung in US-Büros“. Alle Neueinsteiger umweht direkt dieses internationale Flair – sie treffen sich in San Francisco für Grundlagenseminare zum Anwaltsberuf und lernen Kollegen aus anderen Ländern kennen. Zur Weiterbildung nutzt MoFo wie viele andere auch das Angebot von Bucerius Education und stellt ihren Anwälten ein Seminarpaket zur Verfügung. Darüber hinaus werden sie, so schreiben Teilnehmer der azur-Umfrage, dazu ermutigt, auch andere Seminare je nach fachlichem Schwerpunkt zu besuchen. Im Marktvergleich besonders stark sind die Bemühungen, auch den jungen Associates schon zu einem eigenen Netzwerk zu verhelfen, um die Mandantenakquise zu lernen. Dafür bekommen alle Associates ein Budget für eine Veranstaltung, zu der sie ihre eigenen Kontakte einladen. Partner sind ausdrücklich ausgeladen.

Trotz viel Arbeit soll’s allen gut gehen. Durchweg positive Rückmeldungen erhält in der azur-Associate-Umfrage ein neu gestartetes Programm, das Ernährungsberatung, Achtsamkeitstraining, Sportangebote und den Austausch über Erkrankungen wie Burn-out beinhaltet. So umfassend fördern nur wenige Kanzleien ein gesundes Leben in dem leistungsgetriebenen Berufsumfeld der Großkanzlei. Solche Angebote mögen dazu beitragen, dass die Associates überdurchschnittlich zufrieden mit ihrem Arbeitgeber sind. Das Programm „weckt das Bewusstsein für eine ausgewogene Work-Life-Balance“. Das „phänomenale Arbeitsklima“ und die „gute Stimmung“ sorgen ebenfalls fürs Wohlergehen.

Arbeitszeiten durchschnittlich, aber flexibel. Mit rund 53 Stunden pro Woche arbeiten MoFo-Associates genauso viel wie der Durchschnitt aller Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage. Ein Teilnehmer findet: „Für eine Großkanzlei akzeptable Arbeitszeiten“. Bei Arbeitszeit und -ort zeigt sich MoFo flexibel. Wenn die Mandatsarbeit es erlaubt, ist Homeoffice kein Problem, und selbst manche Partner geben an, morgens um 7 Uhr anzufangen, um früh nach Hause gehen zu können. Die „gelebte Akzeptanz der Teilzeitarbeit in allen Praxisgruppen“ funktioniert laut azur-Umfrageteilnehmer ebenso. Sollte es bei der Kinderbetreuung zu Engpässen kommen, kooperiert die Kanzlei mit einem Betreuungsservice, über den sie jährlich die Kosten von bis zu 20 Tagen Kinderbetreuung übernimmt.

Ticket nach San Francisco. Damit es auch den Referendaren und wissenschaftlichen Mitarbeitern gut geht, können sie ebenfalls an den Schulungen zur psychischen und physischen Gesundheit teilnehmen. Berichte von älteren Associates oder Partnern über den Umgang mit Stress im Staatsexamen sollen auch hier die Achtsamkeit fördern. In der Referendarstation sorgt ein Mentor für die individuelle Einbindung in Mandate und Praxisgruppen. Die Teilnahme an internen Trainings und Weiterbildungen, etwa zu Corporate- und Finance-Themen, sind selbstverständlich. Ab Anfang 2020 finanziert MoFo, wie mittlerweile viele andere Kanzleien auch, einen Klausurenkurs. Regelmäßig nutzen Referendare die Wahlstation für einen Auslandsaufenthalt. Dem hat MoFo nun mit jährlich zwei festen Plätzen in San Francisco einen verbindlicheren Rahmen gegeben. Ehemalige Praktikanten und Referendare loben die „super Stimmung“ und die „sehr gute Ausbildung“. Ein ehemaliger Referendar betont: „tatsächlich ausbildungsrelevanter Stoff“.

