azur100
06.03.2020 | Autor/in: Eva Flick

Gibson Dunn & Crutcher – Top-Arbeitgeber – Platz 31

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Absolute Gleichbehandlung und Wertschätzung“

„Gute Kombination aus hervorragender fachlicher Kompetenz und persönlicher Integrität“

„Junges und sehr dynamisches Team in Frankfurt“

„Für Weiterbildung müsste mehr Geld in die Hand genommen werden“

„Es mangelt an Kollegialität“

„Zu hohe Stundenvorgaben“

„Sehr spannende US-Kanzlei, aber noch relativ unbekannt auf dem deutschen Markt“

„Im Bereich Compliance gut aufgestellt“

„Angenehm im Umgang“

▪ Enge Anbindung ans Team

▪ Monatliche interne Fachvorträge

▪ Enger Kontakt mit den ausländischen Büros durch regelmäßige Treffen.

▪ Sehr internationales Umfeld

Über den Arbeitgeber

Nah am Mandanten: Praktikanten. Gibson Dunn gehört zu den Kanzleien, die in den vergangenen drei Jahren deutlich gewachsen sind – und sie profitiert dabei auch von dem frühen Kontakt zum Nachwuchs. Praktikanten werden in den Teams direkt in die Mandatsarbeit eingebunden. Dazu kommen Fachvorträge von Partnern und Associates beim monatlich stattfindenden Frühstück, an dem alle Anwälte teilnehmen. Damit während der Zeit bei Gibson Dunn alles nach Plan läuft, sind die Studenten einem Mentor zugeordnet, mit dem sie zu Beginn ihre Erwartungen klären und am Schluss ein Feedbackgespräch führen. Ziel der Ausbildung ist es außerdem, dass die Praktikanten alle Praxisgruppen kennenlernen. Und das gelingt: In der azur-Bewerberumfrage lobt ein Teilnehmer: „Dem Team war sehr daran gelegen, mir den Alltag in der Kanzlei näherzubringen.“ Ein anderer wusste die „angenehme Stimmung“ und „gefühlt flachen Hierarchien“ zu schätzen.

Zufriedene Referendare. In ähnlichem Rahmen erfolgt die Ausbildung der Referendare. Zwar kann die Kanzlei nicht mit einem strukturierten Programm punkten, macht das jedoch wie schon bei den Praktikanten durch die enge Anbindung der Referendare an die Teams und durch engagierte Associates und Partner wett. Ein Umfrageteilnehmer hebt hervor: „Die Anwälte wollen einem etwas beibringen“ und „die Arbeit im Team war stets lehrreich und fordernd“. An den größeren Wettbewerbern orientiert sich Gibson Dunn bezüglich der Repetitorien: Seit 2019 übernimmt die Kanzlei die Kosten für einen Klausurenkurs. Bei der Auswahl ihrer Referendare ist sie wählerisch: Sie nimmt nur solche, die sie sich später als Associates vorstellen kann. Sollte Gibson Dunn allerdings weiterwachsen, könnte bald ein strukturiertes Programm für den Nachwuchs nötig sein, damit vergleichbare Wettbewerber ihr nicht den Rang ablaufen.

Weiterbildungsbudget für Associates. Jeder Associate hat bei Gibson Dunn ein festes Weiterbildungsbudget, das frei einsetzbar ist. Diese Freiheit weiß zwar mancher Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage zu schätzen, aber insgesamt reichen die Bemühungen der Kanzlei um die Weiterbildung offenbar nicht aus. Mit ihrem Weiterbildungsangebot sind die Associates nicht besonders zufrieden, ihre Note dafür liegt im Marktvergleich im unteren Viertel. Eine Erklärung könnte das recht schmale Angebot an Weiterbildungsseminaren speziell für den deutschen Markt sein. Fachvorträge hören oder halten die Associates im monatlichen Rhythmus, und die Praxisgruppen diskutieren alle zwei Wochen aktuelle rechtliche Themen. Großes Gewicht haben dafür die kanzleiweiten Praxisgruppentreffen in den USA sowie regelmäßige Videokonferenzen. Hinzu kommt ein internetgestütztes Programm mit Webinaren, die europa- und kanzleiweit stattfinden.

Gute Stimmung. Der Gesamtzufriedenheit tut das keinen Abbruch, denn die Associates bewerten Gibson Dunn in der azur-Umfrage insgesamt überdurchschnittlich gut. Das gilt auch für den – vergleichsweise neuen – Frankfurter Standort. Von einer „Start-up-Atmosphäre“ schreibt ein Teilnehmer und dass er „gerne zur Arbeit kommt“. Ein weiterer betont ebenso die Aufbruchstimmung und das Motto „jeder hilft jedem“. Ähnlich positiv äußern sich die meisten Münchner Associates: Viele von ihnen beschreiben die Stimmung als „sehr kollegial“ und „super“. Nur vereinzelt gibt es auch negative Stimmen.

