azur100
06.03.2020 | Autor/in: Eva Flick

Görg – Top-Arbeitgeber – Platz 24

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Viel internationaler als der Ruf“

„Großkanzlei, in der es immer noch menschlich zugeht“

„Flexibilität und Freiheit vom ersten Tag an“

„Konservativ und festgefahren“

„Streng hierarchisch; eine Abkehr vom ‚Sie‘ zwischen Partnern und Associates ist nahezu undenkbar“

„Zu wenig Frauenförderung, sehr hohe männliche Dominanz“

„Sehr heterogen, Stimmung ist stark vom Standort und vom Team abhängig“

„Ellenbogenmentalität“

„Fachlich exzellent aufgestellt“

▪ Sechswöchiges Programm für Praktikanten am Standort Köln

▪ Programmier-Seminare

▪ Führungsseminar für neue und etablierte Partner

keine herausragenden Angebote

Über den Arbeitgeber

Pilotprojekt für Praktikum und Referendariat. Lange hat Görg Schelte bezogen, weil sie weder ein einheitliches Praktikanten- noch Referendarprogramm angeboten hat. Das soll sich nun ändern: Am Hauptstandort Köln startet 2020 als Pilotprojekt ein sechswöchiges Programm. Die Teilnehmer lernen dann – je nach Interessenlage – zwei Rechtsgebiete kennen. In Zusammenarbeit mit Bucerius Education stehen zudem Seminare zu BWL, VWL und Soft Skills auf dem Ausbildungsprogramm. Ihr Angebot für Referendare hat Görg schon 2019 ausgebaut: Die Kanzlei übernimmt die Kosten für Seminare und Klausurenkurse bei Kaiser und Hemmer. Referendare dürfen zudem die Kurse nutzen, die die Kanzlei für ihre Associates anbietet. Das erweiterte Ausbildungsprogramm für den Nachwuchs kommt nicht zu früh. Bislang lag Görg im Vergleich zu den Wettbewerbern diesbezüglich eher auf den hinteren Plätzen. Das spiegelt sich auch in der azur-Associate-Umfrage wider. Auf die Frage, was der Arbeitgeber zur Förderung des Nachwuchses tut, antworten einige Teilnehmer mit „nichts“ oder „findet nicht statt“. Referendare, die bereits in den Genuss des erweiterten Angebots kamen, erinnern sich allerdings gern an die Zeit bei Görg zurück.

Associate-Ausbildung ausgebaut. Ähnlich heterogen äußern sich die Associates in der azur-Umfrage zu Weiterbildungsmaßnahmen. „Die Möglichkeit zur Teilnahme ist abhängig vom jeweiligen Partner“, schreibt einer. Görg ist eine Kanzlei, die wenig gemanagt ist, das heißt: Jeder Partner führt seine Praxisgruppe so, wie er es für richtig hält. Davon hängt auch ab, ob die Associates Seminare besuchen oder nicht. Das Angebot dazu besteht auf jeden Fall: Insgesamt sollen die Associates bis zur Partnerschaft an zehn bis zwölf Ein-Tages-Seminaren teilnehmen. Neu ist die zeitliche und finanzielle Unterstützung beim Erwerb eines LL.M. oder einer Promotion – Ersteres fördert Görg mit 7.500 Euro und einer einjährigen Freistellung. Interessierte können sich zudem in Legal Tech weiterbilden und einen Kurs zum Thema Programmieren besuchen. Damit bietet Görg im Marktvergleich einen guten Standard. Belohnt wird sie dafür mit einer guten Note in der Associate-Umfrage.

Neue Teilzeitmodelle. Görg gilt auch als Traditionalist unter den Kanzleien, weil flexible Arbeitszeiten nach wie vor – je nach Praxisgruppe – ein reines Lippenbekenntnis bleiben. So beschwert sich ein Umfrageteilnehmer, flexibles Arbeiten sei zwar theoretisch möglich, würde aber nur „im absoluten Ausnahmefall und unter hohen, fast unmöglichen Auflagen gewährt“. Ein anderer schreibt, Homeoffice sei „Gift für die Karriere“. Nichtsdestotrotz scheint Görg aber die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und will nun Teilzeitmodelle aktiver als früher fördern. Das ist auch nötig. Zurzeit sind ihre Associates mit der Vereinbarkeit von Karriere und Familie sehr unzufrieden. Mit ihrer Note rangiert die Kanzlei unter den schlechtesten 20 Prozent von allen Umfrageteilnehmern.

