azur100
06.03.2020 | Autor/in: Marc Chmielewski

Latham & Watkins – Top-Arbeitgeber – Platz 17

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Innovativ, dynamisch, tolle Mentalität“

„Top-Bezahlung, spannende und internationale Mandate“

„Einzigartige Kanzleikultur, fortschrittlicher als die Konkurrenz“

„Mittlerweile wird alles der Profitabilität untergeordnet“

„Arbeitszeit, die für Fortbildungen draufgeht, muss in der Freizeit nachgeholt werden“

„Career-Coach-Programm existiert nur auf dem Papier“

„Anwälte begegnen auch Referendaren und Praktikanten auf Augenhöhe“

„Extrem gute Verzahnung von deutscher und US-Praxis“

„Ehrgeizig und gut“

▪ Repetitorienpakete von Kaiser und Hemmer, Klausurenkurs bei einem Richter

▪ Praktikanten und Referendare dürfen an internen Fortbildungen teilnehmen

▪ Sommer-Curriculum mit Vorträgen und Workshops zu Mandaten, Kanzleikultur und Karrierethemen

▪ Im ersten, dritten und fünften Jahr internationale Fortbildungen in den USA

▪ Jeder Associate hat einen Partner als Karrierecoach

▪ Reviewverfahren mit Feedbackgesprächen alle sechs Monate

▪ Management honoriert Diversity-Engagement auch bei der Leistungsbeurteilung

▪ Institutionalisierte Interessengruppen (LGBT, Eltern, Frauen) treiben Belange innerhalb der Kanzlei voran

Über den Arbeitgeber

Ehrgeiz ist Programm. Erklärtes Ziel von Latham ist es, zu den absoluten Marktführern in Deutschland aufzuschließen – das wirkt sich unmittelbar auf die Nachwuchsjuristen aus, etwa bei der Arbeitsbelastung. Die Kanzlei pflegt das Image des aufstrebenden Underdogs, der das Establishment angreift. Latham hat konkreter als die meisten Wettbewerber Ziele für wirtschaftliche Kennziffern im Jahr 2020 festgelegt. Für Nachwuchsanwälte ergibt sich daraus eine zweischneidige Situation: Das Aufsteigergefühl und eine enge Einbindung ins Kanzleimanagement motivieren, die extrem ambitionierten Ziele erzeugen aber einen Druck, der Motivation in Überforderung kippen lassen kann.

Viele Ziele, viel Arbeit. An den Ergebnissen der azur-Associate-Umfrage lässt sich dieses Spannungsfeld gut ablesen. „Es geht mittlerweile gar nicht mehr darum, Peaks abzufangen, sondern einfach nur darum, von der Dauerbelastung herunterzukommen“, klagt ein Teilnehmer. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit ist im letzten Jahr deutlich angestiegen: Aus der azur-Umfrage ergibt sich ein Wert von gut 59 Stunden – das sind sechs Stunden mehr als Associates im Marktdurchschnitt arbeiten. Auf der anderen Seite klingt Euphorie an: „Starkes Netzwerk, Ambitionen und guter Spirit“ oder „Akzeptanz von Homeoffice und flexiblen Arbeitszeiten“. Insgesamt sind aber viele Noten aus der azur-Umfrage, bei denen Latham trotz hoher Arbeitsbelastung traditionell gut dastand, inzwischen unterdurchschnittlich – darunter die Zufriedenheit mit der Personalführung, der Work-Life-Balance und dem Betriebsklima.

Großzügige Regelungen. Als vergleichsweise partizipatorische Kanzlei reagiert Latham auf solche Alarmsignale: So hat das Management großzügigere Regelungen für Elternzeiten eingeführt und stärker betont, dass Partner ihren Associates für Fortbildungen den Rücken freihalten müssen. Besonders loben die Associates die IT-Ausstattung, die flexible Arbeitszeiten und -orte erlaube. Das alte Großkanzleiproblem der Vereinbarkeit von Elternschaft und Beruf lässt sich damit zwar nicht lösen, aber mildern. „Facetime gibt es nicht“, schreiben mehrere Teilnehmer der azur-Umfrage. Andere mahnen an: „Die Kanzlei muss stärker aufzeigen, dass die Nutzung einer Elternzeit nicht das Karriereende bedeutet.“ Denn: „Diversity reicht genau so weit, wie eine Frau identisch das bringt, was auch ein Mann liefert“, schreibt eine Umfrage-Teilnehmerin. „Sobald man ein Jahr Elternzeit oder eine flexible Arbeitszeit beansprucht, wird dies zwar mitgetragen – zur Partnerin ernannt wird man aber nicht.“ Von allen 42 Partnern arbeitet einer in Teilzeit, insgesamt sind vier Partner weiblich, also knapp 10 Prozent.

Strukturiertes Lernen. Das Ausbildungsangebot bewerten die Latham-Anwälte in der azur-Umfrage überwiegend gut. „Das ohnehin gute Programm wurde sogar noch verbessert“, lobt einer. Die Associates absolvieren bis zum dritten Berufsjahr ein weitgehend einheitliches Curriculum, das drei dreitägige Seminare pro Jahr in Tagungshotels vorsieht. Darin geht es um Rechtliches und Soft Skills, aber auch um Themen wie unternehmerisches Denken. Daneben gibt es weiterhin drei mehrtägige Seminare in den USA, an denen die Associates im ersten, dritten und fünften Berufsjahr teilnehmen. Zusätzlich zu den institutionalisierten Fortbildungen gibt es ein engmaschiges Netz an Feedbacksystemen. Jedem Associate ist ein Partner zugeordnet, der die Karriereentwicklung im Blick behält. Drei bis vier Entwicklungsgespräche gibt es im Jahr.

