azur100
06.03.2020 | Autor/in: Markus Lembeck

Kirkland & Ellis – Top-Arbeitgeber – Platz 28

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Sehr angenehmes Arbeitsklima, tolles Teamwork“

„Associates werden vom ersten Tag an in die Pflicht genommen und somit auch gefördert“

„Großartige Unterstützung bei Auslandsaufenthalten und LL.M.-Vorhaben“

„Partner haben fachlichen Scharfsinn, aber mangelnde Eignung für Personalführung“

„Work-Life-Balance ist leider nicht vorhanden“

„Absolute Erreichbarkeit wird gefordert, auch nachts und an den Wochenenden“

„Derzeit die führende US-Kanzlei in Deutschland“

„Hohe Belastung und extrem schwankende Arbeitszeiten“

„Top-Mandate, Top-Vergütung, aber keine guten Aufstiegschancen“

▪ Gezielte Teambildung unter den Praktikanten, WiMis und Referendaren

▪ Wahlstation in ausländischen Büros wird häufig möglich gemacht

▪ Verbindliches zweijähriges Ausbildungsprogramm

▪ Fortbildungs- und Networking-Angebot für Frauen

Über den Arbeitgeber

Kaum Aufstiegschancen bei Kirkland? Als ein externer Anwalt der US-Kanzlei in der azur-Umfrage im letzten Jahr zu viel Zurückhaltung unterstellte, wusste er noch nichts von den Partnerernennungen im Herbst 2019. Zum Oktober hat die Kanzlei in München vier Associates zu Partnern befördert und schafft damit fast eine Parität zwischen Partnern und Associates. Zwei Transaktionsexperten, ein Finanzierungsanwalt und ein Steuerrechtler sind aufgestiegen und zeigen nebenbei, wo die Kanzlei ihre fachlichen Schwerpunkte setzt – fehlt nur noch Restrukturierung als weitere Spezialdisziplin. Ein höherer Frauenanteil geht mit den Partnerernennungen allerdings nicht einher – die Partnerriege ist weiterhin fast ausschließlich männlich.

„Tolles Team und flache Hierarchien.“ Dies bescheinigt ein Kirkland-Associate seinem Arbeitgeber. Doch wie in den Vorjahren finden sich in der azur-Umfrage kritische Stimmen zur Personalführung: „Manche Partner haben Zeit für unwesentliche Details, aber nicht für ein Gespräch.“ Auf die Belastung in großen Mandaten reagierte die Kanzlei zuletzt mit Schulungen, etwa Projektmanagement für Partner. Aber grundsätzlich loben die Anwälte in der azur-Umfrage den Zusammenhalt „selbst in stressigen Zeiten“. Die gibt es ziemlich regelmäßig: Die Münchner Dependance setzt pro Anwalt fast eine Million Euro um, tut sich aber schwer damit, personell zu wachsen. Nur gerüchteweise denkt die Kanzlei über einen weiteren Standort nach, etwa in Frankfurt.

Hilfe vom Nachwuchs. Praktikanten, wissenschaftliche Mitarbeiter und Referendare sind als einheitliche Gruppe organisiert, auch um fehlende Kapazitäten auf der Ebene der Associates zu ergänzen. Regelmäßige Teamsitzungen, Review-Gespräche und je nach Qualifikation sogar ein gewisses Maß an Eigenverantwortung etwa bei der Bearbeitung von Pro-bono-Mandaten machen diese Organisationsform zur Win-win-Situation für Kanzlei und Nachwuchs. „Ich war wirklich Teil des Teams“, schreibt ein Ex-Referendar in der azur-Bewerberumfrage, „und habe mich jeden Tag gefreut, ins Büro zu gehen.“ Das interne Ausbildungsprogramm für Associates steht auch dem Nachwuchsteam offen. Zudem erhalten die Referendare mittlerweile Gutscheine für ein Repetitorium.

Ausbildung mit Programm. Die hohe Mandatsbelastung der Associates soll nicht auf Kosten der Ausbildung gehen. Ein formalisiertes Schulungsprogramm vertieft nicht nur das juristische Know-how: Das auf zwei Jahre angelegte Curriculum vermittelt vor allem fachübergreifende Kompetenzen etwa zu Transaktionsmanagement, Finanzierung oder Steuern. Ein Modul zur Erweiterung der persönlichen Fähigkeiten enthält etwa Business Development, Soft Skills oder Akquisetraining. Anregungen für eigene Strategien im Business Development gibt es auch für neu ernannte Partner. Die Zufriedenheit der Associates mit dem Weiterbildungsangebot liegt im Durchschnitt, allerdings könnten sich einige Umfrageteilnehmer mehr Engagement ihrer Chefs vorstellen: „Ordentliche Ausbildung durch die Partner fehlt leider, dafür fehlt ihnen die Zeit.“

