azur100
06.03.2020 | Autor/in: Anika Verfürth

Luther – Top-Arbeitgeber – Platz 45

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Sehr gut für den Berufseinstieg“

„Auch für Berufseinsteiger schon nach kurzer Zeit viel Freiraum“

„Echt flexible Arbeitszeiten, keine Wochenendarbeit“

„Voraussetzungen für den Salary-Partner-Status sind sehr hoch, auch im Vergleich“

„Wertschätzung sucht man hier vergeblich“

„Es fehlt eine offene und ehrliche Kommunikation“

„Gutes Gesamtpaket aus moderater Belastung mit solidem Gehalt“

„Junge Kollegen werden beispiellos in ihrer Entwicklung gefördert“

„Die Arbeitsatmosphäre ist nicht gut, Kommunikation zwischen Partnern und Associates ausbaufähig“

▪ Pro Standort zwei Mentoren für Praktikanten und Referendare

▪ Examensvorbereitung mit Klausuren-Flatrate für Kaiser-Seminare

▪ Umfassendes Soft-Skills-Programm mit externen Coaches (z.B. Verhandlungstechnik, Business-Etikette)

▪ Interner Fachanwaltslehrgang für Handels- und Gesellschaftsrecht

▪ Vermittlung von Kinderbetreuungsplätzen

▪ Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen

Über den Arbeitgeber

Stimmungsprobe Diesel. Luther gehört zu den Kanzleien, die im Zusammenhang mit dem Dieselskandal eine große Masse an Klageverfahren begleiten. Berufseinsteiger mit einem Faible für Prozesse sind hier gut aufgehoben, inzwischen koordiniert die Kanzlei teils 100 Verhandlungen wöchentlich. Um diese Flut besser zu bewältigen, beschäftigt Luther rund 150 Projektjuristen, und einigen davon gelang über diesen Weg der Wechsel in die klassische Associate-Laufbahn. Insgesamt sind die Luther-Associates laut azur-Umfrage relativ zufrieden, es gibt aber auch Kritik: „Die Stimmung unter den Associates wird merklich schlechter, das große Litigation-Mandat hinterlässt überall seine Spuren“, meint einer. Zwar bedeuten die vielen Verfahren, dass junge Juristen schnell selbst vor Gericht verhandeln dürfen, andererseits ähneln sich die Fälle. Auch wenn das Dieselmandat den Arbeitsalltag der breit aufgestellten Kanzlei keineswegs in allen Praxisgruppen prägt, bewerten die Associates das Niveau ihrer Arbeitsinhalte etwas schlechter als in den Vorjahren.

Mehr Kommunikation, bitte! Das rasante personelle Wachstum ist eine echte Herausforderung für die Kanzlei. Zwar hat Luther inzwischen ein internes soziales Netzwerk an den Start gebracht, um die Praxisgruppen und die zehn Standorte besser zu vernetzen – vom Praktikanten bis zum Partner sind dort alle mit einem Profil vertreten und finden unter anderem Weiterbildungsmaterialen –, dennoch sind die Luther-Associates laut azur-Umfrage mit dem Informationsfluss seitens ihrer Arbeitgeberin weniger zufrieden. Ein Associate wünscht sich etwa eine „offene und ehrliche Kommunikation, insbesondere beim Thema Gehalt“. Das von der Kanzlei propagierte maximale Einstiegsgehalt in Höhe von 90.000 Euro pro Jahr erreichen laut azur-Umfrage nur wenige Berufsanfänger. Neu eingeführt hat Luther einen Bonus im ersten Berufsjahr, mit dem das Salär bei überdurchschnittlicher Leistung auf 100.000 Euro steigen kann.

Arbeitszeit im Durchschnitt. Luther-Associates sitzen laut azur-Umfrage knapp 53 Stunden pro Woche im Büro – damit liegen sie genau im Marktdurchschnitt. Die Noten, die sie für die Vereinbarkeit von Familie und Karriere sowie die Work-Life-Balance vergeben, sind ebenfalls durchschnittlich. Einige Associates loben die „Freiheiten bei der Arbeitszeitgestaltung“ und heben die „humanen Arbeitszeiten“ hervor. Andere wünschen sich „mehr Verständnis dafür, dass es Wichtigeres als Arbeit gibt“ und eine „standortübergreifende Förderung von zeitlich und räumlich flexiblem Arbeiten“. Nach eigenen Angaben steht Luther Teilzeitmodellen und Homeoffice-Tagen offen gegenüber – die notwendigen Absprachen erfolgen innerhalb der Teams.

Aus- und Weiterbildung hochgelobt. Besser als bei den meisten anderen Kanzleien bewerten Luther-Associates in der azur-Umfrage das Ausbildungsangebot. Die hauseigene Akademie bietet zahlreiche Seminare für alle Karrierestufen, teils im Video- oder Podcast-Format. Besonderheit ist die interne Ausbildung zum Fachanwalt für Gesellschaftsrecht. Ein Associate wünscht sich, dass auch Zeit für interne Weiterbildung geschaffen wird. Solche Forderungen nimmt Luther ernst und startet im Sommer 2020 erstmals einen einwöchigen Sommer-Campus für Associates und Senior Associates, die sich so ohne Druck durch die Mandatsarbeit und weg von der Kanzlei weiterbilden können. Dort stehen unter anderem Business Development oder Verhandlungsseminare auf der Tagesordnung. In einem neuen Projekt zum Innovationsmanagement widmen sich zudem Partner und Associates Themen wie Legal Tech.

