azur100
06.03.2020 | Autor/in: Christina Geimer

Jones Day – Top-Arbeitgeber – Platz 39

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Das überarbeitete Weiterbildungsprogramm für Associates bringt mittlerweile echten Mehrwert“

„Anwesenheitspflicht gibt es nicht“

„Homeoffice-Möglichkeiten werden gelebt“

„Leider sind die Arbeitszeiten schwer mit Familie vereinbar – die ständige Verfügbarkeit wirkt sich deutlich negativer aus als die reine Anzahl der Stunden“

„Weiterbildungsangebot noch erweiterbar“

„Häufigere Secondments zwischen den Standorten wünschenswert“

„Solide US-Kanzlei mit gutem Arbeitsklima“

„Ausgeprägter Fokus auf Transaktionen“

„International enge Zusammenarbeit, hohe Arbeitslast“

▪ Wahlstation für Referendare im US-Büro möglich

▪ Sechs- bis zwölfmonatiger Aufenthalt in London oder New York möglich

▪ Einwöchige kanzleiweite Einführungsveranstaltung für Berufsanfänger in Washington

▪ Zweimal jährlich gemeinsame Schulung aller deutschen Associates

▪ Hoher Anteil von Frauen in der Partnerschaft

Über den Arbeitgeber

Ab nach Amerika. Jones Day hat ihre Zentrale nicht, wie viele andere US-Kanzleien, an der New Yorker Wall Street oder im Silicon Valley, sondern in Cleveland, Ohio. Selbst an den deutschen Standorten spürt man die hemdsärmelige Midwest-Kultur manchmal ein bisschen – schon im Praktikum und im Referendariat. Ein ehemaliger Praktikant berichtet in der azur-Bewerberumfrage: „Kleine Teams ermöglichen eine enge Einbeziehung in die tägliche Arbeit – einen besseren Einblick ins Berufsleben kann man kaum bekommen.“ Einhellig loben Teilnehmer in der azur-Umfrage die „vielseitigen Arbeitsmöglichkeiten“ und das Arbeitsklima. Praktikanten und Referendare durchlaufen eine strukturierte Ausbildung und haben einen Mentor an ihrer Seite – vom Einstiegsgespräch über Erwartungen, Ziele und Inhalte bis zum abschließenden Feedback. Die internen Fachvorträge und Schulungen aus dem europäischen Ausbildungsprogramm stehen den Nachwuchsjuristen ebenfalls offen. Referendare, die gerne später bei Jones Day als Anwalt einsteigen möchten, können auf Wunsch ihre Wahlstation auch in einem der US-Büros verbringen.

Ausbildungsprogramm erweitert. Für Associates hat Jones Day die Ausbildung zuletzt überarbeitet und erweitert, etwa um zusätzliche Fachvorträge und Soft-Skills-Seminare mit externen Trainern. Diesen Schritt lobten viele Associates in der azur-Umfrage. Dabei geht es unter anderem um Fragen, die sich speziell in der internationalen Beratung stellen, und auch ein jährlicher English-Legal-Writing-Kurs gehört zum Angebot. Ständig ergänzt wird die Sammlung von Schulungsvideos und -materialien zu Fachthemen und IT-Inhalten. Alle deutschen Associates kommen zweimal jährlich zusammen und nehmen u.a. an Soft-Skills-Trainings teil. Berufseinsteiger treffen sich im ersten Jahr bei einer einwöchigen Fortbildung in Washington, die auch zum Netzwerken dient. All das reicht den Associates noch nicht ganz; in der azur-Umfrage fordern sie weitere Verbesserungen, etwa zusätzliche externe Fortbildungen. Allerdings setzt die Kanzlei auch hier Eigeninitiative voraus.

Vielseitigkeit ist Trumpf. Anwälte starten bei Jones Day typischerweise nicht in einem speziellen Rechtsgebiet, sondern in einem praxisübergreifenden Associate-Pool. Auf diese Weise können sie verschiedene Rechtsgebiete kennenlernen, bevor sie spätestens nach ein paar Jahren fest in eine Praxisgruppe wechseln. Die intensive Einbindung in Mandate lobt ein Associate in der azur-Umfrage wegen seiner „Sichtbarkeit bei Mandanten, der Unterstützung von Publikationen und Einbindung in die Kanzleistrategie in meiner Praxisgruppe“. Jedem Associate steht ein Mentor zur Seite, der Ansprechpartner für alle Fragen abseits der fachlichen Betreuung ist. Damit sind die Associates denkbar zufrieden: In der azur-Umfrage geben sie Jones Day für die Personalführung überdurchschnittliche Noten.

