azur100
06.03.2020 | Autor/in: Christine Albert

DLA Piper – Top-Arbeitgeber – Platz 30

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Fortbildungsprogramm wird jedes Jahr besser und muss sich nicht vor größeren Kanzleien verstecken“

„Faire Arbeitszeiten bei fairem Gehalt“

„Internationales Arbeitsumfeld, anspruchsvolle Mandate und lockere Atmosphäre“

„Fehlende Transparenz beim Karriereweg“

„Work-Life-Balance hängt allein vom Partner und damit vom Zufall ab“

„Bundesliga spielen wollen, aber nicht Bundesliga bezahlen“

„Spannende Mandate und gute internationale ­Vernetzung, offen für den Legal-Tech-Wandel“

„Arbeitsklima und Work-Life-Balance sehr abhängig vom jeweiligen Partner“

„Schlechte Integration der VW-Projektanwälte“

▪ Vier- bis sechswöchiges Gruppenpraktikum u.a. mit Seminar zu Verhandlungsführung und Moot-Court-Wettbewerb

▪ Traineeprogramm mit sechs Modulen

▪ Wahlstation kann im Pro-Bono-Team verbracht ­werden, zunächst einen Monat in Paris oder ­Amsterdam, danach in Hamburg

▪ Nationales Weiterbildungsprogramm mit jährlich 15 Seminaren und Workshops, an Karrierestufen ­angepasst

▪ Kurz-Secondment-Programm über jeweils zwei Wochen in einem europäischen oder weltweiten Büro

▪ Internationales Ausbildungsprogramm mit einer ­Mischung aus Online- und Präsenzseminaren

▪ Weltweites LGBT-Netzwerk sowie Schulungen zu „Unconscious Bias“, zudem Pro-Bono-Mandate im Bereich LGBT+

▪ Programm mit definierten Bedingungen für ­flexibles und mobiles Arbeiten

▪ Teilzeitarbeit auf allen Hierarchieebenen möglich

Über den Arbeitgeber

Größere Zufriedenheit. Mehr als 250 Anwälte arbeiten mittlerweile in den vier deutschen Büros von DLA, und mit zunehmender Größe hat die Kanzlei nach und nach ihre Angebote für den juristischen Nachwuchs verbessert. Das schlägt sich auch in der azur-Umfrage nieder: Insgesamt waren die Associates zufriedener als im Jahr davor. ­Neben der Internationalität, die die DLA-Anwälte besonders positiv bewerten, erkennen einige auch an, dass die Kanzlei sich mehr Gedanken um ihr Ausbildungsprogramm gemacht hat. Das wurde zuletzt auf 16 Seminare aufgestockt und auf Karrierestufen abgestimmt. Während für Berufsanfänger Bilanzen und Projektmanagement angeboten werden, folgen später Kurse zu Netzwerken oder Personalführung. Das Weiter­bildungsprogramm wird stetig verbessert – neben Veranstaltungen zu Legal Tech und Design Thinking gibt es auch Veranstaltungen zu mentaler Stärke. „Das ist wichtig und gut“, lobt ein Associate.

Gehalt nach Wahl. In puncto Bezahlung bewerten Associates DLA bislang unterdurchschnittlich. Allerdings führte die Kanzlei im Sommer 2019 ein neues Gehalts- und Bonusmodell ein. Sie hob die Gehälter an und lässt Berufsanfängern die Wahl: Sicherheitsorientierte können ein festes Gehalt nehmen, plus einen vom Management festgelegten optionalen Bonus. Die zweite Option: Man wählt von Anfang an ein Modell, das neben einem etwas niedrigeren Grundgehalt und dem freiwilligen Bonus einen Zielbonus beinhaltet. Dieser ist an abrechenbare Stunden gekoppelt, bezieht aber auch Pro-Bono-Aktivitäten oder Recruiting ein. 1.755 Stunden braucht es, um einen Bonus von 15.000 Euro mitzunehmen. ­Associates, die im ersten Jahr die sichere Variante gewählt haben, wechseln ab dem zweiten Jahr in das Zielbonus-Modell. Doch auch wenn die Bezahlung gerechter wird, die Zufriedenheit mit der Arbeitsbelastung ist unterdurchschnittlich – und das, obwohl die durchschnittliche Wochenstundenzahl laut azur-Umfrage mit rund 53 Stunden im Marktdurchschnitt liegt. Auch die Work-Life-Balance bewerten die Associates schlechter als Junganwälte aus anderen Kanzleien. Ein Associate fordert in der azur-Umfrage: „Einheitliche Standards schaffen und nicht jeden Partner machen lassen, was er für richtig hält.“

Recht auf Mitsprache. Nicht nur beim Gehalt, sondern auch in anderen Bereichen ist man in der Kanzlei bemüht, angestellte Anwälte mehr ­mitreden zu lassen. So gibt es neuerdings Associate-Sprecher an den Standorten und formalisierte halbjährliche Feedbackgespräche. Gut kam in der Associate-Umfrage auch an, dass DLA flexibles Arbeiten und Teilzeitangebote heute sehr viel mehr fördert als früher. Aber: Gleich mehreren Associates stößt auf, dass noch nicht alle Partner diesen neuen Kurs mittragen: „Das Management sollte Partnern, die ihren Associates das Homeoffice verweigern, knallharte Ansagen machen, dass das nicht ­toleriert wird“, fordert ein Umfrageteilnehmer.