Karriere und Familie sind vereinbar. Einig sind sich die Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage, dass sich die Kanzlei bemüht, Karriere und Familie zu vereinbaren. Dabei hilft zum einen, dass die Associates in der azur-Umfrage eine übliche Arbeitszeit von knapp 53 Wochenstunden angeben – das ist genau im Marktdurchschnitt und deutlich weniger als in den meisten anderen US-Kanzleien. Ebenso positiv fällt das Urteil zur Förderung der Work-Life-Balance und zur Vereinbarkeit von Karriere und Familie aus. Positiv empfinden die Anwälte, „dass auch die Partner viel Wert auf Familie und das Wochenende legen“, deswegen hielten sich Nacht- und Wochenendschichten in Grenzen. Urlaub soll auch wirklich Urlaub sein, sei ausdrückliches Ziel der Partner. Die meisten der Teilnehmer sehen sich auch in fünf Jahren noch bei Gibson Dunn.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 5 bis 7

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): ca. 1

Referendarplätze 2020: 10         

Praktikumsplätze 2020: 25

Gibson Dunn stellt im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern nicht nur Kandidaten mit mindestens zweimal Vollbefriedigend ein. Das heißt aber nicht, dass die Latte nicht trotzdem hoch liegt. Das gilt schon für Referendare, denn die Kanzlei stellt nur solche Referendare ein, die sie sich auch als Associate vorstellen kann – entsprechend kritisch ist der Blick. In der azur-Bewerberumfrage loben viele Teilnehmer den Bewerbungsprozess als „zügig“ und „unkompliziert“, die Bewerbungsgespräche als „unverkrampft und locker“. Die Kanzlei legt großen Wert darauf, dass jemand ins Team passt. Insofern nehmen vergleichsweise viele Gibson Dunn-Anwälte an den Bewerbungsgesprächen teil – ein Umfrageteilnehmer berichtete von zehn Gesprächspartnern. Unbedingte Voraussetzung sind sehr gute Englischkenntnisse. Eine Promotion oder ein LL.M.-Abschluss sind gerne gesehen, aber keine zwingende Voraussetzung.

Standorte in Deutschland: Frankfurt und München

Internationale Präsenz: Gibson Dunn beschäftigt rund 1.300 Anwälte in 20 Büros weltweit. Zehn davon sind in den USA, eines ist in Dubai, eines in Brasilien, drei in Asien und fünf (inklusive Deutschland) in Europa.

Anwälte in Deutschland: 12 Vollpartner, 6 Counsel, 23 Associates und 1 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 38,1%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 3 (davon eine Frau)

Umsatz in Deutschland 2018: 31,1 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 875.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Die Kanzlei gehört zu denjenigen im Markt, die zuletzt mit am meisten zugelegt haben: Die Schar der Anwälte hat sich innerhalb von zwei Jahren um ein Drittel vergrößert, fast genauso stark ist entsprechend der Umsatz gestiegen. Das gelang, indem sie Partner als Seiteneinsteiger verpflichtete, aber auch ihre Associate-Ebene vergrößerte. Für Schlagzeilen sorgte die Beratung von Daimler in der Dieselaffäre.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 21,50 Euro/h (vor dem 1. Examen), 23,50 Euro/h (nach dem 1. Examen), 30 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 900 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 125.000 Euro
2. Jahr: keine Angaben
3. Jahr: keine Angaben
4. Jahr: keine Angaben
5. Jahr: keine Angaben
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Auf dem Weg Richtung Partnerschaft finden bei Gibson Dunn in den ersten beiden Berufsjahren halbjährliche, anschließend jährliche Feedbackgespräche statt. Eine mögliche Zwischenstation ist der Counsel-Status, der allerdings auch als Dauerzustand genutzt werden kann. Vom Up-or-out-Prinzip hat sich die Kanzlei verabschiedet. Über ihre Chancen auf die Vollpartnerschaft machen sich die Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage allerdings keine Illusionen: Sie geben Gibson Dunn diesbezüglich unterdurchschnittliche Noten und wünschen sich interne Partnerernennungen statt Wachstum durch Quereinsteiger. Das ist kein Wunder, schließlich gab es 2019 ein fragwürdiges Jubiläum: Vor zehn Jahren nahm die Kanzlei das letzte Mal einen Associate aus den eigenen Reihen in die Partnerriege auf. Mancher US-Wettbewerber ist da schon – zumindest ein bisschen – weiter.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.