azur100
06.03.2020 | Autor/in: Astrid Jatzkowski

Heuking Kühn Lüer Wojtek – Top-Arbeitgeber – Platz 23

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Die Partner nehmen sich sehr viel Zeit und sind generell sehr nahbar“

„Die Arbeitszeiten sind gut, man hat selten lange Tage“

„Das Weiterbildungsangebot wird immer besser“

„Gehalt ist nicht konkurrenzfähig, auch mit Blick auf die hohe Belastung“

„Die Strukturen sind hierarchisch, sodass man erheblich vom Partner abhängig ist“

„Den Anwältinnentag hätte man sich sparen können – null Ergebnis“

„Arbeitszeit wie bei Freshfields, Gehalt nicht“

„Interessantes Arbeitsumfeld mit früher Einbindung in die Mandate“

„Die Partner sind eher Einzelkämpfer, mehr Teamarbeit wäre wünschenswert“

▪ Lern-App zur Examensvorbereitung mit Videotutorials

▪ Auslandsstation für Referendare möglich

▪ Umfangreiches Praktikantenprogramm jeweils im Sommer

▪ Umfangreiches Weiterbildungsangebot, neuerdings mit Akquisetraining

▪ Akquise-Event mit Mandanten nur für Junganwälte

▪ Kommunikationsplattform, die Associates mehr Beteiligung an Kanzleientwicklung erlaubt

keine herausragenden Angebote

Über den Arbeitgeber

Durch Individualität geprägt. Heuking bleibt ihrer Überzeugung treu und baut auf die Initiative des einzelnen Anwalts. „Die Kanzlei unterscheidet sich von den Wettbewerbern durch Individualität, die sich nicht nur in unterschiedlichen Philosophien der Praxisgruppen, sondern auch einzelner Partner ausdrückt“, fasst ein Associate in der azur-Umfrage zusammen. Entsprechend reichen die Meinungen der Associates von „toxischer Arbeitsatmosphäre“ über „fairer Umgang, große Flexiblität“ bis hin zu „Ich kann mir nicht vorstellen, woanders zu arbeiten“. Bislang greift das Management nur behutsam ein, etwa um die Partner dazu zu bewegen, ihren Ausbildungsauftrag ernst zu nehmen. In der azur-Umfrage regen gleich mehrere Associates an, aus dem üppigen und breit angelegten Weiterbildungsangebot ein verpflichtendes Programm zu extrahieren. Das Schulungsangebot hat Heuking zuletzt erneut aufgestockt und neben juristischen Seminaren mit Akquisetrainings für Senior Associates erweitert. Insgesamt sind die Associates zwar damit zufrieden, bewerten die Weiterbildung aber dennoch etwas schlechter als der Marktdurchschnitt. In puncto Karriereförderung hält sich die Kanzlei mit zentralen Angeboten eher zurück. „Der berufliche Aufstieg wird mehr durch praktisches Arbeiten gefördert“, so ein Associate. Aus der Kanzleikultur heraus ist das sogar in gewisser Weise nachvollziehbar: Wer unternehmerisch agieren soll, muss eben auch zeigen, dass er das Zeug dazu hat.

Vollversorgung für die Jüngsten. Praktikanten und Referendare zeichnen regelmäßig ein positives Bild von Heuking, so auch in der jüngsten azur-Bewerberumfrage. Erstere können ganzjährig einsteigen, ein umfangreiches Programm mit Fachvorträgen, Workshops – etwa zu wissenschaftlichem Arbeiten – und sozialen Events wird allerdings nur im August geboten. Soweit es an einzelnen Standorten kein Vor-Ort-Angebot gibt, schaltet die Kanzlei Praktikanten über Videokonferenz zu. Referendare bildet Heuking in den jeweiligen Dezernaten aus und stellt ihnen in Düsseldorf und Frankfurt Mentoren zur Seite. An den anderen Standorten will die Kanzlei diese Betreuung noch einführen. Inhaltlich reicht die Angebotspalette von Examensvorbereitungen bis zu Imagetrainings. Referendare, die ihre Pflichtstation bereits bei Heuking verbracht haben, könne ihre Wahlstation in einem Auslandsbüro absolvieren. Das Angebot kommt an: Gut die Hälfte der 2019 eingestellten Associates war zuvor als Referendar bei Heuking.

Vorsichtige Diversity-Bemühungen. Mehr als die Hälfte der neu eingestellten Associates waren Frauen. Ihr Anteil nimmt jedoch – wie in vielen anderen Kanzleien auch – stetig ab, je höher es die Karriereleiter hinaufgeht: Von den 147 Vollpartnern sind gerade einmal 18 Frauen. Auch um diese traurige Quote zu verbessern, hat die Kanzlei inzwischen klare Regeln aufgestellt hat, wie sich Teilzeit und Partnerstatus vertragen. Immer wieder hatten Associates in der Vergangenheit kritisiert, dass Teilzeit einen Aufstieg nahezu verhindere. Leicht ist es bei Heuking sicher weiterhin nicht, und es fehlen Vorbilder, aber zumindest herrscht jetzt mehr Transparenz. Der Versuch, mit einem Anwältinnentag das weibliche Netzwerk in der Kanzlei zu stärken, überzeugte nur bedingt, schien manchen Telnehmerinnen zu konzeptlos. Immerhin hat das Management damit ein Signal gesetzt, dass das Problembewusstsein wächst.