Beste Wahl für Referendare. Schon ab Vertragsunterzeichnung können Referendare alle Angebote der Kanzlei zum Lernen und Weiterbilden nutzen. An jedem Standort stehen zudem zwei Mentoren bereit. Auch den eigenen Associates fallen die enge Einbindung und die vielfältigen Aufgaben sowie Schulungen für Referendare auf. Ehemalige Referendare loben in der azur-Bewerberumfrage das „häufige, konstruktive Feedback“, die „direkte Einbindung in das Mandat“ und die „lehrreiche Zeit“. Jeder Referendar bekommt zudem eine Flatrate der Klausurenkurse von Kaiser. Für Praktikanten gibt es kein eigenes Programm, stattdessen setzt Luther bewusst auf individuelle Einzelpraktika.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: ca. 40

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): ca. 5

Referendarplätze 2020: 60         

Praktikumsplätze 2020: 35

Die Kanzlei gibt an, nach Juristen mit Prädikatsexamina zu suchen. Gerade an Standorten wie Leipzig, Hannover oder Essen, wo weniger Wettbewerb mit anderen Großkanzleien herrscht, dürfte das durchaus realistisch sein. Regelmäßig stellt Luther ehemalige Referendare ein, die sie bereits während der Stage kennengelernt hat. Auch unter den zahlreichen Projektjuristen, die die Kanzlei im Rahmen der Dieselverfahren beschäftigt, gab es bereits viele Übernahmen in eine Festanstellung als Associate. Im Erstgespräch mit dem teamführenden Partner geht es primär um die fachlichen und persönlichen Vorstellungen der Zusammenarbeit. Im Zweitgespräch lernt der Bewerber seine potenziellen Arbeitskollegen aus dem Team kennen, welche bei der Einstellungsentscheidung mitbestimmen.

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München und Stuttgart

Internationale Präsenz: In Europa hat Luther eigene Büros in Brüssel, London und Luxemburg. Weitere Standorte sind in Asien: Schanghai, Singapur, Indien, Malaysia und Myanmar. Weltweit pflegt die Kanzlei Kontakte zu Best-Friend-Kanzleien.

Anwälte in Deutschland: 79 Vollpartner, 47 Non-Equity-Partner, 21 Counsel, 168 Associates und 14 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 30,4%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 34 (davon 7 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018/19: 190,2 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018/19: 474.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Die Kanzlei spielt eine zentrale Rolle bei der Abwicklung der Vielzahl von Dieselklagen und ist hier von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer untermandatiert. Personell stemmt Luther die große Masse an Verfahren mit befristet angestellten Projektjuristen, was zu einem enormen Anstieg der Mannschaft geführt hat. Die Managementbemühungen fokussierten sich zuletzt stark auf das Frankfurter Büro. Viele Abgänge von Anwälten, aber auch der Zugang eines renommierten Teams für Fondsberatung standen hier im Mittelpunkt.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 12 Euro/h (vor dem 1. Examen),
14 bis 20 Euro/h (nach dem 1. Examen), 21 bis 27 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 450 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: bis 90.000 Euro plus Bonus bis 5.000 Euro
2. Jahr: keine Angaben
3. Jahr: keine Angaben
4. Jahr: keine Angaben
5. Jahr: keine Angaben
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Associates können nach einem Assessment-Center ab dem vierten Jahr Senior Associates werden. Sie können sich selbst zum Partnerkandidaten vorschlagen. Diejenigen mit Potenzial nehmen dann am Partnerentwicklungsprogramm teil. Frühestens zum siebten Jahr erfolgt die Ernennung zum Non-Equity-Partner oder alternativ der Wechsel in den Counsel-Status. Frühestens ab dem achten Berufsjahr ist die Ernennung zum Vollpartner möglich, ein Verbleiben auf der Salary-Partner-Stufe ist ebenfalls denkbar, genauso wie eine dauerhafte Counsel-Position. Letztere wird regelmäßig genutzt, wenn Anwälte ihr eigenes Geschäft ohne Umsatzdruck weiterentwickeln wollen. Von hier ist aber jederzeit ein Wechsel möglich, und es steigen regelmäßig Kandidaten in die Partnerschaft auf, 2019 waren drei der vier neu ernannten Partner zuvor Counsel. Die eigenen Associates bewerten sowohl die Chancen auf die Vollpartnerschaft als auch die Karrierewege abseits der Partnerschaft in der azur-Umfrage etwas schlechter als der Marktdurchschnitt und wünschen sich zum Beispiel „klare Linien für die Entwicklung“. Das kann auch daran liegen, dass Luther regelmäßig Quereinsteiger an Bord holt. Partner erhalten zunächst ein Grundgehalt, das individuell variiert und mit Dauer der Zugehörigkeit steigt. Zusätzlich gibt es einen leistungsabhängigen Bonus, dessen Zusammenstellung die Kanzlei jüngst transparenter machte. Wichtig sind dabei wirtschaftliche Kennziffern, aber auch Akquise, Kooperation mit anderen Partnern, Veröffentlichungen und Marketingtätigkeiten.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.