azur100
06.03.2020 | Autor/in: Norbert Parzinger

Daimler – Top-Arbeitgeber – Platz 27

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Angenehme und kollegiale Atmosphäre“

„Flexible Arbeitszeiten, gute Work-Life-Balance“

„Viel Eigenverantwortung und Entscheidungsspielraum, gute Aufstiegschancen“

„Keine Transparenz bei Aufstiegsmöglichkeiten“

„Immer noch sehr hierarchisch und konservativ“

„Wir müssen als Juristen noch näher an das Business heranwachsen“

„Hohe Kompetenz, allerdings etwas verstaubte Atmosphäre“

„Gute Work-Life-Balance und gute Bezahlung“

„Zielstrebige und ehrgeizige Leute, hervorragende Zusammenarbeit“

▪ Teilnahme an Inhouse-Seminaren

▪ Projektbezogene Auslandsaufenthalte und Entsendungen in die USA, nach Singapur und China

▪ Modulares E-Learning-Programm

▪ Fachliche Weiterbildung in Zusammenarbeit mit Kanzleijuristen

▪ Im Marktvergleich hoher Frauenanteil in der Rechtsabteilung, auch auf Leitungsebene

▪ Syndizi loben flexible Arbeitszeiten und Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten

▪ Gehaltsbestandteile können in zusätzliche freie Tage umgewandelt werden

Über den Arbeitgeber

Es geht voran. Jeden Morgen kommen die Stuttgarter Daimler-Juristen auf dem Weg ins Büro am Mercedes-Benz-Museum vorbei, randvoll mit Technikgeschichte: von der motorisierten Kutsche bis zum High-Tech-Gerät, vom Unimog bis zum Silberpfeil. Wer meint, dass Autos sowieso ins Museum gehören, wird in der Rechtsabteilung nicht glücklich werden, denn so richtig geht der Strukturwandel der Branche gerade erst los. In die Technologien und Geschäftsmodelle von morgen investiert der Konzern trotzdem schon massiv, und dabei sind die Inhouse-Juristen intensiver eingebunden denn je – auch wenn gleichzeitig eine Welle von Aktionärsklagen in Sachen Diesel anrollt, die Daimler fast eine Milliarde Euro kosten könnte und ihrerseits für reichlich Arbeit sorgt. Wegen der zahlreichen Aufgaben stellt Daimler weiter kräftig ein: 2020 sollen bis zu 20 Juristen dazukommen. Die inhaltliche Vielfalt und das Niveau der Arbeit gehören zu den Punkten, die die Daimler-Juristen an ihrem Job besonders schätzen, wie die azur-Associate-Umfrage zeigt. Auch insgesamt sind sie mit ihrem Arbeitgeber sehr zufrieden, ähnlich wie bei Audi und aktuell auch etwas mehr als bei BMW.

Positiver Klimawandel. Besonders positiv beurteilen die Daimler-Juristen das Betriebsklima, die Personalführung und die Kommunikation durch den Arbeitgeber. Hier hat sich der Konzern in den vergangenen Jahren viel Mühe gegeben und ein umfangreiches Programm für den Kulturwandel auf Führungsebene angeschoben. Lob gibt es auch für die Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit von Karriere und Familie. In der Tat arbeiten die Daimler-Juristen mit knapp 45 Stunden pro Woche laut azur-Umfrage etwas weniger als der Durchschnitt der Unternehmensjuristen. „Keine Kernarbeitszeit, striktes Arbeitsverbot nach zehn Stunden am Tag“, berichtet ein Umfrageteilnehmer. Dass für Personen mit spätem Arbeitsbeginn eigene Parkplätze reserviert sind, wie ein anderer Syndikus lobt, passt gut ins Bild. Mobiles Arbeiten ist ebenso gängig wie Teilzeit oder Jobsharing, teils auch in Führungspositionen. Eltern können die betriebseigene Kita nutzen, und in der azur-Umfrage gibt es Lob auch für den „unkomplizierten Wiedereinstieg nach der Elternzeit“.

Daimler-Juristen in aller Welt. Gut kommt auch die Feedbackkultur an, die den Einzelnen über seine Karrierefortschritte auf dem Laufenden hält. Anders als in den Vorjahren sind die Daimler-Juristen mit ihren Karrierechancen recht zufrieden. Dazu trägt auch bei, dass den Syndizi international viele Türen offenstehen: Juristen aus der deutschen Rechtsabteilung sitzen heute auf Leitungspositionen in Tochtergesellschaften in den USA, China, Singapur und Südafrika. Für die Internationalität gibt es in der azur-Umfrage entsprechend positive Rückmeldung.