Auf der Suche. Ähnlich zurückhaltend geht die Kanzlei auch einige andere Punkte an: So gibt es nach wie vor Kritik an der Vergütung. Da auch diese jedenfalls zum Teil davon beeinflusst ist, in welchem Dezernat man tätig ist, wird sie als intransparent wahrgenommen. Zudem bemängeln einige Associates in der azur-Umfrage ein Missverhältnis zwischen erwarteter Arbeitsleistung und Bezahlung. Wohl auch deshalb schneidet Heuking beim Thema Arbeitsbelastung eher schlecht ab. Insgesamt sucht Heuking mit Blick auf die Junganwälte noch die richtige Balance zwischen anwaltlicher Individualität und einer fairen und transparenten Gestaltung des Karrierebeginns. Kleinere Verbesserungen sind jedes Jahr durchaus sichtbar. Und wer ohnehin darauf baut, seine Karriere individuell und nach eigenem Gusto zu gestalten, war bei Heuking schon immer richtig.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 50 bis 60

Referendarplätze 2020: 70 bis 80            

Praktikumsplätze 2020: 100

Natürlich legt auch Heuking Wert auf gute Examina und würdigt Promotion, LL.M.-Abschluss und Sprachkenntnisse, doch dogmatisch ist die Kanzlei bei der Auswahl nicht. Wichtiger als alle Zahlen auf dem Zeugnis ist, dass der Bewerber in das unternehmerisch geprägte Kanzleigefüge passt. Das Bewerbungsverfahren ist eher konventionell, kommt aber bei den Bewerbern in der azur-Umfrage gut an, da es unkompliziert sei und Rückmeldungen nicht lange auf sich warten lassen. Kommt eine Einladung, steht zunächst ein Gespräch mit dem einstellenden Vollpartner an, das sowohl fachliche Kompetenz als auch persönliche Eignung beleuchtet. In einem zweiten Gespräch besteht dann auch die Möglichkeit, sich in entspannterer Atmosphäre mit Associates auszutauschen.

Standorte in Deutschland: Berlin, Chemnitz, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart

Internationale Präsenz: Heuking hat eigene Büros in Brüssel und Zürich und ist Mitglied der internationalen World Services Group. Daneben unterhalten viele Partner individuelle Kontakte zu Kanzleien im Ausland.

Anwälte in Deutschland: 147 Vollpartner, 90 Non-Equity-Partner, 149 Associates und 1 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 32,6%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine

Umsatz in Deutschland 2018: 177 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 491.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Jedes Jahr zählt Heuking ein paar Anwälte mehr und steigert schon allein dadurch auch alljährlich ihren Umsatz. Nicht zuletzt dank der Beauftragung mit der Abwehr von Massenverfahren im VW-Dieselskandal, für die sie schon im Vorjahr zahlreiche Anwälte einstellte, verzeichnete sie 2018 ein sattes Umsatzplus von mehr als 18 Prozent. Traditionell nimmt Heuking auch regelmäßig Quereinsteiger auf, doch hielten sich 2019 die Zu- und Abgänge in etwa die Waage. Die Erweiterung der Managementriege auf fünf Partner, die alle weiterhin auch anwaltlich tätig sind, im Herbst 2018 trägt allmählich Früchte, vor allem mit Blick auf Personalthemen.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 16,87 Euro/h (vor dem 1. Examen), 22,50 bis 25,00 Euro/h (nach dem 1. Examen), 26,25 bis 31,25 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: keine Angaben

Associates:
1. Jahr: 85.000 bis 105.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
2. Jahr: keine Angaben
3. Jahr: keine Angaben
4. Jahr: keine Angaben
5. Jahr: keine Angaben
6. Jahr: keine Angaben

Associates steigen in der Regel ab dem vierten Berufsjahr zum Senior Associate auf. Ohne fixen Zeitrahmen steht dann als Nächstes die Salary-Partnerschaft an. Sie kann, ebenso wie die Stufe des Senior Associate, eine dauerhafte Position sein oder aber nur eine Durchgangsstation zum Vollpartner. Ein Up-or-out-System gibt es bei Heuking nicht, und wer ganz nach oben will, wartet bis zur Vollpartnerschaft mindestens sechs Jahre. Vollpartner kann werden, wer einen guten Umsatz erwirtschaftet und mit seinem Engagement für die Kanzlei und eine gute Akquiseleistung überzeugt. Die Heuking-Associates bewerten ihre Aufstiegschancen in der azur-Umfrage optimistischer als der Durchschnitt – das ist einer der wenigen Aspekte, bei dem Heuking überdurchschnittlich gute Noten von den Junganwälten bekommt. Und die Realität gibt ihnen recht: Gleich elf neue Vollpartner hat Heuking Anfang 2020 ernannt.

Bei der insgesamt hoch variablen Vergütung der Partner spielt vor allem die individuelle Leistung eine Rolle, aber auch die Akquise und die kanzleiinterne Weiterleitung von Mandaten werden berücksichtigt. Über die Höhe der Gewinnentnahmen der Partner entscheidet ein dreiköpfiger Vergütungsausschuss.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.