azur100
06.03.2020 | Autor/in: Anika Verfürth

Greenberg Traurig – Top-Arbeitgeber – Platz 49

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Gute Kollegialität: Es wird niemand alleine gelassen“

„Jede Art der Weiterbildung wird gefördert und honoriert“

„Nettes Team, super Teamgeist“

„Arbeitsbelastung steigt weiter“

„Die Übernahme von Verantwortung sollte stärker anerkannt werden“

„Ernsthaft Gespräche mit Associates zu Entwicklungsmöglichkeiten führen“

„Arbeitsklima ist abteilungsabhängig“

„Internationale Kanzlei, spannende Mandate“

„Dynamisches Team“

▪ Referendare können Wahlstation im Ausland machen

▪ Starke Einbindung in die Mandatsarbeit

▪ Secondments in Auslandsbüros möglich

▪ Ausbildungsprogramme auf Berufserfahrung abgestimmt

▪ Flexible Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodelle

▪ Vergleichsweise hohe Frauenquote in der Partnerschaft

▪ Viele Partner (auch Männer) arbeiten Teilzeit

Über den Arbeitgeber

Alles ist möglich. In vielen Bereichen bewerten die Greenberg Traurig (GT)-Associates ihren Arbeitgeber in der azur-Umfrage positiv. Internationalität, Arbeitsinhalte, Gleichbehandlungsthemen oder das Betriebsklima: Überall gibt es überdurchschnittliche Noten. Ein Associate fasst zusammen: „Alles ist möglich, im positiven Sinne“. Dass „kaum ein Mandat ohne Auslandsbezug“ ist und „gute Entwicklungschancen“ bestehen, bestätigen diese Meinung. Doch ein wenig hat die Euphorie unter den Associates zuletzt nachgelassen. Gerade bei den aktuell so wichtigen Themen Work-Life-Balance und Arbeitsbelastung wird die Kanzlei in der azur-Umfrage oft kritisiert. „Die Arbeitsbelastung steigt weiter und das ausgehend von einem bereits sehr hohen Niveau“, bringt es ein Teilnehmer auf den Punkt.

Arbeit und Leben nicht im Gleichgewicht. Mit laut azur-Umfrage durchschnittlich 59 Wochenstunden arbeiten die Associates rund sechs Stunden mehr als Teilnehmer in anderen Kanzleien. Nur bei Kanzleien wie Sullivan & Cromwell oder Latham & Watkins ist der Wert noch höher. So ist es kein Wunder, dass die Zufriedenheit der GT-Associates mit der Work-Life-Balance unterdurchschnittlich ist. Einen Ausgleich versucht die Kanzlei zwar durch flexible Regelungen zu Arbeitszeit und -ort zu erreichen, doch der Wunsch der Associates ist deutlich: „Einstellung neuer Associates zur Verteilung der Arbeitslast.“ Dennoch funktioniert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf offenbar gut: „Teilzeit ist in jeder Konstellation möglich“, bestätigt ein Teilnehmer der azur-Umfrage. Die Kanzlei betont dabei Flexibilität: So nutzen Anwälte Teilzeitmodelle individuell und über alle Berufsgruppen hinweg, viele haben einen festen Homeoffice-Tag. Vorbilder gibt es sowohl unter den Equity-Partnern – fünf von ihnen arbeiten in Teilzeit – als auch bei den Vollpartnern. Drei nutzen Teilzeitmodelle, alle sind übrigens Männer.

M&A-Basics für alle. Wie viele Kanzleien arbeitet auch GT mit dem Angebot der Bucerius-Akademie zusammen und stellt jährlich ein Curriculum für ihre Associates zusammen. Darin finden sich Grundlagenkurse zu Bilanzkunde oder Gesellschaftsrecht. Darüber hinaus haben Associates Zugriff auf das gesamte Programm der privaten Hochschule und können etwaige Teilnahmen mit ihren Partnermentoren besprechen. Die Kanzlei bemüht sich, aktuelle Themen auch in internen Seminaren zu besprechen. So holte sie zuletzt etwa einen externen Redner zum Berufsrecht ins Haus, der über die Auswirkungen des Einsatzes von Legal-Tech-Lösungen auf den Anwaltsberuf referierte. Zudem bilden Partner in einer Trainingsreihe zu den M&A-Basics aus, Due Diligences, Kartellrecht oder steuerrechtliche Fragen werden thematisiert. Die angestellten Anwälte sind zufrieden mit dem Weiterbildungsangebot. Vereinzelt wünschen sie sich mehr Vielfalt im Programm und ein „gezieltes BD-Training ab bestimmter Seniorität“.