Karriere nach Quote. Umfrageteilnehmer loben die Arbeit in kleinen Teams und auch, dass man „früh in Mandaten und Projekten Verantwortung übernehmen kann“. Aber: Die Kriterien, nach denen der Karriereweg abläuft, seien „sehr intransparent“, lautet eine häufig geäußerte Kritik. Neuerdings will DLA bei der Beförderung auch eine Geschlechterquote berücksichtigen. Zwar waren von den zuletzt intern ernannten fünf Partnern drei weiblich, doch immer noch sind nur rund 11 Prozent der deutschen Partner Frauen. International liegt die Quote bei 20 Prozent – da ist hierzulande also noch viel Luft nach oben.

Kanzleiluft schnuppern. Für Praktikanten bietet die Kanzlei 25 Praktikantenplätze und ein mehrwöchiges Frühlings- beziehungsweise Sommerprogramm an. Den Praktikanten stehen zudem auch einige Seminare des 2018 gestarteten Traineeprogramms offen, das sich vor allem an Referendare wendet. Es besteht aus sechs Modulen, die einen Mix aus fachlicher Wissensvermittlung, Examensvorbereitung und Praxiswissen bieten. Zudem gibt es die Möglichkeit einer dreimonatigen Auslands­station. Betreut wird jeder Trainee von einem erfahrenen Associate als Ausbildungsanwalt und Mentor. Das Angebot spricht sich langsam herum: Zuletzt beschäftigte DLA mit 40 Referendaren deutlich mehr als in der Zeit vor dem Programm.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: ca. 25

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Referendarplätze 2020: 30         

Praktikumsplätze 2020: 25

Auch DLA nimmt am liebsten Bewerber mit zwei VB, aber es gibt Ausnahmen – insbesondere in Praxisgruppen und regionalen Märkten, in denen die Konkurrenz sehr groß ist. Zusatzqualifikationen wie Promotion, ausländischer LL.M. oder Fachanwalt sind keine Pflicht, aber willkommen. Wegen der internationalen Ausrichtung sollten Bewerber verhandlungssichere Englischkenntnisse und unternehmerische Kompetenzen mitbringen. In den zweigliedrigen Bewerbungsgesprächen auf Deutsch liegt der Schwerpunkt auf dem Kennenlernen. Im Erstgespräch (90 bis 120 Minuten) nimmt neben den Partnern des Fachbereichs ein lokaler Personalpartner teil, anschließend gibt es ein Treffen mit weiteren Teammitgliedern. Im Zweitgespräch lernen Kandidaten weitere Partner, Counsel und Associates des Fachbereichs oder Standorts kennen. „Sehr offen und angenehm“, lobte ein Bewerber das Verfahren.

Standorte in Deutschland: Frankfurt, Hamburg, Köln und München

Internationale Präsenz: DLA ist an mehr als 80 Standorten in über 40 Ländern vertreten. Im Mai 2019 ging sie mit einem Büro in Dublin an den Start und gewann dafür mehrere Partner irischer Wettbewerber.

Anwälte in Deutschland: 63 Vollpartner, 37 Counsel, 144 Associates und 12 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 34,4%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 31 (davon 20 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018/19: 108,0 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018/19: 493.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Nichts weniger als den radikalen Wandel hat der britische Managing-Partner Simon Levine der Kanzlei verordnet – und holte sich dazu sogar Legal-Tech-Guru Patrick Susskind an die Seite. Ziel ist es, die gesamte Technologie- und Innovationsstrategie der Kanzlei zu überdenken. Im Februar 2019 richtete sie dafür ein mit 14 Leuten besetztes internationales ,Change Council‘ ein, dem auch Associates angehören. In Deutschland käme von dem Programm aber bisher nichts an, obwohl das Thema viele interessiere, kritisiert ein Associate in der aktuellen azur-Umfrage.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 500 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: 100.000 bis 115.000 Euro plus Bonus
2. Jahr: keine Angaben
3. Jahr: keine Angaben
4. Jahr: 120.000 bis 125.000 Euro plus Bonus
5. Jahr: 125.000 bis 130.000 Euro plus Bonus
6. Jahr: 130.000 bis 135.000 Euro plus Bonus

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

In der Regel ab dem vierten Jahr steht bei DLA die Beförderung zum Senior Associate an. Die Entscheidung, ob jemand auf den Counsel- oder Partnertrack kommt, fällt nach sechs Jahren. Für Associates mit Teilzeitmodellen gilt derselbe Zeitrahmen. Was ihre Aufstiegschancen in die Vollpartnerschaft anbelangt, zeigten sich die Associates auch in der aktuellen azur-Umfrage wieder wenig zufrieden. Ihre ­alternativen Karrierechancen schätzen die Teilnehmer dagegen schon seit Längerem besser ein, zuletzt bewerteten sie diese sogar deutlich optimistischer als im Vorjahr. Die Ernennung zum Counsel kann in eine dauerhafte Anstellung münden, der Weg in die Partnerschaft bleibt aber offen. Da es bei DLA nur die Stufe des Vollpartners gibt, dient der Counsel-Status auch als Schonzeit. Vor der Ernennung zum Counsel müssen die Kandidaten einen Businessplan präsentieren, in dem sie ihre weitere Geschäftsentwicklung vorstellen. Partnerkandidaten durchlaufen außerdem ein Assessmentcenter.

Neu ernannte Partner vergütet DLA für die Dauer von drei Jahren nach dem Lockstep-System, um den Umsatzdruck zu mindern. Danach werden sie wie die anderen Partner leistungsbezogen vergütet: Der Gewinnanteil jedes Partners wird zum Jahresbeginn überprüft und festgesetzt. Am Ende eines Jahres erhalten die Partner noch einen Bonus, der außergewöhnliche Leistungen berücksichtigt. Dabei spielen auch Teamfähigkeit, die Übernahme besonderer Aufgaben und der Ausbau von Beziehungen zu wichtigen Mandanten eine Rolle.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.