Viel Erfolg, viel Arbeit. Die Erfolgswelle vor allem im Private-Equity-Geschäft verursacht viele ausgefallene Urlaubstage und eine massive Arbeitslast: Die Associates arbeiten laut azur-Umfrage mit rund 58 Stunden pro Woche sieben Stunden mehr als im Durchschnitt. Das soll in weniger arbeitsreichen Wochen ausgeglichen werden: „Es gibt absolut keine Präsenzkultur“, bestätigt ein Associate in der azur-Umfrage. Andererseits werde ständige Erreichbarkeit verlangt, so ein anderer Associate. Deshalb verwundert es nicht, dass die Hälfte der Kirkland-Associates die Vereinbarkeit von Karriere und Familie schlecht bewertet. Die Einbindung der jüngeren Anwälte in die Gestaltung der Kanzlei geschieht über ein Associate Committee, das den Partnern auch schon die Kritik an der Personalführung weitergegeben hat. Schulungen der Partner sollen hier gegensteuern. Die Associates sind aber so anspruchsvoll wie die Mandanten der Kanzlei. So vergleichen sie sich in puncto Bezahlung eher mit den Kirkland-Associates in London und den USA als mit denen deutscher Kanzleien – und einige stellen dabei fest, dass ihre internationalen Peers besser bezahlt werden. Doch die meisten sind mit ihren „astronomischen Gehältern“ (Zitat Senior Associate) sehr zufrieden.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 8 bis 10

Referendarplätze 2020: 10         

Praktikumsplätze 2020: 12 bis 15

Zweimal neun Punkte sind die Mindestvoraussetzung für Bewerber. Allerdings ist die Kanzlei im Einzelfall auch bereit, bei teamerprobten Ex-Referendaren und wissenschaftlichen Mitarbeitern eine Ausnahme zu machen. Eine Promotion ist nicht zwingend, allerdings wird ein LL.M.-Abschluss von einer englischsprachigen Law School gerne gesehen. Angesichts der engen Zusammenarbeit mit den internationalen Büros erleichtert der Master of Laws die alltägliche Integration und wird von der Kanzlei auch aktiv gefördert. Der Zeitrahmen für Erstgespräche liegt bei fünf Stunden, in der Regel von 11 bis 16 Uhr, worin ein Mittagessen nur mit Associates enthalten ist. Männliche Bewerber dürfen übrigens auf eine Krawatte verzichten. Im Zweitgespräch geht es vor allem darum, die Associates der gewünschten Praxisgruppe kennenzulernen – wenn es sinnvoll ist, auch die in London.

Standort in Deutschland: München

Internationale Präsenz: Die Mehrzahl der rund 2.300 Anwälte arbeitet in den USA, daneben gibt es Büros in China sowie die europäischen Standorte London (350 Anwälte) und München. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist alltäglich und eng.

Anwälte in Deutschland: 19 Vollpartner und 20 Associates

Frauenanteil Anwälte: 30,8%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Umsatz in Deutschland 2018: 36,1 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 976.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Einmal mehr stand Kirkland in Deutschland kurz davor, die 1-Million-Euro-Marke beim Honorarumsatz pro Anwalt zu knacken. Dieser wirtschaftliche Erfolg stammt vor allem aus den großen Transaktionen, die das Münchner Büro begleitet hat. In der Regel ist die Kanzlei auf der Seite von Private-Equity-Investoren aktiv, etwa bei der versuchten Übernahme von Osram durch Fonds von Bain und Carlyle im Sommer 2019. Auch Restrukturierungsmandate wie beim Steinhoff-Konzern oder dem Windkraftanlagenbauer Senvion lasteten große Teams aus.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 15 bis 20 Euro/h (vor dem 1. Examen, abhängig von der Semesterzahl), 30 Euro/h (nach dem 1. Examen),
40 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 960 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.800 Euro/Monat

Associates:

  1. Jahr: 131.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
  2. Jahr: 136.000 Euro plus Bonus
  3. Jahr: 146.000 Euro plus Bonus
  4. Jahr: 168.000 Euro plus Bonus
  5. Jahr: 188.000 Euro plus Bonus
  6. Jahr: 212.000 Euro plus Bonus

Mit vier Partnerernennungen hat die Kanzlei im Oktober 2019 ihre Führungsriege deutlich ausgeweitet. Die Entscheidung über den Aufstieg steht für Associates nach dem sechsten Jahr an. Soweit bekannt, ist die nach außen homogene Partnerschaft intern zweistufig. Vor dem Erreichen der Vollpartnerschaft haben die jüngeren Partner so die Gelegenheit, ihr Geschäft eigenständig auf- und auszubauen. Die Kirkland-Associates vergeben in der azur-Umfrage unterdurchschnittliche Noten für ihre Aufstiegschancen, allerdings lag der Umfragezeitraum vor einer Beförderungswelle mit zwei neuen Partnern für Transaktionen sowie je einem für Steuerrecht und für Finance. Jetzt dürfte erst einmal der weitere Ausbau der Associate-Stufe auf der Tagesordnung stehen. Das alternative Beschäftigungsmodell eines Professional Support Lawyers mit festen Wochenarbeitsstunden hat sich bislang nicht durchgesetzt. Die Noten in der Associate-Umfrage für Alternativen zum Partnertrack sind sehr schwach.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.