Noch mehr Stoff für Referendare. Viele Fortbildungen für Associates stehen auch dem juristischen Nachwuchs offen, etwa Englischkurse und Fachvorträge. Praktikanten loben in der azur-Bewerberumfrage den „guten Praxisbezug“. Ihnen und den Referendaren stellt die Kanzlei zudem einen Anwalt als Mentor zur Seite. Das Angebot für Referendare hat die Kanzlei zuletzt noch erweitert. Neben den Kaiser-Seminaren, die sie Referendaren zur Vorbereitung aufs Examen sponsert, bietet Latham nun in München auch Kurse des Repetitoriums Hemmer an, um den Besonderheiten des bayerischen Examens besser gerecht zu werden. Wem Bayern zu klein ist: Aussichtsreiche Nachwuchsjuristen können die Wahlstation des Referendariats auch in einem Auslandsbüro absolvieren.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 22 bis 25

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1 bis 2

Referendarplätze 2020: 60 bis 70            

Praktikumsplätze 2020: 60

Voraussetzung für die Arbeit bei Latham sind sehr gute Englischkenntnisse, auch wenn Bewerbungsgespräche in der Regel auf Deutsch stattfinden. Zwei mindestens vollbefriedigende Staatsexamina, LL.M.-Abschluss und Doktortitel sind gern gesehen – die Kanzlei betont, dass ein deutscher Latham-Anwalt im Durchschnitt mehr als 18 Punkte aus beiden Staatsexamen hat. Aber Latham ist hier nicht dogmatisch. Referendare, von denen sich die Kanzlei viel verspricht, können durchaus schon ein Angebot erhalten, bevor die Note des zweiten Staatsexamens überhaupt feststeht.

Das Bewerbungsverfahren sieht zwei aufeinanderfolgende Gespräche von etwa einer Stunde vor: eines mit Mitgliedern des Fachgebiets und eines mit Vertretern des Rekrutierungskomitees, im Anschluss ein Mittagessen mit weiteren Teammitgliedern. In der Regel steht danach fest, ob der Bewerber ein Angebot erhält.

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: USA (11 Büros), Europa (10 Büros), Asien (6 Büros) und Naher Osten (2 Büros). Latham wirtschaftet in einen großen weltweiten Topf. Es gibt keine unterschiedlichen Profitcenter oder Ländergesellschaften. Die breite europäische Praxis ist anders als bei vielen anderen internationalen Kanzleien nicht durch London dominiert.

Anwälte in Deutschland: 45 Vollpartner, 14 Counsel und 108 Associates

Frauenanteil Anwälte: 30,5%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 9 (davon 6 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018: 143 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 899.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Latham hat sich in einer ‚Agenda 2020‘ ehrgeizige Ziele gesteckt – und ist diesen im vergangenen Jahr ein großes Stück nähergekommen. Sowohl der Gesamtumsatz als auch der Umsatz pro Berufsträger sind deutlich gestiegen. Diese Entwicklung hat in den vergangenen Jahren immer wieder auch Top-Partner von Wettbewerbern zu Latham gezogen. Zuletzt allerdings gab es auch ungewollte Partnerabgänge, etwa in der Konfliktlösungspraxis.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: 120.000 Euro
2. Jahr: 130.000 Euro
3. Jahr: 130.000 Euro plus Bonus bis 60.000 Euro
4. Jahr: 135.000 Euro plus Bonus bis 78.000 Euro
5. Jahr: 140.000 Euro plus Bonus bis 97.000 Euro
6. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus bis 106.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 50.000 bis 70.000 Euro plus Bonus bis 7.000 Euro

Partner kann ein Latham-Associate frühestens nach acht Jahren werden. Bereits vorher sind Associates ins Kanzleimanagement eingebunden, etwa bei Einstellungsgesprächen. Zweimal im Jahr gibt es Feedback zu der eigenen Arbeit. Zudem ist jedem Associate ein Partner als Coach zugeordnet, mit dem etwa drei bis vier Mal im Jahr Karrierethemen besprochen werden. Latham ernennt auch in Deutschland regelmäßig Partner und Counsel, zum Januar 2020 wurden zwei Corporate-Partner und ein Counsel in der Prozesspraxis ernannt. Insgesamt vergeben die Associates, was die Partnerchancen angeht, in der azur-Umfrage Noten, die unter dem Marktdurchschnitt liegen – was allerdings auch für viele andere Top-Kanzleien gilt, darunter Freshfields und Linklaters.

Die Latham-Partner werden – weltweit einheitlich – nach einem System mit einer deutlichen Leistungskomponente vergütet. Alles in allem, Festvergütung plus Bonus, kann der bestverdienende Partner maximal sieben Mal so viel bekommen wie ein frisch eingestiegener Partner mit der geringstmöglichen Vergütung. Im Durchschnitt führt ein Partner Teams aus drei bis vier Associates. Latham-Partner können intern transparent ersehen, wer wie viel Umsatz einspielt und sogar wie hoch mögliche Boni für die Kollegen ausfallen. Informationen über die Höhe der Gewinne deutscher Partner liegen azur nicht vor.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.