Licht und viel Schatten bei der Zufriedenheit. Auch die Zufriedenheit insgesamt ist bei Görg ausbaubar, die Umfrageteilnehmer strafen ihren Arbeitgeber mit einer unterdurchschnittlichen Note ab. Besonders die mangelnde Gleichbehandlung von Frauen und Männern wird kritisiert, die Rede ist von einem „Altherrenverein“. Aber genauso gibt es Lob: Die Kanzleiführung sei „direkt und ehrlich“, sodass man wisse, wo man stehe. Auch sehen manche „hervorragendes Potenzial“ hinsichtlich des Fachwissens und teilweise gutes Teamwork. Einer findet es „lobenswert“, dass bei Görg Freiheit ab dem ersten Tag geboten wird.

Work und Life weitgehend in Balance. Punkten kann Görg zudem mit moderaten Arbeitszeiten. Mit 52 Wochenarbeitsstunden laut azur-Umfrage arbeiten die Görg-Anwälte eine Stunde weniger als der Durchschnitt aller Umfrageteilnehmer. Ein Associate lobt, dass Arbeit am Wochenende und im Urlaub tendenziell nicht verlangt werde – dass dies allerdings auch vom jeweiligen Partner abhänge. Die Kanzlei jedenfalls hat in den vergangenen Jahren diesbezüglich einiges auf die Beine gestellt. Neben diversen Sportangeboten und einer jährlichen dreitägigen Associate-Fahrt (zuletzt nach Barcelona) hat sie im vergangenen Jahr auch eine Skifreizeit ins Leben gerufen.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 35 bis 45

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 5 bis 10

Referendarplätze 2020: 50         

Praktikumsplätze 2020: 30

Zwei vollbefriedigende Examen sind die Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung bei Görg. Fehlt hier ein Punkt, kann das aber durch eine Promotion, einen LL.M-Abschluss oder einen MBA-Titel ausgeglichen werden. Das erste Gespräch führen ein Partner, ein weiterer Anwalt und jemand aus der Personalabteilung. Das zweite Gespräch startet meist mit einem gemeinsamen Mittagessen, bei dem weitere potenzielle Kollegen dabei sind. In der azur-Bewerberumfrage beschreiben die Teilnehmer das Bewerbungsverfahren bei Görg als „schnell und unkompliziert“, „freundlich und angenehm“.

Standorte in Deutschland: Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München

Internationale Präsenz: Görg hat keine Auslandsbüros, sondern verfügt über ein eher informelles Netzwerk mit befreundeten Kanzleien.

Anwälte in Deutschland: 115 Vollpartner, 7 Non-Equity-Partner, 17 Counsel, 137 Associates und 3 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 26,9%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 13 (davon 7 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018: 125,7 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 473.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Görg ist zwar bekannt für ihr Insolvenzteam, das jahrelang für hohe Umsätze sorgte, hat sich aber längst als Full-Service-Kanzlei etabliert. Das ist auch deswegen wichtig, weil am Stammsitz Köln im vergangenen Jahr Altmeister Hans-Gerd Jauch altersbedingt ausschied – er hatte beispielsweise die Großinsolvenz Karstadt/Arcandor begleitet. Aufmerksamkeit erlangte die Kanzlei zuletzt etwa bei Transaktionen. So stand sie an der Seite von Private-Equity-Investor Ardian beim Kauf von EWE.

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Wissenschaftliche Mitarbeiter: 14 Euro/h (vor dem 1. Examen), 700 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 700 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 90.000 bis 100.000 Euro plus Bonus
2. Jahr: 95.000 bis 105.000 Euro plus Bonus
3. Jahr: 100.000 bis 110.000 Euro plus Bonus
4. Jahr: 105.000 bis 115.000 Euro plus Bonus
5. Jahr: 110.000 bis 120.000 Euro plus Bonus
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 40.000 bis 45.000 Euro plus Bonus

Nach fünf Jahren können Görg-Anwälte in die Riege der Assoziierten Partner aufsteigen. Vergleichbar mit diesem Status ist der Senior Associate in anderen Kanzleien, bei Görg allerdings bringt es bereits eine stärker leistungsbezogene Vergütung mit sich. Anders als früher, als up or out konsequent galt, können Anwälte mittlerweile auch dauerhaft angestellt bleiben, entweder als Counsel oder als Salary-Partner. Auf beiden Stufen ist ein späterer Aufstieg in die Partnerschaft nicht ausgeschlossen. Die Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage sind allerdings nicht zufrieden mit ihren Aufstiegsmöglichkeiten. Sowohl die Chancen auf die Vollpartnerschaft als auch die Karrierechancen abseits der Partnerschaft beurteilen sie unterdurchschnittlich. Einer meint, nicht die Leistung zähle, „sondern beim richtigen Partner angestellt zu sein“.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.