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16.03.2020 | Autor/in: Silke Brünger

Gender Pay Gap: Gehaltsunterschiede sind bei erfahrenen Associates immer noch deutlich

Frauen verdienen in Wirtschaftskanzleien immer noch weniger als Männer. Das Gehaltsgefälle in den ersten Berufsjahren ist zwar inzwischen gering – mit zunehmender Berufserfahrung ist der ‚Gender Pay Gap‘ allerdings immer noch sehr ausgeprägt. Berufserfahrene männliche Associates verdienen bis zu acht Prozent mehr als Frauen. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen azur-Associate-Umfrage.

In den ersten drei Associate-Jahren erhalten Frauen laut azur-Associate-Umfrage 2019 mit durchschnittlich 98.000 Euro Festgehalt rund 2.000 Euro pro Jahr weniger als Männer. Damit beträgt das Gehaltsgefälle nur noch ein gutes Prozent. Noch im Jahr 2015 belief sich der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen zu Beginn ihrer Associate-Laufbahn auf rund zehn Prozent.

Gender Pay Gap steigt mit zunehmender Berufserfahrung

Die Ergebnisse der aktuellen azur-Associate-Umfrage zeigen aber auch, dass die Schere mit zunehmender Berufserfahrung immer weiter auseinandergeht. Im vierten bis sechsten Berufsjahr verdienen Frauen vier Prozent weniger als Männer. Mit mehr Teilzeitarbeit von Frauen lässt sich der Unterschied nicht erklären: In diese bereinigte Gehaltsstatistik fließen nur Angaben von Umfrageteilnehmern ein, die Vollzeit arbeiten.

Bei sehr erfahrenen angestellten Anwälten verschiebt sich das Gehaltsgefälle noch deutlicher zugunsten der Männer. Im siebten bis zehnten Berufsjahr beträgt das durchschnittliche Festgehalt von männlichen Senior-Associates 124.000 Euro, während erfahrene Anwältinnen laut azur-Associate-Umfrage im Schnitt 10.000 Euro weniger mit nach Hause nehmen. Die Gehaltslücke ist damit auf acht Prozent angewachsen.

Gehaltsunterschiede in Boutiquen besonders deutlich

Auf welche Ursachen der Verdienstunterschied zurückzuführen ist, lässt sich aus der azur-Associate-Umfrage nicht direkt herauslesen. Während das Einstiegsgehalt bei den meisten Kanzleien allerdings inzwischen öffentlich bekannt und zumeist ein einheitlicher und fester Betrag ist, operieren Kanzleien bei der Vergütung von berufserfahrenen Associates mit teils recht großen Gehaltsspannen.

Der Gender Pay Gap unterscheidet sich nach Kanzleityp. Die klassischen Mittelstandsberater – also Kanzleien, die vor allem mittelständische Mandanten und die öffentliche Hand beraten – bezahlen männliche und weibliche Associates mit viel Berufserfahrung nahezu gleich. Bei den typischen Großkanzleien sind die Gehaltsunterschiede nach Geschlecht hingegen deutlicher: Besonders stark ist das Gehaltsgefälle bei den Konzernberatern, deren Geschäftsmodell sich stark auf nationale und internationale Industriemandanten konzentriert. Weniger ausgeprägt ist die Gehaltslücke bei Transaktionsberatern mit Fokus auf Mandanten aus dem Bank- und Finanzwesen. Ein sehr deutliches Gehaltsgefälle ist wiederum bei den sogenannten Spezialisten zu beobachten – Boutiquen bezahlen Frauen im Durchschnitt wesentlich schlechter als Männer.

Auch der Stellenwert, den Frauen und Männer dem Faktor Gehalt zumessen, ist nach wie vor unterschiedlich. Nach den Ergebnissen der aktuellen azur-Bewerberumfrage achten Männer beim Berufseinstieg stärker auf das Gehalt als Frauen. Für 17 Prozent der Männer ist das Einstiegsgehalt  der entscheidende Punkt bei der Arbeitgeberwahl, während dies nur zehn Prozent der Frauen bejahen. Für die Mehrheit beider Geschlechter sind allerdings andere Faktoren wichtiger: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für die meisten männlichen wie weiblichen Bewerber der entscheidende Faktor bei der Arbeitgeberwahl. Es folgt an zweiter Stelle das Betriebsklima und erst an dritter Stelle das Gehalt.

An den beiden azur-Umfragen haben 2019 insgesamt über 5.000 junge Juristen teilgenommen. An der azur-Bewerberumfrage haben sich knapp 1.500 Studenten, Referendare und Assesoren beteiligt. Fast 4.000 berufstätige Juristen haben an der azur-Associate-Umfrage teilgenommen. 

Alle aktuellen Angaben zu Gehältern von Kanzleien und Unternehmen findet ihr hier