Mehr Weiterbildung gefordert. Nur gerade so an den Marktdurchschnitt reicht dagegen die Note für Aus- und Fortbildung heran. Dabei ist vieles durchaus gründlich organisiert und braucht den Vergleich mit anderen Großkonzernen nicht zu scheuen: Neueinsteiger durchlaufen zunächst ein mehrtägiges Einführungsprogramm. Die weitere juristische Fortbildung übernehmen die Fachbereiche, die dafür immer wieder auch auf Angebote externer Kanzleien zurückgreifen. Soft Skills und gegebenenfalls Führungskompetenzen vermittelt die interne Weiterbildungsakademie. Hinzu kommen Onlinekurse und gegebenenfalls auch externe Seminare, die per Zielvereinbarung festgehalten werden. Einige Umfrageteilnehmer loben die „personalisierten Weiterbildungskonzepte“ und das „umfassende Seminarangebot“, während andere über Sparmaßnahmen klagen und insbesondere mehr externe Veranstaltungen fordern.

Den Referendaren gefällt‘s. Den Juristennachwuchs bildet Daimler im laufenden Alltagsbetrieb aus. Ein Ex-Referendar lobt in der azur-Bewerberumfrage: „Sehr gute Ausbildung, hier kann man echt viel lernen.“ Ein Teilnehmer hebt die „sehr zielorientierte Vorbereitung auf das mündliche Examen“ hervor, ein anderer die „Wohlfühlatmosphäre“. Auf Wunsch ist auch eine Station im Ausland möglich; so schickte Daimler zuletzt zwei Referendare in die USA. Daneben können die Referendare an einigen Fortbildungen für Syndizi teilnehmen. Praktikanten stehen bei Daimler dagegen nicht im Mittelpunkt – der Autobauer bietet pro Jahr nur eine Handvoll Praktikumsplätze an.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 10 bis 20

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1 bis 3

Referendarplätze 2020: 10         

Praktikumsplätze 2020: 10

Daimler sucht nicht nur erfahrene Anwälte, sondern durchaus auch Berufseinsteiger. Diese sollten mindestens ein vollbefriedigendes Examen mitbringen. Das Unternehmen legt außerdem viel Wert darauf, dass ihre Juristen auch mit Ingenieuren, ITlern und Managern verhandeln und arbeiten können. Das Bewerbungsverfahren startet mit einem rund einstündigen Interview. Neben ein bis drei Juristen aus dem Fachbereich nimmt ein Vertreter aus der Personalabteilung am Gespräch teil, das meist auf Deutsch, je nach Stelle aber auch auf Englisch geführt wird. Manchmal findet noch ein zweites, ähnlich aufgebautes Gespräch statt. Berufserfahrene Juristen, die sich auf Positionen ab Teamleiterebene bewerben, durchlaufen ein Assessment-Center.

Standorte in Deutschland: Stuttgart (Sitz der Rechtsabteilung), Berlin, Böblingen, Sindelfingen und Ulm

Internationale Präsenz: Daimler ist mit fast 300.000 Mitarbeitern auf allen Kontinenten vertreten. Viele der weltweit tätigen Tochtergesellschaften für Vertrieb, Produktion und Finanzdienstleistungen beschäftigen Juristen. Daimler fördert projektbezogene Aufenthalte deutscher Juristen in den Rechtsabteilungen internationaler Töchter.

Volljuristen in Deutschland: 200 in der Rechtsabteilung

Frauenanteil in der Rechtsabteilung: 50%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 2

Umsatz 2018: 167,4 Milliarden Euro (Gewinn: 7,6 Milliarden)

Aktuelle Entwicklungen: Auch wenn Daimler 2019 erneut mehr Fahrzeuge verkauft hat als im Vorjahr, muss der Konzern verstärkt auf die Kosten schauen. Dafür sorgt neben der aufwendigen und teuren internen Umstrukturierung vor allem der Dieselskandal – nach den Fahrzeugbesitzern ziehen nun auch die Aktionäre in Scharen vor Gericht. Daimler will darum einige Zukunftsprojekte zurückstellen, etwa die Entwicklung autonomer Fahrzeuge, und unter anderem zehn Prozent der Managementstellen streichen.

Wissenschaftliche Mitarbeiter: keine Angaben

Referendare: 850 Euro/Monat

Syndikusanwälte:
1. Jahr: 65.000 bis 70.000 Euro plus Bonus
2. Jahr: keine Angaben
3. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Mit ihren Karrieremöglichkeiten inner- und außerhalb der Rechtsabteilung sind die Juristen bei Daimler laut azur-Umfrage überdurchschnittlich zufrieden. Kritik gibt es trotzdem, vor allem an der Transparenz von Personalentscheidungen und Aufstiegskriterien. „Schneller Aufstieg ist möglich, man muss das aber selbst in die Hand nehmen“, meint ein Syndikus. „Allein durch gute Leistungen macht man nicht auf sich aufmerksam.“ Immer wieder wird auch bemängelt, dass Quereinsteiger gegenüber internen Kandidaten bevorzugt würden. Berufseinsteiger beginnen als Sachbearbeiter und können nach vier bis fünf Jahren die Führungsebene 4 erreichen, die dem Senior Associate oder einem Teamleiter entspricht. Die Führungsebene 3 entspricht dem des Abteilungsleiters. Zunehmend ermöglicht Daimler auch Fachlaufbahnen, die nicht mehr zwangsläufig an Personalverantwortung gekoppelt sind.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.