Internationaler als die meisten. Ein besonderes Highlight ist, dass Associates nach eineinhalb Jahren Kanzleizugehörigkeit für sechs bis zwölf Monate ins Londoner oder New Yorker Büro wechseln können. Besonders zufrieden sind die Jones Day-Associates auch mit der Internationalität ihrer täglichen Arbeit. Mit der Anbindung an die USA geht zugleich eine andere Einstellung zum Thema Diversity einher als in den meisten deutschen Kanzleien. Entsprechend zufrieden sind die Associates mit der Gleichbehandlung unabhängig von Geschlecht, Migrationshintergrund und sexueller Orientierung, und entsprechend hoch ist auch der Frauenanteil in der deutschen Partnerschaft: 27 Prozent der Vollpartner sind Frauen, weit mehr als in den meisten Kanzleien.

Anpacken und mitmachen. Weniger positiv fällt das Urteil zur Arbeitsbelastung aus. Gut 54 Stunden pro Woche arbeiten die Jones Day-Associates laut azur-Umfrage, knapp anderthalb Stunden mehr als der Marktdurchschnitt. Für die Work-Life-Balance bekommt Jones Day nur mäßige Noten. Immerhin bietet die Kanzlei die Möglichkeit, von überall zu arbeiten oder die Arbeitszeit zu reduzieren. Letzteres allerdings kann gegebenenfalls die Karrierechancen einschränken. Auch hier hat jeder bei Jones Day sein Schicksal etwas unmittelbarer in der Hand als bei anderen Arbeitgebern: Nur wer sich reinhängt, wird schnell weit kommen.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 7 bis 10

Referendarplätze 2020: 6 bis 9 

Praktikumsplätze 2020: 8 bis 10

Jones Day wünscht sich Bewerber mit zwei vollbefriedigenden Examen. Doktortitel oder LL.M. sind gerne gesehen, aber anders als verhandlungssichere Englischkenntnisse keine Voraussetzung.

In den beiden Bewerbungsrunden lernen die Bewerber mindestens fünf Partner und mindestens sieben Associates kennen. Dies unterstreicht, dass die Kanzlei viel Wert darauf legt, ob es persönlich passt. Bewerber loben das Verfahren in der azur-Umfrage fast einhellig als „unkompliziert“.

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt und München

Internationale Präsenz: International integrierte US-Kanzlei mit vielen eigenen Niederlassungen in den USA, Europa und Asien, aber auch in Nahost, Lateinamerika und Austalien.

Anwälte in Deutschland: 45 Vollpartner, 22 Counsel und 23 Associates

Frauenanteil Anwälte: 24,4%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Umsatz in Deutschland 2018: 65,0 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 777.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Zuletzt entwickelte sich bei Jones Day vor allem das Geschäft mit mittelgroßen bis großen Transaktionen sehr positiv. Grund sind zum einen die tragfähigen internationalen Kontakte der Kanzlei, mit denen sie zum Beispiel auch in einem schwieriger gewordenen Umfeld eine aktive China-Praxis aufrechterhält; zum anderen hat auch die gute Entwicklung einiger jüngerer Partner dazu beigetragen. In Deutschland baute Jones Day zuletzt die Compliance-, Steuer- und Arbeitsrechtspraxis mit Quereinsteigern aus anderen Großkanzleien aus.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 900 Euro Monatsgehalt pro Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen und 2. Examen)

Referendare: 900 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.500 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: 100.000 bis 135.000 Euro
2. Jahr: keine Angaben
3. Jahr: keine Angaben
4. Jahr: keine Angaben
5. Jahr: keine Angaben
6. Jahr: keine Angaben

Jones Day ernannte in den vergangenen Jahren immer wieder Partner in Deutschland, zum Jahresbeginn 2020 war allerdings kein Deutscher unter den Aufsteigern. Der wichtigste Karriereschritt auf dem Weg zur Partnerschaft ist die Ernennung zum European Counsel, die regulär nach fünf Jahren ansteht. European Counsel arbeiten eigenständig und generieren eigenes Geschäft. Der Aufstieg in die Equity-Partnerschaft erfolgt dann häufig nach acht bis zehn Berufsjahren.

Als Alternative zum Partnertrack gibt es den Counsel-Status. Zwei Anwälte sind derzeit in dieser Stufe als langfristig angestellte Anwälte beschäftigt. Ebenfalls für erfahrene Anwälte gibt es den Titel des of Counsel, eine Stufe, die als zusätzliche Probezeit vor der Vollpartnerschaft konzipiert ist.

Vollpartner vergütet Jones Day nach dem Merit-based-Prinzip, also rein leistungsbezogen. In die Leistungsbeurteilung fließt nicht nur der erzielte Umsatz, sondern auch Managementaufgaben und andere Faktoren ein.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.