Hier geht‘s noch weiter auf der Karriereleiter. GT-Associates sehen ihre Chancen auf den Vollpartnerstatus deutlich besser als der Marktdurchschnitt. Dass „echte Aufstiegschancen“ bestehen, sagen nicht nur die Teilnehmer in der azur-Umfrage, sondern bestätigen auch die regelmäßigen Ernennungen. Jährliche Feedbackrunden, Selbstreflexion und die Unterstützung bei der Entwicklung eines eigenen Business Case sollen den Aufstieg vorbereiten. „Schon als Senior Associate werden wir sehr stark mit in sämtliche Entscheidungen der Geschäftsentwicklung einbezogen“, lobt ein GT-Associate.

Referendaren und WiMis gefällt’s. Die Einbindung in die tägliche Mandatsarbeit von Praktikanten, Referendaren und wissenschaftlichen Mitarbeitern steht im Mittelpunkt der Ausbildung. Die Studenten können an den internen Associate-Schulungen teilnehmen und haben einen Mentor. Ehemalige Referendare bestätigen die „sehr interessanten Mandate“ und den „großen Lerneffekt“. Auch für die wissenschaftlichen Mitarbeiter findet sich im Arbeitsalltag Zeit. So lobt ein Ehemaliger in der azur-Bewerberumfrage, dass die Mitarbeiter neben der alltäglichen Recherchearbeit auch projektbezogen ins Mandat eingebunden werden. Nicht nur für Associates, auch für Referendare ist eine Station im Ausland möglich; zuletzt gingen erneut zwei Referendare für ihre Wahlstation in eines der US-Büros von Greenberg Traurig.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 10 bis 20

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Referendarplätze 2020: 10 bis 15            

Praktikumsplätze 2020: 6

Ein Doppelprädikat, ein LL.M.-Abschluss, ein Doktortitel: Diese Voraussetzungen wären ideal für eine erfolgreiche Bewerbung bei GT. Im Vordergrund stehen die Examensnoten, doch auch die Persönlichkeit und Englischkenntnisse eines Bewerbers sind entscheidend. Doch am Ende entscheidet die Kanzlei von Fall zu Fall, deshalb können auch Bewerber mit einer geringeren Qualifikation ihr Ziel erreichen. Auslandserfahrung und berufsbezogene englischsprachige Kenntnisse sind jedoch zwingend erforderlich. Die Bewerber durchlaufen einen Auswahlprozess, bei dem sie die Möglichkeit haben, unterschiedliche Partner und auch Associates, die ebenfalls in den Entscheidungsprozess eingebunden sind, kennenzulernen. Wichtig ist der Kanzlei, dass die Chemie zwischen Bewerber und Team stimmt.

Standort in Deutschland: Berlin

Internationale Präsenz: Die US-Kanzlei hat 31 Standorte in den USA. Neben Berlin gibt es in Europa Büros in Amsterdam, London, Mailand und Warschau sowie weitere fünf weltweit in Asien, Lateinamerika und im Nahen Osten.

Anwälte in Deutschland: 19 Vollpartner, 7 Non-Equity-Partner, 42 Associates und 2 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 32,9%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 4 (davon eine Frau)

Umsatz in Deutschland 2018: 34,5 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 605.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Die Kanzlei zeigte sich in Deutschland bisher immer sehr zurückhaltend mit der Aufnahme von Partnern und erfahrenen Anwälten aus anderen Kanzleien. Mitte 2019 ist sie von dieser Strategie abgewichen und holte gleich ein ganzes Team von Arbeitsrechtlern an Bord, die von der Arbeitsrechtsboutique Pusch Wahlig wechselten.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 700 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 850 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 700 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 110.000 bis 120.000 Euro
2. Jahr: keine Angaben
3. Jahr: keine Angaben
4. Jahr: keine Angaben
5. Jahr: keine Angaben
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Im fünften Berufsjahr steigt man bei GT zum Senior Associate auf. Frühestens ab dem sechsten Jahr ist der Sprung in die Partnerschaft möglich. Dieser Schritt führt entweder direkt in die Equity-Partnerschaft oder, und das ist häufiger der Fall, zunächst zum Local-Partner, also in die Non-Equity-Partnerschaft. Diese Position wurde zum Jahreswechsel neu eingeführt und löst den ehemaligen Counsel europaweit ab. Damit sind die Local-Partner in Deutschland Mitunternehmer, jedoch noch nicht in der internationalen Struktur der US-Kanzlei. Auf das Karriereziel Partnerschaft fühlen sich die Associates gut vorbreitetet. In der azur-Umfrage loben sie die „frühe Einbindung in unternehmerische Aspekte des Berufs“, „viel Verantwortung“, einen „großen Vertrauensvorschuss“ und „vom Berufseinstieg an
viel Mandantenkontakt“. Die Associates sind laut azur-Umfrage mit ihren Karriereperspektiven sehr zufrieden und vergeben sowohl für die Partnerchancen als auch alternativen Karrieremöglichkeiten überdurchschnittliche Noten.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.