Auch in Teilzeit wird man Partnerin. Wie die meisten US-Kanzleien hat auch MoFo ein umfassendes Diversity-Programm. Diverse lokale und weltweite Veranstaltungen fördern die Aufmerksamkeit und den Austausch. Zuletzt hat die Kanzlei gemeinsam mit der Uni Münster und der Amazon Academy einen jährlichen Austausch von weiblichen Führungskräften ins Leben gerufen. Den MoFo-Associates fällt die Förderung von Frauen vielfach positiv auf, und an Vorbildern mangelt es nicht. Im vergangenen Geschäftsjahr wurden zwei Salary-Partnerinnen und eine Equity-Partnerin ernannt. Letztere hat diese Beförderung trotz Teilzeitarbeit erhalten.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 5 bis 10

Referendarplätze 2020: 12         

Praktikumsplätze 2020: 4

Die Kanzlei verfolgt bei Bewerbern die ungeschriebene Regel, dass ein Kandidat zusammengerechnet 18 Punkte in beiden Examen erreicht haben sollte. Eine Zusatzqualifikation wie der LL.M. oder ein Doktortitel können einen Ausgleich schaffen, sollte die Punktzahl nicht ganz erreicht sein. Durch den LL.M. können Bewerber nicht nur die von der Kanzlei geforderten Englischkenntnisse, sondern auch den Erwerb weiterer fachlicher Kenntnisse im Ausland belegen. Der Fachpartner und die Managing-Partner in Berlin führen das erste Gespräch. Fachliche Fragen, aber auch die persönlichen Interessen und Sprachkenntnisse kommen dabei auf den Prüfstand. Bei einem Mittagessen bekommt der Bewerber die Gelegenheit, sich mit Associates auszutauschen.

Standort in Deutschland: Berlin

Internationale Präsenz: Die US-Kanzlei beschäftigt weltweit mehr als 1.000 Anwälte. Mit 16 Standorten ist sie in den USA, Europa und Asien präsent.

Anwälte in Deutschland: 9 Vollpartner, 5 Non-Equity-Partner, 2 Counsel, 23 Associates und 2 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 31,7%

Umsatz in Deutschland 2018: 19,2 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 549.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Im Frühjahr 2019 gewann die US-Kanzlei für ihr Berliner Büro ein Compliance-Team um den bekannten Roland Steinmeyer. Damit setzte MoFo für den Aufbau einer Beratung zum Compliance-Geschäft einen wichtigen und erfolgreichen ersten Schritt. Laut Kanzlei steht der Bereich weiter im Ausbau und bietet somit Chancen für den Nachwuchs.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 750 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 110.000 plus Bonus bis 18.000 Euro
2. Jahr: 115.000 plus Bonus bis 18.000 Euro
3. Jahr: 125.000 plus Bonus bis 18.000 Euro
4. Jahr: 125.000 bis 135.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
5. Jahr: 140.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
6. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro

Der Karrieretrack bei MoFo ist lang. Nach drei Jahren steigt ein Associate zum Senior-Associate auf. Nach sieben Jahren stellt sich in der Regel die Frage nach dem Wechsel in die Counsel-Position. Der Counsel ist als etwa zweijährige Durchlaufstation in die Partnerschaft gedacht, kann aber auch zur Dauerposition werden. Laut Kanzlei nehmen rund 80 Prozent der Associates den Counsel-Status als Zwischenstufe zur Partnerschaft mit. Der Aufstieg in die Non-Equity-Partnerschaft hängt insbesondere vom Entwicklungsstand des Business Case des Kandidaten ab. Durch Soft-Skills-Schulungen, die die Anwaltspersönlichkeit fördern, und ein Mentorenprogramm unterstützt die Kanzlei ihre Associates auf dem Weg dorthin. In der azur-Umfrage loben sie die „Förderung des unmittelbaren und eigenständigen Mandantenkontakts“ sowie „regelmäßige Evaluationen mit konstruktivem Feedback“. Insgesamt beurteilen die Teilnehmer ihre Chancen auf den Vollpartnerstatus und die Karrieremöglichkeiten abseits davon etwas besser als der Durchschnitt der Associates in anderen Kanzleien. Vereinzelt wünschen sie sich in der azur-Umfrage eine klarere Kommunikation über die Kriterien für einen beruflichen Aufstieg.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.